Die Hälfte aller Terminanfragen kommt derzeit als Notfall, Hausarztvermittlungsfall, „dringlich“ oder zumindest mit dem Wörtchen „zeitnah!“.
Ab Mai haben wir die Anzahl der Notfalltermine halbieren müssen. Grund: Alle rheumatologischen Patienten brauche alle 12 Wochen eine Blutentnahme, einen Arzttermin und eine neue Schachtel Medikamente, die dann wieder nur 3 Monate reichen. Unser Terminvorlauf ist auf 18 Wochen angestiegen, wovon 2 Wochen den vielen freien Tagen im Frühling und 3 Wochen dem Sommerurlaub geschuldet sind. Wenn wir einen rheumatologischen Notfall drannehmen und es 18 Wochen bis zum Auswerten dauert, dann wird es sinnlos.
Ja, Herr Bundeskanzler Merz sagt uns jeden Tag, wir sollten endlich mehr arbeiten! Aber 36 Wochenstunden Sprechstunde = 54 Wochenstunden regelmäßige Arbeit sollten genug sein. Und solange Dr. Sensse mit 80% Grad der Behinderung buchtechnisch Rentner ist, wird er auch Urlaub machen – es reicht!.
Also sitzt man jeden Tag da und entscheidet, welcher der 5-10 dringenden Anfragen den letzten verbliebenen Notfalltermin bekommt. Heute habe ich ein dickes Sprunggelenk gesehen, was ich am Donnerstag mit „nicht gleich, Montag bitte!“ abweisen musste.
Was macht in diesem Zusammenhang die aktuelle Sparkampage von Frau Bundesgesundheitsministerin Warken aus?
Es gab das Projekt „offene Sprechstunde“, dessen Förderung jetzt gestrichen werden muss. Wir haben 2025 zwei Neupatienten, die mit einem berechtigten dringenden Anliegen in die Praxis kamen, gleich behandelt und über die offene Sprechstunde abgerechnet. Ansonsten ist es verantwortungslos, bei der chronisch üblen Terminlage eine Stunde jeden Tag für ungeplant unstrukturiert eintrudelnde Patienten zu reservieren und Minecraft zu spielen, wenn niemand kommt. Das Projekt wurde nie mit Leben erfüllt. es ist gut, wenn man sich ehrlich macht, Vorschrift und Förderung streicht. Unsere woke Bundesregierung möchte nur die Förderung streichen, also bleibt die offene Sprechstunde ein Märchen. Für uns ändert sich nichts.
Es gibt den Hausarztvermittlungsfall, bei dem unstrukturiert Patienten dringlich gemacht werden. Dafür bekommt der Hausarzt 15 Euro und der Facharzt einen Zuschlag zur Versichertengrundpauschale. Die Gelder wurden mittlerweile gekürzt, wir haben zuletzt 82 % der Aufschläge gesehen. Es ist so weit Standard geworden, dass es wenig Überweisungen ohne den Spruch „Hausarztvermittlungsfall“ gibt. Früher stand an der Stelle die Verdachtsdiagnose, das war sinnvoller. manchmal steht auch beides drauf. Im letzten Quartal haben wir 25 Patienten mit HAV behandelt und dafür 525,36 € bekommen. Mit dem Verlust können wir leben.
Es gab heute seltsame ehrenvolle Post, das Golfmagazin.de hat uns zu „PREMIUM Sportmediziner 2026“ gewählt.
Die Ehre ist um so grösser, weil niemand in der Praxis eine sportmedizinische Ausbildung, einen sportmedizinischen Schwerpunkt oder wenigstens eine sportmedizinische Sprechstunde hat. Immerhin spielen die Ärzte Golf und haben ein Handicap.
Nun ja, vielleicht ist ja die ganze Seite Nepp, das Impressum der Seite gehört zu einer Seite „Kanu.de.“ Und wenn man auf das anhängende Schreiben schaut, dann kommt der Grund der Wahl hoch: Geld. Für 2130 € pro Jahr können wir also trotz ärztlichem Werbeverbot und völliger Ahnungslosigkeit reiche Privatzahler für unseren nicht vorhandenen Golfschwerpunkt werben – völlig legal.
Herr Dr. Sensse sucht schon länger nach einem Kurs Sportmedizin für Golfer, einfach um etwas zu lernen. Aber da sahen wir nur Kurse „Gerätetraining für Golfer“, „Biohacking und Longevity“ und andere Gelddruckmaschinen. Eine einfache Anleitung „Welcher häufige Schwungfehler verursacht welche häufigen Schmerzen!“ oder „Wie verändere ich die Golfschläger, wenn ich Arthrose im Daumengrundgelenk habe?“ wäre uns lieber.
So kommt das Angebot von Golfmagazin.de zu den Urkunden des Fokus, nach der wir zu den 5 besten Unfallchirurgen des Landkreises gehören – ohne jemals eine unfallchirurgische Ausbildung genossen zu haben.
Motto des Tages: „Wenn Du die Welt nicht mehr verstehst, ist es Zeit, dass Du gehst.“ meine Großmutter Marianne Dittrich.
Neuerdings gibt es neben Rezepten, Spritzen und Beratung zu Lebensstiländerungen, die das wirkungsvollste und gleichzeitig meistignorierte Therapiemittel sind, auch Digas – also digitale Gesundheitsanwendungen. Eine Diga ist eine App, also etwas, das auf dem Smartphone läuft und für eine bestimmte Nutzergruppe – meist Kranke – programmiert wurde.
Ich bin kein Androidbold und stehe mit meinem meist stummgeschalteten 6 Jahre alten Smartphone eher auf Kriegsfuss. Es laufen
Eine Bankapp
das unvermeidliche Whattsapp -aber nicht für Patienten, eine Golfgruppe und zwei Klassentreffengruppen schaffen auch so 30 Nachrichten am Tag –
Spotify für die Unterhaltung beim Sport
eine Golfplatz-App zum Sport
die Kamera
die Tesla-App, sonst nimmt mein Auto mich nicht für voll
„Kontakte“ und „Telefon“, die Nebenprozesse, von denen das Mobiltelefon Sinn und Namen hat
Dazu gibt es Möglichkeiten, den Kontrollzwang zu perfektionieren, indem ich die heimische Photovoltaik und die heimische Alarmanlage überwache. Am blödesten finde ich eine Fernsteuerung für die Praxisalarmanlage, mit der ich die Lärmanlage an- und abschalten kann, falls ich mal den Alarmanlagenkontrollchip vergessen habe. Der Chip hängt am Schlüsselbund und da man den analogen flachen Schlüssel für Türen trotzdem braucht, passiert das selten.
Immerhin nutze ich 10 Apps – mit 62 Jahren wohl schon überdurchschnittlich. App ist vermutlich ein altes deutsches Wort, das Verb dazu ist „veräppeln“.
Zurück zu den Digas: Ich konnte mir nicht vorstellen, wer so etwas außer dem Hersteller braucht – der verdient Geld damit.
Der erste DiGa-Kontakt war wegen einem Patientenpärchen, die beide die Rauchentwöhnungsapp „Nichtraucherhelden-App“ wünschten. Ich unterstütze das Nichtrauchen gern , also habe ich die Apps bei der Krankenkasse beantragt, die Patienten bekamen einen Freischaltcode. Dann wünschten sie, dass ich das Anmelden übernehme und die Zugänge für die Patienten installiere. Als gutmütiger Trottel hab ich das versucht, die Handys waren sehr alt, ein eingerichtetes eMailprogramm war auch nicht zu finden und daher funktionierte nichts. Die Beiden rauchen noch, nur bin ich jetzt schuld daran. Das war nicht ermutigend. Natürlich wird dieser heldenhafte Einsatz gegen das Rauchen vergütet: Zweimal Pauschale 86700 (8,15 Euro) für eine dreiviertel Stunde Frust.
Den zweiten Versuch einer Diga-Behandlung initiierte eine Patientin, die sich die Abnehm-Unterstützungs-App Oviva wünschte. Der Hausarzt wusste wohl nicht, wie man eine Diga rezeptiert. Ich wusste es auch nicht, aber man ist ja experimentierfreudig. Die Patientin bekam ihre App, meine EDV rechnete wieder die Pauschale 86700 (8,15 Euro) für die Erklärung und Motivation zu einer DiGa ab und von dem Tag an bekam ich Werbung von der Firma per Post und per Mail. Anschließend gab es etwas Ärger mit der Kassenärztlichen Vereinigung: Die Abrechnungsziffer 86700 dürfen nur Allgemeinmediziner und Fachärzte für Innere Medizin abrechnen. Die anderen Ärzte haben – rein rechnerisch – keine Übergewichtigen und sollten die Adipositas als „fachfremde Erkrankung“ einordnen, weil sie auf ihrem Fachgebiet keine Konsequenzen hat.
Immerhin hat die Patientin zwei Kilogramm in 3 Monaten abgenommen.
Der dritte Versuch hat drei Vorgeschichten:
Bei der Fortbildung „rheuma-Update“ Im März in Mainz wurde eine Bechterew-App positiv erwähnt. Das macht neugierig.
Wir haben ein Angebot für eine Therapiebegleitstudie, bei der die Nutzung von Digas sekundärer Untersuchungsgegenstand ist. Das motiviert.
Am Mittwoch mailte ein gut bekannter, in Selbsthilfegruppen hochvernetzter Patient, ob es möglich sei, im ein Rezept für die Bechterew-App „Axia“ auszustellen. Es war einfach, es ging als e-Rezept und da man e-Rezepte statt auf Rezeptsicherheitspapier als PDF speichern kann (kann, nicht darf), hatte er das gewünschte Rezept nach 5 Minuten per Mailantwort. Er hat uns initiiert.
zum täglichen Übungen motivieren soll und viele Übungen für die axiale Spondarthritis bereithält.
die aktuellen Beschwerden abfragt und die Übungen darauf abstimmt.
wahrscheinlich auch ein paar Aufzeichnungsfunktionen der Krankheitsaktivität bietet – ich habe einen Testzugang beantragt und schau mir das an.
mich 3 Minuten kostet – Motivationsgespräch, Rezept drucken und einmal auf „https://axia-app.de/“ hinweisen.
mir die Pauschale 86700 (8,15 Euro) bringt, von der derzeit 80% wirklich bezahlt werden – macht 6,52 €.
die Krankenkasse 599 € für drei Monate Nutzung kostet. Immer dran denken: Die Krankenkasse bezahlt gar nichts – sie verteilt nur um. Der Beitragszahler zahlt.
Was es den Patienten wirklich bringt, weiß ich noch nicht. Das erfahre ich in 3 Monaten, wenn ich von den 11 Patienten, die wir gestern angesprochen haben, Rückmeldungen bekommen. 10 Patienten waren interessiert und wollten das Rezept.
Erste Erfahrungen: Es gibt auf axia-app.de einen hervorgehobenen Button „Rezept einreichen“. Trotzdem hat sich die erste Patientin alternativ angemeldet und veranlasst, dass die Firma ein Rezept bei mir anfordert. Ich bin angesichts der Anforderung explodiert, wieso die „Gurkentruppe“ zwei Rezepte will. Die Herrschaften waren trotzdem nett und geduldig mit mir und mir fehlt die Gelassenheit.
Ich schreibe ganz bewusst Herrschaften und nicht „Mitarbeiter*_Innen“, denn im Nachgang habe ich entdeckt, dass meine unhöfliche Mail vom Geschäftsführer persönlich beantwortet wurde – unter einer Stunde.
Wir wollten modern sein und haben den ersten Patienten e-Rezepte gegeben. Der Apphersteller kann damit umgehen, freut sich aber mehr über ein ganz normales Kassenrezept A6 rosa, denn da stehen alle Angaben vom Versicherten wie Versichertennummer und Kassennummer drauf. Auf dem e-Rezept stehen Name, Vorname und Geburtsdatum, zu wenig für einen Kostenübernahmeantrag für die DiGa bei der Krankenkasse. Also einen Schritt zurück. zum Analogen. Digitalisierung in Deutschland läuft im Pilgerschrittverfahren – immer zwei Schritte vorwärts, ein Schritt zurück.
Spannend wird die Diga Axia, wenn ich damit Krankengymnastikrezepte (12 Einheiten = 355,56 €) oder gar Biologika (Adalimumab-Biosimilar 2.804,97 € pro Quartal) einsparen kann. Da muss ich genau hinsehen, bevor ich unseren 350 Axiale-Spondarthritis-Patienten die App Axia empfehle und so 209.650 € Kosten auslöse.
Bis dahin empfehlen wir erstmal weiterhin die Impfung gegen Gürtelrose. Eine deutliche Schutzwirkung gegen Demenz ist nachgewiesen, für Rheumatiker ab 18 wird sie erstattet und wenn man etwas gegen die Verblödung der Welt tun kann, ist das immer ein gutes Werk.
15.4.26
Mittlerweile haben wir um die 50 Axia-Apps empfohlen und die ersten Rückmeldungen: Eine Patientin hatte an der Zulassungsstudie teilgenommen und war sehr überzeugt. Das finde ich gut. Nicht ganz so gut fand ich, dass jemand an von mir betreuten Patienten Forschung betreibt und das nicht kommuniziert. 3 weitere Rückmeldungen. Ein Patient hatte den Wunsch, von 2x pro Woche Krankengymnastik auf einmal herunterzugehen, weil ihm die Übungen der App reichten. Also werde ich die Empfehlung der App bei der axialen Spondarthritis intern zum Standard erheben.
Endlich kam ein Pharmavertreter, der uns ein weiteres Biosimilar zu Stelara anbieten kann. Ich weiß nur nicht mehr, ob es sich um Fymskina, Imuldosa, Otulfi, Pyzchiva, Steqeyma, Usymro, Uzpruvo, Wezenla oder Yesintek handelte. Bei Kurzer Durchsicht des Angebotes fiel mir nur auf, dass es Imuldosa für 1199,81 € als Original und von Abacus Pharma für 2934,34 € als Reimport gibt. Wer Reimporte verordnet, handelt wirtschaftlich! Teuerstmögliche Verordnung wäre Stelara Original für 5818,60 €, aber es gibt ja dasselbe von Kohlpharma auch für 5818,59 €. Ich verstehe, daß Frau Nina warken Sparpotentiale im Gesundheitssektor sieht.
15.4.26
„Es gibt nur zwei Arten zu leben: Entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder.“ Albert Einstein.
Gestern kam ein junger Mitarbeiter von Giffinet und hat unsere Räume besichtigt, um ein Glasfaserkabel zu verlegen. Er hatte zwar keinen Bautrupp dabei, aber ich bin trotzdem vor Ergriffenheit vor ihm auf die Knie gesunken. Der Herr war etwas irritiert. Wenn der Glasfaseranschluss kommt und funktioniert, ist ein großer Schritt zur Zukunftsfähigkeit unserer EDV getan.
19.3.26:
Eines der traurigsten Dinge im Leben ist, dass ein Mensch viele gute Taten tun muss, um zu beweisen, dass er tüchtig ist, aber nur einen Fehler zu begehen braucht, um zu beweisen, dass er nichts taugt. George Bernard Shaw
Die heutige Sprechstunde wurde wieder einmal von der Telematikinfrastruktur sabotiert. Erst wurden Chipkarten nicht gelesen, dann meinten die Rechner: „gestörte TI-Eventverbindung.“ Keine e-Rezepte, aber auch kein Chipkarten einlesen. Einmal alles runter- und wieder hochfahren – hatten wir schon gestern Mittag. Es lief 3 Patienten, dann ging es von vorn los. Also versuche ich, die Hotline von CGM zu kontaktieren. Es gibt schon lange einen automatischen Absagedienst, der über 1 Minute braucht, um das Anliegen aus einem Strauss von Vorschlägen rauszuholen. Ich weiß, ich muss 115 drücken. Aber wenn ich die „1“ drücke, bevor er sein Menü runtergelabert hat, dann ist die Elektronik beleidigt.
Noch eine kurze Belehrung: Bitte bleiben Sie in der Leitung, es folgt eine Kundenzufriedenheitsumfrage und schon hört man „Das Anrufaufkommen ist hoch. Möchten Sie einen Rückruf? „NEIN- VERDAMMT NOCHMAL!“ Dann kam eine Mitarbeiterin, die das Problem lösen konnte. Technobabbel: Das Pairing unseres Chipkartenlesegerätes („das Orga“) hatte versagt. So konnte das Lesegerät alle Rechner sehen und hatte keine Fehlermeldung. Aber die Rechner sahen das Lesegerät nicht und fühlten sich einsam. Bevor der Fehler beseitigt werden konnte, wollte der Konnektor wieder ein neues Passwort. Das will er theoretisch einmal im Jahr. Er definiert „Jahr“ anders als wir. Das Passwort lautet mittlerweile: „***********2028“ Eigentlich sollte 2026 hinten dran stehen. Das andere Paradoxon: Das Ding speichert keine Passworte – zu unsicher, Datenschutz. Aber es kennt die letzten 3 Passwörter, damit es Laut geben kann, wenn man sie doppelt vergibt.
8.50 kam ich zum 8-Uhr-Patienten. Es war trotzdem nett.
Nachmittag Beschäftigung mit der Sicherung und dem Server statt normaler Arbeit.
Die Oracle-Datenbank beansprucht 29 GB im Ordner „Medistar/oradata“ (1.7.25: 41 GB), weitere 60 GB im Ordner „medistar/apps/oracle“ (2025 : 40 GB und sagenhafte 178 GB (2025:40 GB) im Ordner „app/Oracle“, wo die Datenbank steht. Macht satte 148 GB Plus in 8 Monaten, lange hält unser Server das nicht mehr durch.
09.03.26
Ist es ein Zeichen von Intelligenz, künstliche Intelligenz zu schaffen statt die eigene Intelligenz weiter zu entwickeln? Georg-Wilhelm Exler
Die Praxis war 2 Tage geschlossen, weil irgendwelche Amerikaner festgestellt haben, dass die Knochendichtemesseinrichtung theoretisch Herzschrittmacher beeinflussen könnte. Deshalb wurden alle Kabel gegen geschirmte Varianten getauscht und um die Elektronikteile im Plastegehäuse nochmal ein Metallgehäuse drum herumgebaut – ein Upgrade ohne neue Funktionen. Es kostete uns 2 Tage, die eigentlich als Urlaub gedacht waren.
Bei der Gelegenheit habe ich versucht, 2 Rechner neu aufzusetzen. Die Rechner wollen weder ein neues Windows 11, weil schon eins drauf ist, noch ein Upgrade von der letzten Version Windows 10 auf der Sicherheitskopie, weil die zu alt ist. Also habe ich eine neue leere SSD reingetan und da sagt mir der Rechner schnöde: Eine Installation von Windows 11 ist nicht möglich. Begründungen oder Fehlernummern sind nicht dabei. Es wird Zeit, dass sich Europa von all dem amerikanischen Schnee trennt und ein eigenes, sicheres Betriebssystem etabliert.
15.02.2026
Es war Sonntag, also arbeitsfrei und damit eine wunderbare Gelegenheit, Updates zu machen. Zum Feierabend geht das ja nicht, weil die Daten des vergangenen Tages noch nicht gesichert sind und weg sein könnten, wenn das Update (mal wieder) fehlschlägt. Heute ging das schnell: Die Medikamentendatenbank IFAP hat ein Update. Ein Serverupdate von Microsoft hat die Sicherheitseinstellungen verstärkt und damit den Downloadserver von CGM (Compugroup medical) ausgeschlossen. An die Sicherheitseinstellungen komme ich nicht ran, ich soll den Admin rufen. Ich bin zwar der Admin, aber leider kein studierter Informatiker. Also hab ich eine Nacht drüber geschlafen und im Traum ist mir die Lösung erschienen: CGM empfiehlt Firefox: Der Browser wird auf einem USB-Stick zum Server getragen und installiert. Damit komme ich an die Updates. Das haben wir 2016 wohl schon einmal so gemacht. Ich werde die erträumte Lösung heute testen müssen.
Am Freitag habe ich zum Feierabend der Fritzbox die Werkseinstellungen verpasst. Dann ging endlich das Update. Es dauerte natürlich wieder eine Stunde, die Telefonanlage wieder einzurichten, die Anrufbeantworter zu programmieren und zu besprechen („Leitung überlastet“, „Sie rufen außerhalb der Sprechzeiten an“, „Wir haben Ferien“ und „Wegen hohem Krankenstand kein Telefonservice, besser mailen“) und das Internet in Gang zu bekommen.
10.02.2025
Ein virtueller Misttag. Zum Praxisstart versucht unsere Fritzbox 7530, sich selbst ein Update zu verpassen. Das macht sie sonst nachts, aber dieses Mal hat es nicht geklappt und so versucht sie es mehrfach. Das Internet war dann immer 10 Minuten weg.
Gegen 9.30 Uhr fielen dann e-Rezept (ersetzbar), e-Briefschreibung (geht später), e-Patientenakte (noch verzichtbar) und e-Versichertendatenstammanagement (ein Vorteil, wenn es streikt) aus. Fehlermeldung: „Medistar Fehler 1029 OSCE-Responder nicht verfügbar“. Natürlich hab ich erstmal meine EDV durchgerackelt – keine Besserung. Erster Anruf Hotline – emsige Fehlersuche auf unserem Server, bis die Verbindung zusammenbrach. Zweiter Anruf Hotline: „Wir brauchen bei Ihnen nichts zu tun, deutschlandweiter Ausfall, schaust Du da:“ Jawohl, ich war mit dem Problem nicht allein und gegen 11.00 Uhr ging die TI dann wieder.
Dafür weiß ich jetzt, was die Symbole auf der Gematik-Homepage bedeuten:
Alles, was grün ist, funktioniert tadellos. Also nicht viel.
Gelb heisst, es funktioniert wahrscheinlich nciht, aber das ist unsicher.
Blau bedeutet: Wir wissen nicht, ob es funktioniert. Wir sind unsicher.
Ro bedeutet: Es funktioniert nichts. Garnichts. Ganz sicher.
04.02.2025
Du bist nicht verloren. Du stehst nur sehr weit abseits. Kalenderspruch von „Miese Karten“
Es fallen immer wieder mal Dinge aus, die noch nie Ärger gemacht haben. Am Freitag kam eine Mitteilung vom Webseitenhoster Hosteurope, dass die EU genaue Kontaktdaten vom Admin-C für die Praxiswebseite verlangt. Das ist nicht unser Wunsch, denn so können Patienten die private Telefonnummer und die private e-Mail ermitteln und rund um die Uhr Terminwünsche dort platzieren. Aber bevor die Webseite gesperrt wird, hab ich das gemacht – einmal alle Angaben für die Praxis, einmal für privat und dann immer für Eigentümer und für Admin-C, also den Administrator. Das ist zwar viermal derselbe Datensatz, aber trotzdem war es fehlerträchtig. Früher durften wir „Orthopädische Gemeinschaftspraxis“ heißen, jetzt machte das „ä“ Probleme. Genauso ist mein Vorname mit dem „ö“ immer fehlerträchtig. Ich bin also der Anordnung nachgekommen und prompt waren die Homepage und alle eMailzugänge weg. Der Kundendienst von Hosteurope half schnell, die privaten Mails waren bald wieder zugreifbar. Bei der Praxis fehlten noch bis Dienstag Abend abwechselnd die Webseite und die Mails. Ursache: Die DNS-Einträge wurden durcheinandergebracht. Ich wusste nicht, dass ich so etwas habe. Jetzt geht alles wieder.
Übrigens: Der erste Mensch hat schon nachts um vier per Whattsapp auf dem privaten Telefon nach einem Termin gefragt. Nein, das wurde einfach blockiert.
Mal was Neues: Eine Patientin der Barmer hat keine funktionierende Chipkarte. Also hat sie einen Ersatzschein unterschreiben müssen, dass sie bei der Barmer versichert sei. Danach haben wir eine elektronische Versicherungsbescheinigung angefordert, die 72h später (also zu Zeiten, wo sie bestimmt noch in der Praxis ist?) beantwortet wurde mit: „130 Es liegt ein Sonderfall/ eine Ausnahme vor. Bitten Sie den Patienten, mit der Krankenkasse Kontakt aufzunehmen.“ Sie ist also nicht versichert. 28 € Honorar werden wir wahrscheinlich nicht bekommen. Damit kann man leben. Wir haben Medikamente für 483 € verordnet. Wer bezahlt die Medikamente?
13.1.2026
Lass Dich ruhig gehen! Du kommst eh nicht weit. Kalenderspruch von „Miese Karten“
Neuerdings kristallisiert sich unsere Labordatenübertragung LOEM als Störherd raus: LOEM will am frühen Morgen nicht signieren und meint, ich hätte das gestern auch nicht getan. Alleinstellungsmerkmal: Bei LOEM ist an der Hotline schon nach 3 Minuten jemand dran und erklärt, dass heute Nacht ein Update war, es ganz viele Störungsmeldungen dieses Problems gäbe und der Hersteller schon kontaktiert und dran sei. Komisch: Bei anderen Hotlines komme ich nicht durch, wenn es Massenfehler gibt. Es ist folglich möglich, Ressourcen für eine Hotline bereitzustellen. Großes Lob.
7.2.26
Denk nicht immer an das, was Du nicht hast. Denk auch mal an das, was Du nicht kannst! Kalenderspruch von „Miese Karten“
Das elektronische Versenden von Laboraufträgen funktioniert 2026 nicht mehr. Daher höre ich mitten in der Sprechstunden Hotlinemusik. Ich habe hintereinander drei Hotlines von Labor und Labor-EDV-Dienstleistern gehört. Alle nett, freundlich und geduldig, alle kompetent, alle nicht zuständig. Heute Mittag soll es einen Patch geben, der das Problem löst. Sonst dürfen wir bisher 85 Laborüberweisungen nach alter Väter Sitte ausdrucken, damit sie unterschrieben und beim Labor fehlerträchtig wieder eingescannt werden. Heute Mittag sind es schon über 100. Merkwürdig, wie schnell man sich an eine seit 2 Jahren funktionierende EDV-Lösung für Papier gewöhnt.
Gute Nachricht 8.1.26: Gestern 17 und 21 Uhr ging es nicht (andauernd in der Praxis gewesen, weil ja irgendjemand den Schnee schieben muss), aber heute morgen funktionierte die Labordatenfernübertragung wieder makellos. Der Rechner war nur 5 Minuten blockiert wegen dem Nachsignieren von 130 Befunden – Peanuts.
06.01.26
Es ist niemals zu spät, um aufzugeben. Kalenderspruch von „Miese Karten“
Gestern gab es ein Update der Medikamentendatenbank von Medistar. Es installierte sich nicht, weil noch ein Computer Verbindung zur Datenbank hatte. Das Einzige, was klappte, war die Meldung an Medistar und mich: „Update erfolgreich installiert.“ Ich hab den Vorgang dann wiederholt. Beim zweiten Versuch klappte es.
Neujahrsüberraschung: Die Labordatenfernübertragung LOEM funktioniert nicht mehr richtig. Wegen neuer Sicherheitsvorschriften zum Jahreswechsel war ein Update angekündigt. Der Konnektor und die Software sind auf neuestem Stand, deshalb war ich am 2.1.26 zum basteln in der Praxis. Nur die e-Heilberufsausweise von der Telekom haben laut LOEM das Update nicht mitgemacht und sind gesperrt. Das macht aber nichts, es betrifft Tausende von Ärzten und bevor das Labor auf Tausende Aufträge verzichtet, weil niemand signieren kann, werden die Aufträge jetzt unsigniert ausgeführt. Geht doch!
Wir müssen uns an neue Worte gewöhnen: Das bewährte Präparat Denosumab, das bisher unter dem Namen Prolia weit verbreitet war, heißt jetzt Acvybra, Denbrayce, Izamby, Junbbonti, Junod, Kefdensis, Obodence, Osvirty, Ponlimsi oder Stoboclo. Kann man das nicht einfach Denosumab-Betapharm, Denosumab-Heumann, Denosumab-Mabxience, Denosumab-Hexal, Denosumab-Richter, Denosumab-ratiopharm und so weiter nennen?
Schwieriger ist das bei den Biosimilars von Adalimumab, einem weitverbreiteten Rheumamedikament. Das bekomme ich als Amgevita®/Amgen, Amsparity®/Pfizer, Hulio®/Viatris, Hyrimoz®/Hexal, Hukyndra®/STADApharm, Idacio®/Fresenius Kabi, Imraldi®/Biogen oder Yuflyma®/Celltrion. Das Original heißt Humira und kommt von Pfizer. Abrilada, Cadalimab, Cyltezo, Exemptia, Hadlima, Hefiya, Libmyris, Mabura, Qletli, Solinno und Solymbic sind nicht auf dem deutschen Markt, ich glaube, es gab noch mehr. Ich habe zumindest mehr Werbung bekommen und sollte mir jedes dieser Präparate als das Beste merken. Ich denke bei den Namen eher an Pokemon.
23.12.25
Fortschritt heißt Veränderung, nicht unbedingt Verbesserung.
Gestern hatte Medistar ein Update, neu ist die elektronische Anforderung der elektronischen Ersatzbescheinigung.
Es gibt einen neuen Button, da drückt man drauf und schon 3 Minuten später war unsere erste elektronische Ersatzbescheinigung im Posteingang. Man musste einmal „Zuordnen“ anklicken, dann war die Chipkarte mit allen Rechten einschließlich Schreib- und Leserechte der elektronischen Patientenakte da. Das ist eine wesentliche Entlastung für all jene, die ihre Chipkarte vergessen haben, wo sie gerade in der Post oder im nächsten Fluss liegt. Dank an die AOK, das funktionierte gut.
Gegenprobe bei Versicherten der Barmer und der HKK (also unser Kinder, wo ich alle Daten zu Versuchszwecken nutzen darf): Nö, das funktioniert nicht so schnell wie bei der AOK. Ein guter Anfang. Nach 26 Minuten waren auch hier die Chipkarten elektronisch da..
Der Datenschützer in mir ist ein kleines Bisschen entsetzt: Ich kann mit Wissen um die Versichertennummer und den Namen auf Daten von Patienten lesend und schreibend zugreifen und sie abrechnen, als hätte ich sie gesehen und um ihre Meinung dazu befragt. Dann hoffe ich doch, das wenigstens der Zugriff protokolliert wird und Stichproben verhindern, dass die wunderbare virtuelle Patienten- und Geldvermehrung beginnt. Mögen alle, die das missbrauchen, zur Strafe 3 Jahre ohne Internet aufgebrummt bekommen!
17.12.2025
„Wenn Du mal wieder an Dir zweifelst: Du bist nicht allein. Wir zweifeln alle an Dir.“ Internetfund.
Immer häufiger finde ich in den elektronischen Patientenakten Briefe vom Hausarzt. Metadaten: „Ersteller: Hausarzt. Fachrichtung: Allgemeinmedizin. Inhalt: Arztbrief.“ Wenn die Datei runterlade und aufmache, finde ich meinen eigenen Arztbrief. Das Original steht in der gleichen Akte 1 Zeile tiefer. Da kann man vieles interpretieren:
Böse: Urheberrechtsverletzung!
Dummheit unterstellend: Die wissen nicht, wie man einen fremden Brief mit den richtigen Metadaten einstellt.
Schlamperei unterstellend: Niemand hat geschaut, ob der Brief schon drin ist.
Softwarefehler bemerkend: Die versprochene Doppelhochladesperre funktioniert nicht und der Metadaten-Generator lässt nicht zu, das ich einen fremden MRT-Befund hochlade. Da steht immer „Rheumatologie“ drauf, selbst wenn Frau Dr. Sensse als Kinderorthopädin tätig wird und das MRT vom Radiologen stammt. Also steht auch überall „Facharzt für Allgemeinmedizin“ dran, wenn der Hausarzt hochlud.
Weltmännisch: Ja, es ist Scheiß. Aber ich gönne den Hausärzten die 1,47 €, wenn sie etwas hochladen.
Ich hoffe, es hört irgendwann auf mit dem überflüssigen Hochladen – bevor ein übermotivierter Anwalt auf die Idee mit der Urheberrechtsverletzung kommt. Dann wird es teuer für alle – außer für die Anwälte.
20.11.2025
„Vielleicht kann man ja mit 90 Jahren im Bundestag noch rumdödeln, ohne dass es einer merkt. Aber mit 90 kann man kein Dach mehr decken.“ Gregor Gisy
Patienten beschwerten sich, weil wir in die elektronische Patientenakte Dokumente einstellen, die sie nicht lesen können. Anfangs habe ich gesagt: Das liegt alles an der doofen Audi-BKK, andere können das (und lag damit nicht so falsch). Nun häuften sich die Beschwerden, also bin ich der Sache auf den Grund gegangen. Wenn ich bei bestimmten Kassen Dokumente einpflege, werden unsere Dokumente beim Hochladen als Brief, die von anderen Praxen als PDF markiert. Die Formale sind unterschiedlich.
Nachschau bei unseren Altakten: Vor 2024 haben wir normale PDFs hochgeladen, das Problem besteht seit Mitte des Jahres. Also hab ich auf eine „Spielakte“ lauter alte Briefe hochgeladen, die schon einmal problemlos hochgeladen wurden. Jetzt wurden sie nicht mehr als PDF erkannt. Nachfrage bei der CGM-Medistar-Hotline: Das Problem war dort nicht bekannt und konnte auch nicht erklärt werden.
Jetzt habe ich eine freundliche Mail vom second-level-Support (also der höheren Einsicht): Eine Umstellung in PDF wird wahrscheinlich nicht stattfinden. MEDISTAR bleibt beim XML. Patienten die bei RISE ihre Akte haben (IKK,BKK usw.) können aktuell die Briefe nicht öffnen. Es wurde ein Fehler bei RISE festgestellt. RISE hat angegeben, dass der Fehler noch in diesem Quartal gefixt werden soll. D.h. das Problem sollte sich spätestens Anfang nächsten Jahres lösen, ohne dass MEDISTAR noch etwas beisteuern muss.
Aus der Antwort ergeben sich neue Fragen:
Wer ist RISE? RISE ist ein Dienstleister für Krankenkassen, der die elektronischen Patientenakten hostet.
Was ist XML und was unterscheidet es von PDF-A? PDF ist ein letztlich nur visuelles Datenformat, das man hinterher nicht spurenarm verändern kann. Die maschinenlesbare und weiterverwendbare XML-Datei kann man dranhängen – muss man aber nicht.
Was ist Standard in der elektronischen Patientenakte? Standard ist PDF-A, soweit ich die Quellen richtig gedeutet habe.
Wer zur Hölle ermächtigt dann Medistar, ein anderes als das Standardformat zu wählen und zu verwenden und dann auch noch so zu tun, als hätten die Entwickler von RISE den Fehler gemacht? Ich weiß es nicht. Aber es kotzt mich an, denn in der Folge stehen wir so da, denn bei 40% unserer Patienten (Audi-BKK, Ersatzkassen) stehen wir jetzt so da, als wären wir zu blöde, einen e-Arztbrief in die elektronische Patientenakte zu laden.
05.11.2025
Wieder einmal veräppelt uns Medistar. Letzten Montag bekamen wir ein Paket im „Verfahren der sicheren Lieferkette“. Ein Postbote kam mit einem Paket. Adresse und Name stimmten, aber er wollte einen QR-Code sehen. Also ging er wieder und nahm das Paket wieder mit. Zwei Tage später kam eine Mail mit dem QR-Code und der Paketankündigung. Gestern kam die Postbotin wieder, nun ist das Paket da. Drin war unser neues Chipkartenlesegeräte, mittlerweile sind drei von 6 wegen Überalterung der verlöteten Batterie ausgefallen.
Weiter mit dem Kommunikationsstörungen: Es gab 2 Mails, im CGM-Portal sei eine neue Rechnung abzurufen. Also hab ich das Portal geöffnet, eine Rechnung über 450 € für das neue Chipkartenlesegerät zur Kenntnis genommen und versucht, sie abzurufen. Heruntergeladen wurde eine PDF mit 0 KB. Das kann ich weder lesen noch bezahlen. Also warte ich auf die erste Mahnung, die kommt mit der Post – und ist lesbar.
03.11.25
„Ein Logo ist dann gut, wenn man es mit dem großen Zeh in den Sand kratzen kann.“ Kurt Weidemann, Typograph
Wir arbeiten jetzt mit KI! Klingt gut, ist aber sinnarm und banal. Bei einer Durchsicht eines fremden e-Arztbriefes habe ich nicht herausbekommen, wo und als was der Kollege arbeitet – es war nur der Name drauf. Also hab ich unseren eigenen e-Arztbrief angeschaut. Name, Adresse und Telefonnummer sind drauf, aber die Fachrichtung steht nur in den Metadaten. Natürlich könnte ich als Strasse Hamburger Strasse 144, 38518 Gifhorn eingeben und als Ort „Fachärzte für Orthopädie, Kinderorthopädie und Rheumatologie“. Dann steht alles drauf. Ich weiß allerdings nicht, welche Folgefehler das wieder macht. Also hab ich lieber ein Praxislogo mit Midjourney designt. Das rechte Bild hat besser gefallen.
So weit, dass ich Patientendaten in die KI einfüttere, traue ich der Technik noch nicht. Zum Angeben reicht eine KI-Anwendung. Es ist eine spannende Technik, die uns alle irgendwann überflüssig macht: Ärzte, Rechtsanwälte, Mediendesigner, Menschen.
08.10.25:
Eine Mail zum Ausbaustand des Glasfasernetzes in Gifhorn: Leider ist aufgrund der Komplexität des gesamten Ausbaus eine Prognose aktuell nicht möglich. Alle Kunden, die Verträge in der Nachvermarktung abgegeben haben, werden zeitnah zu Aktionen, die ihre Liegenschaft betreffen, kontaktiert.
Bis dahin bedanken wir uns für Ihre Geduld. Mit freundlichen Grüßen Ihr GIFFInet Team.
Das ist eine typische deutsche Parlamentsanfragenantwort:
sie ist kurz
sie ist höflich
ich weiß hinterher genauso wenig wie vorher.
06.10.25
Wenn Du alles hast, kommt der Rest von ganz allein. Bardutzky, Dennis
Positive Überraschung: Am 1.6. kam das Update von Medistar, lief problemlos, am 2.10. das IFAP-Update von Medistar, zum ersten Mal gleich mit dem aktuellen Datenstand vom 1.10.25 und heute morgen funktionierte alles. Die Rechner sind nur wie so oft nach Updates sehr langsam – sie müssen wohl erstmal irgendwelche Tabellen und Puffer aufbauen. Funktionssicherheit ist gut, leider nicht selbstverständlich. Was kostet diese Normalität? Im letzten Jahr 6928 € an CGM Medistar, also 19 € jeden Tag. Teuer.
30.9.25
Wer denkt, Abenteuer seien gefährlich, solle es mal mit Routine versuchen. Die ist tödlich. Paulo Coelho, brasilianischer Schriftsteller
Heute ist der letzte Tag des Quartals, Abrechnung. Zum ersten Mal seit langem kam an den letzten 3 Tagen kein Schnellschuss-Update von CGM Medistar. Das kann ein gutes Zeichen sein, muss es aber nicht.
Für heute hat sich eine Kundenbetreuerin von Medistar angesagt. Ich habe ihr zu Ehren noch einmal die Reaktionszeiten unseres Systems gemessen: Der erste Brief kommt nach 2:13 Minuten aus dem Computer ins Netz, Folgebriefe codiert Medistar in 57 Sekunden. Das ist zu lange. Ein E-Rezept dauert 27 Sekunden, gesetzliche Vorgabe sind 2 Sekunden. Am Tag verlassen uns 90 Rezepte, das sind 45 Minuten oder drei Patientenbehandlungsplätze. Der Knaller sind die Reaktionszeiten des e-Arztbriefes. Heute morgen waren es 8:30 Minuten vom Eingeben des Kommandos „COMM“ bis zum Erscheinen des ersten Objektes im Posteingang. Zur nächsten Post benötige ich mit dem Fahrrad nur 7 Minuten. Immerhin hat die e-Post keinen Rückweg, also eindeutiger Vorteil für die elektronische Variante. Gegen 10 Uhr hat die Kundenbetreuerin wieder abgesagt, sie traut sich angesichts der vielen Unzulänglichkeiten von Medistar nicht nach Gifhorn.
Fehler des Tages ist eine Mitteilung einer elektronischen Patientenakte: unbekannter Fehler, die exakte Ursache wird dokumentiert. Wie denn, wenn der Fehler unbekannt ist? Die entsprechenden Logfiles waren leer.
Ganz traurig schaue ich derzeit jeden Tag vor unsere Praxistür. Erst wurde ein großer Graben aufgerissen, dann wurden eine Stromleitung und ein Leerrohr für Glasfaser reingelegt. Zum Schluss wurde ein kleiner Graben mit dem Leerrohr bis 2 Meter vor unseren Praxiseingang gelegt. Und dann kam ein Team und hat in das Loch eine Strassenlaterne gepflanzt. Wieder kein Glasfaser-Internet. Schade.
Nächstes Grummelthema: Seit dem ersten August soll es möglich sein, eine elektronische Versichertenbescheinigung durch die Gegend zu schicken. Ich habe noch keinen Patienten, dessen Krankenkassenapp das kann, für den Testlauf gewonnen.
18.9.25
Aus Fehlern kann man lernen, muss es aber nicht. Georg-Wilhelm Exler
Wenn EDV, Röntgen und Knochendichtemessgeräte laufen, fällt halt der Ultraschall aus. Mein drittes Auge, das Ultraschallgerät, meldet seit 2 Wochen, sein Speicher sei zu 70 % gefüllt, es habe wenig Reserven. Irgendwann hat es dann gemeint, es könne keine neuen Patienten aufnehmen, es habe nur noch 30% Reserven. Das war so ziemlich der sinnloseste Geräteausfall der letzten Zeit. Mit Hilfe von Herrn Hering, Sonotechnik Hering in Bad Harzburg, ließ sich dann das Problem am Telefon einkreisen und in 3 Nächten lösen: Obwohl alle Ultraschallbilder auf einen großen Server gehen, werden sie lokal gespeichert. Das waren dann 12.000 Untersuchungen in 3 Jahren – ich wusste gar nicht, dass ich so viel arbeite. 4000 Löschungen schaffen die modernen Alpinion ecube 12 am Tag, also war mein Gerät in drei Nächten sauber und wieder schneller. Etwas übler sind die in die Jahre gekommenen Samsung H60 – sie waren mit der Zeit sehr langsam geworden und selbst das Neuaufsetzen des Betriebssystemes nutzte nichts. In der ersten Nacht habe ich das Gerät meiner Frau von 13.000 auf 8.00 Bilder zusammengelöscht, seitdem arbeitet es wieder tadellos. Bei mir sind schon gute Wirkungen der Verkleinerung des Datengrabes von 24.000 über 19.000 auf aktuell 15181 Untersuchungen (a 20 Bilder) zu merken. Aber das werden noch 5 Nächte, wo man abends de Löschfunktion anwirft und morgens sieht, dass das Gerät wieder viel, aber noch lange nicht alles geschafft hat.
Fazit: Datenschutz (alles unbemerkt doppelt und dreifach speichern) ist ein Übel.
02.09.2025
„Erst gestalten wir unsere Werkzeuge, dann gestalten sie uns“ – John Culkin
Es gab heute lustige Post von der Gematik: Eine Onlinebefragung zur nationalen Digitalisierungsstrategie. Immerhin habe ich dadurch erfahren, dass es eine nationale Digitalisierungsstrategie gibt. Das Lesen erinnert mich an die Wettervorhersagen zum ersten Mai in der DDR: Schön, optimistisch und von jeder Realität losgelöst.
In der Befragung kam auch EHDS zur Sprache. Zitat: Europa wächst im Bereich Digital Health immer weiter zusammen. Mit dem European Health Data Space (EHDS) soll insbesondere der sichere, grenzüberschreitende Zugang sowie die Nutzung von Gesundheitsdaten in Europa ermöglicht werden. Innerhalb von 5 Jahren sollen, wenn ich das richtig verstanden habe, Gesundheitsdaten europaweit zur Verfügung stehen. Ich wäre schon ganz froh, wenn das zwischen Gifhorn, Wolfsburg und Meine funktionieren würde.
Weiter ging die Befragung mit der KI: „Künstliche Intelligenz ist ein zentrales Innovationsthema, das zukünftig alle drei Handlungsfelder der Strategie beeinflussen wird. Bitte teilen Sie uns Ihre Einschätzungen und Erwartungen zum Einsatz von KI im Gesundheitswesen mit! “ Nun weiß ich endlich, womit sich die armen Digitalstrategen beschäftigen müssen. Für unsere täglichen Probleme wie bummelndes Internet und Hunderte täglicher Mikropausen wegen Warten auf die e-Rezepte, e-Arztbriefe und e-Patientenakten hat man da natürlich keine Zeit. Kurze Einschätzung zur KI: KI ist nur ein Computer: Kommt Mist rein, kommt Mist raus. Wir brauchen eine funktionierende EDV und eine lange Schulung der Bediener, bevor wir uns mit den Ergebnissen des „Nachdenkens“ der KI beschäftigen können. Verlassen können wir uns auf die KI nicht.
01.09.2025
„KI ist wahrscheinlich das Beste oder das Schlimmste, was der Menschheit passieren kann.“ – Stephen Hawking, Physiker
Seit wir das Fachportal Gematik kennen, suchen wir die EDV-Ausfälle nicht mehr bei uns selber. Das war diese Woche zweimal der Fall.
Das Ärgernis der Woche lieferte diese Woche wie so oft die Firma CGM Medistar mit ihren Rechnungen. Man schickt die Rechnung nicht mehr direkt, man teilt mit: Schauen Sie ins Portal, dort wartet eine Rechnung auf Sie! 2 tage später kam die nächste Mitteilung: Schauen Sie ins Portal, die Rechnung über 931 € ist bezahlt! Das freut mich, denn CM hat mehrfach vierstellige Beträge ohne Rechnung abgebucht und deshalb keine Abbuchungsgenehmigung.
Also hab ich erst auf die Konten geschaut, ob irgendwo 931€ fehlen und dann Medistar angeschrieben, wer das denn bezahlt hätte. Antwort: Jawohl, Geld ist da, alles in Ordnung! Nochmalige Anfrage, wo denn das Geldherkommt: Es kam genau unsere IBAN zurück. Schön! Medistar bekommt Geld und ich zahle nicht, eigentlich ein Traum. Aber am Freitag kam eine Mahnung über 934 € – 931 € fehlen und 3 € wegen Rücklastschrift.
Des Rätsels Lösung: Wir hatten Mitte 2024 nach 3 Jahren korrekter Rechnungen CGM Medistar wieder eine Abbuchungsgenehmigung erteilt, aber unsere Hausbank nicht über das Ende der Sperre informiert. Da wir Rechnungen nach Erhalt bezahlen, kam es nie zur Abbuchung. Jetzt gehen die Rechnungen nicht mehr per Mail zu uns, sondern in ein Portal, wo ich anfangs noch nicht einmal Zugangsdaten hatte und so nahm das Unheil seinen Lauf.
Zweite Erkenntnis: Das Portal ist ein sinnloser Zeitfresser. Es markiert Rechnungen als „bezahlt“, wenn CGM Geld angefordert hat. Das bedeutet nicht immer, dass man das Geld auch bekommen hat.
21.08.2025
Schweinefleisch essen ist gesund. Zumindest explodieren Menschen, die Schweinefleisch essen, seltener in der Öffentlichkeit.
Heute streikt der e-Arztbrief. Die Mitarbeiterinnen beschwerten sic, das System laufe langsam. Auf dem CGM-Radar ist keine Störung zu sehen. Ich habe die Hotline erreicht und die meinte:: Deutschlandweites Problem, kann man auf https://fachportal.gematik.de/ti-status/ sehen. Ok, dann schreiben heute keine e-Arztbriefe. Die anderen Funktionen von KIM (e-Krankschreibung, e-Versichertennachweis) brauchen wir noch nicht.
Und dann hat sich das nächste Netzteil eines Computers verabschiedet. Montag wurde ein Neues per Overnightservice von Amazon bestellt. Dienstag kam die Mitteilung, es verschiebe sich auf Mittwoch. Jetzt ist Donnerstag, noch ist kein neues Netzteil da.
18.8.25
In den letzten 2 Wochen ist so viel elektronisches Chaos über uns hereingebrochen, das keine Zeit zum Bloggen war. Reparieren geht vor.
Am 4.8. – letzter Urlaubstag – war ich schon mal in der Praxis, alles probeweise hochfahren, 2 Updates Medistar, eins IFAP Medikamentendatenbank und ungezählte Updates Windows 11. Alles lief.
Am 5.8. fiel gleich zum Start der linke Tresenrechner aus – also der mit dem Chipkartenlesegerät. Das ist ein Problem, wenn am ersten Tag nach dem Urlaub die Patienten einmal die Treppe runter bis zur Straße Schlange stehen und sich mit denen, die mit dem Fahrstuhl an der Schlange vorbeifuhren, Rangkämpfe um die Warteposition liefern.
Ich habe den Rechner in einer Pause schnell zum benachbarten Computershop PC-Teufel gebracht. Die Firma ist erloschen. Einen hauptamtlichen Computerservice scheint es in Gifhorn nicht mehr zu geben. Am Abend hatte ich dann Herrn Graf vom IT-Service 38 kennengelernt. Er nahm den Rechner 18.00 Uhr noch an und sagte zu, ihn am Folgetag durchzusehen und einen Kostenvoranschlag zu erstellen. 18.30 Uhr war ich zu Hause und hatte schon die Info: Netzteil tot, nichts Schlimmes. Also ab zu Media-Markt – Netzteil kaufen, um dort zu erfahren, dass Media-Markt keine Computerteile mehr führt. Zurück zu IT-Service, Rechner wieder einsammeln, Netzteil aus einem anderen Studienrechner ausbauen, in den Rechner einbauen. Rechner lief gegen 22 Uhr. 3 Tage später brachte die Post ein neues Netzteil.
Am zweiten Morgen hatte die Labordatenfernübertragung LOEM unsere Zugriffscodes, die LANR (lebenslange Arztnummer) und BSNR (Betriebsstättennummer) vergessen. Erster Anruf der Hotline (immer während der Sprechstunde, sonst haben die Hotlines auch zu): „Ich bin nicht der Techniker, ich bin die Hotline. Ich ruf den Techniker.“ Zweiter Anruf: „Sowas hatte ich noch nicht. Die Daten liegen auf der GUS-Box (einer besseren Fritzbox). Aber da finde ich sie nicht. Ich update mal die GUS-Box.“ Dritter Anruf, weil das Update meldete: „Updatefehler.“: „Das wird schon, warten Sie noch 30 Minuten.“ Vierter Anruf mit 55 Minuten Warteschleifenmusik: „17.00 Uhr. Jetzt ist Feierabend. Aber starten Sie auf keinen Fall die GUS-Box neu, dann sind die Daten weg!“ Ich hab den Stecker gezogen, die Box fuhr hoch und meldete: „Update erfolgreich“. Nur der Fehler war noch da- keine Signatur möglich. Also hab ich 200 Laborzettel ausgedruckt und unterschrieben.
Neuer Morgen, neuer Techniker: „Das hatte ich auch noch nicht. Ich schau mal auf die GUS-Box. Ah, da sind doch Ihre Daten!“ Danach funktionierte es.
Am dritten Morgen streikte das Knochendichtemessgerät (Dexa). Es fand seine Datenbank nicht, alle Daten nicht zugreifbar. Das Gerät ist zweieinhalb Jahre alt. Natürlich gibt es tägliche Sicherungen, aber die Datenbank zum Zugriff darauf fehlte. Also hab ich den Hersteller Hologic angerufen. Bevor man die Hotline sprechen darf, musste ein Kostenvoranschlag unterschrieben werden. Vier Anrufe und drei Tage später hatte ich den Kostenvoranschlag: 2000 € pauschal plus Mehrwertsteuer. Am Dienstag hatte ich dann einen Techniker am Telefon, der meinte, er käme Donnerstag 9.00 Uhr. Am Mittwoch, 9.30 Uhr stand er da – sein Kunde war ausgefallen, so hatte er Zeit für uns.
Das Problem der Dexa war ist typischer Fall von geplanter Obsoleszenz: der Steuerrechner der Dexa muss eine Datenbank und die Gerätesoftware hochfahren. Irgendwann ist die Datenbank so voll, das sie langsamer hochfährt als das Gerät. Dann fällt das Gerät aus. Eine Fernwartung gibt es nicht, das sei verboten, weil man ja mit der Fernwartung versehentlich die Röntgenquelle einschalten könne. Funfact: Unser Röntgengenerator von Spellman hat die 20.000 fache Strahlungsleistung. Hier gibt es eine gut funktionierende Fernwartung und niemand hat Angst vo Aktivierung der Röntgenquelle.
Es kam ein freundlicher kompetenter Techniker. Er installierte innerhalb von 5 Minuten ein Miniprogramm. Das Programm verzögert den Start der Dexa um 15 Sekunden. Bis dahin ist die Datenbank aktiviert und alles läuft wieder. Das Programm hätte ich nach Benennen des Problems auch schreiben können. Dann wurde 4 Stunden lang ein Programmpaket mit 21 GB Windows-10- Updates der letzten 2,5 Jahre installiert. Das hätte ich selbst tun können, aber es war mal die Ansage: Dieses Gerät braucht keine Updates, die Funktion ist gesperrt. Hologic hat Microsoft als nicht vertrauenswürdig eingestuft und überprüft die Updates, bevor ein Techniker sie installiert. Die Praxis hat gleich zwei Geschmäckle: Zunächst ist für die Beschäftigung der Kundendiensttechniker gesorgt. Unter 600 € wird die Rechnung kaum sein. Dann gibt es Antiamerikanismus-Vorwürfe, wenn man meint, das Microsoft nicht zuverlässiger als die Deutsche Bundesbahn sei. Amerikanische Firmen wie Hologic dürfen amerikanische Software offiziell als misstrauenswürdig einstufen.
Bis Freitag war ich also mit Hotlines und den normalen Patienten beschäftigt. Auf meinem Schreibtisch lag ein Stapel von 4 cm in den Ferien eingegangene Befunde, 160 Mails von Leuten, die hofften, ich würde ihren Wunsch als Erstes abarbeiten und 70 e-Arztbriefe. Es dauert immer noch 2 Minuten, einen e-Arztbrief zu öffnen, zu lesen, einer Akte zuzuordnen und das Wichtigste unter „Fremdbefunde“ einzutragen. Den Aktenberg habe ich am Wochenende bearbeitet.
Eine zukunftsträchtige Neuheit hatte das letzte Update: den elektronischen Versicherungsnachweis. So etwas kann man sich selbst mit der Krankenkassen-App bestellen und über KIM zu einem bestimmten Arzt schicken. Damit entfällt das Versenden der Chipkarte mit Boten (oder illegal mit der Post), wenn man ein Rezept benötigt und noch nicht in der Praxis war – und der Patient die Krankenkassen-App freigeschaltet hat. Einen Testlauf konnte ich noch nicht machen, bei der AOK-App funktioniert das noch nicht, alle anderen angesprochenen Patienten hatten keine App. Wenn jetzt noch jemand das USB-Blutabnahmeset und das Homesonographiegerät erfindet, kann ich Videosprechstunde anbieten und Homeoffice machen. Ernsthaft: für unsere Thüringer, Brandenburger und Bremer Patienten gibt es ein paar interessante Optionen.
11.07.25 Reisen ist fatal für Vorurteile, Bigotterie und Engstirnigkeit. (Mark Twain)
Die Baustelle vor unserer Tür ist nach 4 Monaten beendet. Leider war es nicht möglich, bei der Gelegenheit ein Glasfaserkabel zu verlegen – die seit heute neue Straße wird dann extra aufgerissen. Schade, ein schnelles Internet wäre ein Gewinn für uns.
Seit Montag haben wir eine Backup-Funktion. Es hat viermal hintereinander geklappt, sollte also stabil sein.
Die vierte Patientin innerhalb von 3 Jahren hat nach einer Befüllung ihrer elektronischen Patientenakte gefragt: Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte Sie bitten, meine medizinischen Unterlagen (z. B. Befunde, Arztbriefe, Laborergebnisse) in meine elektronische Patientenakte (ePA) zu übertragen. Meine ePA wird über meine Krankenkasse Audi BKK, Versichertennummer X————-, geb. xx.xx.xxxx, geführt und ist für Ihre Praxis entsprechend zugänglich. Bitte bestätigen Sie kurz den Erhalt dieser Nachricht und teilen Sie mir mit, wann die Übertragung erfolgen kann. Vielen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung. Mit freundlichen Grüßen
Ich verstehe die Bitte. Das Einpflegen der Altakten war nie Teil der elektronischen Patientenakte. Ich liebe es, wenn jemand kurz vor den Ferien für solche Dinge fristen setzen will. Entsprechend unwirsch war meine Antwort:
Guten Tag, Frau xxxxx.
Es gibt keinerlei Rechtsgrundlage, die uns zur Konvertierung der Altakten in PDF und Einstellung in die EPA motivieren könnte. Diese Aufgabe haben die Krankenkassen bekommen. Ich habe das versuchsweise durchgespielt und benötige 40 Minuten pro Akte, für die ich 1,48 € angeboten bekomme. Neubriefe pflegen wir versuchsweise ein., Es funktioniert bei mittlerweile 40% der Akten und ist ab 1.1.26 verpflichtend. Auch bei Ihnen komme ich ausdrücklich nicht in die Akte. Zusammenfassung: ich finde die ePA sehr gut, aber der ganze Sch… funktioniert noch nicht wirklich. Gegenfrage: darf ich Ihre Anfrage – selbstverständlich anonymisiert – für meinen Blog verwenden? https://sensse.net/?p=1821 Sie sind die Dritte, die so etwas fragt, dann aber auch gleich mit Fristsetzung und Altakten. Mit freundlichem Gruß
Sie hat „ja“ gesagt.
Technischer Hintergrund: die e-Arztbriefe liegen im PDF-Format vor und das speichert die e-Patientenakte. Ich habe weder die Möglichkeit, Röntgenbilder hochzuladen noch den Autor zu ändern und so mir bekannte MRT-, Krankenhaus- oder Rehaberichte einzupflegen, selbst wenn ich sie umständlich ins PDF-Format konvertieren kann. Schade eigentlich.
03.07.25
Gestern rief überraschend der nächste Medistar-Mitarbeiter an. Er brachte die Datenbank in Ordnung, will sagen, er blähte sie weiter auf. Aktueller Blähstand: Die Oracle-Datenbank beansprucht 41 GB im Ordner „Medistar/oradata“ (1.8.24: 40 GB), weitere 53 GB 40 GB im Ordner „medistar/apps/oracle“ (2024 : 40 GB und nochmal 53 GB GB im Ordner „app/Oracle“, wo die Datenbank steht. 15 GB sind entsorgt wegen alte Datenbank, 67 innerhalb eines Jahres dazugekommen, davon ca. 15 gestern. Dafür wurde die komplette Praxis wegen einem Datenbankneustart mitten im Betrieb 24 Minuten lahmgelegt. Ich warte auf ein schnelles Glasfaserinternet, dann kommt Medistar endlich weg. Ääm: Sicherung: nicht geklappt.
02.07.26
Keine Datensicherung-keine Gnade! (Häufig gebrauchter Spruch von EDV-Profis gegenüber dem zahlenden User)
Am Wochenende gab es ein unspektakuläres Update. Einziger Aufreger: Es wurde im Rahmen des weiteren Ausbaues der Telematikinfrastruktur die Einführung des e-Versicherungsnachweises zum Juli angekündigt. Wir haben keine Info, keine Gebrauchsanweisung. Kurz googeln: „Die Zustellung des Versicherungsnachweises erfolgt über den Kommunikationsdienst KIM automatisiert und in wenigen Minuten direkt an die Praxis, sodass dieser die Versichertendaten sofort vorliegen. Die Daten können direkt aus dem KIM-Postfach in das PVS übertragen werden; das manuelle Einpflegen wie beim bisherigen papiergebundenen Ersatzverfahren entfällt.„
Die Leute, die so etwas einführen, leben auf einem virtuellen Ponyhof an einer 1 GBit-Glasfaserleitung und haben vermutlich, falls etwas nicht funktioniert, einen folienverpackten Webmaster im Kühlschrank. Bei uns braucht KIM 3-6 Tage. Ich rufe jeden Tag zum Feierabend einmal KIM auf und lasse es eine halbe Stunde offen. Trotzdem hatte ich wieder eine Woche keine e-Arztbriefe und keine e-Nachrichten. Gestern kamen dann 14 Nachrichten mit Absendedatum ab 25.6.25. „Just in time“ ist anders.
Und ne kurze Mail an Medistar:
Guten Morgen, Medistar-Sicherung die 3. Wir hatten letzte Woche und gestern einen freundlichen EDV-Mitarbeiter in der Fernwartung, weil unser Update seit 7 Jahren nur mitteilt, es sei gelungen – aber die Platten waren leer. Aktueller Stand: Die Oracle-Datenbank behauptet, die FRA sei zu 80% voll. Das Update behauptet, die FRA sei so groß, dass sie nicht mehr in die Datenbank zurückgespielt werden könnte. Das Datensicherungs-Log zeigt seit Tagen das mißlungene Backup vom 25.6., es hat kein aktuelles Datum. Die Sicherungsplatten, auch die von heute Nacht, sind leer. Die ISAM-Datenbanken fahren „nach dem Update“ 7.30 hoch. Da wollten wir eigentlich schon arbeiten. Ich warte geduldig auf Ihren Anruf. Befriedigend ist der Nullfortschritt bisher nicht. Wir haben noch einen Termin am 7.7. – Das wäre einem EDV-Profi mangels täglicher Datensicherung zu lang. Aber es ging ja 7 Jahre ohne gut.
Eigentlich möchte ich fluchen, freidrehen und irgendwen würgen. Nur die Rechnungen für diesen Nullservice klappen zuverlässig.
26.06.26
Fallen ist keine Schande, nur lange Liegenbleiben. Sprichwort
Man kommt morgens in die Praxis und es ist merkwürdig ruhig: Alle Computer stehen, Ursache: Der Medistarserver hat eine neue Datensicherung und die hat ihn nach dem Sichern nicht mehr hochgefahren. Kurze Aufregung wegen der Fehlersuche, schliesslich ist Donnerstag und da hat uns Microsoft schon oft mit üblen Updates überrascht, einmal virtuellen Server hochfahren – das dauert unter 10 Sekunden.
Nebenbei: Die Datensicherung hat auch nicht geklappt.
Nachtrag 13.00 Uhr: Am nächsten Montag, also in über 96 Stunden hat jemand von der Hardware Medistar Zeit, sich das Problem anzusehen. Die Datenbank hat auch einen Dauerfehler: ORA-19804: 67108864 Byte Datenträgerspeicher können nicht aus Grenzwert von 44023414784 Byte zurückgefordert werden. Es fehlen also 67 MByte Platz. Soll ich mich nun auch noch mit der Programmierung moderner relationaler Datenbanksysteme herumschlagen??
25.06.25
Es gibt drei traditionelle Wege, einen Betrieb zugrunde zu richten: Mit schönen jungen Frauen – das ist die nobelste, mit viel Alkohol – das ist die sicherste und mit neuen Computern – das ist die schnellste.
Heute morgen habe ich einen verwirrenden e-Arztbrief empfangen. Schade, dass die ärztliche Schweigepflicht verbietet, so etwas zu veröffentlichen. Es fehlte der Brieftext, nur eine PDF-Datei als Anhang. Die PDF enthielt ein schräg eingescanntes Blatt Papier mit einem handschriftlichen Arztbrief. Das ist wenig sinnvoll.
Der handgeschriebene Arztbrief endete mit der Standardformulierung: „Dieser Brief ist elektronisch signiert von Frau Dr. XXXXXXXXX und bedarf keiner Unterschrift.“ Aha. Ich bin überrascht. Das alles ist im Rahmen des Gesetzes – nur sinnlos halt.
Wir haben seit 7 Jahren keine funktionierende Datensicherung, nur ein Makro, das täglich fröhlich und optimistisch die gelungene Datensicherung anzeigt. Aufgefunden wurde der Fehler so:: Unsere Serverfestplatten wurden letzte Woche vergrößert. Ich habe mich gefragt, ob die vergrößerten virtuellen Platten noch auf die reale Sicherungsplatte passen. Das habe ich überprüft und festgestellt: Da ist nur eine Sicherung von Starc, nichts von Medistar.. Die Problemanalyse und Abstellung gab einige Dinge, die mir der Informatikprofi, der das eingerichtet hat, mal hätte sagen können – wenn er es denn gewusst hätte.
Wir sichern zwei Server auf genau eine Wechselplatte. Das geht so nicht. Aber man bekommt zwei Vollzugsmeldungen, wenn eine der beiden Sicherungen geklappt hat.
Ein virtueller Server auf Hyper-V (Mikrosofts Virtualisierungssoftware) kann nicht mit USB-Wechselplatten umgehen und sich von innen nicht sichern.
Datensicherungsplatten müssen mittlerweile mit 12-stelligem Passwort verschlüsselt werden.
Also wurde in 2 h Fernwartung eine ordentliche Sicherung angelegt. Da ich vor Updates und Datenbankoperationen immer den Server runterfahre und die virtuellen Festplatten kopiere, falls das Update nicht klappt, ist der Fehler 7 Jahre nicht aufgefallen. Ich hatte ja eine frische Sicherung, wenn ich sie benötigte. Autsch.
Nächstes Datensicherungsproblem: Unser Server steht im Keller. Das Gebäude war mal Amtsgericht, unser Keller diente als Gefängniszelle. Entsprechend ist sie baulich gesichert. Jetzt war das Schloss kaputt. Ich kam nicht an mein Fahrrad, mein Portemonnaie im Fahrradkorb und an die Datensicherung. Mit Scharniere abschrauben und Flex war an der Tür nichts zu öffnen. Ein guter Schlosser hat ein kleines Loch ins Schloss gebohrt, ein paar Tropfen Öl hineingespritzt und schon ging es wieder.
12.6.25
Christa Wolf: „Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“
Unser Server macht wieder Probleme, das hatten wir August 24 schon. Aber dieses mal kommt eine Warnmeldung – ein Fortschritt! Medistar meldet, die „Fast recovery Area der Oracle-Datenbank sei zu 80% gefüllt“. In Deutsch: Der Speicher ist voll. Kurzer Blick auf den Festplattenplatz: 10 von 350 GB frei – das nennt man dann instabil. Nun benötige ich den Support von Medistar oder jemanden, der sich mit dem Umschichten von virtuellen Servern auskennt. Übergangsweise habe ich 20.000 PDFs von Meikamentenbeipackzetteln im Wert von 15 GB von der IFAP-Datenbank gelöscht. Wenn ich so etwas benötige, kann ich es googeln.
Ich habe den Medistar-Support gegen 16.45 Uhr angerufen, hörte in genau der Reihenfolge:
„Leider haben wir derzeit ein erhöhtes Anrufaufkommen. Wenn es kein hohe Priorität hat, vereinbaren Sie bitte einen Rückruf oder rufen später wieder an.“. Ich wartete, ich bin zahlender Kunde, also wichtig.
„Ihre voraussichtliche Wartezeit beträgt 5 Minuten!“ Gut, so schnell geht es selten.
zwei Minuten später: „Leider rufen Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten an. <Tut-Tut-Tut>“
Und schon fühle ich mich als Medistar-Kunde wieder mal verarscht.
27.5.25
Die ewig Gestrigen sind morgen schon von vorgestern. Herbert Lahm
Mal was Neues: Eine elektronische Mail über KIM (das Kommunikationssystem in der Medizin): Sehr geehrte Collegae, bekanntermaßen ist der Arztbriefversand-/empfang über das KIM-System NICHT sicher vor Cyber-Attacken: bei der Infektion eines einzigen KIM-Absenders können aus dem gesamten KIM-System Spam, Viren und Malware versendet werden, und gerade durch die Verschlüsselung von KIM können Nachrichten nicht vor dem Eingang von Firewalls und Virenscannern geprüft werden (Quelle: Dt. Hausärzteverband 2022). Ich werde deshalb den KIM-Dienst bis auf weiteres NICHT für den eArztbrief-Empfang verwenden . Bitte nutzen Sie für Ihre Arztbriefe solange die bewährten konventionellen Kommunikationswege wie Fax und Postversand.
Es gibt also nicht nur Kollegen, die das viel zu langsame System nicht mögen und ältere Kollegen, die es nicht haben und schon weit im Rentenalter lieber in den Ruhestand gehen, als sich mit 70 Jahren neue Programme und Computer anzutun. Es gibt auch jüngere Kollegen, die den Empfang der e-Arztbriefe einfach verweigern wollen.
Nun ist allerdings das Fax nicht sicherer und die Kommunikation per KIM ist seit 1.10.21 vorgeschrieben. Ich werde diese freundliche Einzelmeinung nicht berücksichtigen. Wenn der Kollege den Blick in seinen Posteingang verweigert, dann weiß er halt nicht, ob er Post hat. Sollte er deshalb behaupten, er habe keine Briefe bekommen, dann lügt er.
Motto des Tages: EDV-Systeme verarbeiten, womit sie gefüttert werden. Kommt Mist rein, kommt Mist raus. Andre Kostolany
18.5.25: Serverabstutz
Ein kurzer morgentlicher Sonntagsbesuch in der Praxis, um schnell mal die Labordaten zu signieren und abzuholen (Ein Vorgang, der jeden Morgen kostbare 15 Minuten vor dem ersten Patienten kostet und leider nciht nach Feierabend gemacht werden kann) und schon sehe ich: Ah, der Server ist nicht erreichbar. Wenn ich das heute nicht löse, werden wir morgen nicht arbeiten können. Anlage neu hochfahren hilft nicht, also muss ich die Hotline anrufen. Nun sitze ich seit über einer Stunde in der Praxis und höre mir alle 39 Sekunden die gute Nachricht an: „Derzeit sind alle Mitarbeiter im Gespräch. Sie werden mit dem nächsten freien Mitarbeiter verbunden.“ Solange baue ich ein paar Lampen ab und dafür Energiesparleuchten an die Sprechzimmerdecken – ich rechne also mit mehreren Stunden Warteschleife. Es waren dann aber nur 1 Stunde und 6 Minuten und dann ging einen freundliche Mitarbeiterin dran. Sie war ganz erschrocken, denn ihr Telefon hatte zum ersten mal geklingelt, sie war eigentlich frei. Problem: Eine der ISAM-Datenbanken, deren Verschwinden uns seit Jahren mit immer neuen Geldforderungen seitens CGM Medistar versprochen wird, war abgestützt.
7.5.25 – Elektronischer Patientenausweis die 55.
Motto des Tages: Wir haben von den Dingen gewusst. (Theodor Heuss über den 8.Mai)
Gestern gab es ein Update zum fehlerhaften Update vom 29.4., das einen Fehler vom 27.4. bereinigen sollte, der mit dem Quartalsupdate Anfang April auftrat. Klingt blöd, ist aber so (Zitat aus der Sendung mit der Maus). Und nun funktioniert die elektronische Patientenakte offiziell. Bei den meisten Patienten ist die elektronische Patientenakte leer.
Bei den Patienten der Barmer findet sich eine Behandlungshistorie von 4 Seiten mit Medikamenten aus diesem und dem Vorjahr, abgerechneten Diagnosen und parallel behandelnden Ärzten – schon interessant. Bei einer Patientin der Audi-BKK fand ich einen Aktenauszug aus dem Vorjahr – 26 Seiten mit jedem einzelnen Arzt- oder Zahnarztbesuch.
Wir werden lernen müssen, das zu lesen: ICD T63 „Toxische Wirkung durch Kontakt mit giftigen Tieren“ war zum Beispiel ein Mückenstich.
Natürlich habe ich auch versucht, etwas schreibend in eine elektronische Patientenakte zu tun.
Zunächst erschien die rechtsseitige Fehlermeldung. Dann stürzte der Konnektor ab – die gesamte Praxis stand mit Fehlermeldungen still. Bis alles einmal herunter- und wieder hochgefahren war, vergingen 25 Minuten. Ich werde also vorläufig Befüllungen der EPA nur nach Feierabend vornehmen und lernen, bei welchen Kassen die EPA funktioniert. Hübsch finde ich auch, dass in dem Feld schon „Metadatenvorlagen verwenden“ angeboten wird, der Metadatengenerator aber erst 7/25 kommen soll.
Heute hat eins unserer Chipkartenlesegeräte mit lautem Rauschen bekanntgegeben, dass es keine Haltebatterie mehr hat und ausgetauscht werden möchte. Vor 4 Wochen bekam das Lesegerät noch einen neue teure SMCb-Karte.
Ein neues Chipkartenlesegerät kostet 474,81 €. Wir haben vor 6 Jahren 6 der Geräte bekommen, 2 werden wirklich benötigt. Also wurde das veraltete Gerät abgestöpselt und im Konnektor deaktiviert.
Gleicher Abend, gleicher Patient, zweiter Versuch: 2 Dokumente – einen Arztbrief und einen Laborbefund auf eine elektronische Patientenakte hochgeladen. Es funktioniert. Zeitaufwand 5 Minuten. Das wird mit der Routine schneller.
Dies ist der zweite Teil des Elends mit der Elektronik in Arztpraxen. Wer den ersten Teil lesen will, siehe hier.
Es gibt ermutigende Erkenntnisse zur Gürtelrosenimpfung: Sie schützt nachweisbar gegen Demenz.
Und wir haben mal wieder etwas Neues zum Impfen erfahren: Ein Patient wollte sich gegen das Humane Papillomavirus impfen lassen. Die Impfung hilft gegen mehrere Tumore, die das sexuell übertragbare humane Papillomavirus auslöst und ist Kassenleistung bis zum 18-Lebensjahr. Die AOK zahlt sie freiwillig bis 24 und jetzt als Einzelfallentscheidung nach Antrag von mir auch bei einem 31-jährigen Rheumatiker.
16.02.2026
ChatGPT und das Gesundheitsministerium empfehlen immer noch Grippe- und Covidimpfung. Niemand will mehr. Gute Nachricht von Biontech: Nächste Saison gibt es endlich Einzelspritzen ohne 14 Tage Vorbestellzeit.
12.1.2026
Diplomatie ist die Kunst, Leuten zu sagen, dass sie zur Hölle fahren sollen und zwar so nett, dass sie nach dem Weg fragen. Winston Churchill
Gestern habe ich den Abrechungscheck 4/25 gesehen – alle Herpesimpfungen jüngerer Patienten sind gestrichen. Das die Stiko die Impfung empfiehlt, bedeutet, dass der Impfstoff bezahlt wird. Über die Bezahlung der ärztlichen Leistung entscheidet der gemeinsame Ausschuß Ärzte-Krankenkassen und er braucht noch ein bisschen.
Es gab letzte Woche keine Grippeschutzimpfungen mehr, aber Covid-19-Auffrischung wurde noch nachgefragt.
02.12.25
Breaking news von der Stiko: Der Impfstoff gegen Varizellen/Herpes ist seit 2 Wochen für alle Immungeschwächten ab 18 erlaubt, vorher war es ab 50. Da eine lange Reihe von Rheumamedikamenten Herpesinfektionen fördert, ist das eine gute Nachricht.
Ansonsten: 2-3 Grippeimpfungen pro Tag, 2 Covid-19, was auch bedeutet, wir verwerfen 4 aus dem Sechserpack – die Impfsaison ist durch. Wir haben Grippeimpfstoffe dreimal nachbestellen müssen, weil die nachfrage grösser war als 2024. Lieferbar war nur noch der Impfstoff, der genau wie 2024 als erstes lieferbar war. Also werden wir 2026 nur Flucelvax und Fluad bestellen, denn je 2 Impfstoffe für die gleichen Altersgruppen gibt ein heilloses Chaos bei der Verwaltung.
Wir haben Privatpatienten immer geimpft, dafür eine vorhanden Spritze aus dem Kassenbestand genommen und ein Rezept in die Apotheke geschickt, damit wieder eine Einzelspritze in die Praxis kommt. Die Einzelspritzen sind aber nicht mehr lieferbar. Also haben wir schon die ersten 2026er Spritzen bestellen müssen, um die Krankenkasse nicht zu betrügen. Das ist Unfug. Andere Praxen können Privatversicherte nicht impfen, weil die Einzelspritzen nicht beschaffbar sind – das ist noch größerer Unfug. Oder man bestellt und bezahlt gleich einen Zehnerpack Impfstoff für Privatpatienten und hofft, dass genau zehn Privatpatienten kommen. Sonst verliert man Geld. Und man dispensiert, also man teilt einen Zehnerpack in zehn einzeln von verschiedenen Menschen zu bezahlende Spritzen. Das ist in Deutschland verboten. Das Verbot ist der maximale Unfug.
30.9.25
Die Impfsaison läuft dieses Jahr friedlich. Der Kühlschrank ist voll mit Grippeimpfstoff für über 60, zur allgemeinen Verwirrung gibt es dieses Jahr gegen die Influenza Efluelda für über 60 Jahre, Fluad Tetra für über 50 und Flucelvax bis 60 Jahre. Flucelvax wird knapp. Auf Vaxigrip für Jüngere warten wir noch, der Impfstoff ist noch nicht da. Comirnaty gegen Covid ist schon knapp, Montag kommt Nachschub. Auch 4 Jahre nach Erfindung müssen wir den Coronaimpfstoff 12 Tage vorher bestellen und können bei guter Nachfrage nicht einfach nachordern.
Viele Hausärzte haben aus der Grippesaison 2023, wo im Woche 40 (Anfang Oktober) schon 8% der Bevölkerung mit Infekten flachlagen, gelernt. Es gibt keine Belehrungen mehr, wieso wir nicht wie alle anderen Impfkampagne Anfang Dezember machen. Dezember ist zu spät. Und dieses Jahr sind auch auffällig viele Patienten schon beim Hausarzt geimpft.
02.09.25
Die ersten Grippeimpfstoffe für die Saison 2025/26 sind da. Gern hätten wir jetzt die Impfsaison mit einem Angebot begonnen. Aber: Zunächst haben wir das Labor doppelt besetzt, damit das Impfen endlich ohne Wartezeiten klappt. Die letzte Neueinstellung einer Mitarbeiterin war gestern – also erstmal üben. Dann kommt der neue Coronaimpfstoff L.P.8.1 am 15. September. Den „alten“ KP2 haben wir nicht da, im Sommer gibt es keine Nachfrage.
Also beginnen wir die aktuelle Impfsaison am 17.9. und werben vorher nicht.
Die aktuelle Stiko-Empfehlung sagt zur Covid-19-Impfung: Personen ab 60 Jahren sowie Erwachsene mit Grunderkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für schwere COVID-19 Verläufe haben, werden jährliche Auffrischimpfungen im Herbst empfohlen. Die STIKO sieht bei der Empfehlung zur Auffrischimpfung eine Ausnahme: Personen, die zu der Risikogruppe gehören, können auf die Auffrischimpfung verzichten, wenn sie immungesund sind und sich im Laufe des Jahres mit SARS-CoV-2 infiziert haben. Das betrifft alle unsere Rheumapatienten. Quelle: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/COVID-19/FAQ_Liste_STIKO_Empfehlungen.html?nn=16777208#entry_16870046.
Nebenbei: Impfstoffe gegen FSME, Hepatitis B, das RS-Virus, Wundstarrkrampf und Pneumokokken liegen auch im Kühlschrank.
16.12.24
Offiziell ist die Impfsaison beendet und alle Grippeimpfstoffe sind alle. Wegen der guten Nachfrage haben wir noch je eine Schachtel Vaxigrip und Efluelda nachbestellt – sie leeren sich. Biontech ist auch im neuen Jahr in den ersten drei Wochen geplant.
8.12.24
Am Mittwoch hat der erste Patient, den ich nach einer Grippeschutzimpfung gefragt habe mir geantwortet: “ Das haben Sie schon beim letzten Termin angeboten!“ Somit bin ich herum und die Impfsaison ist zu Ende. Am Donnerstag haben waren mehrere Patienten schon von uns geimpft, am Freitag habe ich niemanden mehr gefunden. Es gibt noch Nachzügler. Positiv: das war die erste Impfsaison ohne Beschimpfungen und Beleidigungen, die zweite ohne Morddrohungen. Man gewöhnt sich an alles.
19.11.24
Die Impfsaison ist dieses mal sehr entspannt. Pro Woche werden 30 Grippeschutzimpfungen und 20 Corona-Schutzimpfungen vergeben. Knapp die Hälfte derer, die man anspricht, haben schon eine Impfung beim Hausarzt – die Impfsaison ist bald vorbei.
30.9.24
Heute haben wir zum ersten Mal fehlgeplant, ich muss in der Mittagspause ein Röhrchen Comirnaty von einer Nachbarpraxis borgen. Überhaupt läuft die Impfsaison still, aber kontinuierlich. Zur Impfmuffeligkeit der Deutschen gab es einen schönen Artikel bei DocCheck. Zusammenfassung: Die Impfquoten bei Grippe sind nicht katastrophal, sie steigen an. Die Zielvorgaben sind so unrealistisch hoch, dass die Obrigkeit nur unzufrieden sein kann.
24.9.24
Grippeimpfstoff für Jüngere ist das erste Mal aufgebraucht. Also kann ich den Patienten sagen: „Bitte denken Sie daran, dass wieder Grippeimpfsaison ist. Wir haben aber keine Impfstoffe mehr für Sie.“ oder einfach den Scholz machen und den Mund halten, bis das Problem vorbei ist. Nächstes Jahr werden wir mehrere verschieden Impfstoffe bestellen, damit wir bessere Chancen haben, beliefert zu werden.
Update 10.00 Uhr: Es kam wieder Impfstoff – 20 Spritzen reichen bis zum Wochenende.
20.9.24
Wir haben jetzt Grippeimpfstoff für jüngere und ältere und die Langform der Stiko-Empfehlung zu Covid-19 gelesen. 4 Erkenntnisse:
Für Immungeschwächte (Rheumatiker) spielt es bei der Impfempfehlung keine Rolle, ob sie im letzten Jahr Corona hatten. Sie sollen/dürfen einen Auffrischimpfung haben.
„In der Regel nach 12 Monaten“ bedeutet, dass sowohl aus Erkrankungsgründen (starkem Immundefizienz, Rheumamittel) als auch aus impftaktischen Gründen eher aufgefrischt werden darf, denn sonst müssten wir entweder die Punktlandung 365, im Schaltjahr 366 Tage schaffen oder die Hauptimpfzeit liegt jedes Jahr einen Monat später, also 2030 im Hochsommer. Wir frischen nach 10 Monaten auf.
Es gibt sehr wohl eine Empfehlung zur Auffrischung für alle, die „ein Risiko für einen schweren COVID-Verlauf haben“. Einzeln aufgezählt sind Adipositas, Asthmatiker und COPD, Diabetiker, Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen.
die Stiko gendert nicht. Dort sind wohl alle so alt wie wir.
13.9.24
Grippe-Impfstoff Efluelda für über 60-jährige und Coronaimpfstoff sind da. Am Dienstag beginnt die erste Impfrunde, denn natürlich hat Deutschland bei Biontech wieder keine Einzelspritzen, sondern die günstigen 6er Packs gekauft und hofft, dass die Leute wieder immer in Rudeln zum Impfen kommen. So geht Coronaimpfung immer nur mit Doppelanfahrt, nicht spontan. Abgesehen von der Umweltbelastung wird das die Impfmoral nicht heben.
Wir haben je eine Schachtel Flucelvax Tetra und Fluad Tetra bestellt, um möglichst früh impfen zu können – nicht lieferbar. Einzelne Hausärzte impfen seit Wochen. ich verstehe das nicht. Muss ich selbst nach Indien fahren, um frühzeitig Grippeimpfstoff zu bekommen?
02.09.2024
Es geht wieder los: Am letzten Mittwoch hat das PEI Grippeimpfstoffe für das Inverkehrbringen freigegeben – sie kommen allerdings erst am 11.9. in den Großhandel und dann nur Teilmengen. Von der STIKO zugelassene, aber nur als „gleichwertig“ bezeichnete zellbasierte Grippeimpfstoffe sind bestellbar. Da sie in den USA drei Saisons hintereinander überlegen waren, habe ich je eine Schachtel für alte und junge Patienten bestellt – die Nachfrage ist mehrmals täglich da. Comirnaty JN1 gegen Covid für Rheumatiker und Menschen über 60 ist bestellt.
Die Stiko hat dieses Jahr geäußert, man können die beidem Impfungen nicht nur zusammen nehmen, sondern bei der Gelegenheit auch die Pneumokokkenimpfung auffrischen. Der Trend geht zur Kombinationsimpfung. Leider gibt es Comirnaty immer noch nicht als Einzeldosis, so dass wir wieder Patientengruppen zum Impfen bilden und Termine planen müssen.
22.01.2024
Das Ende ist nahe. (Zeugen Jehovas, andauernd)
Die ständige Impfkommission hat wohl empfohlen, zukünftig und nur für Risikopersonen jährlich im Herbst Covid-19 aufzufrischen. Jetzt ist gerade kein Herbst und damit ist dann wohl die Impfsaison gegen Infektionen der oberen Atemwege zu Ende. Aber dafür haben wir heute 1* Hepatitis B-, 1x Gürtelrose-, 1* Pneumokokken-, 2* Frühsommermeningoencephalitis-Schutzimpfung und einmal Auffrischung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung vergeben. Nach der Impfsaison ist vor der Impfsaison.
9.1.2024
Häufig ist die Prophezeiung die Hauptursache für das prophezeite Ereignis. Thomas Hobbes
Die Impfsaison lief dieses Mal friedlich. Keine Beschimpfungen oder Bedrohungen. Wer keine Impfung wollte, hat einfach „nein! gesagt, häufig sogar „Nein, danke!“. 160 Dosen Efluelda für die Älteren und 110 Dosen Vaxigrip tetra für die Jüngeren sind verimpft, dazu 166 Auffrischungen wegen Covid-19. Ich musste schon melden, wieviel von welchem Impfstoff ich im Herbst zu verimpfen gedenke. Wir haben 100 Efluelda und 70 Vaxigrip bestellt, ich möchte nicht mehr den Patienten hinterherlaufen.
Leider hat uns die Prüfungsstelle auch die zweite Schachtel Apexxnar in Rechnung gestellt. Die Packungen wurden 2022 nach Verfügbarkeit bestellt, erst seit 2023 ist der Impfstoff Standard. ich werde dieses Mal nicht versuchen mich zu verteidigen. Wir mussten 20 Einheiten Apexxnar mit 1200 € bezahlen. Folglich besitzen wir 20 Impfdosen Apexxnar, die wir zum Beispiel Privatpatienten verimpfen und in Rechnung stellen können. So kommen 1140 € wieder und niemand muß sich ärgern. Eine Impfeinheit ist anlässlich meines 60. Geburtstages in meinem Oberarm verschwunden, die können wir natürlich niemandem in Rechnung stellen.
Und wir haben wieder 20 Einheiten Apexxnar bestellt, denn der Impfstoff ist mittlerweile Standardimpfstoff gegen Pneumokokken. Er steht immer noch nicht in der Sprechstundenvereinbarung, die irgendwann die Empfehlungen der StiKo umsetzt. Aber immerhin hat die Stiko dem Impfstoff empfohlen und so ist er jetzt halblegal bestellbar.
18.10.23
Et es, wie et es. (Es ist, wie es ist.) Kölner Gesetz.
Dieses Jahr fürchte ich eine Fehlplanung bei den Grippeimpfstoffen für uns. Wir haben 80% des Vorjahresverbrauchs bestellt, der Grippeimpfstoff für die Jüngeren kam am 6.10. auf einen Schlag – 260 Impfdosen liegen im Kühlschrank. Der Kühlschrank ist voll. Die Impfwilligkeit ist eher verhalten, bisher sind wir 112 Impfdosen losgeworden – 12 am Tag. Nächste Woche ist Urlaub und Mitte November ist die Impfsaison erfahrungsgemäß zu Ende. 6 -12 Comirnaty am Tag sind auch eher wenig, ein Drittel der Patienten ist schon beim Hausarzt geimpft und mehr als die Hälfte möchte die 5. Impfung nicht. Wer Impfstoff oder Impfungen braucht, darf sich gerne melden.
6.10.23
Jetzt ist auch Grippeimpfstoff für die Jüngeren eingetroffen, täglich werden mindestens 10 Patienten gegen Grippe geimpft. Die Nachfrage nach Coronaimpfungen reicht jetzt auch für je ein Röhrchen täglich.
28.9.23
Alles wimmelt von Kommentaren; an Autoren aber ist großer Mangel. Michel de Montaigne
Die Impfsaison läuft wieder, letzten Donnerstag 12 x Comirnaty alt, heute 6 alt, 6 neu und dazu sind am Montag die ersten Grippeschutzimpfungen Efluelda 23/24 (für über 60-jährige) gekommen. Der am meisten nachgefragte Grippeimpfstoff für junge Patientinnen, Patienten, Wechselnde, Unbestimmte, Unwissende und Nicht-Wissen-wollende, also Menschen unter 60 fehlt noch.
18.9.23
Versprochenes muss man einhalten, verschriebenes einnehmen. Monika Kühn-Görg
Die offizielle Impfaufforderung von Herrn Professor Lauterbach geistert gerade durch die Medien – passend dazu gibt es den aktuellen Coronaimpfstoff XBB1.5 ab 25.9.23 – wieder in 6er Vials. Erfahrungen mit dem Impfstoff gibt es nicht – er ist ja der Neueste. Es ist auch noch etwas Comirnaty BA4.5 da. Der ist leider nicht mehr empfohlen, obwohl es nie messbare Unterschiede zwischen den impfstoffvarianten von Comirnaty gab. Zugelassen ist er noch. Wer wie wir gehofft hat, dass es endlich Einzelspritzen gibt, wurde enttäuscht. Wir werden also wieder Donnerstag vormittags Impfzeiten einrichten, 6er Patientengruppen sammeln und rumtelefonieren, wenn einer nicht kommt oder nicht will. Wer zu den Impfzeiten nicht kann, muss sich halt woanders impfen lassen. Wir haben es schon viel besser als in Hessen, wo die Finanzierung der Coronaimpfung nicht gesichert und daher vorerst auf Privatrechnung möglich ist – den Frust der Ärzte dort haben wir am Wochenende bei einer Familienfeier gehört.
Herr Professor Lauterbach hat sich letzte Woche gegen Covit-19 impfen lassen, er nimmt wählte also bewusst den älteren BA4.5 und nicht den neuesten Impfstoff.
6.9.23
Nach der Wahl ist vor der Wahl. Politikerweisheit
Morgen gibt es die ersten „fünften“ Covid-Auffrischimpfungen für Rheumatiker, noch mit dem „alten“ BA.4/5 Impfstoff aus der 6er Flasche. Für den Herbst sind Einzelspritzen angekündigt, dann ist Covid-Impfung endlich Routine. Der Grippeimpfstoff ist auch angekündigt, die ersten Efluelda 23/24 sind auf dem Markt. Wir haben noch nichts abbekommen. Wenn dieses Jahr noch jemand mault, dass die Impfung im September zu früh ist, erinnern wir ihn an den Start der Grippeerkrankungen im November 22. Für manche war die Imfluenzaimpfung Oktober letztes Jahr zu spät. Angesichts der Klimaveränderungen sind unsere Erfahrungen zu saisonalen Erkrankungen nicht mehr viel wert.
23.08.2023
Totgesagte leben länger.
Die Ständige Impfkommission hat für Rheumatiker, die in den letzten 12 Monaten keine Covid-Impfung bekommen und keine Covid-Infektion durchgemacht haben, die dritte Auffrischung oder fünfte Impfung empfohlen. Das bieten wir dann ab Anfang September auch an und es gibt schon tägliche Nachfragen. Bei der Impfstoffbestellung fiel auf, dass von Comirnaty und Spikevax die Varianten BA.1 und BA.4-5 bestellbar sind, aber nicht die Originale. Wir werden als keine Erstimpfungen anbieten können. Aber das ist egal. Wer drei Jahre nach Beginn der Pandemie nicht geimpft ist, will auch nicht. Leider kommt der Impfstoff wieder im 6er Pack, wir müssen also wieder Impftermine planen. Wir hoffen, dass gleichzeitig der saisonale Grippeimpfstoff eintrifft. Viele Ärzte sind immer noch der durch jahrelange Erfahrung gestützten Meinung, das eine Grippeschutzimpfung vor November zu früh ist. 2023 begann die Influenzasaison im Oktober und so könnte eine Impfung nach September zu spät sein.
Ich werde mich sicher gegen a) Influenza und b) Corona die fünfte impfen lassen. Aber es hängt in Zukunft nur noch ein Schild mit einem Impfangebot da. Es wird niemand gefragt. Wer die Impfungen richtig findet, bekommt sie, wer sie ablehnt, wird nicht genervt und wer Fragen hat, bekommt sie gerne und geduldig beantwortet. Das ärztliche Missionsbedürfnis, Impfunwillige zu überreden und dafür dumme Gesichter, Mordbeschuldigungen und Morddrohungen hinzunehmen, ist ausgelebt. Wer nicht will, muss auch nicht.
Nebenbei: Wir hatten in den letzten 14 Tagen 3 schwere Fälle einer in den letzten 2 Monaten durchlebten Covid-Infektion bei Hochrisikopatienten in der Praxis.. Alle drei waren nicht Stiko-gemäß geimpft und der Meinung, dass die Impfauffrischung vielleicht doch die bessere Wahl gewesen wäre. Schwere Verläufe bei vierfach geimpften hatten wir bisher nicht. Covid beißt noch. Es ist seltener, nicht harmloser.
30.01.23
Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
Seit einem Monat ist die Nachfrage nach Coronaimpfungen weg. Heute haben wir die letzte Ampulle Comirnaty BA 4./5. angebrochen und zwei fünfte Impfungen für eine Patientin mit Chemotherapie und ihren besorgten Ehemann verwendet. Morgen wäre der Impfstoff verfallen. So ist es in Ordnung, dass wir vier Impfdosen verworfen haben. Wir bestellen nicht nach, solange die Nachfrage fehlt.
8.12.2022
Ein Mann sollte sich nur schämen, zuzugeben, dass er im Unrecht war, was nur bedeutet, dass er heute klüger ist als gestern. Alexander Pope
Wir sind rum mit der Grippeschutzimpfung! Den Patienten von heute hatten wir die Grippeschutzimpfung schon im September angeboten, sie waren versorgt. Die Grippeerkrankungssaison läuft seit Oktober. Sowohl die aktuell kreisenden Grippeviren als auch der Impfstoffinhalt sind Virussubgruppe H1N1 und H3N2, so dass die Impfung wohl ein Treffer war und wir bisher keine Berichte über Impfdurchbrüche hatten. Es gab auch nur eine Klage über Impfgrippe, die altersadaptierten Impfstoffe sind ein Fortschritt.
Im Kühlschrank liegen noch 16 Vaxigrip für unter 60-jährige, Punktlandung, gute Planung. Die paar Spritzen werden wir noch an Bedürftige/Patienten/Impflinge…. los. Daneben liegen 50 Einheiten Efluelda für Ältere und drohen zu verfallen. Ursachen: Im November hatten wir nichts zum Impfen, es kam zu spät und nun liegt es herum. Bei den älteren Patienten kümmern sich die Hausärzte gut, sie sind oft schon versorgt, wenn wir fragen. Wir impften vor allem die jüngeren Rheumatiker.
Passend zum Impfsaisonschluss kam gestern das offizielle Ersuchen der Kassenärztlichen Vereinigung, wir möchten bitte unseren Impfstoffverbrauch für 23/24 planen, getrennt nach Altersgruppen. Prophet müsste man sein.
16.11.2022
Am Ende wird alles gut sein! Und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende. Grün, Anselm
In den letzten Wochen wurde immer wieder nur eine halbe Ampulle Covid-Impfstoff benötigt, die anderer Hälfte musste entsorgt werden wegen geringer Nachfrage. Wir werden also nur noch 14-tägig Impfangebote machen, die Kampagne und dieser Blog sind erstmal zu Ende. Wenn die Masken- und die Isolationspflicht fallen, dann erfolgt das Boostern bei jedem Markt-, Gaststätten- oder Baumarktbesuch und nicht mehr mit der Injektionsnadel. Das nennt man Endemie. Wenn es wieder nötig wird, dann werden wir auch wieder mehr gegen Covid impfen.
Die Grippeimpfsaison läuft noch. Mit der Grippeimpfung ist es wie mit Herrn Putin: Man bekommt auf die Frage nach der Impfung ein klares „Ja“ oder ein klares „Nein, danke, Iiiih“, aber kein „Weiss nicht“. Niemand hat keine Meinung oder gar Fragen. Unser Impfstoffvorrat reicht bis Jahresende, 25 Injektionen pro Woche wird man los. Nebenbei: Die Grippesaison läuft, es gibt zunehmend Terminabsagen wegen Influenza.
25.10.22
Zuviel ist gerade so falsch wie zu wenig. Konfuzius.
Seit gestern haben wir wieder Grippeimpfstoff, seit heute sogar Grippeimpfstoff für alle Altersgruppen. Das klingt gut, ist leider nicht selbstverständlich und hält bei der aktuellen Nachfrage ca. 14 Tage. Die Nachfrage nach Covid-Impfungen ist bei zwei Röhrchen pro Woche – verdoppelt auf Minimalniveau. Wenn man die vielen Absagen von Patienten wegen Atemwegserkrankungen dazu anschaut, ist der Vorsorgegedanke auch im dritten Jahr der Pandemie für einige Mitmenschen etwas Neues.
7.10.2022
Nichts Neues von der Covid-19-Impfung. Die Nachfrage ist verhalten, wir verimpfen Comirnaty BA.1. Die Influenzaimpfsaison läuft, mehr als die Hälfte der Patienten wünscht eine Grippeschutzimpfung. Die Stiko empfiehlt sie und wir damit auch. Bisher haben wir dieses Jahr keinen Fall von „Impfgrippe“, also der eindrucksvollen Reaktion auf Grippeschutzimpfung gesehen. Gefühlt waren noch vor 2 Jahren 10% der Frischgeimpften eine Woche arbeitsunfähig. Da hat die Veränderung der Impfstoffe in Varianten für Jüngere und Ältere wohl viel Gutes an der Verträglichkeit und damit Vermittelbarkeit der Vorsorgeimpfung bewirkt.
Grippeimpfstoff für unter 60-jährige wurde schon zweimal alle gemacht und nachgeliefert. Impfstoff für die über 60-jährigen ist seit 14 Tage alle und kommt frühestens in der Kalenderwoche 42, also in den Herbstferien.
22.05.2022
Man braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen, und fünfzig, um schweigen zu lernen. Ernest Hemingway.
Am Montag gab Herr Minister Professor Karl Lauterbach bekannt, dass die Stiko diese Woche die Omikron-angepassten Impfstoffe empfehlen werde. Gestern ging dann die Diskussions- und Beschlussvorlage der Stiko durch die Medien, als wäre sie ein beschlossenes Dokument. Oops. Das nemmt man politischen Druck. Die Medien haben nachgegeben.
Was steht drin?
Vorzugsweise sind für Auffrischungen omikron- adaptierte Impfstoffe zu verwenden.
Impfempfehlung wie vorher: Allgemeinheit 1 Booster, Immungeschwächte, Menschen über 60, Personal und Bewohner von Medizin und Pflege 2 Booster.
In Ausnahmefällen bei schwerer Immundefizienz oder Hochbetagten ist 6 Monate nach der vierten eine fünfte Impfung zu erwägen.
Die Stiko plant also, viel Gutes und nichts Neues zu sagen.
Abzuwarten bleibt, wie weit die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie die Bezeichnung „schwere Immundefizienz“ fasst. In jedem Falle sind nach meiner Meinung Patienten mit laufender Chemotherapie, Rituximab oder Abatacept zur fünften Impfung dran. Für alle anderen Medikamente bleibt eine Konkretisierung abzuwarten.
15.09.2022
Wenn Sie sich nicht vorbereiten, bereiten Sie sich auf das Scheitern vor. Benjamin Franklin
Heute wurden die ersten 5 Dosen des omikronangepassten Impfstoffes Comirnaty BA.1 verimpft. 7 Röhrchen sind noch im Kühlschrank. Da ab heute der an die aktuelle Variante angepasste Impfstoff Comirnaty BA.5 bestellbar ist, fürchte ich, wir haben da einen Überbestand, den 3 tage nach Lieferung schon niemand mehr möchte.
Grippeimpfstoff ist für alle da und die Nachfrage ist gut.
04.09.2022
Haben Sie keine Angst vor Perfektion – Sie werden sie nie erreichen. Salvador Dali.
Grippe: Die Impfsaison geht los. Seit Freitag liegen 50 Dosen Influvac (für unter 60-jährige) im Kühlschrank. Morgen kommt ein Schild an den Tresen und dann sind die Grippeimpfungen bis nächsten Freitag sicher alle. Es kommen noch mehr.
Covid – Biontech: Die Europäische Medikamentenagentur hat die Omikron-angepassten Impfstoffe zugelassen. So haben wir 8 Vial = 48 Einzeldosen Biontech BA.1 bestellt. Der Impfstoff ist nur für Booster gedacht, für eventuelle Erst- oder Zweitimpfungen gibt es weiter Comirnaty im Original. Allerdings hatten wir dieses Jahr erst drei Erstimpfungen. Der guten Ordnung halber: Laut RKI haben wir aktuell 90% Omikron BA.5, ein bisschen BA.4 und ein Prozent BA.1. Der Impfstoff ist also gut gegen die Januar bis April dominierende Omikronvariante. Die Unterscheide zwischen den Varianten sollen nicht so groß sein, der Impfstoff funktioniert. Das war allerdings bei Comirnaty Original auch schon so. Ein Impfstoff gegen BA.5 ist derzeit in der Erprobung. Bis er zur Verfügung steht, könnte BA.7 dominieren. Fun-Fakt für Freaks: Die Varianten BA.2, BA.3 und BA.6 spielten bisher keine Rolle.
Covid – Moderna: Auch von Moderna gibt es einen neuen bivalenten Impfstoff. Er heißt logischerweise Spikevax BA.1 und kommt nicht mehr im unpraktikablen 20er-Pack, sondern in 5er Vials. Wenn endlich jemand die Einzelspritze erfinden könnte, wäre die ganze Impferei einfach. So müssen wir weiter planen und Grüppchen bilden.
Covid – Valneva: Es ist nach Novavax ein weitere Proteinimpfstoff im Angebot. Auf Valneva haben wir lange gewartet, weil er nebenwirkungsärmer sein sollte als die MRNA-Impfstoffe und vielleicht zum Boostern mit einer weiteren Kreuzimpfung bessere Resultate zu erreichen wären. Wir haben umsonst gewartet. Der Impfstoff ist für Erst- und Zweitimpfungen von Personen zwischen 18 und 50 zugelassen, also nicht zum Boostern. Er ist auch noch nicht an Omikron angepasst. Schade.
Fazit: Wir bestellen jetzt Biontech – BA-1 und werden sehen, welche Nachfrage entsteht. Die STIKO hat bisher nichts zu den neuen Impfstoffen oder Valneva gesagt. Also gibt es nichts zu sagen. Die 4. Covid-19-Impfung ist für alle ab 60 Jahren und alle mit Autoimmunerkrankungen empfohlen. Wer sie darüber hinaus haben möchte, der bekommt sie auch. Die 3. Impfung ist für alle über 11 empfohlen.
Wer Panik möchte, lese Herrn Prof. Lauterbach.
19.8.2022
Ausdauer wird früher oder später belohnt – meistens aber später. Wilhelm Busch
Die Ständige Impfkommission empfiehlt jetzt den 2. Booster nicht ab 70, sondern ab 60. Also bieten wir das an. Nachfrage hatten wir bisher nicht.
19.7.22
Denken müssen wir ja sowieso. Warum nicht gleich positiv? Albert Einstein.
Es gibt nichts Neues beim Impfen. Wir haben jede Woche ein bis zwei Vials Biontech verimpft, mehr Nachfrage ist nicht. Auch heute, 5 Monate nach der Stiko-Empfehlung, findet man viele Menschen, die nichts von der 4. Impfung vom für über 70-jährige gehört haben. Herr Gesundheitsminister Professor Lauterbach wünscht im Herbst alle zu boostern. Das ist nicht neu und beruht auf der irrigen Annahme, im Sommer werde es ruhiger. Die EU wünscht die 60-jährigen zu boostern.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt den 2. Booster für alle Autoimunerkrankten – seit dem 15. Februar. Das machen wir so, es ist nur nicht neu. Von den omikron-Angepassten Impfstoffen für den Herbst hört man nur Marketing-Ankündigungen, keine seriösen Informationen. Nichts Neues also. Und jetzt ist Urlaub.
28.6.22
Fehlt es an Führung, kommt ein Volk zu Fall; Rettung ist dort, wo viele Ratgeber sind. Altes Testament.
Gestern hatten wir nach einem Jahr wieder einmal eine Erstimpfung einer älteren Patientin. Sie war völlig unproblematisch, allerdings kam eine Stunde später eine Mail von der Tochter – sie wollte Mutters Impfunterlagen haben. Man ahnt das Impfgegnerumfeld.
Der Tag war besonders: zu den 8 geplanten Impfungen kamen 6 aus der laufenden Patientenschaft, so dass wir nichts entsorgen mussten.
Heute hatten wir dann den ersten Paxlovid-Einsatz bei einer Covid-positiven Rheumatikerin – mit Hausbesuch über 25 km. Paxlovid ist sinnvoll bei frisch infizierten Hochrisikopatienten, wozu Rheumatiker eindeutig gehören. Das Medikament ist seit Februar verfügbar, wird aber nicht häufig eingesetzt. Wir kontaktieren jetzt die Patienten, die uns wegen frischem Covid Termine absagen und klären über Paxlovid auf.
Der Einsatz von Paxlovid ist natürlich bürokratisch blöd geregelt: Da es zu Lasten des Bundesamtes für soziale Sicherung verordnet werden muss, muss ich dieselbe Patientin zweimal mit verschiedenen Kassen in der EDV anlegen. Dann soll die Apotheke per Kurier vorgewarnt werden, damit es beschafft wird und in jedem Falle ein PCR-Test veranlasst werden.
10.06.22
Voraussagen soll man unbedingt vermeiden, besonders solche über die Zukunft. – Mark Twain
Es gibt nichts Neues: Die Masken fallen, die Inzidenzen steigen – aktuell 416 von 100.000 in Gifhorn. Letzte Woche haben wir drei long Covid-Fälle bei einfach geboosterten Rheumatikern gesehen, das bekräftigt den Rat zur Viertimpfung für Rheumatiker. Long Covid nach Viertimpfung hatten wir noch nicht, Impfdurchbrüche nach Viertimpfung reichlich. In jeder Sprechstunde finden wir Patienten, die die Nachricht von der vierten Impfung überrascht, neuerdings auch wieder einige Drittimpfungen.
Bei neuem Impfstoffen gibt es nur Ankündigungen: Moderna und Biontech kommen im Herbst mit einer Omikron-angepassten Impfstoffvariante, die auch schon März und Mai angekündigt wurde. Wenn der Impfstoff da ist und die Stiko ihn empfiehlt, dann ist das eine Nachricht. Jetzt ist es Werbung und Sommertheater. Valneva kommt seit 5 Monaten „bald“ mit einem Proteinimpfstoff. Es ist langweilig. In der Medizin ist Langeweile etwas Gutes.
17.05.22
Am Ende wird alles gut! Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende. – Oscar Wilde.
Pro Woche fallen jetzt noch 12 Impfungen mit Biontech an. Die meisten Patienten wurden schon bei der Vorstellung im letzten Quartal vor 3 Monaten auf die vierte Impfung aufmerksam gemacht und sind versorgt. Damit ist die Covid-Impfkampagne vorerst zu Ende.
27.04.22
Man braucht nach aktueller Leitlinie als Autoimmunkranker = Rheumatiker 4 Impfungen gegen Covid-19, außer wenn man nach der dritten Impfung Covid-19 hatte. Mittlerweile sind es in der laufenden Sprechstunde etwa gleichviele Patienten, die genesen und schon zum vierten Mal geimpft sind. Etwa ein Röhrchen Biontech wird am Tag an die verbliebenen Impfwilligen verimpft.
Die gute Nachricht: Die meisten der nach dreimaliger Impfung Genesenen hatten einen friedlichen Krankheitsverlauf, es war auch noch kein Long-Covid dabei. Bei den jetzt noch Ungeimpften Ersterkrankten sind ein schwerer Verlauf und Folgeschäden immer noch Vorstellungsgrund – immer wieder gern mit der Frage, ob die Erkrankung mit Muskelschmerzen, Atembeschwerden und Konzentrationsstörung vielleicht Rheuma heißt. Die Antwort ist für die Patienten immer wieder enttäuschend: Nein, die Erkrankung heißt long Covid. Wer nicht an die Krankheit glaubt und die Impfung ablehnt, akzeptiert häufig auch nicht die Folgen der Erkrankung. Schade.
Trotzdem versuchen wir nicht mehr, Ungeimpfte zur Impfung zu motivieren. Anfangs waren diese Gespräche von gegenseitigem Unverständnis bei Wohlwollen geprägt, später wurde es häufig aggressiv. Mittlerweile wird es einfach still, wenn man mit Ungeimpften übers Impfen reden muss. Die Zeit kann man sich sparen, es ist alles gesagt.
10.04.22
In der Politik ist es wie im täglichen Leben: Man kann eine Krankheit nicht dadurch heilen, dass man das Fieberthermometer versteckt. Yves Montard
Seit vier Tagen denke ich darüber nach, was man Vernünftiges zur Entscheidung des Deutschen Parlamentes gegen die Impfpflicht sagen kann. Es gibt nichts Positives, nur Bitterkeit, Zynismus und Enttäuschung. Wir werden weiter jeden impfen, bei dem die Stiko das empfiehlt. Die Werbung für das Impfen hört jetzt auf. Es steht ein Schild am Tresen und gut ist. Natürlich beantworten wir weiter gern Fragen.
Die Patienten gliedern sich schon lange in zwei Gruppen: Die meisten sind gegen Covid-19 geimpft und die anderen wollen halt nicht. Ich werde niemanden mehr darauf ansprechen und die gewonnene Zeit in Rheumatologie investieren. Wenn der Staat für sich keine Fürsorgepflicht in Unwillige, Uninformierte und Andersdenkende sieht, müssen wir das auch nicht.
Damit ist leider klar, dass es keinen Raum für weitere Lockerungen gibt. Die FFP-2-Pflicht im ambulanten Gesundheitswesen bleibt. Die Maske ist gerade bei Ungeimpften immer noch der beste Schutz. Und die Maske nervt. Wenn man sie 8 Stunden trägt, hat man oft Kopfschmerzen. Die häufige Situation, wo ein Schwerhöriger fordert, doch mal lauter hinter der Maske zu reden, weil er wegen der Gummis kein Hörgerät tragen könne, macht mittlerweile leicht aggressiv. Auch mit allen anderen Patienten, gerade mit älteren sind verbale und nonverbale Kommunikation gestört. Bei bekannt viermal geimpften Patienten – die Mehrheit der Rheumatiker – setzen wir oft die Maske ab und alles, was mit Verständigung zu tun hat („Sprechstunde“) ist viel einfacher und nett. Da kommt Nostalgie auf, früher war das normal.
Wenn die FFP2-Maske bleibt, wird es nicht schwerer, Menschen fürs Gesundheitswesen zu gewinnen. Aber es wird schwerer, sie zum Bleiben und zu vollschichtiger Arbeit zu animieren. Mit Maske werde ich selbst keinen Tag länger als bis zum Renteneintrittsalter arbeiten. Die Bundesregierung hatte die Impfpflicht in der Hand. Sie hat das Gesundheitswesen mit ihrer Entscheidung gegen die Impfpflicht allein gelassen. Schade.
29.03.22
„Ein Optimist ist ein Mensch, der alles halb so schlimm oder doppelt so gut findet.“ (Heinz Rühmann)
Herr Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach hat erstmals die vierte Impfrunde = zweite Boosterimpfung für alle über 60-jährigen diskutiert. Das bedeutet: Die Empfehlung von EU und Stiko kommt bald. Gleichzeitig hat er davor gewarnt, auf die Omikron-adaptierten Impfstoffe zu warten. Deren Einführung könne sich bis zum Herbst verschieben. Ich denke, das ist kein Grund zum Pessimismus. Der „alte“ Impfstoff von Biontech reduziert Omikron gut. Entweder macht es der neue besser oder wir nehmen weiter den alten Impfstoff.
23.3.22
Die Mühen der Berge liegen hinter uns. Jetzt kommen die Mühen der Ebene.
Heute ist kein Tag der Hoffnung. Eine Mitarbeiterin hat die Coronainfektion – gute Besserung! Alle anderen im Team sind negativ getestet. Beruhigt ist man dann trotzdem nicht, das dauert noch eine Woche. Das Impfen läuft kontinuierlich, meist vierte Impfungen. Zunehmend haben Patienten woanders die vierte Impfung bekommen, so dass wir gestern wieder einmal 3 Einheiten Biontech entsorgen mussten.
Die Verträglichkeit der vierten Impfung scheint gut zu sein, bisher keine Rückmeldung über größere Nebenwirkungen und auch der Selbsttest letzte Woche gab nur für 2 Tage eine Beule im linken Oberarm.
Sehr traurig macht uns, dass wir eine Mitarbeiterin nicht vom Impfen überzeugen konnten und sich deshalb unsere Wege jetzt trennen. Wir sind das der Sicherheit unserer Patienten und unserer eigenen Sicherheit schuldig. Das Gesetz zur Stärkung der Impfprävention gab die Möglichkeit zur außerordentlichen Kündigung. Trotzdem habe ich beim Kündigen immer das Gefühl, selbst sozial inkompetent zu sein. Und: Wir sind jetzt nicht stärker, nur weil wir weniger sind. Derartige Sprüche hört und sagt man oft. Sie stimmen nicht.
16.3.22
Gestern war ein Tag der Hoffnung. 5 Patienten haben im laufenden Betrieb von allein erzählt, dass sie die vierte Impfung schon haben. Der Druck lässt also nach und wir impfen nicht allein. Die Lockerungen zum Sonntag werden diskutiert, es geht aufwärts. OK, die Schülerinnen berichteten von 8 positiven Fällen allein in einer Berufsschulklasse, das wollten wir überhören. Heute stieg die Inzidenz in Gifhorn von 1550 auf 2130. Es reicht. Ich lasse mich heute nochmal boostern, obwohl ich erst im Mai dran bin. Man muss das nicht tun. Aber man darf das.
15.3.22
Die Chance klopft öfter an als man meint, aber meistens ist niemand zu Hause. William Penn Adair
Heute ist der letzte Tag, an dem ungeimpfte MitarbeiterInnen des Gesundheitswesens die Möglichkeit haben, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen oder die Nachweise darüber einzureichen. Wir hatten gestern und heute 36 Impfungen, 35 Viert- und eine Drittimpfung. Bisher hatten wir 2022 5 Erstimpfungen.
Ich sage mal voraus: Wer sich bisher nicht impfen lassen wollte, wird das wegen des bis 31.12.22 befristeten Impfpflicht auch nicht tun – zumal das nicht mit einem unbezahlten Betretungsverbot der Kliniken, Heime und Praxen, sondern mit einem vom Gesundheitsamt auszusprechenden Rat, die Ungeimpften doch bitte voll bezahlt patientenfern einzusetzen, sanktioniert ist. Schade. Ungeimpftenrechte sind wichtig, Sicherheit und Geimpftenrechte aber auch.
9.3.22
Die Nachfrage übersteigt wieder einmal das Angebot an Impfungen, wir haben aktuell 10 Vials Biontech pro Woche geplant, meist vierte Impfungen und vereinzelte Genesenenimpfungen. Es gibt neue Vials von Biontech, man muss den Impfstoff nicht mehr verdünnen. Und es ist wieder etwas mehr drin: Es kommen immer 7 Impfstoffdosen aus dem 6er Vial.
28.2.22
Auf Veränderung zu hoffen und nichts dafür zu tun ist wie an einem Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten.
Heute impfen wir ein letztes Mal Moderna, es stehen tatsächlich 19 Impflinge überwiegend für die vierte Runde im Plan. Wir freuen uns, dass eine Zweitimpfung dabei ist. Spannenderweise kamen 17 Impfaufkleber für die möglicherweise 24 Impfdosen mit. Wir schreiben dann halt mit Hand in die Impfausweise, das geht. Letzte Woche haben wir 16 Impfungen mit Biontech vergeben, so viel war mal ein 30-Minuten-Programm.
14.2.22
No news are good news.
Die Inzidenz ist eine Woche konstant und die Hauptdiskussion ist nun nicht mehr das Weltklima oder die Ukraine, sondern Coronalockerungen. Beim Hochwasser werden die Friesen hinter dem Deich ruhig, wenn wieder Ebbe ist. Wenn die Hochflut nicht weiter steigt, gibt das Hoffnung, aber keine Sicherheit. Man könnte draus lernen. Ich rechne mit einem Freedom Day am 20. März, an dem einige der vielen, die die Maske so wenig mögen wie ich, sie denen, die sie aus freier Entscheidung oder mit gutem Grund tragen, vom Gesicht reißen. Der Tag wird dann wie Karneval – für viele ein Fest, für einige schlimm.
Zu der Restimpfkampagne: Wir haben 8 Röhrchen Biontech im Kühlschrank und benötigen 6 in den nächsten 3 Wochen – mindestens 2 Wochen keine Neubestellung. Wir dürften 40 Röhrchen bestellen, wenn wir die Nachfrage hätten. Novavax soll am 21.2.22 verfügbar sein – vorerst in den Impfzentren, es gibt eine Warteliste. Wir bestellen ihn nicht, 6 Nachfragen in 3 Monaten reichen nicht für ein 10er Röhrchen.
7.2.22
Wenn man andere zu vernünftigem Handeln zwingen will, ist das unvernünftig.
Gifhorn hat heute mit 450 sonntags gemeldeten Covid-19-Neuinfektionen die 1000er Inzidenz verbuchen müssen. Es ist nicht sinnvoll, von einem Rekord zu schreiben – den Rekord hat man bei steigenden Zahlen jeden Tag. Dazu passend beginnen jetzt die Apotheker zu impfen.
Update 10.00 Uhr: Die Nachfrage nach 2. Booster ist heute morgen deutlich gestiegen. Wir bieten allen Rheumatikern, die 2021 geboostert sind, eine Impfplanung an. Für die 2022 geboosterten empfehlen wir ein Abwarten der Entscheidung, vielleicht spielen im April die Omikron-adjustierten MRNA-Impfstoffe oder Valneva/Novavax im April schon eine Rolle.
3.2.22
Dir kann passieren, was will. Es gibt immer einen, der es kommen sah.
14.00 Uhr: Die 2. Auffrischimpfung ist offiziell:
Für Menschen mit Autoimmunerkrankungen und über 70-jährige wird der 2. Booster 3 Monate nach dem ersten Booster empfohlen. Bei Menschen, die zwischendurch eine Covid-Erkrankung haben, zählt dies wie ein Booster. Wir bieten die Impfung ab sofort allen an.
Für Mitarbeitende wird der 2. Booster 6 Monate nach dem ersten Booster empfohlen. Da unser Personal im März erstgeimpft, im Mai zweitgeimpft und folglich im November geboostert ist, können wir genauso das Erscheinen der omikron-adjustierten Impfstoffvarianten abwarten.
8.00 Uhr: Die nächste Impfrunde wirft ihre Schatten voraus. Herr Mertens, Vorsitzender der Stiko hat bekanntgegeben, dass die Ständige Impfkommission sich mit der zweiten Boosterimpfung, also der vierten Impfung beschäftigt. Es wird also bald eine offizielle Verlautbarung kommen, die eine Empfehlung für über 60-jährige, Immungeschwächte (also Rheumatiker), das medizinische Personal, mehrere oder gar alle diese Gruppen ausspricht. Wir haben unsere Impfstoffbestellung für die Woche 8 also wieder erhöht, nachdem wir in Woche 7 Moderna entsorgen müssen, weil zwei Röhrchen verfallen. Wir werden den Impfstoff derzeit nicht los, die anderen viel impfenden Praxen haben dasselbe Problem. In Woche 7 haben wir gerade 2 Röhrchen Biontech bestellt, für Woche 8 ist jetzt eine prophetische Leistung gefordert.
Falls sich jemand fragt, ob ich das richtig finde: Ja, die 2. Boosterimpfung für vulnerable (verletzliche) Gruppen ist richtig. Deshalb machen wir sie schon für jeden, der sie will. Die Daten reichen langsam für eine Empfehlung. Ich finde es auch richtig, dass nebulös angekündigt wird, dass etwas kommt. Wenn die Empfehlung abends in den Nachrichten kommt, sollten wir bald einen vollen Kühlschrank haben und die Bestellfrist ist immer noch eine Woche, das Verfallsdatum der Impfstoffe 4 Wochen.
31.1.22
Genug ist besser als zuviel.
Laut der Antwort auf eine kleine Anfrage hat die Bundesregierung mitgeteilt (oder zugegeben), dass zu den 50 Millionen Impfdosen Biontech fürs erste Halbjahr 35 Millionen Moderna bestellt wurden. Handwerklicher Fehler: 35 Millionen Impfdosen reichen für 70 Millionen Booster. Das reicht.
Herr Bundeskanzler Olaf Scholz hat für den Januar das Ziel von 30 Millionen Impfungen ausgegeben. Dazu hätte es an mindestens einem der 31 Januartage mehr als eine Million Impfungen geben müssen. Das reichte nicht.
An Freitag hatten wir 33.000 Erstimpfungen in Deutschland. Bei dem Tempo – es entspricht der Nachfrage – brauchen wir noch 150 Tage zu den 80% und 606 tage zur Durchimpfung. Zum Vergleich: Die Geburtenrate ist bei 1900 pro Tag.
26.1.22
Mal was ganz Neues: Kein Patient hatte heute Beratungsbedarf zur Covid-Impfung, wir haben den ganzen Tag einfach normale Sprechstunde gemacht. Über was haben wir vor der Pandemie geredet?
25.1.22
Viel Böses wäre zu verhindern, wäre da nicht diese Gleichgültigkeit. (Katharina Eisenlöffel)
Die gute Nachricht: Impfstoff ist reichlich da. Wir müssen mindestens 4 Wochen nichts bestellen. Die schlechte Nachricht: Die Nachfrage reicht für ein bis zwei Vial Biontech dreimal pro Woche. Neue Impftermine gibt es nicht mehr, sie werden durch die letzten Zweitimpfungen vorgegeben. So pennt die Impfkampagne wieder einmal ein. Dafür schafft die Inzidenz diese Woche die Tausend – ein Rekord, aber kein Grund zum Stolz oder zur Beruhigung.
19.01.2022
Planung ohne Ausführung ist meistens nutzlos – Ausführung ohne Planung ist meistens fatal.
Wir haben ungeplant nicht geimpft. Gestern standen 5 Patienten für Biontech drin, 1 sagte in der Nacht ab, 2 waren dann schon geimpft und die letzten 2 wohnten in der Nähe. So haben wir die Packung zugelassen und die zwei in der Praxis anwesend umbestellt. Man kommt sich vor, als hätte man die Impfung als Waffe gegen Corona leichtfertig weggeworfen. Dazu passend gab es heute 112323 neue Erkrankungen. Es geht also aufwärts. Leider ist „aufwärts“ hier genauso ein Euphemismus wie „Höhepunkt“ oder „positiv“.
Mit Grusel sehe ich die Impfpflicht. Einerseits bin ich dafür. Andererseits sehe ich das Argument der Gegner, eine Impfpflicht wäre nicht durchsetzbar, deutlich. Ein Impfregister ist gegen die Datenschützer nicht durchsetzbar. Wenn es doch ein Register gäbe, fiele uns die alte Datenlage auf die Füsse und die schlechte Dokumentation der Anfangsimpfungen erleichtert es Fälschern und Betrügern. Wie sanktionieren wir dann die indentifizierten Ungeimpften?
Auf der dritten Seite sehe ich die Abgeordneten im Bundestag, die das beschließen sollen. Der Fraktionszwang wird aufgehoben. Da schon alle befragt wurden und viele sich öffentlich positioniert haben, kann man ja schon mal ahnen: Die Abgeordneten der SPD und der Grünen sind zumindest öffentlich dafür. Die Abgeordneten der FDP werden nach ihrem Gewissen verschieden entscheiden – nicht genug. Die AFD ist immer gegen die Impfung. Das ist voraussehbar. Die Abgeordneten der CDU und der CSU werden entscheiden müssen, ob sie gegen ihre Überzeugung mit dem Kanzler oder gegen ihre Überzeugung mit der AFD zusammen abstimmen. Sachargumente könnten eine geringere Rolle spielen als Parteitaktik.
So bleibt nur zu hoffen, dass Omikron durch und die Endemie von Omikron da ist, bevor der Bundestag aus den Puschen kommt. „Scholz packt das an“ war vor der Wahl.
18.01.21
Motto des Tages: Zwischen Ordnung und einer neuen Ordnung liegt Unordnung. (Georg Wilhelm Exler)
Gestern wurden 6 Vials Biontech geliefert und kein Moderna – wir haben nichts bestellt. Für nächste Woche bleibt unsere Bestellung auch für Biontech unter der Höchstbestellmenge. Jetzt rächt sich, dass wir vor 3 Monaten Impftermine für jetzt vereinbart haben. Fast alle haben nach der Verkürzung der Boosterempfehlung von 6 auf 3 Monate abgesagt. Fast jeden Tag steht ein Patient drin, der von weit kommt, nicht erreichbar war und eventuell auf die alte Impfzusage vertraut.
In Zukunft planen wir vorerst je einen Impftermin pro Woche mit Moderna und Biontech, um die Restmengen zu begrenzen. Das gibt weniger Auswahl, damit wird die Terminvereinbarung schwieriger. Bei einer Patientin, die 5 Terminvorschläge ablehnte (Wassergymnastik, Jogginggruppe, Einkaufen mit der Tochter, „so früh steh ich nicht auf“ und der Hundefriseur waren im Weg), habe ich dann entschieden, kein Impfangebot zu machen. Wir wurden dann in der Priorität vor den Hundefriseur gesetzt und durften die Patientin impfen.
Zwei Entscheidungen der Stiko könnten die Nachfrage erhöhen: der Genesenenstatus gilt seit Freitag drei Monate, nicht mehr sechs. Die mit Johnson/Johnson geimpften gelten erst nach Optimierungsimpfung (MRNA-Impfung 4 Wochen später) als geimpft und erst 14 Tage nach Drittimpfung als geboostert.
An der Impfnachfrage merkt man das kaum. Allerdings ist zu vermuten, dass die jetzt ungeimpft Erkrankten häufig Impfverweigerer waren und kaum zügig zu weiteren Impfungen kommen werden.
15.01.22
Es gibt endlich belastbare Daten des Robert-Koch-Institut zum Verhältnis der Geimpften gegen Ungeimpfte auf Intensivstationen. Obwohl die Ungeimpften nur noch 25% der Bevölkerung ausmachen, stellen sie zwei Drittel der covidbedingten Belegung der Intensivstationen. Das ist ein deutlicher Effekt. Nicht eingerechnet sind diejenigen, deren Impfzeugnisse falsch sind. Auch hier gibt es hoffentlich bald Informationen. Was kann man lernen: Weiterimpfen und weiter impfen lassen!
13.01.22.
Wenn man tot ist, merkt man das nicht. Es ist schlimm für die anderen. Genauso ist es, wenn man doof ist.
Gestern haben wir zum ersten Mal seit Monaten nicht geimpft – es gab nur eine Nachfrage, dafür lohnt das Öffnen eines Röhrchen nicht. Der Patient war traurig, er hat die erste Impfung schließlich bei uns auch ohne Vorplanung erhalten.
Auf der anderen Seite waren alle hier in Deutschland geborenen Patienten (ich mag mich nicht an Patient_*Innen gewöhnen) geboostert. Die vier Ungeimpften des Tages waren dem rein russischen oder russlanddeutschen Ethnienkreis zuzuordnen.
Dort gab es ein neues Argument gegen das Impfen: Schon oft habe mir angehört, dass ich wie alle Geimpften bald sterben werde. Gestern hat mit eine völlig humorlose ehemalige Wolgadeutsche erklärt, ich sei schon tot. Ich wisse es nur noch nicht. Ich konnte ihr nicht klarmachen, dass ich glaube, das ich lebe. Aber sie lässt sich weiter von einem toten Rheumatologen behandeln. Surreal. Damit möchte ich kein Russlanddeutschenbashing starten – wir hatten auch je eine Ungeimpfte aus Italien/Wolfsburg, der Türkei und Syrien. Es ist gut, wenn niemand eine saubere Statistik hat, wie sich die Impfbereitschaft über die Ethnien verteilt. Wir haben genug Spaltung im Land.
Heute werden es sechs Einheiten Biontech – falls alle kommen. Dazu öffnen wir wegen einer geplanten Zweitimpfung ein Röhrchen Moderna und wissen schon, dass wir nicht viel verbrauchen können.
11.1.22
Unbegrenztes Wachstum gibt es nur bei bösen Tumoren.
Die gute Nachricht: Es ist reichlich Impfstoff da, sowohl von Moderna als auch von Biontech. Im Terminkalender standen 22 Impfungen mit Moderna und 19 mit Biontech. 5 Absagen am Morgen + ganz viele Nichterscheiner macht 12 Impfungen mit Moderna, 10 entsorgt, 11 Biontech, 2 entsorgt. Keine Erstimpflinge, keine spontan dazugekommenen aus der laufenden Sprechstunde. Die schlechte Nachricht: Viele Menschen, die geimpft sind, wollen sich nicht boostern lassen.
Zwei Impflinge kamen hochbetagt mit laufender Rheuma- oder Chemotherapie zur vierten Impfung. Die Stiko redet noch nicht über die vierte Impfung, die Landesgesundheitsminister sind also schneller oder übereifrig. Der Schutz nach drei Impfungen ist so gut, dass der Zusatznutzen für Immungesunde schwer nachzuweisen sein könnte. Also bieten wir die vierte Impfung drei Monate nach den Boostern an. Aber wir empfehlen die vierte Impfung erst, wenn mit den Omikron-adjustierten MRNA-Impfstoffen ein Zusatznutzen entsteht oder wenn Daten aus Israel den Zusatznutzen zeigen.
28.12.
Um durch die Welt zu kommen, ist es zweckmäßig, einen großen Vorrat von Vorsicht und Nachsicht mitzunehmen. Schopenhauer
Jeden Freitag hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil wir meist noch Impfstoff für den Montag im Kühlschrank hatten und man das beim aktuellen Biontechmangel als Hamstern bezeichnen könnte. Gestern war ich in der Apotheke, um unsere Impfstoffe abzuholen. Dort hat man über die Feiertage erfahren, dass diese und nächste Woche erst Dienstag Nachmittag ausgeliefert wird. Wir hätten heute 46 Absagen machen müssen. Ich bin traurig, dass auch die letzten Vorsichtsmassnahmen in dieser Pandemie gebraucht werden.
23.12.21
Nur 2 kleine News: Nächste Woche gibt es genug Comirnaty, wir können sogar noch 8 weitere Patienten planen. Keine Absagen – eine Angst weniger über Weihnachten.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat bekanntgegeben, dass es ab morgen bis 9. Januar 2022 8 € mehr pro Impfung gibt. Das ist nett.. Geld ist nie unwillkommen. Die Maßnahme kommt zu spät, um noch jemanden zum mehr Impfen zu motivieren. Wir hätten mehr Termine angeboten, wenn wir mehr Impfstoff sicher planbar hätten. Schöne Weihnachten!
22.12.21
Der beste Arzt ist die Natur, denn sie heilt nicht nur viele Leiden, sondern spricht auch nie schlecht von einem Kollegen. (Ferdinand Sauerbruch, Chirurg)
Zwei Dinge beschäftigen uns: Die Stiko hat gestern ihre Empfehlung zum Zeitpunkt der Boosterimpfung auf drei Monate verkürzt. Die Entscheidung ist gut, sie bereinigt einander widersprechende Auffassungen. Alles könnte gut sein. Auf der anderen Seite ist heute der letzte Tag vor der Weihnachtspause, wo wir impfen könnten. Es ist der erste Tag, wo wir kein Röhrchen Moderna öffnen, weil die Nachfrage nicht ausreicht. Biontech könnten wir mehr impfen, wenn wir mehr hätten. Auch in der Planung haben wir nur noch wenige Tage mit einem Impfangebot. Die Nachfrage reicht nicht mehr zum Öffnen eines Röhrchens mit 20-24 Einzeldosen Spikevax.
Das andere: Es gibt Ärzte, die aktuell ihre Sprechstunden auf ein Minimum oder auf Null heruntergefahren haben, um ganztägig zu impfen. Die Kollegen machen ohne Absprachen mit den Kollegen vor Ort großangelegte und öffentlich unterstützte Wochenendimpfaktionen auch weit von ihren Praxen entfernt. Bei den Ärzten vor Ort hagelt es dann Impfabsagen. Auch ein großer Teil unserer Impfausfälle ist direkte Folge dieser Aktionen. In der Whatsapp-Gruppe impfender Ärzte gibt es eine Diskussion, ob man diese Ärzte eher als Heuschrecken, die die attraktive finanzielle Förderung von Impfaktionen voll mitnehmen und dafür ihre Patienten vernachlässigen, ansehen soll oder als Helden der Coronabekämpfungs. Ich weiß die Antwort nicht. Mein Bauchgefühl sagt : „Landplage“
18.12.21
Motto: Es gibt viele Wege aus der Pandemie. Panik ist keiner davon.
Die Nachfrage nach Boosterimpfungen ist so gestiegen, dass sich ein zusätzlicher Impfnachmittag am Freitag lohnte. Zwanzig Impfungen pro Stunde waren zu dritt gut zu schaffen. Zwei Leute kamen nicht, zum Schluss haben wir eine halbe Stunde auf eine Nachrückerin gewartet. Mit deren Nachbeobachtungszeit wurde es dunkel, bis wir zu Hause waren. In der nächsten Woche sind wieder 20 Impftermine mit Moderna frei. Wenn man zur Zeit längerfristige Impftermine vergibt, gibt es viele Nichtkommer und Absagen.
In der nächsten Woche bekommen wir 4 Impfdosen Comirnaty, das reicht für eine Stunde Impfen. Wir können gerade so alle versprochenen Impfungen für unter 30-jährige sicherstellen, mehr nicht. Moderna ist ausreichend da auch für die Zeit „zwischen den Jahren“. Wir wissen nicht, wieviel Comirnaty es in der Kalenderwoche 52 gibt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schreibt, wir dürfen pro Arzt 5 Vials Biontech bestellen, die Lieferung kann aber auch 1 Vial pro Arzt gekürzt werden. Dann müssten wir zum ersten Mal Patienten die Impfung absagen.
Richtig ratlos machte mich die Anfrage einer Patientin, ob man nach dreimal Biontech besser Moderna oder das vierte Mal Biontech impft. Wieso nach dreimal Biontech? Die Nachfrage gab die Erklärung: Ein großes Altenheim hier im Dorf war im März durchgeimpft, folgerichtig im September durchgeboostert und plant jetzt nach Aussage einer Mitarbeiterin die nächste Boosterrunde für Februar 22. Zunächst finde ich es daneben, die zweite Boosterrunde zu beginnen, bevor die Zulassung der Impfstoffe und die Stiko einen solchen Schritt möglich machen. Dann finde ich es asozial, weil in Afrika die meisten garnichts und in Deutschland zu der Zeit viele den Booster noch nicht haben. Und dann halte ich es taktisch für unklug bis blöde, kurz vor der Verfügbarkeit der Omikron-angepassten Impfstoffe zu boostern. Man könnte auch warten, bis die neuen Impfstoffe da sind, sonst hat man den dritten Booster und die fünfte Impfung im Mai.
Ich habe lange nachgedacht, ob ich etwas gegen diesen Wildwuchs unternehme. Entweder mache ich mich unmöglich, weil der Verdacht eine Ente war oder ich verhindere mit einer lauten Nachfrage eine Sauerei. Entschluss Ich tue etwas. Mehr als einen roten Kopf riskiere ich ja nicht.
13.12.
Motto: In der Ruhe liegt die Kraft.
Der Anteil der Geboosterten steigt. Wir merken das, weil kaum noch Patienten aus der laufenden Sprechstunde eine Impfung wünschen. Gestern waren es gerade 5 ungeplante Impfungen. Trotzdem sind unsere Impftermine bis Weihnachten ausgebucht. Daher haben wir für Freitag nochmal 50 Plätze am Nachmittag ausserhalb der Sprechstunde für Angehörige und Praxisfremde aufgemacht. Die Nachfrage ist auch ohne Werbung hoch.
Nebenbei: Wir haben gestern wie bestellt je 10 Röhrchen Biontech und Moderna bekommen. Dadurch gibt es einen kleinen Vorrat und Sonderimpfaktionen sind möglich.
11.12.
Motto: Was früher Industriespionage hieß und mit der Todesstrafe bedroht war, heißt heute Benchmarking. Wehe, man macht nicht mit.
In der Gifhorner Zeitung war heute zu lesen, dass es in Gifhorn wöchentlich wechselnde Impfschwerpunktpraxen gibt. Hier schafft man täglich 200 Impfungen, wenn man gleichzeitig die Patientenversorgung einstellt. Das ist sicher weniger als das Impfzentrum mit 800 Impfungen täglich mit 6 Ärzten und bis zu 30 Mann Personal. Klingt trotzdem effizienter. Wir schaffen 200 Impfungen pro Woche bei laufendem Betrieb.
10.12.
Motto des Tages: Planung ist der Austausch des Zufalls durch den Irrtum.
Plan heute: 30 Patienten geplant – 12 für Biontech, 18 für Moderna. 2 unverplante Einzeldosen wird man los.
Realität: 6 Patienten aus der laufenden Sprechstunde liessen sich impfen. 3 Absagen am frühen Morgen, 5 Impfdosen kamen mehr aus den Röhrchen, als draufstand. Viele Patienten sind nicht erschienen. So war der Tag ruhig, zum Feierabend haben wir 7 Dosen Spikevax (das tut weh) und zwei Dosen Comirnaty (das ist bitter) in den Müll getan. Impfstoff von Biontech mussten wir noch nie entsorgen.
Dabei hatten wir insgesamt 4 Patienten, die schon vor Ort in der Praxis waren, ungeboostert waren und dann einen Termin in der nächsten Woche wollten wegen; „Impfen geht während der Arbeitszeit und ich riskiere doch keine Impfreaktion am Wochenende, wenn ich in der Woche deshalb krankgeschrieben werden könnte.“ Wir fanden die Diskussion asozial. Da wir mit Schimpfen nicht aus der Pandemie kommen, haben wir auch diesen Menschen die gewünschten Termine gegeben.
Durch die unterschiedlichen Vorgaben über die Frist vor der Boosterimpfung gibt es einen unnötigen Wettlauf um die Patienten. Alle sind dabei frustriert. Der naheliegendste Gedanke ist „Einfach weniger impfen.“ Das ist unbefriedigend, trotz aller Luxusvorstellunge suchen Millionen Menschen in Deutschland einen Boostertermin.
Wahrscheinlich werden wir nur noch eine Woche Terminvorlauf für Impfungen planen. In sieben Tagen kann die Politik die Vorgaben nicht so ändern, dass die Patienten die vereinbarten Termine zu spät finden und nochneinmal auf die Suche gehen.
9.12.21, 21.42 Uhr
Motto des Tages: Ein schlechter Plan ist wie eine Anleitung zum Scheitern. Meister Yoda?
Unser neuer Gesundheitsminister Professor Lauterbach schaffte es, in einer Amtszeit von unter 24 Stunden ein heilloses Chaos mit mindestens 0,9 Spahn anzurichten. Wir erfuhren soeben über Whattsapp von einer Mail des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums:
… Wie in beiden Mails von heute Morgen eindeutig ausgeführt, beziehen sich die Angaben zum verminderten Impfabstand ausschließlich auf Personen, die in einem Impfzentrum oder bei einem mobilen Impfteam erscheinen und sich boostern lassen wollen. Wenn diese Auffrischungsimpfung explizit gewünscht wird, sollen bitte keine Menschen mehr abgewiesen werden. Einzige Ausnahme sollte sein, wenn die Zweitimpfung weniger als 4 Wochen zurück liegt.
Es ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Auffrischungsimpfungen nochmals ansteigen wird, nachdem unser Bundesgesundheitsminister seit gestern in den Medien verkündet, dass man nur geboostert gegen die Omikron-Variante geschützt ist!
Weitergehende Anweisungen oder Empfehlungen gibt es von Seiten des MS nicht. …
Mit freundlichen Grüßen Im Auftrage Axxxxxxxxx Sxxxxxxxx (Aus Datenschutzgründen geschwärzt)
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
In Deutsch: Der Abstand zwischen Impfung und Boosterung ist jetzt nicht mehr bei 6 Monaten (Stiko), 5 Monaten (Ausnahme), 4 Monaten (Spahn) oder nach 3 Monaten (heutige Verlautbarung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA). Die Das Immunsystem bildet jetzt im vorauseilenden Gehorsam auf eine Weisung, Äußerung oder ein Tweet von Herrn Prof. Dr. Lauterbach die durch Boostern zu verstärkenden Antikörper in 4 Wochen. Das gilt aber nur, wenn die Impfung in einem Impfzentrum erfolgt. Für uns Niedergelassenen gelten vorerst die alten, auch nicht eindeutigen Regeln.
Nachsatz: Die WHO ist gegen das Boostern, solange nicht alle Menschen grundimmunisiert sind. Das ist auch verständlich. Ich finde es auch richtig, dass wir als Deutsche einen überproportionalen Beitrag zur Sanierung der Welt vor Corona leisten. Damit wir uns das leisten können, müssen wir allerdings zuerst Corona in Deutschland im Griff haben, sonst bekommen wir Wahlplakate der AfD wie „Impfstoff für Afrika, doch für die Oma ist nix da.“
Nebenbei: Heute gab es eine Drohung einer Anzeige, weil wir Moderna statt Biontech verimpft haben und der Patient das trotz kurzem Gespräch erst hinterher begriffen hat. Dazu war der Briefkasten voll Werbung von Impfgegnern aus der Quelle anthroposophische Unifugität Witten-Herdecke. Zusammenfassung: Wir sind Todesengel und Vitamin C und D helfen ausreichend gegen das völlig überbewertete Coronavirus. Ich halte das für alternative Fakten.
9.12.21, morgens
Ein neuer Gesundheitsminister – und er tut als Erstes etwas mit viel Getöse, was schon lange nötig war: Eine Inventur. Bald wird Herr Lauterbach erfahren, wieviel Impfstoff wirklich da ist und wir, wieviel wir wann bekommen.
In der nächsten Woche bekommen wir den bestellten Impfstoff von Biontech und Moderna – dank vieler Umbestellungen können wir die Versorgung aller Kinder und jungen Frauen mit Biontech sicherstellen. Andererseits: Bisher gab es keine Probleme mit Moderna, die Flaschen waren jeden Tag zum Feierabend fast alle. Montag und Donnerstag wurden mehrere Fläschchen Moderna verimpft. Es geht also mal eine Woche alles gut. Traurig ist nur, dass sich pro Tag um 75.000 Menschen erstimpfen lassen, bei uns ist nicht jeden Tag einer dabei. Wenn die Impfquote so bleibt, wären das noch 200 Tage Diskussionen mit Ungeimpften.
Damit der Text nicht langweilig wird, mal 3 von den Diskussionen, die wir jeden Tag so führen dürfen:
„Ich möchte mich gerne boostern lassen. Ich habe bisher keine Erstimpfung. Machen Sie sowas?“ Ja, klar doch, gerne. Logisch! Und wenn Sie sich nach 4 Wochen nochmal boostern lassen, bekommen Sie sogar einem Bescheinigung über eine Erst- und Zweitimpfung. Eine Boosterbescheinigung dauert dann noch 5 Monate und den dritten Pieks.
„Stimmt es, dass die Coronaimpfung die spirituelle Entwicklung stört?“ Jawohl. Ziel der spirituellen Entwicklung ist die Erleuchtung, Nahtoderfahrungen sollen hilfreich sein. Als Ungeimpfter hat man höhere Chancen, das zu erleben. Es könnte allerdings sein, dass der Lärm und die Apparate auf einer Intensivstation beim Meditieren stören.
„Wenn Sie Biontech für mich haben, wieso nicht für meine Oma?“ Weil Menschen mit einer Oma häufig unter 30 Jahren alt sind, Leute mit Enkeln eher selten. Vielleicht gibt es bald wieder Biontech unlimitiert, bis Jahresanfang ist die Menge begrenzt und reicht nur für die jüngeren. Die dürfen kein Spikevax bekommen.
3.12.21
Ab Dienstag haben wir jeden Tag morgens eine 20er Flasche Spikevax für „Laufkundschaft“, also ungeplante Impfanfragen, angestochen und jeden Tag war diese Flasche erst in der letzten Stunde vor Feierabend leer. Nur Mittwoch kam der letzte Spontanimpfling drei Minuten nach Feierabend und durfte mir dann noch 20 Minuten beim Computerschrauben zusehen. Durch das zusätzliche Angebot wurde die Anzahl der Impfungen verdoppelt und die Praxis ist rammelvoll. Für die nächste Woche wurde die Lieferzusage von 16 Vials Biontech (Spahn) über 12 Vials (Korrektur der Kassenärztlichen Vereinigung) auf 8 Vials reduziert. Für 22 Vials stehen Patienten im Terminkalender. Daher können wir Biontech nur noch für unter 30-jährige anbieten. Erfreulicherweise haben nur sehr wenige Patienten große Probleme mit der Umstellung auf Moderna.
Bisher habe ich die Parole der Regierung „30 Millionen Impfungen bis Jahreswechsel“ für großspuriges Gelaber eines scheidenden Gesundheitsministers gehalten. Wenn man sich einen Taschenrechner nimmt, wären das bei 75.000 Kassenärzten gerade 400 Impfungen pro Arzt und das ist machbar, da liegen wir sogar drüber. Laut Impfdashboard sind wir jetzt bei 1 Million Impfungen pro tag, Tendenz steigend. 17 Arbeitstage hat das Jahr noch, also stimmt zumindest die Dimension. Absehbare Probleme:
Impfstoffzufuhr – wir können alle nur verimpfen, was da ist. Derzeit werden unsere Bestellungen gekürzt.
Bis 31.7. waren 43,6 Millionen Menschen vollständig geimpft. 12,2 Millionen Menschen sind schon geboostert. Es verbleiben 31,5 Millionen Boosterkandidaten, die alle den Wunsch haben müssen, sich schon nach 5 Monaten und auch zwischen Weihnachten und Sylvester impfen zu lassen. Viele Menschen möchten das erst im Januar. Erstimpflinge gibt es derzeit 80.000 pro Tag, das sind 1,6 Millionen, kein wesentlicher Beitrag zu dem Rechenbeispiel. Durch die Diskussion um die Impfpflicht steigt erstmal die Verbitterung der Ungeimpften. Bis die Menschen dann losgehen, ist Weihnachten vorbei. Kaum jemand, der die Impfung bisher vermieden hat, möchte Weihnachten wegen Nebenwirkungen flachliegen.
Leider impfen nur 4.000 der 14.500 Kassenärzte in Niedersachsen. Damit müsste jeder der Gutwilligen nicht 400, sondern 1450 Impfungen schaffen, also 90 pro Arbeitstag. Da das nicht realistisch ist, sollen jetzt Apotheker, Zahnärzte und Tierärzte, nach anderen Quellen auch Altenpflegerinnen und Hebammen impfen. Abgesehen davon, dass diese guten Leute alle auch so zu tun haben, gibt es ein Bürokratieproblem: Entweder müssen die dieselbe Schreiberei mit täglichen Meldungen ans RKI, Abrechnung und Dokumentation machen, dann sind sie schnell sauer und wollen nicht mehr. Oder die neue Impfarmee muss diesen ganzen Mist nicht machen – dann sind die Ärzte sauer.
Fazit: „Hohe, aber erreichbare Ziele sind es, die uns im Titelkampf voranbringen!“ Erich Honecker vor irgendeinem Plenum des ZK der SED. Der Mann lebt nicht mehr und fällt entweder unter ganz kleine oder unter gar keine Propheten. Recht hat er trotzdem. Wir werden die 30 Millionen Impfungen nur schaffen, weil niemand den Startpunkt der Parole festgelegt hat und wir beliebig viel schon Verimpftes mit einrechnen können. Und der Kern der Botschaft: „Impfen, Impfen, nochmals Impfen!“ ist richtig.
31.11.21
Morgens: Nach einem Wochenende, an dem mit Omikron eine neue Virusvariante die Nachrichten beherrschte, steigt die Boosternachfrage rapide an. Gestern bekamen wir 96 Dosen Biontech und 100 Dosen Spikevax, nächste Woche gibt es 60 Dosen Biontech und unlimitiert Spikevax. Wir werden sehen, wie die Patienten das unangekündigte Wechseln des Impfstoffes tolerieren, denn aktuell sind jeder Woche 132 Dosen Biontech verplant. Alle Patienten vorher anrufen wird beim aktuellen Krankenstand nichts.
Abends: Dafür hat etwas anderes gut geklappt: Wir haben am Beginn der Sprechstunde ein Vial Spikevax geöffnet für alle, die spontan nach einer Impfung fragen und zum Feierabend waren 20 Einzeldosen vergeben – einfach so ohne Planung und ohne Werbung. Die Akzeptanz des Impfstoffes von Moderna war gut, also 50 % ohne Protest „schön, dass das gleich klappt!“ und 50 % mit erträglichen Gesprächen wie „Haben Sie denn kein Biontech?“
Dabei gab es sogar zwei spontane Erstimpfungen. Morgen wiederholen wir das.
Ein besonderes Problem scheinen gefälschte Impfpässe zu sein. Aus Apotheken wird von gefälschten Stempeln zweier Gifhorner Ärzte berichtet und bei DocCheck tummeln sich Ärzte, die das Bescheinigen nicht erfolgter Impfungen ein legitimes Mittel zum Feeiheitskampf sehen. Der Fahndungsdruck und die Strafen bei nachgewiesener Impfpassfälschung sollten höher sein. Vor allem kommen die Inhaber gefälschter Impfpässe gefühlt häufig aus einem Milieu, das das Fälschen von Unterlagen bei Asylbewerbern ganz schlimm findet.
Die einfachste Lösung wäre, wenn nur noch derjenige ein elektronisches Impfzertifikat ausstellen darf, der selbst geimpft hat. Aber die Lösung ist apothekenfeindlich.
Was passiert, wenn jemand mich oder unser Personal nach gezielten Unkorrektheiten bei der Erstellung von Impfausweisen fragt? Die Antwort findet man im Strafgesetzbuch § 299a „Bestechlichkeit im Gesundheitswesen“. Der Versuch ist strafbar. Die ärztliche Schweigepflicht gilt nicht, wenn man einen Arzt zu Straftaten ermuntern will.
Ich würde gerne mal wissen, wie viele Impfdurchbrüche zu Lasten von Johnson/Johnson gehen und wie viele zu Lasten von falschen Impfpässen. Wir werden beides leider nicht erfahren.
24.11.21
Am Montag haben wir nicht die bestellten 96 Impfdosen geliefert bekommen, sondern 18.
22.11.21
Herr Spahn rudert zurück und wir dürfen 8 Röhrchen Biontech pro Arzt bestellen. Das reicht nicht. Übrigens kommen aus einer Flasche Spikevax 20 Impfdosen. Hurra, jetzt können wir die Patienten in 20er Grüppchen planen, wo doch 6 manchmal für Enge sorgten.
21.11.21
Dieses Wochenende hat Herr Spahn seine letzte Chance genutzt, die Impfkampagne zu stören und seine Inkompetenz unter Beweis zu stellen. Problem: Erst fordert er viele Impfungen von den Ärzten, dann teilt er zu Zeiten, wo die Patienten schon aufgeklärt sind, mit, dass die Höchstbestellmenge Biontech pro Arzt bei dreißig Dosen liegt und dass es oberhalb davon Moderna gibt. Das hätte man eher sagen können, meint er. Da hat er sogar recht.
Konsequenzen: Zunächst kommt Moderna in 10er Flaschen, Biontech kam in 6er Gebinden. Da werden wir viele Patienten umbestellen oder viel wegwerfen müssen. Dann ist Moderna für Frauen unter dreißig und Jugendliche nicht zugelassen. Wieder ein paar Leute umbestellen, das schafft Vertrauen.
Und natürlich wissen wir nicht, was morgen an Impfstoff kommt: 30 Einzeldosen Comirnaty für die Praxis wären ein ernsthaftes Problem, 30 Einzeldosen pro Arzt bedeutet Mischen Comirnaty/Moderna 50/50. Das wäre uns zumutbar. 30 Röhrchen pro Arzt wäre mehr als unser Wochenverbrauch, der ganze Radau würde uns nicht tangieren. Trotzdem bin ich sauer, denn ich habe heute 2 Stunden mit dem Beantworten von Mails mit den Fragen wie: „Was verimpfen Sie morgen? Was sind die Unterschiede?? Wenn mein Hausarzt mir Moderna anbietet, kann ich dann auch zu Ihnen kommen???“ verbracht.
Spahn nervt. Und wir verteilen nächste Woche Biontech, es sind noch über 40 Plätze frei.
18.11.21
Die Stiko hat gesprochen: Boosterung für alle ab 12 empfohlen und schon nach 5 Monaten möglich. Morgen stehen gerade 6 Patienten in der Planung und 12 Plätze sind frei. Schauen wir mal, wie viele Anfragen bis morgen eingehen und wie viele davon nicht gleich kommen wollen, wenn man ihnen das anbietet.
17.11.21
Zunächst die eigene Sache: Die zweite Impfung des Praxispersonales mit Comirnaty ist sechs Monate her, so stand am Montag das Boostern an. Am Dienstag gab es bei 9 geimpften Mitarbeiterinnen 4 Krankmeldungen wegen Impfreaktion. Heute waren alle wieder da.
Die Impfnachfrage steigt etwas an, diese Woche 12 Röhrchen oder 72 Impfungen. Was immer wieder hinterfragt wird, sind Impfungen jetzt gleich, ohne Termin, Planung und Absprache. So etwas ist ab 5 Röhrchen pro Tag vorstellbar, weil dann innerhalb von 2 Stunden immer ein angefangenes Vial verbraucht wird und wir maximal 5 Impfdosen zum Feierabend entsorgen. Verschwendung wäre es trotzdem, also nein.
200 Einzeldosen sind im Kühlschrank, falls die Stiko am Donnerstag endlich die Boosterung für alle über 18 empfiehlt. Bisher ist das nur ein Gerücht.
Nebenbei: Die Bezahlung pro Impfung wurde angehoben und es gibt eine Förderung für zusàtzliche Impfsprechstunden. Leider ist bei uns immer noch die mangelnde Nachfrage nach Impfungen das Hemmnis, nicht die ärztliche Motivation. Vielleicht ändert sich das, wenn 2G für alle Einzelhandelsgeschäfte oder 3G am Arbeitsplatz Norm werden. Dann wird die Bundesregierung beziehungsweise das, was derzeit in der Schwebe ist, wieder so lange Übergangsfristen einbauen, das der Motivationseffekt wegbleiben.
1.11.21
In der Zeitung können wir lesen, dass Herr Spahn und Herr Lauterbach wegen der vielen Booster-Impfungen die Impfzentren wiedereröffnen möchte. Bei uns ist die Nachfrage nicht so hoch, dass das nötig wäre. 24 Comirnaty-Impfungen und 30 Grippeschutzimpfungen pro Woche sind machbar. Beim dem diesjährigen Grippeimpfstoff haben wir nicht wie sonst bei jedem Zehnten eine Impfgrippe, sondern bisher nur 3 schlechte Rückmeldungen = jeder Fünfzigste. Der Impfstoff ist überreichlich vorhanden. Wir wurden gefragt, ob wir das Grippeimpfstoffkontingent eines erkrankten Hausarztes übernehmen wollen. Ich habe „ja“ gesagt, anstatt zu fragen: „Wie viel ist es ?“. Manche Entscheidung bereut man etwas.
7.10.21
Heute gab es gerade mal eine Erstimpfung, ein paar Auffrischungen, doch die Nadelarbeit reißt nicht ab: täglich 20 Grippeschutzimpfungen, ein paar Prevenar und Pneumovac gegen Lungenentzündungen, etwas Shringix gegen Herpes und Auffrischungen von Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Polio (Boostrix-Polio) sorgen dafür, dass wir alle mit der Nadelarbeit fit bleiben. Wenigstens gibt hier immer Einzeldosen und keinen Papierkram.
Dafür gibt es neue Impfempfehlungen.
24.9.21
Nichts Neues: eine Erstimpfung und eine Zweitimpfung innerhalb einer Woche, der Hauptteil sind Drittimpfungen für Rheumatiker. Die Reaktionen der Ungeimpften, wenn man sie auf die Impfung anspricht, sind zu 50% gelassen und zu 50% aggressiv. Aus Selbstschutzgründen investieren wir keine Zeit mehr in Versuche, Ungeimpfte zu überzeugen.
Wenn es eine rechtliche Möglichkeit gibt, 2G-Praxis zu werden, bieten wir das 4 Tage pro Woche an. Vielleicht erzeugt es ein gewissen Unbehagen für Ungeimpfte, zu wissen, dass sie mit ganz vielen anderen Ungeimpften in einem Wartezimmer sitzen. Möglicherweise motiviert das. Das Gefühl, 8 Stunden täglich Maske zu tragen, damit die Minderheit der Ungeimpften sich nicht bewegen müssen, ist weiterhin beklemmend, kommunikationsstörend und atemberaubend.
14.9.21
Nunmehr gibt es eine Impfempfehlung für Schwangere ab dem 4. Monat und für Stillende. Nur Impflinge, die gibt es nicht: 3 Erstimpfungen letzte Woche.
30.8.21
3 Wochen Urlaub, in der Zwischenzeit empfahl die Stiko die Impfung für Kinder von 12-17 und die Drittimpfung für Rheumatiker. Die Nachfrage nach Coronaimpfungen ist sehr verhalten, 14 Impfungen letzte Woche, davon eine Erstimpfung und – tatsächlich – eine Astra-Zeneca. Das dürfte die letzte Astra-Zeneca-Impfung bei uns gewesen sein.
13.7.21
Leider verstirbt die Impfkampagne vorzeitig an mangelnder Nachfrage. In der letzten Woche gab es genau zwei Erstimpfungen. Die Umstellung zur Kreuzimpfung lief problemlos, niemand wollte AstraZeneca. Diese Woche gibt es noch einmal 80 Zweitimpfungen. Dann sind für uns die Zeit der Massenimpfung zu Ende.
Bei vielen Patienten und bei mir steigt die Wut auf die Ungeimpften, die die vierte Welle der Covidimpfung alleine unter sich ausmachen und damit für uns alle die Maskensaison verlängern. Eine Impfpflicht bekommen wir in Deutschland nicht organisiert, ich möchte sie auch nicht durchsetzen. Den Standpunkt: „Wer Ungeimpften Freiheitsrechte zurückgibt, verspielt die letzte Chance auf Herdenimmunität und entzieht Geimpften unnötig die Freiheit!“ kann ich gut verstehen.
Die Festlegung einer Impfpflicht fürs Gesundheitswesen in Griechenland und Frankreich finde ich vorbildlich und auch für Schulen und Kindergärten notwendig.
Ein Ende der Maskenpflicht für Geimpfte würde dafür sorgen, dass die Impfverweigerer, Impfverpenner und die sehr wenigen nicht Impffähigen aus der Anonymität kommen und sich mit ihrem Status täglich auseinandersetzen müssen.
Genauso wäre es zumutbar, Flugreisen, Bahnreisen, Innenrestaurants, Massenveranstaltungen und Kinos nur für Geimpfte zu öffnen. Man kann ohne diese Dinge leben und wenn wir die Herdenimmunität erreichen wollen, dann muss es unpopulär und unangenehm für die werden, die den Herdenschutz nutzen und nichts beitragen.
Frau Merkel hat Stellung genommen: „Eine Impfpflicht ist nicht unser Weg.“ Darüber nachzudenken, ob man irgendwann die Coronatests für Ungeimpfte kostenpflichtig zu machen, ist weder ein Weg, noch ein Schritt. Es ist harmlose Wahltaktiererei, um niemanden zu verärgern. Zur Erinnerung: Covid-19 ist nicht harmlos.
1.7.21
Heute ist ein schwarzer Tag für die Biontech-Impfung: Wir haben zum ersten Mal eine Dosis Comirnaty entsorgen müssen, weil sich niemand mehr zum Impfen fand: Die gesamte Warteliste war schon woanders geimpft oder niemand erreichbar. Dafür müssen wir uns keinen Kopf mehr um Impfstofftrennung machen: Die Stiko empfiehlt die Kreuzimpfung Biontech nach Astra jetzt für alle. Damit brauchen wir kein AstraZeneca nachzubestellen und dürfen wieder mal alle Astrageimpften fragen: ob sie nach dem Impftermin jetzt auch den Impfstoff wechseln wollen. Jetzt warten wir auf die Empfehlung, auch die Johnson/Johnson-geimpften mit Biontech zu boostern.
26.6.21
Die Vorgaben für die Impfstoffbestellungen der 28. Kalenderwoche sind veröffentlicht: Jeder Arzt darf so viel Biontech und Astra-Zeneca bestellen, wie er möchte. Die Mindestliefermenge liegt bei 24 Impfdosen Comirnaty und 70 Impfdosen Vaxzevria + die benötigten Zweitimpfungen. So etwas ist leider nur möglich, weil viele Praxen nicht mehr impfen und weniger Besteller mehr Impfstoffe bekommen. So kommen wir uns ein wenig asozial vor, wenn wir von diesem großzügigen Angebot je ein Fläschchen beider Impfstoffe abrufen. Aber in der fraglichen Woche planen wir nur 3 Zweitimpfungen Biontech, weil es vor6 Wochen keinen Impfstoff für Erstimpfungen gab und wegen dem schlechten Spritzenmaterial nur 3 Zusatzdosen anfielen. Für Erstimpfungen fehlen uns durch Betriebsferien die Termine. Für Vaxzevria gibt es keine Nachfrage mehr. In der Woche danach wollen wir etwas Neues probieren: Es werden vormittags, wenn wir mehr Personal haben, jeden Montag, Dienstag und Donnerstag halb neun bis neun und halb zehn bis zehn je 6 Plätze Comirnaty vergeben – vorrangig an die letzten ungeimpften Rheumatiker und Patienten, die ein halbes Jahr nach überstandenem Covid die Boosterimpfung brauchen, dann aber auch an Patienten und ihre Angehörigen. Das sind dann jede Woche 36 Erstimpfungen ohne den Wahnsinn, dass 40 Leute gleichzeitig zur Impfkampagne kommen. Mittlerweile haben sich Nachbarn beschwert, weil es keine Parkplätze und unkontrolliert abgestellte Fahrzeuge auf den Gehwegen gibt, wenn wir impfen.
Ab Mitte Juli gibt es ein Angebot für die über 60-jährigen, die standhaft Vaxzevria verweigert haben: Wir akzeptieren sie als Nachrücker. Es ist besser, dass auch diese Leute geimpft werden als dass wir vorschriftsgemäß verärgerte Ungeimpfte hinterlassen. Ziel ist weiterhin die Herdenimmunität und das ist noch ein weiter Weg. Immerhin können wir behaupten, ein Einhunderttausendstel der Deutschen Impfkampagne mitgetragen zu haben. Es fühlte sich nach mehr an.
Im Niedersächsischen Ärzteblatt stand jetzt, 4.000 niedersächsische Ärzte hätten 1,5 Millionen Impfungen verteilt. Die Nachrichten hinter der Nachricht:
Wir sind Durchschnitt. 375 Impfungen pro Arzt schaffen die anderen also auch. Mehr Impfstoff gibt es nur schwer.
4000 Niedergelassene haben geimpft. Wir sind in Niedersachsen 10500 Niedergelassene. Was tun die anderen?
Was uns so richtig ankotzt, ist die Bezahlung: Wir bekommen für zwei Impfungen zusammen 40 €, dazu 4 € für die digitalen Impfausweise. Das ist OK. Für das Beglaubigen zweier fremder Impfungen mit digitalem Impfausweis bekommen wir 36 €. Das Verwalten der Weltrettung wird also immer noch höher angesehen als die Weltrettung selbst. Bleiben Sie logisch – wenn es die Regierung schon nicht tut.
17.6.21
Innerhalb von 2 Wochen ist die Rekrutierung zum Impfen völlig gekippt. Wir haben heute noch Impfplätze für Biontech frei und können auf einmal nicht mehr jeden Impfwunsch sicherstellen, weil die Zweitimpfung auf den Urlaub des Patienten oder der Praxis fällt. Wir werden mit Impfanfragen Biontech für 11-oder 70-jährige erfreut. Anfragen für Erstimpfungen mit Astra-Zeneca gibt es schon 2 Wochen nicht mehr. Langsam wird es schwierig, Patienten für Biontech zu rekrutieren. Daher bestellen wir jetzt nur noch so viel Impfstoff, wie wir für Zweitimpfungen benötigen. In den nächsten drei Wochen fallen die möglichen Zweitimpftermine in unsere Betriebsferien. Der Rest in den Dosen reicht für die letzten Erstimpfungen.
Die entsetzliche Konsequenz daraus: 50% der Bevölkerung sind geimpft. Wenn es jetzt schon schwierig wird, neue Impflinge zu finden, endet die Impfkampagne irgendwo zwischen 55 und 60 % und im Herbst starten wir die 4. Welle der Pandemie. Es wird Zeit, die nicht Impfwilligen zu motivieren – positiv ausgedrückt.
9.6.21
Die Impfzeiten sind nun geregelt: Zweimal ein Fläschchen Astra-Zeneca montags und dienstags, der Terminkalender ist voll bis August mit Zweitimpfungen. Zweimal wöchentlich bis zu vierzig Impfungen Biontech, wobei 36 Patienten Zweitimpfungen und priorisierte Rheumatiker sind und nur jedesmal vier Impfdosen für Nichtpriorisierte anfallen. Von einer Impfung für die Öffentlichkeit sind wir immer noch weit entfernt. Nur die Nachfrage ist durch das Ende der Priorisierung weiter gestiegen. Diese Woche gibt es 19 Einzeldosierungen für Erstimpfungen – 6 durch ein für Erstimpfunfen zugeteiltes Röhrchen, 5 weil wegen nur einer Zweitimpfung ein neues Röhrchen bestellt werden konnte und weitere 8 durch beim Aufziehen entstandene Reste von 12 Röhrchen. Wenn wir die wie vorgeschrieben entsorgen würden, wären also 42 % der möglichen Erstimpfungen weg. Irgendwie deprimierend.
2.6.21
Bei Impfungen von Priorisierten ist eine spürbare Sättigung erreicht. Wir hatten gestern erstmalig Probleme, vier zusätzliche Impfdosen Comirnaty zu verimpfen. Ein Autohaus, eine Bäckerei und zwei Apotheken sowie einige Bekannte mussten angerufen werden, damit nichts verfällt. Für den morgigen Tag sind noch 13 Impfplätze frei, auch das ist ungewohnt. Es scheint also genau richtig zu sein, dass in der nächsten Woche die Priorisierung fällt. Leider ist für die nächste Woche nur wenig Comirnaty angekündigt. In den drei Wochen drauf können wir keine Termine für Erstimpfungen anbieten,, weil wir wegen des anstehen VW-Werksurlaubes und unseres Jahresurlaubes keine Termine für die Zweitimpfung haben.
27.5.21
Herr Spahn macht endlich Ernst mit dem Impfen. Nächste Woche bekommen wir 12 Fläschchen Comirnaty. Damit können wir endlich mal allen Rheumatikern in der laufenden Sprechstunde ein Angebot machen. Für öffentliche Impfangebote reicht das leider immer noch nicht. Vaxzevria bekommen wir nur noch für Zweitimpfungen. Da aufgrund der neuen Wahlfreiheit beim Zweittermin fast jede Woche ein oder zwei Leute Zweitimpfung haben, gibt es immer noch Impfstoff für Erstimpfungen. Die Wahlfreiheit beim Zweitimpftermin machen wir aber nicht mehr mit, wir legen das jetzt so fest, das immer 10er Gruppen entstehen. 4 Dosen Vaxzevria 1. Termin 1.6., Zweittermin 27.7. sind Stand 13.00 Uhr noch im Angebot. Der Aufreger der Woche war die Frage eines Sportvereins, ob wir junge Leistungssportlerinnen 16-18 Jahre alt durchimpfen können. Irgendwann kann sich das die Gesellschaft da leisten. Noch gehen chronisch Kranke vor.
20.5.21
Die Lieferankündigung für Impfstoffe für die 21. Kalenderwoche ist da: 24 Einzeldosen Comirnaty für Zweitimpfungen, nichts für Erstimpfungen und 10 Einzeldosen Vaxzevria von AstraZeneca, die zu gleichen Teilen in Erst- und Zweitimpfungen am Montag der 22. Kalenderwoche verplant sind. Eine Woche später dürfen dann die Betriebsärzte mitimpfen – wenn sie denn Impfstoff bekommen.
18.5.21
Zwei Impfrunden mit Vaxzevria für bisher nicht bekannte Patienten sind durch. Bilanz: über 200 Mailanfragen, daraus resultierten 35 Anmeldungen, (= 3 Abende Mailverkehr, Aufklärung und Diskussionen), 17 Abmeldungen in den letzten 12 Stunden vorm Termin und so sehr viel Schreiberei und Telefoniererei, um 18 Dosen zu verimpfen und 4 zu entsorgen. Das Projekt ist gescheitert. Wir versuchen, den letzten Termin für Neuimpfungen am 1.6. aufzufüllen – zweite Impfung am 26. Juli. Danach bieten wir keine Erstimpfungen mit AstraZeneca mehr an, weil zu den Zweitimpfungen immer wieder nur 3-4 Patienten im Buch stehen. Die Nachfrage ist zu gering und der Wegwerfanteil zu hoch.
15.5.21
Wir haben gehofft, wenigstens Vaxzevria von AstraZeneca reichlich anbieten zu können. Im Kühlschrank sind verplante 4 Ampullen. Überraschend wird nächste Woche kein AsraZeneca geliefert, so dass in der Woche nach Pfingsten keine Impfungen mit diesem Impfstoff geplant sind. Meine Neuentdeckung ist www.sofort-impfen.de. Wir werden das mal ausprobieren und schauen, ob so Impflinge für AstraZeneca gefunden werden.
11.5.21
Für die nächsten 2 Wochen ist die Impfstofflieferung beschränkt: Comirnaty von Biontech wird passend für die Zweitimpfungen der 14/15. Kalenderwoche geliefert plus genau ein Fläschchen. Da werden wir kaum neue Patienten impfen können. Vaxzevria von AstraZeneca gibt es (angeblich). Da unsere Patienten über 60 wegen des Rheumas meist die Ersten sind, an die der Hausarzt auch schon gedacht hat, finden wir meist nur einen passenden Patienten am Tag. Dafür haben wir für 2 Impfsprechstunden pro Woche ausreichend Nachfrage von Leuten, die wir überhaupt nicht kennen. Wir schaffen das, werden aber dafür keine Sprechstunden reduzieren, sondern eher die Impfstoffbestellung herunterfahren.
6.5.21
Erstmals haben wir vier Impftage in der Woche – immer in der Freizeit und neben der laufenden Sprechstunde. Für diese Woche gab es 48 Impfdosen Comirnaty und 40 Impfdosen Vaxzevria. Mittlerweile wissen wir, warum manchmal viel Impfstoff aus den Ampullen kommt und manchmal nicht: es liegt an der Qualität der Spritzen. Wenn die Feinspritzen mit vermindertem Totraumvolumen mitgeliefert werden wie auf dem Bild rechts, kommt mehr heraus. Selbst kaufen kann man so etwas derzeit nicht aus seriösen Quellen, der Markt ist leer.
27.4.21
Nächste Impfrunde mit Biontech. In der aktuellen Charge kommen aus einem Vial Biontech exakt die 6 zugesicherten Impfdosen. Das ist etwas weniger, aber dafür besser planbar. Heuten wurden die Patienten im exakten 3-Minuten-Abstand geimpft und das heißt: Es geht mehr. Wir können jetzt auch Anfragen eigener Patienten nach Impfungen per email bedienen. Als Konsequenz der Verschiebungen der Arbeitstage durch die vielen freien Tage werden wir im Juni täglich 30 Patienten für die Zweitimpfung schaffen müssen, da viel weniger Bürokratie anfällt als beim ersten Mal, ist das machbar.
26.4.21
Wir haben uns entschlossen, eine Warteliste für Menschen einzurichten, die sich mit Vaxzevria impfen lassen möchten und nicht priorisiert sind. Frau Gesundheitsministerin Behrens hat heute das Impfen in den Impfzentren für die über 60-jährigen freigegeben und alle eingeladen, sich mit Vaxzevria impfen zu lassen. Wenn die Nachfrage gering ist oder diese Menschen durch sind, wird freigegeben. Dann sollte man eine Warteschlange haben.
Außerdem möchten wir gerne die priorisierten Patienten, die das wünschen, mit AstraZeneca impfen. Wenn dann jemand nicht kommt, nehmen wir regelkonform lieber jemand Nichtpriorisiertes, als den Impfstoff zu verwerfen.
Bedingungen:
selbst oder der Partner schonmal bei uns Patient gewesen.
weibliches Geschlecht und über 30 Jahre oder männliches Geschlecht (oder diverses, unbestimmtes oder sonstiges Geschlecht über 30)
keine durchgemachten Thrombosen oder Lungenembolien.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung teilt bedauernd mit, dass in der ersten Maiwoche doch kein Impfstoff von Johnson & Johnson kommt. Wir dürfen dafür gerne mehr AsteaZeneca bestellen. Da wir uns prinzipiell weiter an die Priorisierung halten müssen, werden wir das nicht tun – zu wenig geeignete und impfwillige Patienten. Kann Herr Spahn mit seinem Bundesministerium bitte mal einen Impfplan machen, der eine Woche Bestand hat?
Falls die Niedersächsische Landesregierung hier mitliest: Bitte mal AstraZenecas Impfstoff aus der Priorisierung nehmen wie in vielen anderen Bundesländern auch. Dann werden wir ihn reissend los. Das wäre gut für die Herdenimmunität und für unsere Nerven. Wir möchten ihn gerne an die verimpfen, die ihn haben wollen.
22.4.21
Ein neues „Erlebnis“: Wir haben Vaxzevria von AstraZeneca verimpft. Es war deutlich schwieriger, Patienten vom Impfstoff zu überzeugen. Ein Drittel der Angesprochenen findet AstraZeneca richtig, ein Drittel ist beleidigt oder lehnt den Impfstoff rigoros ab. Das letzte Drittel findet AstraZeneca akzeptabel, ist aber schon woanders geimpft oder hat einen Termin. Wir hatten außer eigenen Patienten auch deren gleichaltrige Lebenspartner zur Impfung eingeladen, wenn das nachgefragt wurde. Im Nachgang hätten wir mehr impfen können, wenn mehr Impfstoff verfügbar wäre. Der Bedarf ist da, die Nachfrage ist da und man wird halt ab und zu beschimpft. Das ist der Job. Niemand fand bisher Astrazeneca besser als Biontech.
Zwei Vials a 10 Impfdosen waren im Kühlschrank, 25 Patienten hatten im Vorfeld die Aufklärung unterschrieben und 21 hatten einen Termin. Dann ging die Hektik los: 2 Patienten haben noch am Impftag abgesagt – einmal wegen Druck der Verwandschaft gegen AstraZeneca und einmal wegen akuter Erkrankung. Das konnten wir noch mit Nachrückern auffüllen.
Die Mitarbeiterin, die die Impfungen aufzog, zeigte stolz 23 Impfdosen, die aus den geplanten 20 in der Realität wurden. Daher wurde die Nachrückerliste gebraucht. „Natürlich“ waren die Leute nicht erreichbar, die Handyakkus leer oder keine Zeit/kein Fahrer verfügbar. Den letzten Impfling haben wir 20 Minuten vor dem Verfallen der Impfdosen von der Warteliste einer benachbarten Praxis bekommen und so wurde auch bei AstraZeneca alles an die Patienten gebracht. Wenn wir noch einmal Vaxzevria von AstraZeneca angeboten bekommen, führen wir eine Warteliste, damit es genug Nachrücker gibt.
In der nächsten Woche gibt es erst einmal 7 Fläschchen von Biontech, die 42 Impfdosen sind innerhalb von zwei Tagen in der laufenden Sprechstunde vergeben worden. Bestellt waren 10 Fläschchen, das hätte dann 3 Tage gereicht.
Für die erste Maiwoche sind 72 Dosen Biontech, bis zu 100 Dosen AstraZeneca und 30 Dosen Janssen von Johnson&Johnson Maximalbestellmenge angekündigt. Das wird fordernd. Bisher gab es meist 70 % der Bestellung.
17.4.21
Letzte Woche haben wir 6 Ampullen Comirnaty verimpft. Wir schaffen einen 4-Minuten-Takt. Schneller ist wegen der Warteschlange vorher (viele kommen zu früh) und hinterher im laufenden Praxisbetrieb nicht drin. Gern würden wir mehr machen – auch nach Feierabend oder Samstags. Der Impfstoff fehlt.
In der kommenden Woche gibt es auf eine Bestellung von 100 Impfdosen 12 Einzeldosen Comirnaty und 20 Einzeldosen Vaxzevria (Astra-Zeneca). Entgegen allen Befürchtungen ist die Nachfrage nach Astra-Zeneca gut, alle Plätze sind vergeben. Schauen wir, ob alle kommen.
In der letzten Aprilwoche macht die Bundesrepublik wieder Scherze mit den Ärzten. Erst sollten es Biontech und Astra-Zeneca 1:1 werden (also bei 30 Einzeldosen 5* Biontech a 6 und 3* Astra-Zeneca a 10), dann 18-30 Einzeldosen Comirnaty und 10 – 50 Einzeldosen Vaxzevria. Die neueste Ankündigung von gestern sagt „24-48 Einzeldosen Comirnaty pro Arzt. Astra-Zeneca wird nicht geliefert.“ Unklar ist, wieviel gekürzt werden muss, weil mittlerweile über 50.000 Praxen impfen.
Das stellt uns vor ein Rätsel: Sollen wir jetzt die Gruppe über 60 garnicht mehr oder mit Biontech impfen? Beides ist falsch.
Bitte haben Sie Verständnis, dass wir auch weiterhin keine Warteliste führen und erst dann Termine machen, wenn wir wissen, was wir bekommen. Dann ist es bis zur Lieferung spannend, ob alle Röhrchen unbeschädigt ankommen.
12.4.21
Vorige Woche gab es vier Ampullen Comirnaty, diese Woche werden es sechs. Der Bedarf ist bei 15 Ampullen pro Woche. Das ist zu wenig, um Patienten einzubestellen und die Nachfragemails zu Impfungen mit einem Termin zu beantworten. Wir werden die priorisierten Patienten in der laufenden Sprechstunde ansprechen. Impfen geht schnell, man schafft alle 3 Minuten eine Injektion.
Der große Zeitfresser sind die 5 Seiten Aufklärung, wo viele Patienten nicht in der Lage sind, zwei Kreuze und zwei Unterschriften zu setzen.
Auch wenn es ein bisschen peinlich ist: Hier ist nochmal das Formular:
2.4.21
Es geht endlich los. In der nächsten Woche bekommen wir 4 Ampullen Covirnaty mit 24-28 Einzeldosen mRNA-Impfstoff. Es sind Betriebsferien. So haben wir viel Zeit, die Impfabläufe ohne Terminpatienten zu üben. Zuerst geht der Impfstoff an 400 Patienten der Gruppe 2, also Patienten mit Lungenrheuma, zusätzlichem Asthma, COPD oder Diabetes. Wir werden beim Einbestellen sehen, wie viele von diesen Patienten schon geimpft sind. Danach richtet sich, wann wir den 1200 Patienten der Prioritätsgruppe 3 eine Impfung anbieten können.
Es ist mittlerweile klug, bei Arztbesuchen den Impfausweis dabeizuhaben.
Zur Impfvorbereitung mitzubringen sind zwei Formulare:
Die Seite ist zur Feier der Funktionsaufnahme der Telematikinfrastruktur erstellt und soll anderen helfen, über die Anfangsschwierigkeiten zu kommen. Es ist ausdrücklich kein Beratungsangebot und ich übernehme auch keinerlei Garantie für die Funktion. Aber ich habe mehrfach erfolglos nach den Fehlercodes gegoogelt und möchte, dass andere fündig werden. Hoffen wir alle, dass die Seite nicht zu lang werden muss.
Fehler bei der Signierung, Code 4085
Langtext: „Fehler bei der Signierung. Bitte kontaktieren Sie, falls Ihr TI-Anschluss durch die CGM bereitgestellt wird, Ihren zuständigen Support unter ….. und geben Sie folgenden Information an: Code 4085, Fehler beim Signieren einer Binärdatei. Zugriffsbedingungen nicht erfüllt. Nötige Pin ist nicht verifiziert.“
Bitte rufen Sie nicht die Hotline an. Sie erreichen sie nicht so schnell, wie Sie das Problem lösen können. Es fehlt die PIN der SMC-B, auch bekannt als elektronischer Praxis- oder Institutionsausweis. Normalerweise loggen sich die Mitarbeiterinnen zuerst ein. Wenn ein Arzt schneller ist, entsteht das Problem.
Lösung 1: Mitarbeiterinnen anmaulen, sie sollten sich mal einloggen.
Lösung 2: „ISIG“ eingeben und die SMC freischalten. Das geht mittlerweile von allen Plätzen, an denen die TI funktioniert. Man muss dann nur das Gerät wissen, wo die SMC-B steckt – und die PIN. Alternativ kann man lauschen, welches Chipkartenlesegerät Kratz- und Rauschgeräusche macht.
Fehler beim Signieren: 4092
Langtext: „Fehler bei der Signierung. Bitte kontaktieren Sie, falls Ihr TI-Anschluss durch die CGM bereitgestellt wird, Ihren zuständigen Support unter ….. und geben Sie folgenden Information an: Code 4092, Fehler beim Signieren eines Dokumentes. Das Kartenterminal `CT_IDirgendeineNummer`ist nicht lokal dem Arbeitsplatz zugewiesen und es wurde für den Arbeitsplatz und den Mandanten kein RemotePinKT definiert.“
Bitte rufen Sie nicht die Hotline an, damit die den Arzt anmault. Er hat sich noch nicht mit der Komfortsignatur eingeloggt und irgendjemand wollte den Komfort schon genießen.
Lösung 1: Arzt oder sich selbst anmaulen – er muss sich morgens auch einloggen und die Komfortsignatur aktivieren.
Wie geht das? Als erstes das Chipkartenlesegerät aufsuchen, wo der elektronische Heilberufsausweis des Arztes steckt. An dem Arbeitsplatz ISIG eingeben, OK bei Komfortsignatur eingeben. Das Lesegerät fragt nach der PIN des Arztes (die natürlich bei jedem Arzt eine andere und auch eine andere als an der SMC-B ist). Nach Eingabe noch unten rechts [OK] drücken, dann geht es.
Der Identify Provider konnte nicht antworten oder nicht alle Daten liefern.
Dieser Fehler passiert manchmal, wenn ein schon funktionierender Arbeitsplatz Netzwerkzuordnungen „vergisst“.
Lösung: Routen neu aufsetzen. Dazu muss man nicht wissen, wie so eine Route funktioniert oder von wo nach wo sie geht.
Man muss IEGK eingeben, nach ganz rechts auf den Reiter „Routen“ gehen und dort „Routen neu setzen“ anklicken. Links ist ein Bild von „Routen anzeigen“ vorher, rechts, wie es aussehen soll.
Bitte richten Sie die Telematikinfrastruktur ein!
Leider habe ich erst das Problem gelöst und dann darüber nachgedacht, wie die Fehlermeldung genau lautet. Es hat ein bisschen was von Herztransplantation und ein bisschen was von Überforderung, wenn man zum Einloggen die Hotline anrufen soll, aber das Ganze selbst einrichten darf. Das Einrichten der Telematikinfrastruktur an einem einzelnen Arbeitsplatz ist möglich.
Als erstes muss man unter IEGK, Reiter Arbeitsplätze, einen eindeutigen Namen für den Platz vergeben. Zweimal „Labor“ für verschiedene Räume geht nicht, Umlaute und Leerzeichen sollte man auch vermeiden.
Dann müssen die Tasks zugeordnet werden. Es hat sich bewährt, noch einmal auf dem Arbeitsplatz nachzuschauen, ob man auch die richtigen Medistar-Tasknummern hat. Auf der Liste rechts sieht man den Knackpunkt: Es werden Portnummern vergeben, mit denen die Rechner reden. Die Reihenfolge in der Liste entspricht der Reihenfolge, in der die Tasks mal aufgesetzt wurden. Es darf keine Portnummer doppelt vergeben werden, also vorher nachschauen! Die Liste geht in gr0ßen Praxen nach unten weiter.
Unter [Erfassen] rechts kommt man in ein Menü, in dem man für die einzelnen Tasks die Tasknummer, die Portnummer, den Konnektor, die C-Box (eine Softwarekomponente, die Medistar mit dem Konnektor verbindet) und den Mandantennummer (falls mehrere Praxen einen Konnektor teilen?) eingegeben werden müssen. Bei uns waren die letzten 3 Felder leer, in der Auswahlliste war aber genau eine Möglichkeit hinterlegt und die war richtig.
Jetzt geht es auf den Konnektor. Wer nicht weiß, wie er da draufkommt, hört jetzt besser auf mit Lesen und ruft doch die Hotline an (ich wurde an der Stelle mehrfach zwischen Medistar Vertriebs- und Servicepartner Hannover und der TI-Hotline hin- und hergeschickt). Das Infomodell (links unten) muss eingestellt werden.
Dazu sollte man als Vorarbeit wissen, wie der Arbeitsplatz heißt (erster Punkt bei IEGK) und mit welchen Chipkartenlesegeräten er verbunden werden muss. Das wären als Erstes das, wo die SMC-B drinsteckt. Es ist traditionell das oberste in der Liste. Und dann jedes Lesegerät, dass einen Heilberufsausweis für die Komfortsignatur in sich trägt. Das sind dann bei uns die Geräte 5 und 6. Das linke Bild zeigt den Anblick vorm Eingeben des Sprechzimmer 6, das rechte danach.
Wenn an dem Arbeitsplatz ein Chipkartenlesegerät ist, kommt das in die linke Liste und die anderen nach rechts.
Wenn dort kein Lesegerät ist, macht das nichts. Die Chipkartenlesegeräte sind über das Netzwerk eingebunden und könnten prinzipiell im Serverschrank stehen (bis die Patienten eine elektronische Patientenakte haben, dann braucht man sie doch am Arbeitsplatz). Das Gerät mit der SMCB in die linke Tabelle, die für die Heilberufsausweise nach rechts.
Dann funktionierte es bei uns. Mehr weiß ich nicht.
Medistar-Fehler 4093
Nichts Schlimmes: Es wird versucht, von 2 Arbeitsplätzen gleichzeitig mit der gleichen Karte zu signieren. Der zweite bekommt die Fehlermeldung. 10 Sekunden später geht es wieder. Daher steht da auch „Falls der Fehler weiterhin auftritt, kontaktieren Sie den Support unter…“.
Medistar – Fehler 4056
Langtext der Fehlermeldung: „eGK-Karten nicht lesbar -> Fehlercode 4056: Fehler bei der C2C-Authentisierung, Quellkarte“. Das Orga-Chipkartenlesegerät ist, meist wegen statischer Aufladung einer Chipkarte, abgestürzt. Das Chipkartenlesegerät neu starten (Druck auf Rot 3 Sekunden. Wenn es runtergefahren ist, Druck auf Grün. Erst wenn das Gerät „Willkommen“ anzeigt, die zugehörigen Tasks neu starten.
Medistar Fehler 1058
Langtext: „Fehler beim Signieren eines Dokumentes, die OCSP-Response enthält eine Exception-Mitteilung“ Das Googeln nach dem Fehler gab einige Fundstellen, folglich schlagen sich Nutzer von unterschiedlichen Arztverwaltungsystemen mit Fehler 1058 herum. Beispielergebnis im Tomedo-Forum:
Arzt: Heute wollen die eAUs nicht. Beim Signieren kommt o.g. Meldung. eHBA raus und erneut anmelden bringt auch nichts. Admin: die Meldung bezieht sich auf die live durchgeführte Gültigkeitsprüfung Ihres eHBA. Sie können diesen Fehler gerne bei Ihrem TI Anbieter melden.
Ich habe telefoniert und hab mir gemeinsam mit der Medistar-TI-Hotline die Kontakte angeschaut: Ein eHBA war ein wenig verrutscht, so dass im Orga zwei und nicht wie gewohnt 3 Felder leuchteten. Normalerweise sagt Medistar dann: der eHBA ist nicht gesteckt. Wenn wir die Komfortsignatur nutzen und der lockere eHBA gesteckt war, kommt eventuell diese Fehlermeldung. Ich konnte sie so provozieren und durch einfaches wieder voll einstecken des betroffenen eHBA korrigieren. Funfact: Die betroffene Karte hat nur noch 3 Monate Gültigkeit, bei meiner relativ neuen Karte kann ich den Fehler nicht provozieren.
Also zuerst schauen, ob der eHBA steckt und gültig ist bitte!
Medistar – Fehler 1029 OSCE-Responder nicht verfügbar
Dies ist ein externer Fehler. Er meint: Er tritt auf, wenn bei Signaturversuchen die Gegenstelle fehlt. Dann ist nicht die praxis, sondern KIM down. Gegenkontrolle: https://fachportal.gematik.de/ti-status/
Hier kann man sehen, ob es bei anderen Praxen funktioniert. Wenn es Gelb ist, haben viele andre Arztpraxen das Problem auch. Wenn es blau ist, weiß auch die Gematik nicht, ob/wieso es funktioniert. Da kann man nur abwarten und Tee trinken.
Alte Weisheit: Gehe nie zu deinem Fürst, wenn Du nicht gerufen wirst! Dieser Vers stand 1898 laut Wikipedia in einem Supplement zum Berliner Tageblatt, dem Illustrierten Wochenblatt für Humor und Satire.
Ich habe Anfang Oktober freitags nachmittags einen Brief von der Ärztekammer erhalten: „Wir laden Sie zu einem kollegialen Gespräch mit der Ärztekammerpräsidentin am Mittwoch, dem…. ein. Falls Sie den Termin nicht wahrnehmen können, kontaktieren Sie bitte den Geschäftsführer zwecks Terminfindung.“ Kein Betreff.
Wenn man so einen Brief erhält, weiß man nicht, worum es geht und macht sich so seine Gedanken?
Bin ich mit meinem Dauergeschimpfe über Medizinische Versorgungszentren jemandem so auf die Zehen getreten, dass die Ärztekammerpräsidentin sich damit beschäftigen muss?
Habe ich mit meiner Kritik an der operativ guten und konservativ unzureichenden Ausbildung der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie einen Streit mit der schwindenden Fachgruppe der alten Orthopäden heraufbeschworen?
Habe ich eine Rüge wegen unkollegialem Verhalten, weil ich mich weigere, Überweisungen zur Rheumasuche aus den MVZs zu akzeptieren, die eigene rheumatologische Fachärzte haben?
Ist mein Blog ein Fall für einen Anwalt?
Haben sich Beschwerden der Patienten so gehäuft, dass die Ärztekammer nicht mehr schriftlich um Stellungnahme bittet, sondern bei klarem Fehlverhalten um Aussprache bittet?
Oder ist es noch was anderes – Schlimmeres?
Wenn die Obrigkeit einbestellt, dann hat man immer ein schlechtes Gewissen. Ich hab ein Wochenende gerätselt und schlecht geschlafen. Die letzten Einbestellungen ohne Themennennung liegen 36 Jahre zurück. Partei und Staatssicherheit der DDR hatten so etwas auch drauf, auch wenn man sonst nichts mit ihnen zu tun hatte. Diese Leute wussten genau um die Wirkung derartiger Ladungen.
Am Montag dann ein erster Anruf: „Das sagt Ihnen die Ärztekammerpräsidentin selber!“. 20 Minuten später, andere Mitarbeiterin, ich hab mich abgeregt, meinen nettesten Untertanenton rausgeholt, den Termin bestätigt und gefragt, auf was ich mich denn vorbereiten muss, damit ich der Frau Präsidentin nicht unvorbereitet die Zeit stehle. Es ging wirklich um Beschwerden von Patienten.
Das Gespräch war ein positives Erlebnis. Außer der Präsidentin war ein weiteres Vorstandsmitglied anwesend. Ein kollegiales Gespräch ist eine Kommunikationsform, bei der der Ärztekammervorstand sich über Probleme informiert und Probleme klärt. Dazu sind sie da und dafür verdienen sie unseren Respekt.
Ich habe Anlass zu Tadel gegeben, weil ich auf Google auf rüde Praxisbewertungen auch rüde geantwortet habe. Das ist soweit kein Problem, die Sachlage war eindeutig. Wir haben unseren Ermessensspielraum ausgenutzt, aber keinen Fehler gemacht. Aber wenn ein Mett-Eagle Müller mit seinem vollen Namen bei Google kommentiert, dass ich einen Scheissladen habe und faul bin und ich antworte „Sehr geehrter Herr Müller…“, dann gefährde ich die ärztliche Schweigepflicht. Wenn er danach seinen Namen in MEW ändert und meine Antwort mit seinem Namen steht noch drin, dann habe ich sie durchbrochen. Ein Durchbruch der Schweigepflicht darf nicht passieren.
Ich werde mich bemühen, bei Googlebewertungen noch korrekter zu bleiben. Also habe ich bei Google „Herr Müller“ durch „Internetschmutzfink“ ersetzt.
Ich habe Anlass zu großem Tadel gegeben, denn wir haben ein 2 Monate altes Kind nicht behandelt, obwohl es einen Termin in der Praxis hatte. Ich war es garnicht, ich mache keine Kinderorthopädie. Aber natürlich stehe ich gern für meine Frau ein, wenn Beschwerdeführer*_Innen bei Ärzten Männlein und Weiblein nicht unterscheiden können. Hintergrund: Das Kind hatte noch keine Chipkarte und war wohl nicht bei der Krankenkasse angemeldet. Entsprechend konnte die Krankenkasse innerhalb der anderthalb Stunden, die die Eltern mit zunehmendem Unmut im Wartezimmer saßen, keine Versichertenbescheinigung faxen, mailen oder sonst wie kommunizieren. Selbst bezahlen wollten sie auch nicht, so gingen sie wieder und beschwerten sich.
Da waren wir gleich in einer sachlichen Diskussion, wie man dieses Problem lösen könnte, wir haben es häufig. Neugeborene kommen vom Kinderarzt, haben schon die ersten Impfungen, sind aber nicht versichert. Wie geht das?
Einige der Betroffenen haben uns freundlich vorgeschlagen, einfach die Chipkarte der Mutter durchzuziehen – das mache der Kinderarzt auch so. Nein danke, das ist Betrug und eine Säuglingssonographie bei der 42-jährigen fällt sicherlich durch die Plausibilitätsprüfung.
Privatbehandlung beim Kassenpatienten ist nicht statthaft. Aber ist ein Kind, das erst bei der Krankenkasse angemeldet werden soll, schon ein Kassenpatient? Wir bezeichnen werdende Frauen ja auch als „Frau“ weil sie den Wunsch äußern, nicht weil sie ihr Y-Chromosom los sind. Wokeness macht manchmal Logikprobleme.
Wiederbestellung, wenn das Kind bei der Kasse angemeldet ist und eine Versichertennummer zugeteilt wurde. Rechtens, aber unbeliebt – besonders mit Neugeborenen im Gepäck.
Einfach abarbeiten und hoffen, dass uns die Angehörigen irgendwann nach mehreren Mahnungen vielleicht die Chipkarte bringen? Hatten wir mehrfach, das funktioniert selten.
Irgendwie muss es gehen, denn der Kinderarzt hat ja sogar eine Überweisung geschrieben. Von den Anwesenden wusste niemand den korrekten Weg.
Dann haben wir noch über Sonographiekontrollen, Ausbildungsordnungsprobleme und Kapazitätsmangel gesprochen. Es war wirklich ein kollegiales Gespräch. Ich bin alle Punkte losgeworden, die ich schon lange mit der Ärztekammer besprechen wollte.
Ich fühle mich von dieser Ärztekammer gut vertreten. Nur an der Form ihrer Einladungen könnten sie noch arbeiten.
Heureka, der siebente Versuch hat funktioniert! Am letzten Samstag hat eine freundliche Patientin über ihre Krankenkassen-App eine eVB beantragt. Am Samstag um 20.20 Uhr hatten wir ein Fax auf dem Server. Die Barmer lieferte demnach zügig einen ganz normalen Versichertennachweis. Elektronisch hat das nicht geklappt, nur als Fax. Immerhin einen Schritt weiter.
Es gab vor 30 Jahren einen Ärztewendewitz: Warum haben die Briefträger in Ostdeutschland mehr Arthrose als im Westen? Antwort: Weil die guten Leute nicht nur Briefe austragen müssen, sondern auch Faxe und e-Mails. Der Witz scheint aktuell zu sein.
7.10.25
Es wurden 2 Codes für eine eVersichertenbescheinigung bei verschiedenen gesetzlichen Krankenversicherungen generiert. Bekommen habe ich bisher nichts – das System funktioniert noch nicht. Wir bleiben dran.
2.10.25
Das Bild links stammt von der Webseite Leistungserbringer | Praxis Check-In der Gematik und hat einen Code generiert, mit dem die erste Testpatientin eine elektronische Versichertenbescheinigung bei der AOK beantragen konnte.
Das war gegen 10.00 Uhr. Sieben Stunden später ist nichts von der Krankenkasse in unserem Posteingang gelandet. Als Chipkartenersatz taugt die e-Versichertenbescheinigung damit nichts, mehrere Stunden möchte niemand warten. Eine zweite Testkandidatin hat den Code erhalten, vielleicht funktioniert das bei der HKK.
Um die korrekte Form von QR-Codes für die e-Versichertenbescheinigung herauszubekommen, habe ich drei verschiedene Stellen der kassenärztlichen Vereinigung angerufen, die mir alle bestätigten, das das Problem interessant sei, sie die Lösung jedoch nicht wüssten. Während des Lauschens an den Warteschlangenmelodien habe ich ein bisschen gegoogelt und die Lösung selbst gefunden.
Bei der Gelegenheit gab es eine interessante Information: Mit Hilfe dieses QR-Codes können Privatversicherte über ihre Krankenkassenapp eine Versichertennummer generieren lassen, mit der sie e-Rezepte und eine e-Patientenakte nutzen können. Das werde ich heute Abend probieren. ich finde es schon lange diskriminierend, das ich als Privatpatient an den Segnungen der Telematikinfrastruktur nicht teilhaben darf.
1.10.25
Dieser QR-Code soll „sensse@cgm.kim.telematik“, also unsere KIM-Adresse bedeuten. Ich habe die erste Patientin gefunden, die eine Krankenkassen-App besitzt, mit dem man elektronische Versichertenbescheinigungen abrufen können soll. Zumindest behauptet das Menü der HKK-App so etwas.
Allerdings verlangt die HKK-App einen QR-Code der Praxis. Nachdem ich den generiert habe, sagt die App: Wollen Sie an „sensse@cgm.kim.telematik“ eine Mail schreiben? So ganz funktioniert das nicht, aber wir sind einen Schritt weiter.
28.9.25 Auch die Fußwege sind wieder frei. Vor unserer Praxis steht jetzt eine Straßenlaterne und beleuchtet die Einmündung Robinienweg/Hamburger Straße. Und ich habe so gehofft, dass das Loch wegen unserem Glasfaseranschluss gebuddelt wird. Schade.
Klartext: Die Laterne steht da. Leuchten tut sie nicht.
11.7.25 Die Hamburger Straße ist laut Zeitung heute Abend wieder offen. Die Bauarbeiten sind beendet bis auf unseren Fußweg, der jetzt (hoffentlich in unseren Ferien) abgerissen und neu gemacht wird. Die Erneuerung der Hamburger Straße Christinenstiftkreuzung bis Robinienweg ist für Anfang 2026 vorgesehen.
18.3.24 Wir haben wieder eine Baustelle vor der Tür: Hamburger Straße Zur Laage bis Robinienweg. Wer also aus Norden zu uns kommen will, sollte Gifhorn-Stadt von der B4 abfahren, nicht in Gamsen.
Altinformationen:
Wir haben bis Dezember eine Baustelle vor der Praxis. Gesperrt ist die Hamburger Straße vom Kreisel bis zur Laage einschließlich des Kreisels. Ich habe zwar versucht, alle vier zuführenden Straßen bei Google als Baustelle zu melden einschließlich des Kreisels. Google überprüft derartige Meldungen und weil Busse und Rettungsdienste (und damit viele Handys) für Google messbar durch den Kreisel kommen, kann der Kreisel (für Google) nicht gesperrt sein.
Nach längerem Surfen und Eingabe der Baustelle von mehreren von mir motivierten Patienten hat Google die Kreiselsperrung akzeptiert.
Update 12.11.24: Der Kreisel sollte bis Mitte Oktober fertig. Erwartungsgemäß ist da noch kein Asphalt drauf, also wird das eine Winterbaustelle und dauert noch. Wir rechnen mit Bauende Ostern, weil im Winter das Tempo auf Straßenbaustellen nicht steigt.
Update 19.12.24: Der Kreisel soll nun bis Mitte Dezember fertig sein (das war dann auch schon). Die Fortsetzung der Baustelle bis vor unsere Tür ist auf 2025 verschoben. Und 2027 soll dann von unserer Tür bis zur Christinenstiftkreuzung gebaut werden. Wer Bauplanern glaubt, wird selig.
Update 20.12.24: Der Kreisel ist wieder offen. In der Aller-Zeitung stand, ab 20.1.25 werde die Straße vom Kreisel bis Roggenweg gesperrt. Ich glaube, die meinten den Robinienweg. Ein Ende der Baumaßnahme wurde dieses Mal nicht geleakt, die Verantwortlichen sind ja lernfähig.
Update 28.1.25: Die Strasse ist frei.
Unsere Praxis ist von Süden erreichbar. Unsere Parkplätze sind frei zugänglich.
Wir haben einen neue Gesundheitsministerin – Frau Nina Warken. Ich habe zwar lange Witze darüber gemacht, dass wir keinen neuen Gesundheitsminister bekommen – entweder bleibt Professor Lauterbach oder Jens Spahn kommt wieder. Aber beide Kandidaten haben ein kleines Makel: Die CDU wollte gern auch eine Frau als Ministerin präsentieren. In woken Zeiten ist das manchmal ein Problem.
Frau Nina Warken ist Juristin und hat bisher außer einer ehrenvollen Tätigkeit als Präsidentin der THW-Landesvereinigung Baden-Württemberg keinerlei Bezug zu Gesundheitsthemen. In einem ersten Interview in der Aller-Zeitung sah sie das als Vorteil. Sie hat auch schon eine Lösung fürs Terminproblem: Das Primärarztsystem soll gestärkt werden . Das bedeutet laut dem Interview: Alle Patienten müssen mit allen Problemen immer erstmal zum Hausarzt. Der legt dann einen Zeitkorridor fest, in dem der Facharzt einen Termin haben muss. Wenn er das nicht schafft, dürfen sich die Patienten direkt an ein Krankenhaus ihrer Wahl wenden. Klingt gut, ist aber weltfremd.
Weder haben Fachärzte davon mehr Termine noch haben die Krankenhausambulanzen Termine oder Kapazitäten. Schon jetzt lautet der häufigste schriftliche Rat der Krankenhausambulanzen: „Bitte ambulanten Rheumatologen aufsuchen!“ Willkommen im realen Leben, Frau Ministerin! Wir brauchen nicht mehr Geld, sondern mehr Kapazitäten oder weniger Bürokratie, die die Kapazitäten wieder auffrisst.
Der Einsatz einer Juristin, die ihre Erfahrungen mit dem Pädiater der drei Kinder als hinreichende Qualifikation als Gesundheitsministerin sieht, als Gesundheitsministerin ist für den Sozialsektor genauso eine Klatsche wie der Einsatz von Merkwürden Pfarrer Eppelmann, Ursula von der Leyen, Annegret Kramp-Karrenbauer und Christine Lambrecht als VerteidigungsministerIn für die Bundeswehr. Fachkenntnis ist zwar keine Garantie für eine gute Arbeit als Minister, aber eine Grundbedingung.
Ich wünsche ihr eine glückliche Hand bei ihren Entscheidungen. Aber ich erwarte nichts.