Telematikinfrastruktur und andere Lästigkeiten

26.02.2024

Heute ist einer der Tage, an denen man auch ohne Patienten gut mit der EDV beschäftigt wäre. Zunächst fielen zwei Telefone mit Akkuschaden aus. Fritzfon C4 ist nicht das neueste Modell. Trotzdem hat es immer ein Geschmäckle, wenn übers Wochenende 2 Akkus altern.

Der  E-Arztbrief ist wieder mal unzuverlässig. Wir  hatten schon diverse Ausfälle. Das mit der Fehlernummer 200 einige Briefe hinausgehen, andere zurückgehalten werden, ist rätselhaft. Erreicht ist der Support der Telematikinfrastruktur, der seine Unzuständigkeit feststellte. Aber sie war nett.

Es gab am Wochenende ein Sonderupdate von Medistar. Ich hätte ja gehofft, dass dem e-Arztbrief ein paar Macken ausgetrieben wurden, aber das war es wie gewohnt nicht. Es gab Fehlfunktionen beim e-Rezept von Patient*_innen, bei denen das Geburtsdatum nicht feststand, unbestimmt oder transient war. Da stellt sich natürlich die Frage, warum ein Mensch ohne Geburtsdatum überhaupt eine Chipkarte bekommen kann, aber die Frage ist wohl schon wieder Diskriminierung. Und dieser Fehler, den wir nie hatten, ist jetzt abgestellt.

Es ist wohl egoistisch von mir, zu erwarten, dass hier Softwarepflege und Fehlerbehebung des e-Arztbriefes stattfinden, nur weil 15.000 Praxen je 6,90 € pro Monat Wartungsgebühr zahlen. Wegen 103.500 € monatlich muss man sich nicht anstrengen, dass fällt unter Peanuts. Der Kunde ist schließlich Geisel, er kann ohne Praxisausfall von wenigstens 2 Wochen den Softwareanbieter nicht wechseln.

12.2.24

Kein Mann ist so beschäftigt, dass er nicht die Zeit hat, überall zu erzählen, wie beschäftigt er ist.   Robert Lembke

Medistar beschäftigt uns. Auf allen Rechnern hatten wir am Freitag und heute eine Meldung, der Austausch einer TI-Komponente wären nötig.  Das ist wichtig, deshalb erscheint die Meldung auf jedem Rechner. Und weil das so wichtig  ist, erscheint sie auf jedem Task, also zweimal auf jedem Rechner. Das nervt. Natürlich kann man die Meldung für 14 Tage wegklicken – aber nur, wenn man das Häkchen „Ich habe die neuen Komponenten bestellt und einen Installationstermin vereinbart…“ auf allen 24 Tasks einmal anklickt. Ein Fehler und alles geht von vorne los. 

Wir bestellen im April, denn die Telekom als Zertifikatsausgeber benötigt 3 Wochen zum Drucken der Karte und drei Wochen geben wir Sicherheit, weil es die Telekom ist, also ein hochzuverlässiger halbstaatlicher Betrieb wie deutsche Bundesbahn. Wenn wir vorher bestellen, zahlen wir doppelt, denn jedes Zertifikat kostet monatlich zweistellig Geld.

 Alternativ kann man natürlich dem Link folgen und einmal „Zertifikatsablauf prüfen“ drücken. Man landet auf einer neuen Seite, erst Angst macht: „eine Verbindung mit der TI ist nach Ablauf nicht mehr möglich“, dann eine Kundennummer (für Medistar 5-stellig, CGM siebenstellig oder Telematikinfrastruktur 8-stellig) abfragt, also maximal 3 Fehlversuche und dann feststellt: „Herzlichen Glückwunsch, Ihre TI-Komponenten wurden erfolgreich getauscht!“. Das wäre die nächste Fehlinformation.
Technischer Hintergrund: Wir haben 2 Heilberufsausweise, von denen einer im Juni ausläuft und deshalb Ende April neu bestellt werden muss. Der HBA verursacht die Meldung. Wir besitzen einen 22 getauschten Konnektor mit Zertifikat und ein Hauptlesegerät  mit sogar 2 Zertifikaten unterschiedlichen Alters, auch 22 getauscht, deren Überalterung blöd wäre. Daneben stehen weitere 5 Chipkartenlesegeräte in den Sprechzimmern, deren Zertifikatsablauf nichts bedeutet. Stecker raus, gut ist. Solange die e-Patientenakte nicht Routine ist, werden zwei Lesegeräte benötigt. Die anderen vier sind technisch vor ihrem ersten Einsatz veraltet, das war einfach gutes Marketing von CGM Medistar. Somit haben wir 10 Zertifikate, die innerhalb von 4 Jahren zu verschiedensten Zeiten veralten und ein halbes Jahr vorher diesen Warnhinweis verursachen. Das ist dann eigentlich immer.

 

Wenn jeden Tag Alarm ist, schaut irgendwann niemand mehr hin.

 

Dazu sind die Rechner heute alle langsam und ein neuer Splashscreen macht sich breit, der um Geduld bittet. IP heißt übrigens „Information Patient“.  Besagte Information steht schon da, bevor man eine Taste drückt. 

Die Hotline gibt wie immer Warteschleifenmusik und eine Stimme schlägt vor: „Wir erfahren aktuell einen ungewöhnlich hohen Anfall an Kundendienstnachfragen. Bei Problemen mit dem neuen e-Rezept besuchen Sie bitte unsere Seite www.irgendwas…“ Und da war der Kundendienst schon dran und betätigte den elektronischen Universalschraubenzieher „einmal Cache löschen“. Ich hoffe, es hilft.


9.2.24

Gestern gab es ein Update von Medistar. Was es nicht gab, sind Verbesserungen des e-Arztbriefes. Er kann immer noch keine Labor- und Röntgenbefunde in  den Text einarbeiten. Das Einzige, was dort verlässlich läuft, sind die Forderungen nach Erhöhung der Wartungsgebühr. Schade.

07.02.24

Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen. (Henry Ford)

Der e-Arztbrief entwickelt sich zum Dauerbrenner. Einerseits haben wir ab März die Pflicht, dieses Modul zu nutzen, sonst drohen Honorarkürzungen. Andererseits funktioniert er sehr schlecht. Gestern hatte ich die Hotline wegen einzelnen empfangenen, nicht entschlüsselbaren e-Arztbriefen auf dem Server. Schön, wenn man Post erhält. Das Problem konnte nicht gelöst werden, nächster Versuch außerhalb der Arbeitszeit am 23.2.24. 

1.2.24

Ist dir noch nicht aufgefallen, wie viel Frechheit durch Unsicherheit zu erklären ist?“ – Kurt Tucholsky, Schloß Gripsholm

2 bemerkenswerte Dinge: Heute Nacht lief ein Konnektor-Update – geräusch- und geruchlos, unproblematisch, groß als Problem angekündigt und dann gut gelaufen. OK

Es kam ein Brief von Medistar Hannover, „man habe das Kassieren der Wartungskosten für elektronische Patientenakte, Notfalldatensatz und e-Arztbrief vergessen. Man entschuldige sich dafür und lege für den Start der Nachzahlung rückwirkend den 1.1.22 fest.“ Zunächst kann man sich nicht entschuldigen, auch wenn Politiker so tun. Man kann um Entschuldigung bitten. Ob dann entschuldigt wird, entscheidet, der Gläubiger, nicht der Schuldner. Das musste mal gesagt werden.

Dann nutzen wir den elektronischen Patientenausweis –  ein Probelauf in 2 Jahren bei unserer Tochter und einem Patienten, das ist sicher eine Nachzahlung wert. Der Notfalldatensatz wurde August 23 installiert, eine rückwirkende Wartungsforderung ab 2022 wäre Betrug. Den e-Arztbrief, der hier im Blog und im täglichen Leben Quell stetigen Ärgers ist, haben wir 2021 gekündigt, weil er eben eine ambitionierte Betatestvariante ist, die hoffentlich bald die Marktreife erlangt. Es ist ein wichtiges Zukunftsprojekt. Geld für die Wartung zu verlangen ist eine Frechheit, denn er funktioniert noch nicht zuverlässig.

Natürlich habe ich einen Protest an die kaufmännische Abteilung geschickt, keine Lesemitteilung. Natürlich versuche ich, auf der Hotline anzurufen, wegen des hohen Anfalles an Kunden-wünschen geht nur der AB ran. Also werde ich wieder mal das altmodische Einschreiben mit Rückschein nutzen und mache meinem Ärger hier Luft. CGM Medistar liest mit, es gab schon ein Feedback, ich möge bitte diesen Blog einstellen. Leider wollte der Mitarbeiter seinen Namen nicht nennen, also ignoriere ich so etwas.

11.30 zu früh geärgert. Ich hab ich die kaufmännische Mitarbeiterin erreicht. Wir zahlen 3 Monate Wartung des Notfalldatensatzschreibers nach, alles andere ist akzeptiert und wird storniert.

13.30  zu früh gefreut, Konnektorabsturz, „Software out of date“, was auch immer das bedeutet, in der Mittagspause ohne Computernutzung. Zu deutsch: wir haben nichts Schlimmes gemacht und sind nciht schuld. Die Hotline sagt wie so oft: „bitte haben Sie einen Moment Geduld!“ Der Moment hat insgesamt 3 Behandlungsplätze verschluckt. Dann wurde die Software einmal runter- und wieder hochgefahren und alles lief.

Ich habe dann Chat-GPT gefragt. Antwort: „Die Meldung „Software out of date“ bedeutet, dass die installierte Software auf Ihrem Computer oder Gerät nicht mehr auf dem neuesten Stand ist. Das kann verschiedene Dinge bedeuten, darunter …“ Das Konnektor-Update kommt also erst noch.

26.1.24

Die Fabrik der Zukunft wird zwei Angestellte haben, einen Menschen und einen Hund. Der Mensch ist dazu da, den Hund zu füttern. Der Hund, um den Menschen davon abzuhalten, die Geräte anzufassen. Warren G. Bennis.

Am Freitag hatten wir einen Serverabsturz – genauer gesagt ein Nichthochlaufen des virtuellen Servers nach der nächtlichen Sicherung. Nun haben wir viel für Datensicherung getan, der virtuelle Server hat eine innere und eine äußere Sicherung. Das nutzt nur wenig, wenn der Server nicht läuft. An die innere Sicherung kommt man nicht heran, wenn der Server nicht läuft und die äußere Sicherung wollte nicht anspringen, weil der virtuelle Server mit virtuellen Daten seine reale Festplatte zugemüllt hatte. Bei virtuellen Servern warnt da nichts. Der virtuelle Server braucht beim Hochfahren 20 GB Plattenplatz für irgendetwas, die fehlten ihm.

Bei einer realen Festplatte macht man in solchen Fällen den Papierkorb leer oder löscht alte Updates und gut ist. Bei einem virtuellen Server stehen auf der realen Festplatte zwei virtuelle Festplatten als Datei, dazu ein Checkpoint mit unbekannter, aber eindrucksvoller Größe – und 19 GB Plattenplatz, also zu wenig. Die virtuellen Platten kann ich nicht putzen, weil er dazu starten müsste.

Die Firma, die das mal gebaut hat, ist erloschen, also weg. Also hab ich die Notfallhotline von Medistar angerufen und bin prompt durchgekommen. 20 Minuten später  war ein Techniker am Telefon und erklärte mir grob, was er jetzt tut: Eine virtuelle Festplatte verschieben (auf die langsame Sicherungsplatte, 45 min), Sicherungspunkt erstellen, Sicherungspunkt verschieben (Platte voll, zweite Platte besorgt), letzte zu grosse Sicherung löschen,  Server auf der langsamen Sicherungsplatte starten. Er lief – sehr langsam. Alte Sicherungsdateien von Windows suchen, alte Updates von Medistar suchen, alte Datenbankreste suchen, alte IFAP- Updates suchen – nicht, ich warte meinen Server. Papierkorb anschauen. Ein Jahr IFAP- Sicherungen  a 1 GB macht 24 GB und viermal Medistar a 1,5 GB waren dreissig Gigabyte. Ich habe meinen Papierkorb nur jährlich geleert. Nachdem das weg war, musste nur noch die virtuelle Platte zurück auf ihr schnelles Laufwerk und schon gegen 11 lief der Server.

Lob an Medistar: Notfallnummer ging dran, war kundig besetzt und kein Vortrag, eine Fremdfirma habe den Server errichtet und man sei nicht zuständig. Die 2,5 Stunden Hotlinekosten hat man sich redlich verdient. Das Geld ist auch unwesentlich im Verhältnis zu 3 h Praxisausfall.

Seltsam real waren die Wünsche der Patienten, die wir nicht versorgen konnten: „Mal vorher anrufen!“ – Wissen wir, wann der Server ausfällt?. „Anrufen, wenn der Server steht!“ – jawoll, jeder von uns hat ein privates Telefonbuch mit 12.000 Patiententelefonnummern. Natürlich ist auch das unerreichbar auf dem Server. „Neuen Termin machen.“ Nein, ohne Server geht das nicht. „Wenigstens Blut abnehmen!“ Geht, aber ohne Begleitdaten verarbeitet das Labor nichts. Ohne virtuelle Server ging garnichts heutzutage. Nur die Anschisse an die Mitarbeiterinnen, die waren real.

Anlass  des Absturzes war das IFAP-Update vom Donnerstag. Es hatte ein Gigabyte Größe und das kostete die letzte Reserve. Jetzt sind wieder 130 GB frei.

Nachwirkung: Es werden größere SSD-Festplatten eingesetzt, damit so etwas erst in 10 Jahren wieder passiert. Bis dahin gibt es bestimmt einen neuen Server – für unsere Nachfolger.

24.1.24

Fünfter Kontakt wegen der leidigen Frage, wer ein mobiles Chipkartenlesegerät einpflegen muss. Jetzt war die Hardware/Technik am Telefon, um mir noch einmal zu sagen, dass dies Aufgabe der TI-Hotline sei. So etwas hatte der Vertriebs- und Servicepartner auch schon behauptet. Jetzt habe ich gerade den TI-Service, der seine gelegentliche Zuständigkeit einräumt. Freude, der Kollege war so freundlich, das Problem zu lösen.
Zum Ausgleich hat er mir erklärt, dass ich neue elektronische Arztausweise beantragen darf. So ein e-HBA kostet immerhin 420 € + Mehrwertsteuer, die alten laufen im Juli ab. Nebenbei: sie sind 2 Jahre alt, wurden aber im Oktober 22 nur für 1,5 Jahre aktiviert – sicherlich, damit man etwas Geld verdienen kann. Eine Anschlussbuchung gibt es nicht, ich habe letztes Mal über 4 Monate auf den Ausweis gewartet, die Gebührenuhr tickt ab Antrag.

09.1.2024

Manchmal wird man von Pontius zu Pilatus geschickt. eigener Kommentar

Gestern wollten wir unseres mobiles Chipkartenlesegerät auslesen, auf dem Patientendaten von Hausbesuchen gespeichert sind. Es funktionierte nicht. Kurzer Morgenanruf bei TI (Telematikinfrastrukturservicehotline), der Servicepartner sei zuständig. Nachmittagsanruf beim Vertriebs- und Servicepartner. Wir waren beide im Konfliktmodus und nach Rücksprache mit der TI wurde mir beschieden, dass erstens doch die TI zuständig sei und ich zweitens gar nicht dort angerufen hätte. Aber man war so freundlich, mich weiterzuleiten an die TI. Dann hörte ich wieder Musik und nach einiger Zeit in der Warteschleife brach das Gespräch zusammen.

Heute morgen musste ich wieder die TI kontaktieren, weil die Technik durch eine elektrostatisch aufgeladene Chipkarte funktionsunfähig war. Das Problem wurde gelöst, aber für die Einbindung von Chipkartenlesegeräten sei man nicht zuständig. Das sei doch die Technik – der dritte Ansprechpartner. Nun hänge ich wieder in der Hotline, habe gerade den Vertriebs- und Servicepartner erreicht, der mich an „die Technik“ weiterverbunden hat. Hier kam erst die Ansage „Wartezeit 15 Minuten, aber wir haben einen Rückrufservice“. Als ich den aktivieren wollte, landete ich in einer Kundenzufriedenheitsumfrage. Die habe ich dann weggeklickt, weil ich nichts Unflätiges ins Telefon schreien wollte.

08.1.2024

Ein Streik, der keinen wirtschaftlichen Druck ausübt, ist kein Streik, sondern kollektives Betteln. Jürgen Peters, (*1944), IG-Metall-Vorsitzender

Heute ist viel Zeit zum Bloggen, denn durch die Proteste der Landwirte kommen die geplanten Patienten nicht oder später. Wir verstehen allerdings die Landwirte auch besser als unsere Regierung. Das ist jetzt kein Aufruf zum Umsturz, aber eine vorgezogene Neuwahl würden wir auch begrüßen.

Heute kam die erste Patientin, die ihre elektronische Patientenakte per PIN bei uns freischalten konnte und beschickt haben wollte. Da die Folgepatienten ausblieben, hatte ich dafür Zeit. Es dauerte 20 Minuten, abrechenbar ist die Gebührennummer 01648, bewertet mit 89 Punkten (10,03 Euro). Die Nummer ist eigentlich bis 31.12.23 befristet, dann sollte der ePa ja laufen. Also vielleicht gibt es das Geld auch nicht. Das klingt nach einem guten Weg, um pleite zu gehen.

Am Wochenende habe ich ein Medistar-Update eingespielt. Es setzte die Medikamentendatenbank vom Stand 1.1.24 auf 1.12.23 zurück. Die systemischen Fehler der elektronischen Arztbriefschreibung wurden nicht beseitigt. Schade. Dazu kam heute eine Mitteilung der kassenärztlichen Vereinigung: Unsere elektronischen Arztbriefe aus dem letzten Quartal werden nicht bezahlt, das Geld gab es nur als Anschubfinanzierung bis Mitte 23.

Keine Probleme gab es dagegen beim elektronischen Rezept, also keine neuen. Allerdings gibt es jetzt täglichen Mailverkehr, weil irgendeine Apotheke ein e-Rezept intern nicht weiterverarbeiten kann und das Rezept nochmal oder in Papierform braucht.

18.12.23

Wenn du keine Fehler machst, dann sind die Probleme, an denen du arbeitest, nicht schwierig genug. Und das ist ein großer Fehler. (Frank Wilczek)

Der erste Tag mit über 70 E-Rezepten und 60 E-Arztbriefen ist vorbei. Es lief erstaunlich gut. Wenn eine Signatur um 20 Sekunden dauert, sind also 3 Signaturen pro Minute möglich, also 1440 Signaturen pro Arbeitstag. 130 Signaturen wurden benutzt. Zwei Signaturen gleichzeitig sind nicht möglich. Damit sind wir beim sogenannten Geburtstagsproblem. Die Wahrscheinlichkeit, dass 2 Signaturen gleichzeitig angefordert werden und sich gegenseitig stören, ist bei 1:1,1197137648469860929993824378943e+3514, also nahe bei 100 %. Wer es nachrechnen will: 1440 Fakultät geteilt durch (1440 hoch 130), die sogenannte Laplace-Formel. Entsprechend gibt es nur eine Fehlermeldung „Fehler 4093: Die Karte wurde bereits an einem anderen Task verwendet“. Den Fehler werden wir mit steigender TI-Auslastung häufiger sehen, ab 200 Signaturen auch mehrfach täglich. Abhilfe wäre ein schnelleres Netz.  Schön wär’s.

17.12.23

Vom Arzt und vom Lehrer erwarten alle Wunder. Und wenn sie geschehen, wundert sich niemand. Sprichwort

Es ist tatsächlich vor Weihnachten gelungen: Wir können, wie sich das gehört, von allen Arbeitsplätzen e-Arztbriefe schreiben und e-Rezepte signieren. Den entscheidenden Tipp gab eine Mitarbeiterin der Hotline, die mir eine Gebrauchsanweisung schickte, wie ich interne Netzwerkrouten für die Telematikinfrastruktur kontrollieren und setzen kann. Als kleines Nebenergebnis ist die Gesamtzeit eines E-Arztbriefes auf 33 Sekunden gesunken – egal von welchem Platz man schreibt. Wir haben daher am Freitag das E-Rezept zum Standard erklärt und am Freitag Nachmittag habe ich ganz allein die letzten Arbeitsplätze in die Telematikinfrastruktur eingebunden – ganz ohne 5 verschiedene Hotlinemitarbeiter_innen.

Zur Feier des Tages schreibe ich (nicht hier, sondern dort ) einen Blogbeitrag über TI-Fehlermeldungen und deren Behebung. Vielleicht hilft es jemandem.

12.12.23

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Mal ein ganz neuer Fehler: Ein Ultraschallgerät stürzte am Montag Nachmittag ab. Netzwerkfehler, keine Verbindung zum Server. Fehlersuche 2 Stunden, eigentlich nichts gefunden außer ein paar harmlosen Dokumentationsfehlern im Netzwerk. Es folgten eine blöde Nacht und schlechte Träume, weil man die Technik nicht mehr beherrscht und ein Geräteausfall nervt. Heute morgen ging das Gerät. Ganz unschuldig stand es da und verrichtete klaglos seinen Dienst – um pünktlich um 12.00 Uhr war die Netzwerkverbindung weg. Ursache: Beim Korrigieren der Uhr am Freitag ist der AM/PM-Fehler passiert und so stand das Gerät ab 12.00 Uhr auf dem morgigen Dreizehnten, fragte nach Aufträgen für den Dreizehnten und wollte Bilder am Dreizehnten speichern. Der Server sagt dann natürlich : „Prophetische Leistungen mache ich nicht, heut ist der Zwölfte“. Einmal die Uhr gestellt und alles geht wieder.

11.12.23

In der Kürze liegt die Würze. Deutsches Sprichwort

Der E-Arztbrief ist ein Zeitfresser. Heute haben wir entdeckt, warum manche Arztadressen sich nicht speichern lassen: Es ist unklar, ob eine KIM-Adresse (die halbamtlich festgelegte elektronische Adresse eines Arztes in der Telematikinfrastruktur) 60, 64 oder unendlich viele Zeichen haben darf. Unser System Medistar verarbeitet 64 Zeichen, aber es speichert nur 60 in der Adressdatenbank. Von Adressen wie „Gemeinschaftspraxis-Mueller-Meier-Schulze@medistar.kim.telematik“ wird „Gemeinschaftspraxis-Mueller-Meier-Schulze@medistar.kim.telem“ gespeichert, die letzten 4 Buchstaben verschwinden. Das Ergebnis ist ein „Verbindungsfehler“.

Wie häufig ist das Problem? Häufig. Ich habe 4 Kollegen gefunden, die Doppelnamen, die KV-Nummer oder  Orte wie „Neudorf-Platendorf-Gemeinde-Sassenburg“ in der Adresse tragen, auch „Medizinisches-Versorgungszentrum“ hat 32 der möglichen 60 Buchstaben. Auf die kleine Differenz 60-64 Buchstaben habe ich den Medistar-Support aufmerksam gemacht. Die Mitarbeiter klangen zumindest interessiert.  Wir haben übrigens sensse@tm.kim.telematik. 23 Buchstaben. Warum finde immer ich sowas, wenn Tausende Ärzte diese Bananensoftware nutzen müssen?

6.12.23

Erfahrung lehrt: Leere Versprechen sind oft aufwendig verpackt. Thom Renzie.

Zum ersten Mal habe ich von CGM Medistar eine Antwort auf eine Kundendienstanfrage bekommen. Sie lautet sehr positiv, woke und erfreulich:

Wir haben Ihr Anliegen erhalten und möchten Ihnen mitteilen, dass wir es an die zuständige Fachabteilung weitergeleitet haben. Unsere Kollegen werden sich zeitnah mit Ihrem Anliegen auseinandersetzen und Ihnen eine entsprechende Lösung anbieten. Gerne können Sie den Status Ihres Anliegens unter Angabe der Ticketnummer bei uns erfragen. Die Ticketnummer lautet: 815345802. Bitte halten Sie diese Nummer bereit, um eine schnelle Bearbeitung Ihrer Anfrage zu gewährleisten. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis und Ihre Geduld während der Bearbeitung Ihres Anliegens und freuen uns, Ihnen bald eine zufriedenstellende Lösung präsentieren zu können.

Seitdem ist wieder Funkstille. Schade.

1.12.23

Es ist etwas Schnee und Grippesaison, also erscheinen viele geplante Patienten nicht oder sind so verrotzt, dass sie mit Medikamentenversorgung schnell wieder hinauskomplimentiert werden. Die gewonnene Zeit hab ich investiert, um die Hotline von Medistar zu erreichen: Bei anderen Praxen kann man von jedem Platz e-Rezepte schreiben. Wir haben eine Fehlkonfiguration, es könnte besser gehen.

Bilanz:

  • 4 Anrufe mit 70 Minuten Hotline, dann sagte der Hannoveraner Servicepartner: „Dieser Fehler gehört uns nicht, frag die TI!“.
  • 2 Anrufe bei der Hotline der Telematikinfrastruktur: „Ja, das klingt nach Fehlkonfiguration, aber das liegt nicht an uns. Wir haben das nur eingerichtet. Das macht der Vertriebs- und Servicepartner.“ Immerhin war die Mitarbeiterin bereit, ein elektronisches Ticket zu erstellen, damit der Partner weiß, dass es ein  Problem gibt.
  • 4 weitere Anrufe mit „Leider ist unsere Hotline überlastet, bitte rufen Sie später noch einmal an!“ Der letzte ging weit in den Feierabend,  dann war die Hotlinezeit zu Ende.

Es sind noch 16 Arbeitstage, bis die Nutzung des e-Rezept Gesetz ist. Noch ist Hoffnung.

28.11.2023

Gestern haben wir nach 3 Wochen kontinuierlichem Anrufen in der Hotline von CGM Medistar die angekündigte Komfortsignatur für die Telematikinfrastruktur bekommen. Man kann also jetzt morgens die TI freischalten, also 250 elektronische Unterschriften blanko und im Voraus auf einen Rutsch leisten. Ich muss also keine weiteren Sorgen vor einem Mausellenbogen haben.

Damit ist der vorläufige Endausbau der Telematikinfrastruktur erreicht, mehr wird nicht kommen. Aktueller Stand:

Elektronische Krankschreibung: Ich muss zum Feierabend einmal auf einen Knopf drücken, alle 1-5 Krankschreibungen des Tages gehen innerhalb 1 Minute zu den Krankenkassen. Funktioniert.

E-Rezept: Ich kann von genau einem Arbeitsplatz der Praxis Rezepte signieren. Dazu muss ich nur an dem Platz sitzen und pro Rezept 35 Sekunden Ruhe bewahren. Der Platz ist so lange gesperrt, andere Computerarbeiten sind nicht möglich. Rezepte zum Signieren schicken kann jede Mitarbeiterin von jedem Arbeitsplatz. Klartext: Wenn Tresen und Labor 10 Rezepte in die Warteschleife tun, sitze ich 5 Minuten vor meinem Rechner und meinem Patienten und kann nur über das Wetter reden oder Minecraft spielen. Alternative: Eine Massensignierung abends ist möglich, aber die Kontrollausdrucke für die Patienten kommen erst nach dem Signieren raus. Das E-Rezept ist Zeitfresser erster Ordnung, viel Laufwege, weil die Rezepte woanders gedruckt werden, als sie veranlasst werden.

E-Arzt-Brief: Man kann jetzt dank der Komfortsignatur von 6 Arbeitsplätzen aus e-Arztbriefe schreiben. Der absendende Arzt bekommt sie nicht zu sehen, sie signieren sich selbst. Nach jedem Brief steht der Rechner 34 Sekunden zum Signieren still. Abhilfe: Nach Feierabend an 2 Rechnern gleichzeitig nebeneinander Briefe schreiben. Immer, wenn ein Rechner gesperrt ist, gehe ich zum anderen – also einmal alle 40 Sekunden. Das Tempo verdoppelt sich. So etwas geht nach Feierabend, wenn die zwei Tresenplätze frei sind. Damit dauert ein Brief  22 statt 3 Sekunden, kein Vorteil.

24.11.2023

Das Leben ist voller Leid, Krankheit, Schmerz – und zu kurz ist es übrigens auch … Woody Allen

Die Telematikinfrastruktur mit dem E-Rezept und dem E-Arztbrief macht mich krank. Dabei geht es nicht um den Ärger wegen der schlampigen Programmierung, sondern um einfache, messbare, mechanische Probleme. Seit Wochen habe ich eine recht hartnäckige Epicondylitis humeri radialis rechts, traditionell Tennisellenbogen und modern Mausellenbogen genannt. die ich mir nicht wirklich erklären konnte. Ja, ich spiele brutal Golf, aber das erwischt den anderen Bandansatz und da war nichts. Außerdem hat das Golfen nie Schmerzen bereitet. Ich hab es trotzdem gelassen. Dann habe ich zur Freude der Mitarbeiterinnen alle Tastaturen der Praxis und zu Hause gegen teure extraflache Kurzhubtastaturen mit definiertem Druckpunkt getauscht – etwas besser. Seit einer Woche habe ich eine Zwangspause wegen Corona und darf nicht in die Praxis, es wurde zum ersten mal schnell besser. Und als ich heute Nachmittag einsam und allein in der Praxis saß, um die aufgelaufenen 120 e-Arztbriefe der letzten Woche zu schreiben und zu signieren, da ist mir aufgefallen: Es ist die sehr schwergängige Tastatur des Orga-6141-Chipkartenlesegerätes, die die Beschwerden auslöst. Die Tasten sind nicht nur schwergängig und ohne Enddruckpunkt, sondern auch in einer völlig unergonomischen Schräge montiert, die das Handgelenk überstreckt. 60 e-Rezepte pro Tag und heute 120 e-Arztbriefe a 7x kräftig mit dem Zeigefinger drücken reichen zum Auslösen und Unterhalten eines Mausellbogens.

Konsequenz: Ich werde keine e-Rezepte und e-Arztbriefe mehr schreiben, bis CGM Medistar die seit 4 Wochen versprochene Komfortsignatur installiert hat. Könnte dauern, sie kassieren ja schon lange für die Wartung der nicht installierten Funktion. Erkenntnis: Telematikinfrastruktur tut weh.

10.11.2023

Das größte Problem mit der Kommunikation ist die Illusion, sie sei gelungen. George Bernard Shaw

Ich habe jetzt jeden Tag 40 e-Arztbriefe  geschrieben, signiert und verschickt – einfach so zum Üben und zum Probelauf. Außerdem spart es Papier, das ist gut für die Umwelt. Schreiben 4 Sekunden, Signieren und Verschicken 50 Sekunden. Das größte Problem ist derzeit das Herausfinden der KIM-Adressen der Zuweiser. Selbstverständlich steht das nicht auf der Überweisung – Datenschutz. Genauso selbstverständlich gibt es auch keine zentrale Adressdatenbank der Ärzte – Datenschutz. Was es gibt, ist ein nur mit den eigenen Augen durchsuchbares Verzeichnis aller registrierten KIM-Adressen mit einer rudimentären Suchfunktion. Wenn jemand z.B. Dr. Sensse sucht, ist das leicht. Nur eng mit uns Verwandte heißen wie wir. Wenn man zum Beispiel Frau Dr. Appel in Sassenburg sucht, dann lernt man bei der Gelegenheit, wie viele Ärzte, Apotheker und Physiotherapeuten es in 24376 Kappeln gibt und merkt, wie viele Mitarbeiterinnen die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege in Hamburg, Pappelallee 33-37 in Hamburg hat. Die haben alle eine KIM-Adresse. Die Suche nach Kollegen, die Müller heißen oder in Wolfsburg oder in einer Bahnhofstrasse arbeiten, ist frustrierend. Dr. Pschrembel oder jemand in der Eitelbrotstraße ist einfacher, da kommt jeweils nur eine Adresse hoch. Bei 31311 Uetze kamen schon wieder Massen, die Schütze heißen.

Dabei ist noch nicht einmal festgelegt, dass der Name der Ärzte in der Adresse oder in der hinterlegten Ärztedatei vorkommt. Selbstverständlich gibt es zulässige Adressen wie „die-hausaerzte.ti.kim.de“, das ist wenig informativ. Hinter „OnkologieamKlieversberg.ti.kim.de“ steckt ein Medizinisches Versorgungszentrum mit 6 Fachrichtungen, 2 Standorten und über 30 Ärzten. Angestellte Ärzte und Mitarbeiter von MVZs haben in der Regel keine eigene KIM-Adresse, da gilt die vom Chef. Der hat die gleiche Postadresse, aber nicht unbedingt dieselbe Fachrichtung. Frohes Suchen!

Wenn man Kollegen fragt, welches ihre KIM-Adresse ist, kommt häufig „Was ist das denn?“ oder „Haben wir nicht!“. Letzteres stimmt einfach nicht, denn dann könnten die Kollegen seit einem Jahr niemanden mehr krankschreiben. Sie wissen nicht, dass sie eine KIM-Adresse besitzen, weil ihr EDV-Dienstleister die Adresse generiert, aber sie nicht informiert hat. In den KIM-Postfächern dieser Kollegen liegen womöglich die vermissten Briefe der letzten Monate. Das ist uns ja auch schon so gegangen.

Wie lange dauert das?: Für 40 E-Arztbriefe mit Adresse recherchieren und signieren und 5 traditionelle Briefe per Fax mit der Mitteilung, die Kollegen mögen mal bitte ihre KIM-Adresse mitteilen, habe ich 1,5 Stunden benötigt. Das frustriert. Den ganzen Vorgang kann ich nicht an die Mitarbeiterinnen delegieren, denn während der Arbeitszeit wird der Computerarbeitsplatz zum Signieren der e-Rezepte benötigt.

Warum dauert das so lange? [Aufruf E-Arztbrief]. Der Computer schaut, ob er einen Adressaten schon in der Datenbank hat und überprüft, ob der Kollege in den 10 Minuten seit dem letzten Aufruf seiner KIM-Adresse seine Praxis verkauft oder verlegt hat. 9 Sekunden bis hier. [Klick: Adresse aussuchen]. Der Computer stellt alle Daten seit dem letzten E-Arztbrief, ersatzweise die letzten 2 Quartale zusammen und fragt dann: Vorlage erstellen, Brief probeweise drucken oder tatsächlich versenden. weitere 3 Sekunden [Versenden]. Jetzt kann ich zum ersten Mal den fertigen Brief aus PDF sehen, auf Fehler kontrollieren und leider nichts ändern, dazu muss ich aus dem Briefmodul raus und in die medizinischen Daten zurück. 4 Sekunden fürs PDF erstellen Zwei Klicks [Die Einwilligung des Patienten in den Versand seiner Daten per E-Arztbrief liegt vor] und [Versenden]. Jetzt erstellt der Computer die PDF-Datei, signiert sie und zeigt mir die Mitteilung „… 70%…“ für 21 Sekunden. Dann gebe ich [meine 6stellige PIN][Enter] ein und sehe 13 Sekunden lang „… Brief wird versandt, 90%“. Letzter Klick: „Der Brief wurde versandt, elektronisch archiviert und steht in den medizinischen Daten zur Verfügung“. [OK]. Macht 5 Klicks und eine PIN-Eingabe in 50 Sekunden. Dazu kommen das Lesen, die Adresssuche und die Fehlerkorrektur.

Ich habe übrigens in diesem Monat schon 2 (in Ziffern: zwei) E-Arztbriefe empfangen. Ab 1.1.24 sollen wir alle per Gesetzeserlass nur noch über KIM und e-Arztbrief kommunizieren. Zumindest werden dann Fax und Briefmarken nicht mehr bezahlt. Das Fax gibt es eh nur noch in der Medizin. Trotzdem sind das nur noch 6 Wochen und das System ist mächtig unvollkommen.

06.11.23

Wer von der Hoffnung lebt, stirbt an Enttäuschung.  (Aus Spanien)

Der Tag gestern begann mit einer Fehlermeldung auf allen Plätzen: „Es wurde festgestellt, dass die Fast Recovery Area Ihrer Oracle Datenbank mehr als 80% des reservierten Speicherbereiches beansprucht. Bitte kontaktieren Sie zeitnahe Ihren Vertriebs- und Servicepartner, um einen Stillstand des CGM Mediastar Systems zu verhindern.“ Stillstand ist ungünstig. Erster Anruf bei der Hotline, man war nicht zuständig, leitete mich aber an die Technik weiter. Hier geriet ich an einen freundlichen Mitarbeiter namens Husein, der begrenzt brauchbar deutsch sprach, das Problem erst nicht verstand und dann ganz schnell „SHUTDOWN IMMEDIATE“ in die Steuerung eingab. Der Befehl bedeutet „Abschuss der Datenbank ohne Rücksicht auf laufende Prozesse!“ und sollte in einer laufenden Sprechstunde nicht benutzt werden. Für eine Fehlersuche ist er auch nicht nötig.

Bereits 22 Minuten später lief der Server wieder und die Sprechstunde konnte weitergehen. Die Ursache der Meldung wurde nicht gefunden, so dass mir für heute 15.00 Uhr ein Termin mit dem Second-Level-Service (also Leuten mit noch mehr Ahnung) gemacht wurde. Ich werde dort als Erstes fragen, ob man wieder die Datenbank außer Betrieb setzen muss. Dann sollte die Wartung außerhalb der Sprechstunde stattfinden. Aber da arbeiten die Computermenschen meist nicht.

Weitergegangen ist das Projekt „E-Rezept“. Wir haben jetzt für einen Tag alle Rezepte als e-Rezepte ausgestellt. Die Laufwege verlängern sich für die Mitarbeiterinnen, weil das nur an einem Platz funktioniert. An dem Platz erstelle ich jetzt nur noch E-Rezepte, um die Mitarbeiterinnen zu schulen. Ich habe reichlich Gestöhne wegen der vielen Mikropausen, das erste E-Rezept dauert jetzt 23 Sekunden, jedes weitere 10 Sekunden. Das ist schon fast erträglich.  Niemand kam zurück, alle E-Rezepte konnten eingelöst werden.

Bei Doccheck habe ich die folgende Grafik „Roadmap zum E-Rezept“ gefunden.


Ab Juli 2025 wird also das Betäubungsmittelrezept für starke Schmerzmittel elektronisch. Das ist doch mal richtig gut, denn wegen diesem Teil betreiben wir einen Nadeldrucker für die 3 Durchschläge und diese Kreissäge nervt von Geräusch, Unzuverlässigkeit beim Formulareinzug und Wartungsaufwand.

Der nächste Probelauf betrifft den E-Arztbrief. Eine Mitarbeiterin bereitet die Briefe vor, ich lese und signiere. Das kostet mich für 20 Briefe 18 Minuten gegenüber 3 vorher, dafür müssen die Mitarbeiterinnen die unterschriebenen Briefe nicht mehr scannen und durch die Gegend faxen. Zum Motivation bekommen ich 27 ct pro E-Brief statt 10 ct fürs Fax.
Gut finde ich, daß der E-Arztbrief standardmäßig im Format PDF kommt, also brauchbar für die nächste EDV-Baustelle Digitale Patientenakte ist. Schlecht finde ich, dass das Formular zwar Standardplätze für Anamnese, Befund, Diagnosen, Medikamente uNd Therapie hat, aber keinen Platz (nicht keinen Standardplatz, sondern gar keinen) für Labor, Röntgen  oder Sonographie.  Das soll eine Verbesserung des nächsten Update sein, so weit war Medistar halt noch nicht. Man arbeitet ja erst 3 Jahre an dem E-Arztbrief.

Schlecht finde ich die vielen Mikropausen, wenn ich dem Rechner beim PDF-Erstellen, verschlüsseln, Routen und versenden zuschaue. Ich kann nebenbei Minecraft spielen, aber das gehört leider nicht zu den Primärkompetenzen eines Facharztes.

2.11.23

Gestern habe ich wieder einmal ein bahnbrechendes Update von CGM Medistar eingespielt. Das e-Rezept braucht jetzt nur noch 33 Sekunden, es ist schneller. Das Papierrezept braucht 2 Sekunden. Der e-Arztbrief kann jetzt (endlich) die KIM-Adresse des Empfängers selber raussuchen.

27.10.23

Heute habe ich kopfschüttelnd ein Interview mit Herrn Markus Leyck Dieken gelesen. Herr Diecken war Geschäftsführer der Gematik, die als Digitalagentur die technischen Abläufe der Telematikinfrastruktur verantwortet. Ich habe erfahren, dass im Lastenheft für die Softwareentwickler e-Rezept stand: „Zwei Klicks und der ganze Vorgang unter 5 Sekunden“. Dann soll es einen TI-Score geben, auf dem ich sehen kann, wie weit „meine“ Software bei der Umsetzung dieser Vorgeben ist. Schön, aber realitätsfern.

Das obere Bild ist vom TI- Score. Immerhin steht da, dass CGM Medistar wesentliche Teile der Vorgaben zum E-Rezept umgesetzt hat, es fehlen nur die Akzeptanzkriterien „Zeit“ und irgendwelche Qualitätskriterien. Zu deusch: Es funktioniert teilweise. Das untere Bild ist vonnden anderen E-Anwendungen. Es zeigt, dass wir besser noch nicht über die elektronische Patientenakte reden, beim E- Rezept hängen, die e- Arbeitsunfähigkeit umgesetzt wurde und Medistar den e-Arztbrief zumindest als Problem erkannt hat. Andere Firmen haben dort vier grüne Kullern.

Der TI-Score beruht wohlgemerkt auf der Selbsteinschätzung der IT-Firmen. Genausogut kann ich Frau Nancy Faser fragen, ob unsere Strassrn in Neukölln sicher sind.

 

21.10.23

Freiheit ist immer auch die Freiheit der anderen. Rosa Luxemburg.

Wir haben heute darüber gesprochen, was das E-Rezept für andere bedeutet. Wenn wir 70 Rezepte a 42 Sekunden täglich signieren müssen, dann kann das nicht während der laufenden Sprechstunde passieren. Es kann auch nur noch ein Rechner pro Arzt, nicht aber der Tresen Rezepte drucken. Also wird die „Komfortsignatur“ abends, vielleicht auch zwischendurch mittags laufen gelassen.

  • Patienten werden nicht mehr kontrollieren können, ob alles auf dem Rezept ist. Es entsteht ja erst abends, wenn sie zu Hause sind.
  • Man kann nicht mehr auf dem Weg nach Hause in der Apotheke vorbeifahren. Also werden die Apotheken in Ärztehäusern ihr Geschäftsmodell ändern müssen.
  • Wer die Gematik-App nutzt, wird nach Freischaltung der Rezepte abends nicht zur Apotheke fahren, sondern die Rezepte zu einer Internetapotheke weiterleiten. Das ist ein großes Problem für die Apotheken vor Ort, ein Konjunkturprogramm für Lieferdienste und eine  zusätzliche Umweltbelastung.
  • Der Arzt arbeitet abends eine Stunde länger, weil er die Rezepte freischalten muss – mit 4 Mikropausen pro Rezept.
  • Ob wir dringend benötigte Rezepte an der Schlange vorbei sofort freischalten können, weiss ich noch nicht.
  • Apotheker könne nicht lieferfähige Medikamente auf dem e-Rezept nicht ändern, so wie das beim Papierrezept möglich war. Im Falle von Korrekturen fährt irgendwer durch die Gegend oder telefoniert herum.

Herr Spahn sagte damals: „Das E-Rezept wird die Arbeitsabläufe in Arztpraxen und das Arzt-Patienten-Verhältnis ändern.“ Recht hat er. Leider ist Veränderung nicht automatisch Verbesserung.

Auf lange Sicht läuft es darauf hinaus, dass die Signaturkarten der Ärzte in den Chipkartenlesegeräten am Tresen stecken, dass jede einzelne Mitarbeiterin meine PIN kennt und dass jeweils die rangordnungsniedrigste Mitarbeiterin den stumpfen Job des Signierens hat. Das ist dann weder datenschutzgerecht noch zulässig, aber es gibt weiter schnell Rezepte. Wenn dann auch nich Heilmittelmund Sanitätshäuser an die TI angeschlossen sind, darf sie immerhin 200x pro Arbeitstag die PIN eingeben.

6.10.23

täglich grüßt das Murmeltier...

Heute gab es ein Update von CGM Medistar, das die Medikamentendatenbank von Stand 15.9.23 auf Stand 1.9.23 downdatete. Danach habe ich ein Update von Ifap installiert, das die Medikamentendatenbank vom 1.9. auf den 1.10.23 updatete. Geht das nicht einfacher?

27.9.23

Ich habe keine Angst vor Computern. Ich habe Angst vor dem Mangel an ihnen. Isaac Asimov

Letzte Woche gab es zwei Versuche von Patienten, uns auf ihre elektronische Patientenakte zugreifen zu lassen. Beide Patienten scheiterten an der Unkenntnis ihrer eigenen PIN. Meine Kompetenz wurde in Frage gestellt, weil ich die Apps der AOK und der DAK in ihren Menüunterpunkten nicht kannte. Es ist weiterhin grober Unfug, dass 80 pluralistische Krankenkassen 80 pluralistische Apps mit eigenen Regeln und Optionen haben dürfen.

Die gute Nachricht dahinter: Die Nachfrage nach elektronische Patientenakte steigt. Sonst noch was? Ein reibungsloses Update und zwei Abstürze je unter 30 Minuten Schaden.

Das Problem der Woche war ein Update wahrscheinlich des TI-Konnektors mit nicht kommunizierter „Verbesserung“ der Sicherheitsfunktionen. Es müssen schon immer alle Krankschreibungen elektronische signiert werden, neuerdings auch die etwas zunehmenden e-Arztbriefe. Das macht man nach der Sprechstunde, wenn die Mitarbeiterinnen schon gegangen sind. Und genau diese Funktion gab auf einmal  Fehlermeldungen, ging nicht mehr und machte alle noch eingeschalteten Rechner langsam. Kurzes Gespräch mit der Hotline (1 h warten, 2 min sprechen) ohne Besserung. Kompletter Anlagenneustart ohne Besserung, ein langer Mittwochnachmittag mit der Hotline brachte dann die einfache, „logische“ Lösung: Früher suchten alle Telematikinfrastrukturkomponenten nach ihrem Hauptchipkartenlesegerät und überprüfen neben meiner Karte (an meinem Arbeitsplatz) auch die Anwesenheit und Signierung der ganzen Praxis (am rechten Tresenplatz). Beide haben immer Strom. Nun schaut die Anlage nicht mehr direkt, sondern über den zugeordneten Rechner auf das Lesegerät am Tresen. Und wenn der Tresenrechner ausgeschaltet ist, geht „manchmal“ die ganze Telematikinfrastruktur nicht mehr. Folglich bleibt jetzt nach Feierabend ein Rechner mehr an. Umweltschutz und DStromsparen gehen anders und danke für die 6 Stunden Zeit für die Fehlersuche.

14.9.23

Was Du schwarz aus weiß besitzt, das kannst Du getrost nach Hause tragen. altes Deutsches Sprichwort.

Zwei neue Fehlschläge von der ePa-Front: Gestern kam der erste Patient mit der Barmer-App und versuchte, uns Zugang zu seinem elektronischen Patientenausweis zu gewähren. es hat eine viertel Stunde Sprechzeit gekostet, dann wussten wir: die Barmer-App möchte nicht nur eine Freigabe vom Patienten, sondern zusätzlich noch die Patientenchipkarte im Lesegerät und die PIN des Patienten. Die war nicht zur Hand. So bekamen wir über 20 Minuten lauter Einzeldokumente per mail und das Personal war beschäftigt. Schade. Das hätte der erste Patient mit einer echten ePA sein können. Weil  jede Krankenkasse eine eigene App mit eigenen Zugriffsrechtevergaben hat, können wir uns noch auf ein paar Schnittstellenprobleme gefasst machen.

Zweite Erkenntnis: Unsere erfolgreichen Versuche, Daten auf im ePA unserer Tochter zu speichern, sind ein Jahr her. Folgerichtig hat die HKK-App oder die Datenbank, die dahintersteht, vor 14 Tagen mitgeteilt, dass ein Jahr lang nicht schreibend auf die ePA zurückgegriffen wurde und die Daten daher gelöscht werden. Gestern kam die Löschmitteilung. Ein kurzer Check ergab: Ja, alle Daten sind weg. Ich habe zwar Leserechte für 5 Jahre bekommen, aber da ist nichts mehr. Konsequenz: Ein Datenspeicher, der nur 1 Jahr lang hält, ist als medizinische Datenbank zur Langzeitspeicherung ungeeignet. Eine Datenbank, in die man nur eingeben, aber im Bedarfsfall nicht herausholen kann, nennt man auch Datengrab. Folglich werden die Ärzte, die den ePA pflegen müssen, als Grabpfleger mißbraucht.

5.9.23

Es ist Mittag, die Computer erzählen: „SOAP-Fehler Nr. 28“ und nichts läuft: keine Chipkarteneinlesung, keine AU-Meldungen und wenn wir die e-Rezepte nutzen wollten, dann wären diese jetzt auch tot. Die Hotline erzählt seit einer halben Stunde: „Herzlich Willkommen bei der Compugroup Medical AG, ihrem Support der Telematikinfrastruktur. Zur Zeit sind alle Mitarbeiter im Gespräch. Bitte haben Sie einen Moment Geduld, der nächste freie Mitarbeiter ist schon für Sie reserviert. Bitte halten Sie, wenn möglich, Ihre Kundennummer bereit, damit wir Ihr Anliegen zügig bearbeiten können. Unter www.cgm.com/ti-radar informieren wir Sie bei eventuellen Störungen de Telematikinfrastruktur inclusive mögliche Maßnahmen. Vielen Dank!“ und ich frage mich wieder einmal, ob es nicht mittlerweile wirtschaftlicher ist, 10 % Honorarabzug zu akzeptieren und den ganzen teuren dysfunktionalen EDV-Kram abzuschaffen.

29.8.23

Was nützt die beste Informationstechnik, wenn sich die Menschen nichts zu sagen haben? Reinhard Schrutzki, dt. Computerspezialist, Hamburg

Heute haben wir die neuen Module „Notfalldatensatz“ und „elektronischer Medikamentenplan“ bekommen. Rechnung ist schon da, 1424 € für 3 Minuten Technikereinsatz und das Ganze funktionierte sofort. Testlauf: Für die Erstellung eines Notfalldatensatzes benötigen wir mit Erfragen der Informationen 15 min und bekommen 9,19 €. Es wird sich durchsetzen – hofft Karl Lauterbach.

23.8.23

Im Rheinland sagt man: Die Menschen, die (…) zu häufig von der Ehrlichkeit sprechen, das sind die größten Lügner. Karl Lauterbach

Wir wurden mal wieder von Herrn Professor Lauterbach belogen. Die angeblich kostenneutrale Änderung der Förderung die Telematikinfrastruktur bedeutet, dass jetzt zu jeder Abrechnung geprüft wird, ob alle Module gekauft und installiert sind. Wir müssen also einen Schreiber für Notfalldatensätze für 2 Ärzte a 249 € und einen Schreiber für den elektronischen Medikationsplan a 349 € für die Praxis und nochmal 150 € für jeden Arzt kaufen. „Gerade mal 1197 €“ könnte man sagen, wenn die Mehrwertsteuer nicht wäre. Vielleicht wird die Technik irgendwann einmal genutzt, auf jeden Fall erhöht jedes Modul die Wartungskosten und die Komplexität, damit die Ausfallwahrscheinlichkeit unserer Computer. Technisch handelt es sich um zwei einfache Texteditoren mit erweiterten Sicherheitsfunktionen, die als Module schon vorliegen und einen guten Programmierer kaum mehr als einen Abend kosten dürften. Bei 100.000 niedergelassenen Ärzten nimmt die Softwareindustrie hier etwa 60 Millionen € für zwei einfache Programme von der Intelligenz eines einfachen Texteditors ein – und hinzu kommen nochmal monatlich 17,10 € monatlich für die „Wartung“ – mal 100.000 Praxen sind das auch wieder Millionen.

Da sowohl der Notfalldatensatz als auch der elektronische Medikamentenplan bei Zugriff signiert werden, vergehen bei jeder Nutzung 40 Sekunden fürs Authentifizieren und die Technik ist nur an einem Arbeitsplatz nutzbar. Wir können zwar mehr Computer und Schnittstellen kaufen, aber nur einen e-Arztausweis. Mist. Herr Lauterbach sollte verpflichtet werden, die interne Kommunikation in seinem Ministerium über die von ihm gepushte Telematikinfrastruktur abzuwickeln. Dann wäre schlagartig Funkstille oder die Qualität und Nutzerfreundlichkeit würde steigen.

9.8.23

Ihre Regierungstätigkeit hat sich vielleicht für Sie gelohnt, aber nicht für die Bevölkerung. Gregor Gisy

Drei Wochen keine Abstürze – es war Urlaub. Nun standen die Rechner wieder mit Fehler 257, 1034 (ISAM-Dienste) eine Stunde still und die Hotline machte nervige Warteschlangenmusik dazu. Unser chronisches Problem, die Telematikinfrastruktur, hat damit nicht zu tun, es war ein Pufferüberlauf in der Oracle-Datenbank. Welcher Arzt soll so etwas erkennen, behandeln und die Vorsorge leisten?

Heute Morgen kam in den Nachrichten, dass das E-Rezept jetzt auch über die Chipkarte funktioniert. Das soll es schon seit 1.7.23, tut es aber nicht. Wir haben es probiert und die Hotline angerufen. Ergebnis: Die Funktion „E-Rezept auf die Versicherungskarte speichern“ wurde wegen Sicherheitsmängeln aufgeschoben. Das hat man auch Herrn Professor Lauterbach und seiner Pressestelle gesagt, aber die Information wurde dort nicht geistig verarbeitet, weil sie unerwünscht wurde. Und so konnte man dann bekanntgeben, dass die Digitalisierung durch die unwilligen Ärzte ausgebremst wurde. Ich hörte das in den Nachrichten des NDR und von ganz vielen Patienten, die auch NDR gehört haben. Zum ersten mal hab ich „Lügenpresse!“ gedacht.

3.7.23

Kompromiß – die einzigen zwei Halbheiten, die nicht ein Ganzes ergeben. Mathematisch unmöglich, aber demokratisch. – Oliver Hassencamp

Seit Donnerstag wissen wir, dass wir a) ab heute die Rezepte auf die Chipkarten der Patienten speichern sollen und b) ab 1.1.2024 das Speichern auf der Chipkarte die Norm ist. Leider wissen wir nicht, wie das geht und unsere Tochter, mit deren voll freigeschalteter Chipkarte ich sonst neue EDV-Abläufe teste, ist im wohlverdienten Urlaub in Schweden. Andere sind nicht so weit, sie wissen nicht einmal, dass sie diese EDV-Fähigkeiten haben könnten.

Seit Freitag wissen wir, dass die Bezahlung der EDV-Tollereien der Telematikinfrastruktur neu geregelt wird. Krankenkassen und Ärzteverbände konnten sich nicht einigen, also hat Herr Lauterbach festgelegt: Wer nicht alles am Funktionieren hat, bekommt massive Abzüge. Bravo, Herr Minister. Drei Tage Vorwarnzeit reichen bei Technik, die 6 Monate Bestellzeit haben, sicher voll aus für neue Regelungen. Der Gesundheitsminister ist mit seinen Regeln noch schneller als Herr Habeck mit dem Heizungsgesetz.  Aber dafür verärgert er nicht das halbe Volk, sondern nur die halbe Ärzteschaft. Halbheiten scheinen also derzeit die Regel zu sein.

29.6.23

„Hilfsbereitschaft kann nicht durch Erlässe hergestellt werden. Sie muss in den Herzen der Menschen entstehen.“ (Sigmund Widmer)

Lange war alles gut. Nun hatten wir wieder einmal an 2 Tagen hintereinander Medistar-updates. Jetzt ploppt bei jedem Patienten nach jeder Leistungszifferneingabe (etwas Häufiges) ein Fenster auf. <Gutes Geld für gute Arbeit: 01480-Beratung über Organspende 7,47 €>. Das soll man dann wegklicken. Wenn man draufklickt, kommt die nächste Fehlermeldung: [PDF-Fehler, Dokument nicht vorhanden, Dokument kann nicht geöffnet werden]. Bevor das mit einem ganzen Packen anderer Abrechnungstips deaktiviert war, waren die Mitarbeiterinnen (ohne I_*@…, ich bin hier der einzige männliche Mann) ganz schön genervt.

Der Hintergrund ist eine Initiative zur Unterstützung der Organspende – das Nachdenken ist eine unterstützenswerte Sache. Alternativ könnte die Regierung die opt-out-Lösung wählen: Jeder wäre in Zukunft Organspender, wenn er nicht vorher widerspricht. Das haben wir noch nicht, es wäre auch ein guter Grund zum Widerstand und eine Werbung für die AFD.

Im Gegensatz zum Zwang zur Spende finde ich die Überzeugung zur Spende sehr richtig. Daher habe ich alle Patienten, wo es die Zeit erlaubte, darauf angesprochen. Einige hatten einen Organspendeausweis, einige fanden mein Ansprechen gut und wollten einen. Und da kommt dann die Schelte: Wenn uns die Obrigkeit elektronisch zur Motivation zur Organspende motiviert, dann sollte sie uns bitte auch vorwarnen oder Organspendeausweise zur Verfügung stellen. Wir hatten keine Organspendeausweise.

Falls jetzt jemand sagt „gute Idee“, die Dinger gibt es bei der BZGA. Wir haben sie erst nächste Woche. Dann werde ich auch meinen zerflederten Organspendeausweis durch ein abriebfestes Plastekärtchen ersetzen. Egal, an wen oder was man glaubt: Wenn es ein „da oben“ gibt, kommt man dort mit einer Niere weniger und dafür etwas mehr Karma besser an.

17.06.23

No News are good News.

Außer ein paar Updates und ein paar Abstürzen, die unter 30 Minuten zu beheben waren, war nichts – oder fast nichts. Der dritte Patient hat eine funktionierende Gematik-App und kann etwas mit E-Rezepten anfangen. Damit sind wir über die ein-Promille-Grenze. Neue digitale Gesundheitsanwendungen sind nicht in Sicht, die alten werden wenig genutzt. Hauptproblem bleiben die langen Einloggzeiten um 25 Sekunden beim E-Rezept und der elektronischen Krankschreibung.

19.4.2023

Vertrauen kann man verschenken, gewinnen, verlieren, aufbauen oder zerstören, aber niemals ersetzen.

Eine Weile wurde nichts geschrieben, weil alles lief oder Urlaub war. Nun begrüßen uns der Computer und alle Rechner heute morgen mit der Meldung  „Fehler 1033, bitte Hotline anrufen!“. Fehler 1033 heißt im Klartext, dass die Datenbank  weg oder nicht erreichbar ist. Das hatten wir mit der alten Oracle-Datenbank nie. Gegen 8.00 Uhr habe ich die Hotline schon erreicht und erfahren, dass man hier nicht zuständig sei und die Technik benötige und schon hatte ich wieder die Warteschlangenmelodie. Gegen 8.15 erfuhr ich dann, dass alles in Ordnung sei. Die neue Datenbank mache beim Hochfahren zufällig einige Minuten Wartungsläufe, zeige das aber nicht an und sei dann irgendwann einsatzbereit. So war es dann auch.

Vorletzte Woche ist unser Knochendichtemeßgerät nach 15,8 Jahren Standzeit irreparabel ausgefallen. Dann müssen wir es halt ersetzen oder die Osteologie aufgeben. Es gab diverse Angebote für Neugeräte – zwei Geräte aus Korea, einmal „günstige“ 27 T€, so sah es auch aus und einmal 33 T€, das Gerät sah ungewohnt, aber vertrauenerweckend aus. Leider wären die Ergebnisse mit dem alten Gerät nicht vergleichbar gewesen. Der Hersteller des Altgerätes Hologic aus den USA hatte mehrere Angebote, alle preislich über den koreanischen Geräten. Für das günstigste Gerät standen 6 Monate Lieferzeit im Raum, das Gerät wollen fast alle. Für knapp unter 40.000 € bekommen wir jetzt ein Gerät, das etwa 8000 € im Jahr einspielt, wenn man den Strom, die eigene Arbeitskraft und die Mitarbeiterinnen mit Null ansetzt. Abzüglich Kosten für Menschen bleiben uns pro Jahr 2500 € an Einnahmen. Wir haben es noch 7 Jahre bis zur Altersrente. Folglich wird uns unser Steuerberater wieder einmal darauf aufmerksam machen, dass wir zu doof sind zum Geldverdienen. Wir wussten das vorher. Trotzdem steigt der Preis für eine Knochendichte für Selbstzahler von 50 auf 65 €. Bei den meisten Patienten läuft die Untersuchung zu Kassenlasten, weil sie schon Knochenbrüche oder Tumore hatten oder viel Kortison bekommen. Die Krankenkasse bezahlt aktuell 30,80 € für die Untersuchung – nicht kostendeckend. Dafür haben auch nur 27 der 337 Orthopädenpraxen in Niedersachsen die Genehmigung zur Kassenabrechnung der Knochendichtemessung beantragt – per IGEL rechnet es sich besser.

Aus der gleichen Abrechnungsstatistik konnte ich sehen, dass von 337 Praxen

  • 47 Praxen allgemeine und 15 spezielle medikamentöse rheumatologische Leistungen abrechnen. Ich kannte nur 5.
  • 41 Praxen Termine für die Terminservicestelle angeboten und abgerechnet haben.
  • 307 Praxen ein Röntgengerät und 265 ein Ultraschallgerät besetzen und abrechnen. Wir glaubten, das sei selbstverständlich.
  • 36 Praxen gegen Grippe mitgeimpft haben, 5 gegen Herpes zoster, 4 gegen Tetanus, 2 gegen Pneumokokken und wir als Einzige gegen Hepatitis B. Impfungen gegen Covid-19 standen nicht in der Statistik.
  • 65 Praxen haben e-Arztbriefe geschrieben, dann bei 2,6 % ihrer Patienten.

Statistik ist spannend.

19.3.2023

Wir müssen dazu kommen, dass die Daten laufen und nicht die Bürger. Dr. Gerhard Schröder, Bundeskanzler in Deutschland

Wochenendbeschäftigung: Die Oracle-Datenbank unseres Servers musste nach 6 Jahren auf die aktuelle Version umgestellt werden. Bei solchen Aktionen sind Datenbankverluste möglich – es hat etwas von Herztransplantation. Endlich war ich mal mit der Vorbereitung der Aktion von Medistar fast zufrieden. Das Script brauchte 2 Stunden. Dann hing ich noch eine halbe Stunde in Medistars Hotline, weil nichts lief – ein Dienst der neuen Datenbank war nicht gestartet. Nun läuft alles – 3 Stunden Sonntag weg.

12.3.2023

Wenn der Fortschritt zu schnell geht, stolpert er.  Markus Keimel (österreichischer Musiker, Komponist, Sänger und Autor)

Wochenendbeschäftigung: alle Rechner sind auf Windows 11 umgestellt. Selbst unser Nadeldrucker für die Suchtmittelrezepte mit seinem Windows-XP-Treibern (neuer gibt es nicht) läuft. Dazu gab es die Vorbereitung der Quartalsabrechnung – lief auch gut.

Technisches Wunder der Woche sind die KIM-E-Arztbriefe: Seit Anfang des Jahres haben wir keine Briefe empfangen. Jetzt habe ich bei Abruf am Sonntag plötzlich 6 Briefe aus Januar und Februar von verschiedensten Absendern. Ist da der Poststreik auf die elektronische Post übergesprungen, ist vor lauter Sicherheitsprozeduren das Tempo auf der Strecke geblieben oder sollte ich in Zukunft immer Samstag abends in die Praxis fahren, weil da der Postausgangsserver von KIM nicht so überlastet ist? Ich weiß es nicht.

Was uns Sorgen macht, ist die Ankündigung von Herrn Professor Lauterbach, bis Ende 2024 hätte jeder, der es nicht abwählt, eine elektronische Patientenakte. Das gibt viel Zusatzarbeit für die, die die Akten befüllen müssen – für uns.

23.2.2023

Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie. Ernst Ferstl

Fast zwei Monate funktionierten die Computer gut. Nun hat sich der erste Rechner „ohne dass jemand irgendetwas Ungewohntes geklickt hat“ plötzlich auf Windows 11 umgestellt. Konsequenzen:

  • Es sieht ein bisschen anders aus.
  • Es funktioniert noch alles.
  • Es macht Hoffnung auf eine problemlose Umstellung auch der anderen 11 Rechner.

Nicht alles kann schief gehen, selbst wenn es von Microsoft kommt.

6.1.2023

So, die Telematikinfrastruktur geht seit gestern Abend wieder. Dafür haben wir ein Update mit einer Oracle-Datenbankmigration, das vor dem Start eine lange Reihe teurer Backup-Programme auf ihre Anwesenheit abfragt und dann mit der Fehlermeldung „keine Backup-Programm gefunden!“ endet. Auf die Idee, das Windows 120 selbst Backups kann, sind die Programmierer augenscheinlich nicht gekommen.

4.1.2023

Wer sich im alten Jahr nicht getraut hat, wird auch dem neuen Jahr nicht trauen. Herbert Wehner (1906-90), dt. Politiker (SPD).

Ein neues Jahr und schon steht die Telematikinfrastruktur wieder: „Ti-Fehler: Code: 20049 Text: Fehler beim Signieren eines Dokuments: Algorithmen seit 2023 als unsicher eingestuft. Signaturalgorithmus des OCSP-Signer Zertifikats war nur bis 2022-12-31T23:59:59.999999999+01:00[Europe/Berlin] zugelassen.“ Schon nach einer Stunde erreichten wir die Hotline, die uns mit der guten Nachricht erfreute, dass der Fehler bei der Telekom läge, die die Karten ausgegeben habe und dass man da weder eine Lösung habe noch einen Grund, an einer Lösung zu arbeiten. Man sei nicht zuständig, bei allen anderen Ärzten funktioniere das Produkt tadellos. Nur die Hälfte der Praxen die ihre Arztausweise bei der Telekom gebucht habe, habe das Problem. Also warten wir ab, heute gibt es dann halt keine elektronischen AUs. Das ist gut, denn die Arbeitgeber wissen auch noch nicht alle, wie sie die e-AU ab 1.1.232 empfangen sollen.

21.12.22

Der Zweifel ist der Feind des Erfolges. Darum glaube daran, bitte dafür und hoffe darauf, dass alles so kommt wie gewünscht. Seibold, Klaus

Gestern funktionierte die EDV noch nicht, heute problemlos. Ich werde mich darüber nicht beschweren. Mysteriös.

20.12.2022 12.00 Uhr

Tetris hat mich eins gelehrt: Erfolge lösen sich  in Luft auf, aber Fehler stapeln sich.

Die kassenärztliche Vereinigung konnte mir leicht helfen, die SNC-B-Karte des alten Konnektors zu deaktivieren. Es war schon 8.10 Uhr erledigt. Seitdem funktionieren e-AU, e-Rezept und der e-Arztbrief mit KIM nicht mehr. Ich hänge seit 3 Stunden in der Hotline und höre den neuen Spruch: „Unsere Hotlinemitarbeiter sprechen auf allen Leitungen. Ihr Anruf ist uns wichtig. Bitte legen Sie nicht auf!. Bei direkter Neuanwahl erhöht sich Ihre Wartezeit. Vielen Dank!“ Das ist langweilig. Früher hieß das: „Alle Mitarbeiter befinden sich weiterhin im Gespräch. Ihr Anruf ist uns wichtig. Bitte legen Sie nicht auf!. Bei direkter Neuanwahl erhöht sich Ihre Wartezeit. “ Genauso nervtötend.

14. Uhr, nach 55 Minuten Wartezeit in der Hotline und anderthalb Stunden mit einem freundlichem Hotlinemitarbeiter und mehreren Kollegen aus dem second-Level-Kundendienst sind wir um eine Erkenntnisserie reicher: Der Fehler, den wir haben, ist fast neu. Problem: Irgendwo auf dem langen Weg über das Telekom-Thrust-center, das Internet per VPN-Tunnel, den kassenärztlichen Verzeichnisdienst, den nächsten VPN-Tunnel, die KIM-Computer von CGM Medistar bis zu unserem neuen Konnektor vermischen sich die Zertifikate, die meine Echtheit als Arzt bezeugen sollen, von der deaktivierten Karte des alten entsorgten Konnektors mit dem neuen Zertifikat zu einem Fake-Dr. Sensse, der vom Computer abgewiesen wird. Der Fehler kann nicht sein, aber er passiert.

Lösungsansätze:

  1. „Die Zertifikate im Verzeichnisdienst der Kassenärzte werden alle 24 Stunden aktualisiert. Schauen Sie doch morgen nochmal nach, hoffentlich geht es dann!“
  2. „Vielleicht hat die Kassenärztliche Vereinigung den Zertifikatsfehler verursacht. Rufen Sie dort noch einmal an!“
  3. „Die Telekom kann den Fehler nicht verursacht haben. Die Trust-Centren machen keine Fehler. Aber trotzdem: Wenn nichts mehr geht, reden Sie mit denen, ob Sie eine neue SMC-B-Karte bekommen, ohne die 432 € für die Neubeantragung zu zahlen. Kostet allerdings 4 Wochen und der Techniker muss nochmal kommen und den größten Teil des Konnektors neu einrichten – das kostet etwas Geld.“

Wie schön, dass zu Weihnachten niemand die Telematikinfrastruktur braucht.

20.12.2022  8 Uhr

Vor einem Problem davonzulaufen vergrößert nur die Entfernung zu seiner Lösung.

Gestern wurde trotz Glatteis unser neuer Konnektor, also der Verbindungscomputer der EDV zur staatlichen Gesundheitscomputerstruktur erneuert. Der Techniker war neu, fit und blockierte einen Arbeitsplatz am Tresen für nur drei Stunden – alles erträglich und nett. Die wichtigen Anwendungen Chipkartentest „Versichertenstammdatenabgleich“, elektronisches Rezept und elektronische Krankschreibung funktionieren wie vorher – also langsam. Die Verbindung zur Kassenärztlichen Vereinigung für die Abrechnung übermorgen geht auch, Test erst übermorgen möglich.

Was nicht mehr funktioniert, ist die KIM-Schnittstelle „Kommunikation in der Medizin“ mit dem elektronischen Arztbrief. Zunächst kamen mit dem neuen Konnektor 54 Briefe von mindestens 3 Absendern hoch, die wir nie empfangen haben. Der Inhalt der Briefe war nicht entschlüsselbar – weil datenschutzgemäß ordentlich codiert. Vier Erkenntnisse:

1. Die alte Installation war Mist. 4 Briefe erhalten, 54 verschluckt – eine Fehlerquote knapp unter 90 %.

2. CGM behandelt seine Mitarbeiter genauso schlecht wie die Kunden. Der Techniker hing anderthalb Stunden in der konzerneigenen TI- Hotline, weil es keine Backofficezugänge für die eigenen Leute gibt. Immerhin konnte er sehen, wie viele MitarbeiterInnen welche Schlange betreuen: 28 vor ihm und 12 Callcenterplätze.

3. Mit dem Konnektortausch und der Entsorgung der alten Technik ist es nicht getan. Bevor Briefe entschlüsselt werden können, muss die alte Technik auch ordnungsgemäß deaktiviert werden, weil sich sonst irgendwelche Zertifikate gegenseitig stören. Dazu muss ich fie alte Karte im Telekom-Trust-Center deaktivieren. Zum Zugriff brauche ich Vorgangsnummer und Passwort der Beantragung von 2018. Das haben wir natürlich nicht mehr. Die Telekom hat die Virgangsnummer auch nur drei Jahre, weil „sie nicht mehr benötigt wird, wenn die Technik einmal läuft“. Brav, falsch. Jetzt muss ich schauen, ob die Kassenärztliche Vereinigung die Vorgangsnummern noch hat. Mit Vorgangsnummer gibt es eine „Passwort vergessen“ – funktion. Damit können wir dann nicht nur Briefe senden und empfangen, sondern lesbare Briefe schreiben und selbst die Briefe entschlüssen, die wir erhalten.

4. Medistar verarscht die eigenen Leute. Es gibt eine Testantwortmail für KIM. Dieser Testaccount sendet und empfängt die Mails unverschlüsselt – das funktioniert besser. So kann man Zertifikatsfehler im Testlauf nicht bemerken und ist viel schneller mit der Arbeit fertig.

Zusammenfassung: Die Telematikinfrastruktur ist wieder einmal der Puma des Gesundheitswesens. Leider hat Herr Professor Lauterbach nicht soviel Selbstvertrauen wie Frau Verteidigungsminsterin Lambrecht, den ganzen Unfug zu beenden.

 

30.11.22

Ich habe nicht versagt. Ich habe gerage 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren. Thomas Alva Edison.

Langsam trudeln die Kleinteile für den Konnektorwechsel am 19.12. ein. Eine neue SMCB-Karte für 432 € an die Telekom gezahlt – natürlich aus eigener Tasche.

In den letzten 4 Monaten wollte niemand eine elektronische Patientenakte. Ich halte das Projekt für tot und das ist gut so. Immer, wenn wir in Akten gehen, die mit einer elektronischen Patientenakte verbunden sind, wird der Computerzugriff langsam, während der Rechner die Daten der EPA irgendwo aus dem Internet lädt. Abschalten kann man die Funktion nicht.

Unser 14 Jahre altes Knochendichtemessgerät hatte eine Störung. Viele Ersatzteile gibt es nicht mehr, es liess sich noch einmal in Gang setzen. Dank an den Servicetechniker, 1000 €, 500 für die Anreise, 250 pro Monteurstunde. Ein Wartungsvertrag hätte 2000 € pro Jahr gekostet.

Wenn das Gerät ausfällt, müssen wir uns überlegen, ob wir es 7 Jahre vor der Rente (das heisst nicht, dass da Schluss ist, planen muss man trotzdem.) ersetzen. Neukosten 28 T€. Jährliche Einnahmen 360 Messungen zu Kassenlasten mal 24 € = 8740 € plus 40 Messungen auf Wunsch oder bei Privatpatienten macht 2000 €. Abzuziehen Personalaufwand 3000 €, Energiekosten 1000 €, Wartungs-, TÜV-, Strahlenschutzkosten 1000 €, Reparaturen wie beim Altgerät 1000€, Abschreibung über 7 Jahre 4000 €, bleiben unter 1000 € Arztlohnkosten für 400 Auswertungen mit den Patienten. Eine Ersatzinvestition rechnet sich nicht.

03.11.22

Heute haben wir einen neuen Konnektor zum Preis von 2300 € bestellt, weil der alte Konnektor am 15.1.23 mit seinen Zertifikaten abläuft und seinen Dienst einstellt. Wir bekommen 2300 € aus Steuermitteln dafür und wenn wir den Austausch verweigern, könne wir ab 16.01.23 keine Chipkarten mehr prüfen. Da der Austausch sicher währen des laufenden Praxisbetriebes stattfindet, verlieren wir mindestens einen Arbeitstag.

11.10.22

Chaos ist bloß eine Ordnung, die wir noch nicht verstanden haben.  Maz Bour

Die Kassenärztliche Vereinigung hat ihre Computersystem umgestellt. Ergebnis: Auf der  Arztauskunft Niedersachsen (arztauskunft-niedersachsen.de) steht jetzt die Nummer unseres  internen Kollegentelefon offen lesbar im Internet und mehrere Patienten versuchten, hier Termine zu vereinbaren. Ein Anruf bei der KV klärte das Problem und in 24 Stunden haben wir nach dem nächsten Update wieder ein internes Telefon. Bis dahin habe ich wütende Anrufer auf meinem persönlichen Telefon.

6.10.22

Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch. Antoine de Saint-Exupery.

Wieder einmal höre ich eine Mittagspause lang die sympathischen CGM-Warteschleifenansagefachfrau: „Alle Mitarbeiter befinden sich weiterhin im Gespräch. Ihr Anruf ist uns wichtig. Bitte legen Sie nicht auf!. Bei direkter Neuanwahl erhöht sich Ihre Wartezeit. “ 5,5 Takte Musik, dann von vorn. Heutiger Wunsch an die Hotline war, dass die e-Rezepte und die e-AU wieder funktionieren. Dazu wurden die Zugriffe auf unsere e-Heilberufsausweise wieder ein- und die neuen ausgeschaltet. Nach nur 1 weitere Stunde in der Hotline war dann klar: Die neuen Ausweise funktionieren auch. Sie haben nur 2 PINS. Nach Änderung  der ersten kommt eine Meldung: „Diese Karte ist freigeschaltet“. Und nach der Änderung der zweiten PIN ist die Karte auch wirklich freigeschaltet. So weit sind wir beim ersten Versuch leider nicht gekommen, weil wir uns von der Erfolgsmeldung vom Weiterwursteln abhalten lassen haben.

02.10.22

Das Wochenende ist eine Trophäe, die von Montag bis Freitag gejagt werden will. Pascal Lachenmeier (*1973), Schweizer Jurist

Es ist Sonntag und das heißt: Die Firma CGM Medistar hat für unser Praxisverwaltungsprogramm drei Updates bereitgestellt, die möglichst vor dem ersten Arbeitstag des neuen Quartals laufen sollen. Da wären zunächst: Die neuen Leistungsziffern, mit denen man jetzt schon nach 3 Wochen abrechnungstechnisch den alten vom mittelalten und neuen Biontech unterscheiden kann und mit denen man künftig die erste von einer zweiten Boosterimpfung unterscheiden kann. Die für Schwerstrheumatiker und Chemotherapiepatienten in einigen Fällen empfohlene 3. Boosterimpfung ist noch nicht datentechnisch hinterlegt. Dann gibt es ein paar neue Krankenkassen, ein paar anderen Angleichungen, eigentlich lief das Update schnell – unter 5 Minuten. Danach kam das erste Bugfix zum Update, lief auch.

Datentechnisches Leckerli war wie so oft IFAP, die pflichtgemäß zu installierende Medikamentendatenbank. Wir hatten den aktuellen Datenstand vom 15.9.22 installiert und der 1. Oktober hätte mich sehr gefreut. Natürlich kam wie zu jedem Quartalswechsel ein Downdate auf den 1. September von CGM (Der Dachfirma von Medistar und IFAP). Weil da aber mit dem Datenstamm auch Programmkomponenten aktualisiert werden, kann man den Schritt rückwärts nicht überspringen. Schade. Als nächstes überraschte mich IFAP mit einer Mitteilung „Die Datenschutzbestimmungen von IFAP haben sich geändert“. Ich hatte jetzt die alten Datenschutzbestimmungen von IFAP nichts zur Hand, habe an dem neuen Text nichts Bedeutendes, Rätselhaftes oder Reagierenswertes gefunden. Ich kann auch nicht „Nein“ sagen, weil ich gesetzlich verpflichtet bin, dieses Programm zu nutzen und weil es so tief in der EDV verankert ist, dass das Patientenverwaltungsprogramm ohne OK von IFAP gesperrt wird. Diese völlig überflüssige Macht hat das Programm ausgenutzt, indem es bei jedem einzelnen Arbeitsplatzrechner eine Mitteilung „IFAP hat die Datenschutzbestimmungen geändert“ auf den Startbildschirm platziert und das weitere Hochfahren bis zum Bestätigen abgebrochen hat. Auf den Sonntag kostet einen so eine Aktion nur 20 Minuten – halt einmal alle Rechner hochfahren, ein Klick, alle wieder runterfahren. Halt – bei 3 Rechnern wollte er den Klick zweimal, also alle Rechner sicherheitshalber zweimal hochfahren.

Wenn diese neue Sperrmeldung nicht mich erwischt, der beim Update auf jeden Scheiß von umprogrammierten Druckern über neue oder fehlende Rezeptformulare gefasst ist, sondern die Mitarbeiterinnen Dienstag früh – dann steht die Praxis erstmal wieder wegen EDV-Absturz. Vor dem Tresen stehen dann lauter Leute, die am ersten Tag als Einzige ganz eilig Überweisungen und Rezepte für das ganze Quartal einsammeln wollen und so gar keine Geduld haben. Das hätte Stress gegeben.

Einen neuen Bug habe ich leider noch gefunden: Am Freitag funktionierten die neuen e-Arztausweise (ein Absatz drunter) problemlos. Heute gaben sie nach dem Update eine Fehlermeldung aus „Karte hat noch Transport-PIN. Bitte PIN der Karte aktualisieren!“ Negativ könnte man anmerken, dass damit nach dem Update die e-Krankschreibung und das e-Rezept nicht mehr funktionieren. Positiv war das Ganze leicht auf die alte Papierform rückzuschalten und so warte ich mal, ob andere dasselbe Problem auch haben und nächste Woche wieder ein Update zum Update vom Update kommt. Das waren dann 4 Stunden Sonntagsarbeit – ich hätte natürlich auch St. Kohl, den 3. Oktober wählen können. Der war ja auch frei für sowas.

27.09.2022

Wer Kritik übel nimmt, hat etwas zu verbergen – Helmut Schmidt.

Heute haben wir in einer nur 30-minütigen Aktion unsere neuen e-Arztausweise bei der Telekom, Trust-Center aktiviert und in die EDV eingepflegt. Grund der Aktion ist, dass die alten eHBA 2.0 technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand sind und deshalb durch G2.1 ersetzt werden müssen. Zur Erinnerung: G2.1 sind die blöden Karten mit dem NFC-Chip, die sich elektronisch aufladen und dann die Chipkartenlesegeräte abstürzen lassen. Natürlich hätte ich erwartet, dass die neuen Karten eine Laufzeit von 4 Jahren haben wie die alten, sie waren ja mit über 400 € teuer. Aber nein, die Karten haben eine Gültigkeitsdauer bis zum 25.7.2024 genau wie die alten Karten. So etwas nennt man auch geplante Obsoleszenz oder Produktvergreisung. es bedeutet, dass wir schon in 667 Tagen neue Karten beantragen, bezahlen und einpflegen müssen. Eine Geldverschwendung ohnegleichen.

15.9.2022

Ein Ziel sollte nicht immer erreicht werden, es dient oft nur als Ziel. Bruce Lee.

Heute kam die erste Patientin, die eine funktionierende Gematik-App hat und ein E-Rezept ohne Ausdruck wollte.

Zum letzten Update am Montag gab es die Komfortsignatur fürs E-Rezept. Das Signieren eines E-Rezeptes dauert  55 Sekunden fürs erste Rezept pro Arbeitsplatz und 48 Sekunden für jedes Folgerezept. Mit Hilfe der Komfortsignatur kann man bis zu 265 zwischengespeicherte Rezepte auf einen Rutsch signieren. Das klingt gut. Allerdings kommt der Patientenausdruck erst nach dem Signieren aus dem Drucker. Da die Patienten die Praxis nicht verlassen, bevor sie ihren Patientenausdruck haben, nutzt uns die neue Komfortsignatur nichts. Schade.

19.8.2022

Vertrauen ist kein nachwachsender Rohstoff. Kaputt ist kaputt.

Seit heute funktioniert unser Zugriff zur elektronischen Patientenakte. Freitag 13.00 bis 14.45 war der fünfte Mitarbeiter der Hotline dran, der sogenannte second-level-Kundendienst und der konnte es. Die Sache ist so wichtig, die hat einen extra Blogeintrag.

15.08.2022

Das Pendel des Geistes oszilliert zwischen Sinn und Unsinn, nicht zwischen Richtig und Falsch. Carl Jung

Drei Wochen keine Computerabstürze. Das lag an den Betriebsferien. Zur Begrüßung heute gab es ein Update von CGM Medistar, das mit Fehlermeldungen erst zweimal nicht ordnungsgemäß lief, dann beim dritten Versuch ohne Fehlermeldung. Leider funktionierten eine lange Reihe überflüssiger Module wie „Hausarztzentrierte Versorgungsassistent, Impf-, Potential-, Projekt-, Therapie- und Verschreibungsassistent und die elektronischen Formularen e-Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und e-Rezept nicht.  Die letzten 2 Ausfälle sind blöd, zumal am Tag nach dem Urlaub viele Leute eine Verlängerung der Krankschreibung erwarten. Das gab dann handgeschriebene Zettel wie zu Großvaters Zeiten.

Erster Anruf bei der Hotline 13.00: „Macht doch das Update nochmal!“. 14.00 Uhr: Freundliche Begrüßung, dann Absturz der Telefonleitung. 14.35: „Ich mach das Update mit Ihnen, Sie haben möglicherweise etwas falsch gemacht!“ Jawohl, ist möglich, hinterher gingen die Formulare. Überprüfung der Computer gegen 19.00 Uhr, auf dem Server funktionierte alles, sonst nirgends. Fehler folglich nicht abgestellt. Vierte Runde, jetzt bei der Nachthotline – wieder wurde das Update mit mir gemacht – keine Änderung. dann wurde der Fehler gesucht, es war ein Cache, also ein Zwischenspeicher auf den einzelnen Rechnern, der beim Update nicht geleert wurde, aber geleert werden sollte. Also habe ich bei 12 Rechnern die Datei „%appdata%\mslib_local\cache“ in „%appdata%\mslib_local\cache_0ld“ umbenannt und schon funktionierte alles wieder. Da wäre ich nie drauf gekommen. Gut, dass es die Hotline gibt, schlecht, das das erst mit der vierten Mitarbeiterin klappte.

20.07.22

Alles hat seinen Preis. Sogar das, worauf wir nicht den geringsten Wert legen. Wolfgang Mocker.

CGM hat angekündigt: Wir bekommen anstelle unserer Oracle-Datenbank eine neue Oracle-Datenbank – weil die alte  (8/2019 installiert) den modernen Anforderungen nicht mehr genügt. Das kann viel bedeuten oder auch gar nichts. Wir wissen nicht, was es uns bringt. Es kostet uns 499 €. Wahrscheinlich kostet es uns einen Nachmittag, eventuell einen Tag Sprechstunde – weil die Hardwaretechniker nur 8-17 Uhr arbeiten.

Die nächsten 3 Wochen + 3 Tage gibt es keine Systemfehler. Ferien!

18.7.22

Langsam glaube ich, dass der Weltuntergang 2012 keine Prophezeiung, sondern eine Empfehlung war. („Quelle“ Internetmeme bei Pinterest.)

Wie sind wieder 0,5 Schritte weiter in den frustranen Versuchen, die elektronisch Patientenakte zu aktivieren. Wir kommen nicht in die Rechtevergabe der PatientInnenchipkarte. Wir habn eine Chipkarte und eine passende PIN. Doch der Rechner will sie nicht wissen. Nach 20 Minuten Telefonhotline hatte ich eine freundliche Mitarbeiterin, die möglichen Rechtevergaben gecheckt, zwei Kollegen kontaktiert, festgestellt, dass es nicht am Modul KIM liegen könne und mich ohne Verabschiedung in die KIM-Hotline weiterverbunden. Weitere 20 min Warteschleifenmusik. Der Kollege von KIM pflichtete mir bei, dass es nicht am KIM liege, checkte dann KIM und buchte mir eine Termin im „second-level-support“ zum 19.8.22. Schon in einem Monat geht es also weiter.

Ich habe mir auf meine Beschwerde darüber, dass wir schließlich schon ein halbes Jahr für die Wartung des zu keinem Zeitpunkt funktioniert habenden elektronischen Patientenausweises eine sehr interessante Hypothese zum Berufsethos eines Informatikers angehört: „Wartungs- und Hotlinegebühren fallen nicht an, um etwas am Funktionieren zu halten. Die Gebühren fallen an, damit die Mitarbeiter sich bemühen, etwas zum Funktionieren zu bringen. Schliesslich bekomme ich als Arzt mein Geld auch nicht für die Heilung, sondern für den Versuch.“ Jawoll. Und die medizinische Softwareindustrie liefert nach der gleichen Logik keine funktionierenden Produkte aus, damit der Support regelmäßige Einkünfte hat. Schliesslich werde ich als Arzt auch nie mit Gesunden und nur selten mit kleinen Problemen aufgesucht. Ich hoffe immer noch, dass CGM sich bemüht, funktionsfähige Produkte auszuliefern. Meine Erfahrung bestätigt diese Hoffnung nicht.

04.07.2022

Frechheit macht sich nur dort breit, wo die Feigen ihr Boden überlassen. © Erhard Schümmelfeder (*1954), deutscher Erzieher und Schriftsteller

Heute ist der vierte Tag, an dem die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Gesetz und der gelbe Schein Geschichte ist. Theoretisch. Denn das System funktioniert seit einem Update Donnerstag Abend nicht mehr. Es gibt nur eine Fehlermeldung: „Code 40003 – eine Servicefunktion kann nicht aufgerufen werden.“

Medistar hat ein neues Niveau der Frechheit und Kundenverärgerung erreicht: Die Hotline 08005405222 fragt als Erstes, ob es Fragen zur elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gibt. Dann soll man die „1“ drücken. Es erfolgt eine prompte Weiterleitung zu einer Nummer, die sagt: „Diese Nummer ist nicht vergeben. Der Anruf kann nicht durchgeführt werden.“. Ende der Verbindung. Wenn man nicht die „1“ drückt, kommt man zu einer Bandansage: „Alle Mitarbeiter sind im Gespräch, bitte probieren Sie es später noch einmal!“. Leider brauchten wir die Hotline zur Fehlersuche, weil trotz monatelanger Vorbereitung die elektronische AU zum Start zusammengebrochen ist. Die Nachrichten gehen nicht mehr an die Krankenkassen raus. Da die e-AU seit Freitag gesetzliche Pflicht ist, kommt das besonders blöde. Am Freitag mutmaßte noch ein Mitarbeiter „Überlastung des Systems, weil es doch seit heute alle nehmen. Mitternacht nochmal versuchen!“ Ich habe es gegen 01.00 Uhr nochmal versucht, denn wir hängen gerne wegen einem Routinevorgang, der täglich anfällt, nachts kurz in der Praxis. Aber das war nicht das Problem.

Dann schreiben wir halt ein paar Tage keine e-AUs, da müssen die Patienten halt zur Arbeit. Der  Vorgang macht Sorgen, wenn man das Chaos zu Einführung des e-Rezeptes ahnt. Wir haben ernsthaft darüber nachgedacht, das Angebot der E-rezept-Enthusiasten anzunehmen. 3000 @ Fördergeld für die Ausstellung von 200 e-Rezepten ist doch mal ein Angebot. das wären dann 15 € pro e-Rezept – dafür tut man sich die zusätzlichen anderthalb Minuten fürs Signieren schonmal an. Leider läuft so etwas nur, wenn auch die Apotheke mitspielt. Wir haben zwar um 250 Rezepte pro Woche, allerdings keine Hundert mit derselben Apotheke. Nur 2 der 8 Gifhorner Apotheken können e-Rezepte akzeptieren, das dürfte woanders ähnlich sein.

Nachtrag 12.00 Uhr: Das System e-AU funktioniert wieder. Eine weitere Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat funktioniert und die alten liefen dann auch. Wir werden die Sache beobachten, denn Instabilität ist besser als völliges Versagen des Systemes.

22.06.2022

Der Morgen begann mit einem Fehler 4056 der Telematikinfrastruktur = Die Wifi-Funktion der Chipkarten bringt das Chipkartenlesegeräte Orga 6141 eGK eHealth zum Absturz. Es war der erste Absturz, den ich sehe. Das mittlerweile öffentlich geförderte Erdungsmodul Orga-Protect klärt das Problem auch nicht. Abhilfe: Chipkartenlesegerät und 2 Arbeitsplätze neu starten = 5 Minuten Zeitverlust angesichts der morgentlichen 8-Uhr-Öfnungsschlange. Die Inkompetenz der Gematik nervt und schlägt auf alle Unterstützer der Gematik wie Herrn Professor Lauterbach durch.

15.06.2022

Erfolg besteht darin, dass man genau die Fähigkeiten hat, die im Moment gefragt sind. Henry Ford

Es gibt einen Unterscheid zwischen einer Fähigkeit, also der Ansage, man könne etwas, und der Fertigkeit, also dem Wissen, es schon getan zu haben. Wir haben 38 elektronische Arztbriefe an 7 Kollegen geschickt, nachdem alle meinten, sie würden sich über e-Arztbriefe freuen. 6 dieser Kollegen habe ich anlässlich einer Ärzteversammlung gestern gesehen und siehe da: Niemand hat einen e-Arztbrief von uns erhalten und konnte den Eingang bestätigen. Schade.

14.06.2022

Wut ist eine Säure, die dem Gefäß, in dem sie aufbewahrt wird, mehr Schaden zufügen kann als allem, auf das sie gegossen wird. Mark Twain

Wir ahnen jetzt, welche Kosten auf uns zukommen, wenn wir in 6 Monaten die Hardware der Telematikinfrastruktur tauschen müssen: es gibt eine offizielle Preisliste der CGM Medistar für die Aktion -> wen es interessiert: Hier ist die PDF: EndkundenPreisliste_TI-Hardwaretausch.

Wir sind mit 2163 € für den Konnektor, 2330 € für die 25 Milligramm schwere Karte in einem Chipkartenlesegerät, 6x Gerätekarten für die Chipkartenlesegeräte a 81,5 €, Transportpauschale 35 €, Anfahrpauschale 165 € von Hannover (der einzige gerechtfertigte Preis in der Aufstellung) und 330 € Premiumservice (also außerhalb der Sprechstunde, weil bei der Aktion die EDV stundenlang steht) dabei. Das sind 5112 € + 1047 € Mehrwertsteuer für keinen Nutzwert. Der neue Konnektor sieht genauso aus wie der alte, kann das Gleiche und ist genau wie der alte zur Indienststellung moralisch verschlissen. Entweder zockt uns die Industrie 6000 € ab oder das Gesundheitsministerium bezahlt. Dann zockt die Industrie den Staat ab und das ist auch nicht besser.

Nebenbei: wir haben einen neuen Abrechnungsfehler: In 4 Fällen behauptet der Computer „BSNR U-Arzt mit fehlerhafter KV-Kennung“ (In deutsch: den Arzt, der diesen Pateinten überwiesen hat, gibt es laut EDV garnicht). Natürlich habe ich die Kollegen und die Kassenärztliche Verein angerufen. Die Nummern stimmen. Dann habe ich nach 35-minütiger Wartezeit die Hotline von CGM Medistar beim dritten Versuch erreicht. Ein freundlicher Mitarbeiter hat das Problem interessiert aufgenommen. Auf den für den 15. oder 16.5. avisierten Lösungsvorschlag warte ich jetzt (16.6., Feierabend) noch.

10.06.22

Der e-Arztbrief wurde überarbeitet oder wir haben die rudimentäre Gebrauchsanweisung besser verstanden.  Auf jeden Fall können die Mitarbeiterinnen jetzt e-Arztbriefe in der laufenden Routine schreiben. 39 e-Arztbriefe in 2,5 Stunden ist immer noch katastrophal, aber immerhin ist die Zeit pro Brief von 11 auf 4 Minuten gesunken. Die alten Wordbriefe zu erstellen und zu faxen dauerte unter einer Minute. Leider haben wir nach für die Archivierung in der elektronischen Patientenakte so sinnvollen Features wie Namensnennung in der Beschreibung „Rheumatologenbrief2022.pdf“ oder Verschlagwortung gesucht. Das gibt es noch nicht. Ehrlich gesagt schreiben wir die Briefe weiter in Word, speichern das als pdf und schreiben einen e-Arztbrief mit dem Standardtext „E-Arztbrief als PDF im Anhang“. Das sind die vier Minuten.

03.06.22

Heute kam ein Sonderupdate für unsere Praxisverwaltungssystem Medistar: Inhalt laut Begleitschreiben: Optimierungen für Signaturvorgänge beim eArztbrief und eAUs in der Signaturliste: „…Dieses Update enthält Optimierungen für Signaturvorgänge in CGM MEDISTAR. Durch die Optimierungen wird verhindert, dass CGM MEDISTAR beim Signieren von eArztbriefen oder eAUs aus der Signaturliste ungeplant beendet wird….“ Früher hieß ein ungeplantes Programmbeenden „Absturz“ und ein solches Sonderupdate „Rückruf“. Aber man ist schon froh, wenn der Hersteller daran arbeitet, dass die Programme schlecht laufen.

01.06.22

Das größte Problem mit dem Fortschritt ist – auch die Nachteile entwickeln sich weiter.

Probelauf des E-Rezeptes. Zweimal funktionierte das e-Rezept, beim dritten Versuch stürzte die Telematikinfrastruktur ab. Wir konnten keine Chipkarten mehr einlesen. Ich hing eine Stunde in der Hotline von CGM Telematikinfrastruktur, anstatt Sprechstunde zu machen und hörte alle 52 Sekunden den Text: „Herzlich Willkommen bei der Compugroup Medical AG, ihrem Support der Telematikinfrastruktur. Zur Zeit sind alle Mitarbeiter im Gespräch. Bitte haben Sie einen Moment Geduld, der nächste freie Mitarbeiter ist schon für Sie reserviert. Bitte halten Sie, wenn möglich, Ihre Kundennummer bereit, damit wir Ihr Anliegen zügig bearbeiten können. Unter www.cgm.com/ti-radar informieren wir Sie bei eventuellen Störungen de Telematikinfrastruktur inclusive mögliche Maßnahmen. Vielen Dank!“ Mehr passierte da leider nicht.

Gegen elf haben wir dann einmal den Server, den Konnektor, die betroffenen Arbeitsplatzrechner und die Chipkartenlesegeräte gestoppt und neu hochgefahren, dann lief alles wieder. Rückmeldung unserer Apotheke: „Danke, reicht, wir haben wir die drei Rezepte mit hohem Aufwand eingelesen bekommen. Ob das dann auch in unseren Abrechnungszentren und bei der Bezahlung der Krankenkasse durchgeht, wissen wir noch nicht. Aber interessanter Versuch.“

Rückmeldung Nachbarapotheke: „Vor September haben wir die Technik nicht, um e-Rezepte zu lesen. Bestellt ist es, aber nicht lieferfähig.“ Versuch beendet, wir machen jetzt Infusionsmaterialrezepte (die haben vom Bestellen bis zum Bedarf 28 Tage Zeit) regelmäßig per E-Rezept, um das Personal zu trainieren.

31.05.22

Bei der nächsten Sintflut wird Gott nicht Wasser, sondern Papier verwenden. (Romain Gary)

Es war der erste Tag nach dem Urlaub. Drei EDV-Ereignisse machten ihn unplanbar:

Dreiviertel elf rief der Wartungsdienst von Medistar an und brachte das e-Rezept in Gang. Nach 2 Stunden funktionierte es. Das alte Papierrezept war ein A6-Formular, der Patientenausdruck des e-Rezeptes ist A5 – es verdoppelt den Papierverbrauch. Wir hatten A4 befürchtet. Das System prüft beim Aufrufen, ob die Kasse des Patienten e-Rezept kann – 40 Sekunden Zeitverlust. Nach dem Medikamente eingeben wird signiert – 25 weitere Sekunden. „Natürlich“ kann man die Rezeptdaten auch den Patienten aufs Handy spielen. Das kostet die Zeit für noch einen Einloggvorgang.

Nachdem die verlorene Sprechstundenzeit wieder aufgeholt war, kam tatsächlich der erste Patient mit dem Wunsch nach Befüllen seines elektronischen Patientenpasses. Er hatte die App dazu auf dem Handy, wusste sein Passwort und hatte uns als Praxis freigeschaltet. Es hat nicht sofort geklappt, aber wir haben die Hotline gleich erreicht. Zwei EDV-Spezialisten waren dran, Zeitverlust eine dreiviertel Stunde, Ergebnis gleich null.

Und dann gab es nach Feierabend noch ein Update. Es war aber nur ein Tool zum EDV-Alter bestimmen drin. Wir wissen jetzt ganz genau, wann die Zertifikate unserer Telematikinfrastruktur veraltet sind und man deshalb den ganzen Kram entsorgen und neu kaufen muss. 3/23 geht es mit dem Konnektor für 3000 € los, dann ist bis 6/24 alle 2 Monate irgendein Neukauf und irgendeine Neueintichtung fällig. Die Industrie verdient sich eine goldene Nase, wir teilen uns die Kosten mit dem Steuerzahler (also auch wir) und leben anderthalb weitere Jahre mit einer instabilen EDV im Umbauzustand.

16.05.22

Egal wie vorsichtig Du Deine Worte wählst – Du wirst immer jemanden finden, der sie verdreht. (angeblich chinesisch)

Am Freitag haben wir das e-Rezept installiert bekommen. Am 1.7.22 wird es per Minister-Erlass für alle Arztpraxen gleichzeitig eingeführt. Damit dürften die Hotlines deutschlandweit überlastet werden, so dass wir das ungeliebte Update sicherheitshalber vorher haben wollten.  Die Firma Medistar hat nur 10 Minuten benötigt, um das Update zu installieren. Nach der Sprechstunde gegen 12.30 war Probelauf. Danach waren 2 verschiedene Hotline-Mitarbeiter eine Stunde auf unserem Server. Leider konnten sie nicht erklären, warum das e-Rezept nicht funktioniert. es war wohl alles in Ordnung – bis auf das fehlende Druckergebnis.

Heute rief dann das Systemhaus wieder an: nächster Installationsversuch 23.05.22.

09.05.22

Erkläre es niemals – deine Freunde brauchen es nicht und deine Feinde werden dir sowieso nicht glauben. Elbert Hubbard
Am letzten Mittwoch empfingen wir den ersten sinnvollen elektronischen Arztbrief – einfach so von einer uns bisher unbekannten Braunschweiger Lungenärztin. Der Brief wurde erwartungsgemäß bei der täglichen Kontrolle nach den Fehlermeldungen der e-Krankschreibung im Posteingangsfach entdeckt. Zuerst dachte ich an eine leere Nachricht, dann entdeckte ich unter den Attachments (traditionell: Anhängen) neben dem Hashtag, der Konformitätserklärung und zwei Zertifikaten eine PDF mit einem gut lesbaren, logischen, normalen Arztbrieftext. Zur Feier des Tages haben wir a) versuchsweise 4 Arztbriefe unsererseits als PDF im Anhang eines fast leeren e-Arztbriefes weiterversandt (einzige Zeile: Brief als PDF im Anhang) und b) unsere Mitarbeiterinnen beauftragt, eine Adressliste der Zuweiser zu erstellen, die eine KIM-Adresse haben. Es sind 16 Praxen von rund 200 Zuweisern. Da wir den e-Arztbrief als Zukunftstechnologie verstehen, versuchen wir es mal wieder. Hoffen wir, es kommt an.

Die Unzuverlässigkeit der e-Krankschreibung geht weiter: Jetzt habe ich ein nicht ganz nettes Schreiben der DAK erhalten, weil dort eine e-AU nicht angekommen sei. In dem Falle habe ich aber eine Eingangsmeldung der Kasse.

 

27.04.22

Vertrauen beginnt mit der Wahrheit und endet mit der Wahrheit. 

Gestern sind unsere Chipkartenlesegeräte wegen des Einlesens der immer häufiger werdenden G 2.1-Patientenchipkarten in der ersten Stunde dreimal abgestürzt. Da eine neue Fehlermeldung dabei war, habe ich wieder einmal die Hotline angerufen und einen neuen Ratschlag bekommen: Das Chipkartenlesegerät hat noch einen zweiten Schlitz für den elektronischen Arztausweis. Den sollen wir für die Patientenchipkarten nutzen. Das funktionierte prinzipiell. Leider stützen die Geräte jetzt bei den alten G 2.0-Karten ab. Nach 8 Abstürzen haben die Mitarbeiterinnen wieder den gewohnten Kartenslot genutzt. 30 Minuten Arbeitszeitverlust.

Nächste Schwachstelle: Das Übertragen der elektronischen Krankschreibung stürzte gestern dreimal ab und riss immer wieder den gesamten Arbeitsplatz mit. Beim vierten Mal klappte es. Verlust 15 Minuten nach Feierabend.

Am Abend habe ich dann 2 Stunden an der „Kodierunterstützung“ genannten Routine gesessen, die in jedem Quartal die Dauerdiagnosen neu einträgt, weil der Gesetzgeber sich wünscht, dass wir in jedem Quartal alle Dauerdiagnosen neu bestätigen. Das ist dann keine Unterstützung, sondern ein neuer unnötiger bürokratischer Vorgang, der im Quartal 6 Abende oder 1 % der  ärztlichen Arbeitszeit unserer und aller anderen Praxen in Deutschland frisst. Wir verdanken ihn Jens Spahn.

14.04.22

Es ist Urlaub und folglich sitze ich in der Praxis – nur ein Update von Medistar und klären, was nun mit den elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen wird. Die geratene Problem-„Lösung“ – das Abschalten der Rückmeldung funktioniert vergrößert das Problem. Wenn ich keine Rückmeldung anfordere, bekomme ich logischerweise keine Antwort. Da das System trotzdem kontrolliert, kommt eine Fehlermeldung, die ich erst aus dem Posteingang bekomme, wenn ich die AU ausdrucke. Alle 11 am 8.4.22 versendeten e-AUs sind mit der Fehlermeldung „nicht angekommen“ wieder da. Das wäre dann eine Fehlerquote von 100%. Die Medistar-Hotline hat ihren Standardtext „Bitte legen Sie nicht auf. Ihr Anruf ist uns wichtig. Derzeit sind alle Servicemitarbeiter im Gespräch. Mit Auflegen und Neuanwählen verschlechtern Sie Ihren Platz in der Warteschlange.“ Vielleicht haben die ja noch so eine schlaue Idee, wie man die e-AU verschlimmbessern kann.

Immerhin habe ich schon 2 Rückmeldungen von Krankenkassen, dass man das Problem ernst nehme und dass einmal alle e-AUs (in dem Falle eine) erhalten haben bzw. dass die e-AUs an verschiedene Mitarbeiter verteilt und nicht zentral verfolgt werden können. Von weiteren 16 Kassen (den Großen wie Barmer, Audi BKK und AOK) gab es bisher keine Reaktion.

05.04.22

Wie jedes Quartal haben wir das Update unserer Patientendatenbank Medistar bekommen und wie jedes Quartal ist ein veralteter Datenstand der Medikamentendatenbank IFAP dabei. Alle 14 Tage gibt es natürlich ein IFAP-Update und der Installationsversuch sieht dann so aus wie auf der Grafik rechts. Das Medistar-Update ist ein Downgrade, vor Installation waren die Daten aktueller.

Nebenbei: Das Problem mit dem e-AU ist gelöst. Man kann die Rückmeldung über den Empfang bei der Krankenkasse abschalten. Dann weiß man zwar nicht, ob die Krankschreibung angekommen ist, aber der Computer nervt auch nicht mehr. Genau das hab ich getan.

 

04.04.22

Bürokraten bekämpft man am besten, indem man ihre Vorschriften genau befolgt. Cyril Northcote Parkinson (1909-93), brit. Historiker u. Publizist

Nach längerem Fehlersuchen haben wir festgestellt, dass die 97 Fehlermeldungen über nicht ordnungsgemäße Krankenscheine erst dann verschwinden, wenn wir sie ausgedruckt haben. Leider produzierte das so lange weitere Fehlermeldungen, bis ich unseren Rezeptdrucker zum Standarddrucker erklärt und die fehlenden Unterlagen ausgedruckt habe. Arbeitsumfang: 97 Krankmeldungen von 42 Patienten wurden erst nach dem Namen sortiert, dann unterschrieben, zu 16 Kassen sortiert, die Adressen gegoogelt, Begleitschreiben dazu fertiggemacht und für 25,60 € Portokosten an die Kassen geschickt. Inhalt des Schreibens war die Bitte, mal zu schauen, ob denn die Krankmeldungen schon bekannt waren. So könnten wir feststellen, ob die elektronischen Krankschreibungen auf dem Hin- oder Rückweg verschütt gegangen sind und mit der Information zur Reduktion der unzumutbaren Fehlerquote von 73% beim Versand der e-AUs beitragen. Voraussetzung wäre natürlich, dass eine oder mehrere Krankenkassen arbeiten. Ressourcenverbrauch: ein Nachmittag.

01.04.22

Am ersten (und letzten) April schickt man die Narren, wohin man will. Deutsches Sprichwort

Pünktlich am ersten April ist der erste e-Arztbrief über KIM (elektronische Kommunikation in der Medizin) bei uns eingegangen. Die Patientin war seit Jahren nicht bei uns, der Brief stammt von einem orthopädischen Kollegen und enthält keine Sinnträger. Ich kann ohne Durchbruch der Schweigepflicht den Inhalt kommunizieren:

Anamnese: (leer)
Befund: seit Jahren Rückenschmerzen, diverse Vorbehandlungen
Diagnose: chronische Rückenschmerzen
Therapie: Beratung zu Therapieoptionen, insbesondere stationäre Schmerztherapie

Das ist genau die Art von Brief, die man als qualifizierten Spam bezeichnet. Genauso gut hätte der Kollege schreiben können: Patientin hatte hinten AUA, getröstet, braucht mehr Trost. Zu Papiermailzeiten hätte ich diesen Brief entweder mit der Notiz „Nonsens“ versehen, eingescannt und dann in den Reisswolf befördert oder den Umweg über den Scanner gespart.

Jetzt kommt der Brief elektronisch, ich kann ihn nicht löschen oder ignorieren, weil der Kollege dann keine Lesebestätigung bekommt und den Unfug nochmal schickt. Also habe ich ihn automatisiert der Akte der Patientin zugeführt (das ging leicht, nur ein kleiner Zuordnungsfehler wegen oe/ö war zu korrigieren) und damit eine Abrechnungsnummer GOP 86901: Empfang des eArztbriefes (27 Cent) ausgelöst. Da die Patientin in diesem Quartal noch nicht da war, habe ich folglich einen Quartalskrankenschein für die Abrechnung der 27 ct angelegt und weil sie mangels Anwesenheit auch ihre Chipkarte noch nicht eingelesen hat, habe ich einen Ersatzkrankenschein angelegt, ausgedruckt, unterschrieben und absortiert. Da die Patientin vermutlich in diesem Quartal nicht kommen wird (die nächsten Termine habe ich im Juli), kann ich nicht auf das Einlesen der Chipkarte warten. Wenn ich einen Ersatzschein schreibe, muss ich von Hand die letzten Chipkartendaten löschen und von Hand neu eingeben – ein Sicherheitsmechanismus zum Verhindern mehrfacher Einsätze derselben Chipkarte in verschiedenen Quartalen. Also fragt die EDV zu Recht, ob denn die Chipkartendaten noch gültig sind, schließlich ist die Karte technisch veraltet. Gesamtaufwand 8 Minuten für 27 ct und ich wünsche all den Fachleuten, die diesen Scheiss zusammenprogrammiert haben, dass sie in ihrer Freizeit mit genau solchen Problemen konfrontiert werden.

29.03.22

Einen Fehler machen ist bitter; bitterer noch ist aber die Erkenntnis, wie unwichtig wir sind, wenn es niemandem aufgefallen ist.

Bei der Telematikinfrastruktur kam wieder eine neue Macke hoch: Zum ersten Mal haben wir elektronische Post in der neuen Kommunikationsschnittstelle KIM bekommen und dann gleich 97 e-Post-Briefe. Inhalt: Die elektronische Krankschreibung e-AU hat seit 1.1.22 die Daten in 97 von 123 Versuchen nicht an die Krankenkasse versenden können und oder die Empfangsbestätigung fehlt. Daher soll ich bitte den Teil für die Krankenkasse noch einmal ausdrucken und in 97 Fällen per Post an die betroffene Krankenkasse schicken. Natürlich habe ich das versucht. Leider wehrt sich die EDV, das Blatt in Papierform auszudrucken, weil ich es doch schließlich elektronisch über KIM versenden kann. Ich fühle mich veräppelt und als machtloses Opfer der IT-Spezialisten, die diesen Kreis aus sich gegenseitig bedingenden Fehlermeldungen zusammenprogrammiert haben.

Ärgerlichere Konsequenz: 97 Patienten werden Schwierigkeiten mit der Krankengeldzahlung haben, weil die Krankenkasse offiziell nicht weiß, das sie krankgeschrieben sind.

Lösungsansatz 1: Wir könnten den Patiententeil noch einmal ausdrucken und die codierten Diagnosen mit der Hand daraufschreiben. Auf den Ausfertigungen für Arbeitgeber und Patient haben Diagnosen nichts zu suchen, für die Kasse schon. Dann googeln wir die Postadresse der Krankenkasse und schicken den Kram hin. Für diesen augenscheinlich sehr häufigen Fall kann ich bei der Kasse die Ziffer 40130 mit 81 ct abrechnen – aber nur, wenn ich das Kassenexemplar drucke. Die Veröffentlichung der Ziffer EBM 40130 zeigt, dass selbst die Erfinder der Telematikinfrastruktur nicht an das Funktionieren ihres Systems geglaubt haben. Ich werde auch nicht für 78,57 € einen Abend Kassenexemplare der elektronischen Krankschreibung in Papierform drucken, um dann diese sauer verdienten 78,57 € in Briefmarken anzulegen und den ganzen Schnee zu den verschiedenen Kassen zu schicken. Dazu sind mir mein Leben und das Benzin zu schade.

Lösungsansatz 2: Ich könnte den Konnektor zum Absturz bringen, damit die EDV feststellt, dass die Verbindung über KIM zur Krankenkasse nicht funktioniert und ersatzweise AU-Schreibungen in Papierform vorschlägt. Ob ich die so provozierten Fehler hinterher wieder herausbekomme, weiß ich nicht, also lasse ich auch das.

Lösungsansatz Nr. 3: Hotline von Medistar anrufen und fragen, ob es eine professionelle Lösung für das Problem gibt. Da die Hotline heute drei Tage vor der Quartalsabrechnung überlastet ist, höre ich schon seit 18.30 Uhr die Warteschleifenmelodie und komme nicht durch. Das ist keine Zeitverschwendung, ich sitze eh an der Quartalsabrechnung. Es ist jetzt 23 Uhr und ich muss irgendwann ins Bett.

23.03.22

Nach 5 Jahren Telematikinfrastrukturdesaster müssen jetzt die Konnektoren, also die Zentralcomputer dieses Unfugs ausgetauscht werden. Quelle: https://www.kbv.de/html/1150_57404.php. Unser Konnektor ist zwar erst drei Jahre alt, aber weil er zur Lieferung schon 2 Jahre alt war, ist er bei dem Austausch dabei. Kurze Bilanz des Erfolges: Keinerlei Nutzwert für uns als Praxis, 12.000 € Verluste + etwa 450 Stunden, also drei Monate Arztarbeitszeit, verteilt auf viele Abende, Nächte und Wochenenden.

17.03.22

Nach Feierabend gab es ein Update von Ifap, das ist die pflichtgemässe deutschlandeinheitliche Medikamentenverwaltung. Es lief problemlos, kostet nur 5 Minuten. Heute morgen wird daher pflichtgemäß jeder der 12  Arbeitsplatzrechner einmal das Hochfahren stoppen, um uns pflichtgemäß mitzuteilen, dass sich die Hausmedikamedikationsliste geändert haben könnte. Dann wird jedes der 24 Praxisverwaltungsprogramme nicht starten, weil in einem kleinen, unter anderen Fenstern verborgenen Splashscreen noch einmal mitgeteilt wird, dass die Hausmedikationsliste geändert sein könnte.

Ich habe mir das von mehreren Programmierern erklären lassen. Der Vorgang muss sein, damit jeder Nutzer der persönlich zusammengestellten Medikamentensonderliste (= Hausliste) es mitbekommt, wenn zum Update sich etwas ändert. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Also fahre ich heute 20 Minuten eher in die Praxis und fahre die Rechner mehrfach hoch und runter, damit die sperrenden Hinweise verschwinden.

Nebenbei: wir nutzen die Hauslistenfunktion nicht.

09.03.22

Man muss nicht am Ende sein, um nicht weiter zu wissen. Klaus Seibold

Am 4.3.22 hat unser Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach das e-Rezept und die elektronische Krankschreibung offiziell aus dem Status „auf unbestimmte Zeit verschoben“ auf „Unfug“ verändert, es sieht nach einer Neuentwicklung der ganzen Infrastruktur einschliesslich des überflüssigen und unzuverlässigen Konnektors aus. Das ist gut. Es ist Zeit, die ganze Sache mit den aktuellen technischen Möglichkeiten neu zu konzipieren. Leider hat unsere Praxis-EDV die elektronische Krankschreibung aktiviert und wir können sie nicht wieder deaktivieren.

Zum Ersatz soll jetzt die Nutzung der elektronischen Patientenakte gefördert werden. Ich würde mich gerne einmal mit der e-Patientenakte beschäftigen. Leider scheitert der Probelauf daran, dass ich zunächst einen Datensatz zum Spielen und Üben brauche und meine private Krankenversicherung nicht am Projekt e-PA teilnimmt. So habe ich erst mal eine Onlinefortbildung zur elektronischen Patientenakte auf www.elektronische-patientenakte.org/cme-fortbildung gemacht und festgestellt, dass ich alles dort gesagte schon wusste. Ich werde eins unserer Kinder bitten, bei seiner gesetzlichen Krankenkasse eine Patientenakte zum Üben zu beantragen. Als Hauptknackpunkt der ePA sehe ich die Interoperabilität, also die Kunst, alle Arztbriefe, Röntgen- und Laborbefunde so zu strukturieren, dass sie mit Bezeichnung, Absender (also den Metadaten), Struktur, Gültigkeitsdauer und Wichtigkeit versehen werden, damit andere später in der elektronischen Patientenakte auch suchen können. Interessant sind eigentlich nur Arztbriefe im PDF-Format und genau die erzeugen wir nicht – und wenn doch, dann nicht signiert und ohne Stichworte.

01.03.22 Gestern gab es ein Nachfolgeupdate der Praxis-EDV. Jetzt haben wir ein Bürokratiehemmnis am Hals, die Kodierrichtlinien. Der Unfug stammt auf Wunsch der Krankenkassen von der Bundesregierung und bedeutet, dass wir bei jedem der 1947 bisher in diesem Quartal gesehenen Patienten entscheiden, ob die Diagnosen in jedem Einzelfalle Quartalsdiagnosen (Finger geklemmt), aktuelle Dauerdiagnosen wie Rheumatoide Arthritis (behandeln wir, geht nicht weg), Dauerdiagnosen wie Kniearthrose (besprechen wir nicht jedes Mal), anamnestische Dauerdiagnosen wie Depression oder Diabetes mellitus (behandeln wir nicht, spielt aber bei der Medikamentenwahl trotzdem eine Rolle) sind.

Beispiel:

vorhernachher
*seropositive rheumatoide Arthritis*seropositive rheumatoide Arthritis
*Psoriasis*5Psoriasis
*Angststörung*5Angststörung
*sekundäre Osteoporose mit Frakturen*sekundäre Osteoporose mit Frakturen
DZustand nach Covid-19*5Zustand nach Covid-19
DNotwendigkeit der Impfung gegen Covid-19DNotwendigkeit der Impfung gegen Covid-19
*Senk-Spreizfuss*5Senk-Spreizfuss

Natürlich hängt die Codierung der Angststörung als aktuell oder anamnestisch davon ab, ob wir beim Vermitteln der Boosterimpfung nach Covid lange reden mussten oder nicht und der Senk-Spreizfuss wird zur aktuellen Diagnose, wenn der Patient wieder mal Einlagen benötigte. Gesamtaufwand im Quartal (wir haben 2/3 hinter uns) 2400 Patienten * 40 Sekunden = 26 Stunden oder 1,5 Wochenenden.

Dann soll ich von jeder im Quartal behandelten Dauerdiagose bestätigen, dass ich sie im Quartal behandelt habe. 2400 Patienten * 3 Sekunden macht 2 Stunden und einen Mausellenbogen, wenn wir eine Auszubildende den Sch… durchtackern lassen. Die Einführung der Kodierrichtlinien stammt noch von Herrn Spahn. Zuletzt hatten wir den gleichen Unfug 2010 eingeführt, 2012 wieder beendet und wir haben jedesmal mehrere Wochenenden die Patienten umcodiert. Mal sehen, wann Herr Lauterbach etwas Neues erfindet.

 

22.20.22 Das Update ist gelaufen. Laufkultur: Es gab zwei Installationsversuche und eine Rücksicherung, weil beim ersten Mal die Medikamentendatenbank nicht aktualisiert wurde und die Rechner deshalb streikten. Beim zweiten Mal klappte es. Vor 2 Jahren haben wir unseren Server auf eine „virtuelle Maschine“ umgerüstet. Das bedeutet: Es gibt einen leistungsfähigen, einfachen und gut standardisierten Hardwareserver, der unseren Medizinserver mit all seinen Flickstellen, Programmpatches und anderen Unzulänglichkeiten simuliert. Wenn der Server neu hochfährt, dauert das 30 Sekunden (vorher 14 Minuten) und wenn ich rücksichere, sind das dieselben 30 Sekunden, vorher vier Stunden. Ich brauchte lange keine Rücksicherung, aber hier war es sehr hilfreich. Die 6000 € Anschaffungskosten haben sich also gelohnt.

Updateergebnis: Wir haben lauter veränderte Formulare (so etwas muss man nicht ankündigen), das angepriesene E-Rezept ist deaktiviert (gut) und nicht aktivierbar (schade). Wie immer war die „neue“ Medizindatenbank von IFAP veraltet und musste erst wieder geupdatet werden.

Spannend fand ich einen Kontakt mit Menschen, die die elektronische Patientenakte fördern wollen. (ePA Magazin (epa-magazin.de). Wir haben ein Modul „elektronische Patientenakte“ und sind froh, dass bis heute kein einziger Patient das Ansinnen hatte, seine ePA lesen oder gar beschreiben zu lassen. Grundsätzlich: Die elektronische Patientenakte ist nötig und sinnvoll. Es dauert mindestens eine Generation (also 25 Jahre), bis alle Beteiligten ihre Unterlagen so schreiben, strukturieren und mit Prioritäten (heute wichtig, lebenslang wichtig oder nur aus Ordnungsgründen dokumentiert), das man beim Lesen etwas mit den Informationen anfangen kann. Für das Projekt „ePA“ besteht der Wunsch, durchsuchbare PDF-Files in die Patientenakte einzuspeisen. Bisher ist PDF nicht verbreitet, solange den Ärzten aus Datenschutzgründen die eMail verboten ist. Das Fax hinterlässt nichts elektronisch Durchsuchbares, sondern schlecht gescannte Papierstapel in elektronischer Form.

So, wie wir derzeit dokumentieren, ist die elektronische Patientenakte ein Datengrab, kein Datenfundort. Trotzdem müssen wir anfangen, sie zu benutzen, damit wir und die, die wir ausbilden, so dokumentieren, dass irgendwann etwas Hilfreiches dabei entsteht. Bei den Schweden soll das 20 Jahre von Einführung bis Akzeptanz gedauert haben. Die Schweden kennen kaum Datenschutz, das war vergleichsweise einfach.

21.02.22 Letzte Woche Dienstag gab es einen Absturz der Telematikinfrastruktur. Versichertenkarten einlesen funktionierte nicht – ein GAU. Der Start des Arbeitstages war nach einmal Herunterfahren von Konnektor, 1 Server, 12 Clientrechner 8. 20 Uhr, also 20 min später.

Seit Donnerstag können wir keine elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen mehr versenden. Der erste Kontakt ging an den Kundendienst von Medistar (Konzern CGM), der nach kurzer Analyse erklärte, das Problem läge an der Telematikinfrastruktur. Hotlinewartezeit 35 Minuten. Zweiter Anruf heute an die Telematikinfrastruktur (auch Konzern CGM), nach 12 Minuten war ich durch und erfuhr, das Problem könne nicht am eigenen Qualitätsprodukt Konnektor liegen, denn der stelle ja nur einen einfachen VPN-Tunnel zur Verfügung und dessen einwandfreie Funktion sei mit dem Funktionieren der Chipkartenlesung bewiesen. Ich soll doch mal bei meinem Servicepartner CGM anrufen, die wissen sicher eine Lösung.

Ich war schon immer der Meinung, dass der Konnektor nur ein völlig überteuerter Router (wie die Fritzbox) für 3000 € ist, der einen VPN-Tunnel zur Verfügung stellt. Die Frage, wieso wir wegen der e-AU und dem e-Rezept jeweils ein Update für mehrere Hundert steuerfinanzierte Euro benötigten, wenn der Konnektor nur ein Terminaladapter für einen VPN-Tunnel ist, bekomme ich sicher nicht beantwortet.

Jetzt hänge ich seit 60 Minuten in der Warteschlangenmusik von CGM und bin frustriert.

Immerhin haben wir die Mitteilung, dass das Medistar-Dezemberupdate jetzt zur Verfügung steht. Leider weiß ich nicht, ob es unsere Probleme löst oder vergrößert. Wir werden es probieren müssen. Dazu gab es übrigens einen Anruf des CGM-Service, wir sollten uns endlich das E-Rezept kostenpflichtig installieren lassen, seine Nutzung sei bald verpflichtend. Das war bekannt, deshalb wurde es ja installiert. In der Beschreibung des Update steht übrigens:

„Kontrollierte Inbetriebnahme des E-Rezepts in CGM MEDISTAR: Um die Einführung des E-Rezepts für alle Beteiligten Parteien geordnet zu ermöglichen, wurde die Testphase verlängert, da bis zum 01.01.2022 unzureichend viele E-Rezepte in Arztpraxen erzeugt und in Apotheken eingelöst wurden, um die Funktion flächendeckend auszurollen.
Die Funktionen des E-Rezepts werden mit diesem Update an Sie daher deaktiviert ausgeliefert.“

Es wird kolportiert, die Anzahl der Rezepte in dem Test hätte 42 betragen. Vertrauen ist anders.

1.2.22 Sechs Wochen nach ihrem Virenangriff schickt uns unsere Softwarefirma einen Brief: Nein, ein Quartalsupdate kommt noch nicht, aber eine Aufzählung, was alles nicht funktioniert und welche gesetzlichen Vorgaben und Änderungen zum 1.1.22 nicht umgesetzt werden konnten. Wir haben nichts davon vermisst. Einziges Problemchen: Wir können die Impfzertifikate für Genesene und Johnsongeimpfte nicht nach den neuesten Vorgaben drucken. Nun ja, das kann das Gesundheitsamt auch noch nicht, nur die Apotheken. Die Impfsaison ist zu Ende.

Mit gleicher Post kommt eine dritte Mahnung, wir sollten uns endlich KIM, der Kommunikation in der Medizin, anschließen. Das Modul wurde am 6.10.21 installiert, ich fürchte, die wissen das nicht. Das Modul hat bisher nichts empfangen, weil niemand etwas zum Senden hat.

25.1.22 Unser Softwareprovider Medistar hatte vor einem Monat einen Virenangriff und seitdem keine Updates geschickt. Das ist gut für die Stabilität unserer EDV. Leider warten wir auf zumindest eine Fehlerkorrektur, denn immer mehr Menschen kommen mit einer neuen Versicherungskarte. Die neuen Chipkarten kann das System nicht lesen und stürzt ab.

Wir haben einen neuen Drucker. Der erste hatte eine leere Haltebatterie und musste jeden Morgen als Erstes IP-Adresse und Uhrzeit eingegeben bekommen.  Er wurde zurückgeschickt, der nächste war in Ordnung. Leider musste ich trotz identischem Namen und identischer IP-Adresse auf 12 Rechnern in je 3 Programmen den alten Druckertreiber löschen und neuinstallieren. Samstag, 3 Stunden. Bei der Gelegenheit wurden wieder 2 Arbeitsplatzrechner mit einer Sicherheitskopie versehen.

13.1.22: mal nichts Neues: Der offizielle Start des E-Rezeptes wurde auf 1.7.22 verschoben. Man darf das E-Rezept schon nutzen. Voraussetzungen: Der Patient will es und die Apotheke kann es. Beides haben wir noch nicht erlebt. Hardwareproblem: Unser Briefdrucker ist ausgefallen. Ein HP P3015dn kostet neu 1698 €, gebraucht 199 €. Es wird wieder ein gebrauchter, der letzte hielt 11 Jahre durch. Es war ein Ersatz im internen Netz, dadurch dauerte das Umkonfigurieren keine 10 Minuten.

30.12. Unser Praxis-EDV-Anbieter Medistar wurde vor Weihnachten Opfer eines Hackerangriffes. Seit 10 Tagen erzählt die Hotline „Wir haben Probleme, aber Kundendaten waren nie in Gefahr“. Seit 10 Tagen suche ich die Ursache, warum 2 Rechner sehr langsam sind und häufige Fehlermeldungen machen. Die Hotline sagt nur: „Wir können nicht auf unsere Systeme zugreifen und wissen daher auch nicht, was Fehlernummer 12510 bedeutet“. Dazu gab es den Allzweckrat: „Starten Sie doch mal den Server neu, da fehlen Dienste!“ Nach einem Abend suchen war es ganz einfach: Zwei Rechner hatten dieselbe IP-Adresse. Problem erledigt.

Durch den Hackerangriff gab es noch kein Quartalsupdate. Aber es erwartet sowieso niemand, das das zu übermorgen angekündigte E-Rezept übermorgen funktioniert.

 

8.12. Einmal morgentlicher Ausfall der Telematikinfrastruktur. Keine Ursache, nach Serverneustart, Konnektorneustart und einmal alle 12 Rechner hinunter- und wieder hochfahren lief alles. Sprechstundenbeginn 21 Minuten später. Danke, Spahn!

6.12.21 Seit einer Woche laufen alle neu aufgesetzten Rechner. Einziger Hänger: Es war nicht möglich, aus der Bildverarbeitung Mails zu verschicken. Lange Suche, dann die Lösung: Es gibt den Mailclient in 32- und 64-Bit-Version. Also wurde von 12 Rechnern die 64-Bit-Version gelöscht und das andere Thunderbird aufgespielt. Zeitaufwand 15 Minuten – pro Rechner. Sonntags. Wenn alles eine Woche läuft, werden alle Festplatten ausgebaut, eine Sicherungskopie erstellt und ohne Anschluss in die Rechner geklemmt – für Abstürze und schlechte Zeiten.

22.11.21 Alle drei Wochenendtage in der Praxis verbracht beim Neuaufsetzen der Rechner. Heute streikte die Telematikinfrastruktur, teil Impfzertifikate. Ein Uraltproblem ist gelöst: Seit Jahren versuchen wir, die Labordatenfernübertragung, alos das Senden von Laborbefunden direkt in unsere Akte, hinzubekommen. Es scheiterte immer wieder am Format der Labornummer, mit der Daten einzelnen Patienten zugeordnet werden. Über das Format einer Labornummer – vier-, sechs,- acht- oder zwölfstellig – kann man sich lange unterhalten. Die Lösung: Unser Labor schickte gar keine Labornummer mit. Seit heute kommt sie und schon klappt es.

18.11.21 Mittlerweile sind 7 von 12 Arbeitsplatzrechnern neu aufgesetzt und zukunftstauglich, das waren 7 lange Abende. Zwei neue Computerlästigkeiten gab es diese Woche:

Zunächst wissen wir eine Ursache, warum der Konnektor, also der Verbindungsrechner zwischen Chipkartenlesegerät und Krankenkasse, immer wieder abstürzt. Es gibt neue Chipkarten, Serie G2.1. Die Spezifikation dieser Karten ist zwischen Hersteller und Krankenkasse strittig. Wenn eine solche Karte eingelesen wird, funktioniert das problemlos. Leider wird der Vorgang nicht beendet, wenn man die Karte wieder aus dem Lesegerät zieht und der Konnektor tauscht Nonsensdaten mit der Krankenkasse. So lange kann auch an anderen Arbeitsplätzen keine Chipkarte eingelesen werden, keine elektronische Arbeitsunfähigkeit ausgestellt und kein e-Rezept erstellt werden. Die Lösung: Einmal Lesegerät und Arbeitsplatz neu starten. Das sind dann 5 Minuten mehrmals täglich. Eine bessere Lösung kommt – vielleicht – mit dem nächsten Update des Konnektors 2022.

Wir hatten uns mit unserem Softwaresystemhaus Medistar in Hannover wegen unerklärlicher Rechnungen geärgert. Sie stieg noch einmal um 100 €.

2.-8.11. Wieder mal hat sich ein kleines Projekt in eine Woche Arbeit einschließlich Wochenende und Nacht verwandelt: Unsere 12 Rechner stammen von 2014 und waren sehr langsam. Also war der Grundgedanke: Wir wollen nicht alle Software neu aufspielen und die intakten Computergehäuse samt Netzteil entsorgen, also kaufen wir Aufrüstkits für die Rechner. Proberunde: Ein Kit wurde für 450 € bestellt, in den Rechner eingebaut – und lief nach einem eine Minute langen Eingriff beim Rechnerspezialisten gut. Die Festplatte war zu langsam, also wurde dann eine moderne NVMe M2.0 SSD besorgt, Platte gespiegelt und verschoben – lief ohne Datenverluste.

Also haben wir 14 Tage später 11 identische Boards mit Prozessor, Kühler, Speicher und NVMe für ca.6000 € gekauft und dann begann das Elend. Das ursprünglich gekaufte Board war nicht lieferbar, alle anderen sind „so ähnlich“. Für Fachfreaks: Wir haben in der Probeserie den einzigen Rechner erwischt, der irgendwann einmal auf eine UEFI-Festplattenverwaltung eingestellt war. Das wussten wir aber nicht. Alle anderen Festplatte waren mit dem alten MBR-Format bespielt, liefern in den alten Rechnern schon nur mit einer Anpassung namens „Legacy-Mode“ und in den neuen gar nicht. Natürlich kann man die neuen Boards auf Legacy einstellen, aber dann brauchen sie plötzlich eine zusätzliche Grafikkarte. Und mit Legacy kommen die NMVe-Festplatten nur mäßig und Windows 11 (noch nicht da, aber wird uns bald erfreuen) gar nicht klar. Nun läuft die Hälfte der Rechner irgendwie, jeder mit anderen Anpassungen. Rein technisch kann ich sie auf UEFI umstellen und irgendwann Windows 10 installieren. Dazu muss ich dann doch alle Daten umziehen (außer den Patientendaten, die liegen auf dem Server) und fast alle Rechner neu aufsetzen, neues Windows … . In diesem Zusammenhang geht viel Dank an ein privates Medistar-Forum. Seit diesem Menschen weiß ich, wie man Medistar und Word einbindet.

Nachtrag 23.00 Uhr: Word lässt sich nicht noch einmal aktivieren. Es meint zunächst: „Die Anzahl der möglichen Aktivierungen wurde überschritten, kontaktieren Sie den telefonischen Service!“ und dann „Der telefonische Support für dieses Produkt wurde beendet. Klartext: Entsorgen, neu kaufen.

25.10. Zehn Tage keine Systemabstürze – das könnte allerdings daran liegen, dass wir eine Woche im Urlaub waren. Heute Morgen ging daher auch nichts – alle Rechner waren langsam wegen Mikrosoft-Updates, die Labordatenfernübertragung stürzte bei Frau Özgüs, Frau diSalvatore, Herrn André Soundso und Frau von Blauberg (alle Namen geändert, die Probleme sind der Umlauf am Namensanfang, der Großbuchstabe im Namen, das é und das „von“) viermal ab und die geplante halbe Stunde zum Hochfahren reichte nicht – Sprechstundenbeginn 8.10 Uhr. Heute Abend sind dann ein Medistar-update und ein Serverupate dran.

Abend. Medistar-Update und prompt wurde der Datenstand der Medikamentendatenbank vom 15.10. auf den 1.10. rückgesetzt. Also nächstes Update – dieses Mal die Medikamentendatenbank. Nun hab ich wieder den 15.10. Da waren wir heute früh. Funktionskontrolle. Daten noch  da. Rezeptformular und Überweisung gehen. Die neue E-Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung provoziert dreimal nachvollziehbar einen Rechnerabsturz. Alles einmal runter- und wieder hochfahren, Gleicher Fehler. Also hing ich 17.03 Uhr 20 Minuten in der Hotline, bekam dann eine freundliche Servicemitarbeiterin und wollte ihr den Fehler demonstrieren. Alles funktionierte. Gut so, die Sorge vor Fehlfunktionen morgen bleibt.

14.10.21 Absturz der elektronischen AU-Schreibung – und Signatur. Wir haben doch tatsächlich 4stellige PINS verwendet und sollen doch bitte 8stellige PINS mit Groß- und Kleinbuchstaben, Sonderzeichen und Ziffern verwenden. Aber wir haben unseren ersten E-Arztbrief versendet, eine Eingangsbestätigung von der Gegenseite und dann einen Anruf: Wir sollten den Brief aufs Fax legen, niemand weiß, wie man ihn liest und speichert. Das wird schon und Dank an Herrn Spahn für diesen ganzen unausgegorenen Spielkram.

12.10.21 Wir haben Medistar den Kontenzugriff gesperrt, weil die Rechnungen nie schriftlich kamen und die Kosten nicht nachvollziehbar stiegen. Heute kam eine vierte und letzte Mahnung (also 1-3 gab es nicht), dass uns das Update und die Hotline gesperrt werden, wenn wir nicht zahlen. Immerhin stand der Name eines Geschäftsführers unter dem Brief und dank Google gab es auch eine Handynummer. So habe ich einen freundlichen Kaufmann kennengelernt, der mir die alten Rechnungen zukommen lies und erklärt hat, wie Medistar denkt.

An zwei Stellen reden wir aneinander vorbei: Medistar hat in seinen AGB geschrieben, dass es keine Rechnungen zustellen muss. Man war der Meinung, dass der Steuerberater so etwas wissen muss. Schade, dass weder wir noch unser Steuerberater  oder das Finanzamt die AGB von Medistar kannten. Akzeptabel finde ich so etwas nur, wenn der Abbuchungsbetrag jedes Mal gleich ist. Das war leider nicht der Fall.

Auf der Rechnung standen dann nur zwei Punkte „Medistar“ und „IPC3“. IPC3 kannten wir nicht, der Sachbearbeiter der Hotline auch nicht. Also haben wir es storniert. „Medistar“ sagt nichts darüber aus, welche Module (Arztbriefschreibung, Patientenkalender, Privatabrechnung, BG-Abrechnung, Telefonschnittstelle, Anbindung Röntgen, Labor, Ultraschall oder Kaffeemaschine) hier in Rechnung gestellt werden. Was wir fordern müssen, ist eine Modulübersicht. Nun habe ich die Modulübersicht auch versprochen bekommen. Sie ist nicht da.

11.10.21 Freitag, Samstag und Sonntag saß ich je 3 Stunden in der Praxis, um weitere 4 Chipkartenlesegeräte zu installieren. Die braucht man zukünftig für die elektronische Patientenakte. Testlauf geht nicht, weil noch kein Patient und keins unserer gesetzlich versicherten Kinder die kassenseitigen Voraussetzungen erfüllte. Am Montag rief dann jemand von Medistar zurück und ordnete die Installation. Jetzt können wir immerhin in 4 Sprechzimmern Chipkarten einlesen. Eine Mini- Zusatzfunktion für 1600 €.

 

7.10.21

Schon lange steht der Plan, mal mitzuschreiben, welche Massen von Ressourcen und Nerven in den Computern verschwinden. Gestern haben wir auf einen Rutsch die Kommunikation in der Medizin KIM, den e-Arztbrief, die elektronische Patientenakte und die elektronische Arbeitsunfähigkeitsschreibung installiert bekommen. Von Seiten unseres Softwarteanbieters klappte das gut, schnell und pünktlich. Eine knappe Stunde Fernwartung, dann war alles installiert. Ein Testlauf war nicht möglich, weil die Telematikinfrastruktur mit den Kartenlesegeräten nicht funktioniert. Die TI gehört zum gleichen Konzern wie Medistar, eine interne Kommunikation scheint es nicht zu geben. Ich habe 15.10 bis 17.00 Uhr in der TI-Hotline Ansagen über den nächsten Kunden gehört, niemanden erreicht.

Heute früh kam dann der GAU, es funktionierte kein Chipkartenlesegerät und die Sprechstunde stand. Schon nach einer halben Stunde kam ich zur Hotline durch, eine dreiviertel Stunde später war ein guter Techniker in der Leitung. Der brauchte eine halbe Stunde und gegen zehn ging die Sprechstunde los. Arbeitsverlust 2 Stunden.

Jetzt funktioniert alles bei CGM Medistar, vieles bei CGM TI und am Montag ruft einer von der CGM Hardware zurück. Vielleicht ist dann der Testlauf möglich.

This Post Has 3 Comments

  1. Die ganze Infrastruktur in der Cloud als SaaS betreiben lassen und sich auf das Kerngeschäft fokussieren.
    Zudem nicht allen „gesetzlich“ vorgegebenen Schnickschnack blind umsetzen. Es gibt super coole IT-Tools, die den Alltag eines Arztes effizienter machen.
    Es muss praktikabel sein !

    1. Ein Softwareumstieg kostet neben Geld mindestens eine Woche Umstellung und ein Viertel Jahr, bis alle wieder alle Funktionen gefunden haben. Daher kleben Ärzte meist an der gewohnten Software, auch wenn es Besseres gibt. Bisher gibt es keine Anbieter von SaaS für ambulante Arztpraxen. Wir hätten auch grobe Sorgen, bei unserer Internetanbindung von DSL 50 – mehr ist hier nicht – Cloud Computing zu betreiben und sehen Schwierigkeiten mit veralteteter Hardware. Für Computer rechnet der Steuerberater 3 Jahre bis zur Abschreibung, für Medizingroßtechnik bis 20 Jahre. Unsere Ultraschallgeräte laufen auf Windows 7, der Steuerrechner der Knochendichte auf Windows XP.
      Prinzipiell wäre SaaS für die Stabilität und Wartung gut.

  2. Kann ich Deine Auflistung (unsere Erfahrngen sind gleich) für die Weiterführung der laufenden Diskussionen mit der GEMATIK benutzen ?
    Anmerkung: ob es wirklich jemanden interessiert – fraglich (leider) aber wir versuchen es trotzdem.

    Manfred

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