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  • Notfalle

    Die Hälfte aller Terminanfragen kommt derzeit als Notfall, Hausarztvermittlungsfall, „dringlich“ oder zumindest mit dem Wörtchen „zeitnah!“.

    Ab Mai haben wir die Anzahl der Notfalltermine halbieren müssen. Grund: Alle rheumatologischen Patienten brauche alle 12 Wochen eine Blutentnahme, einen Arzttermin und eine neue Schachtel Medikamente, die dann wieder nur 3 Monate reichen. Unser Terminvorlauf ist auf 18 Wochen angestiegen, wovon 2 Wochen den vielen freien Tagen im Frühling und 3 Wochen dem Sommerurlaub geschuldet sind. Wenn wir einen rheumatologischen Notfall drannehmen und es 18 Wochen bis zum Auswerten dauert, dann wird es sinnlos.

    Ja, Herr Bundeskanzler Merz sagt uns jeden Tag, wir sollten endlich mehr arbeiten! Aber 36 Wochenstunden Sprechstunde = 54 Wochenstunden regelmäßige Arbeit sollten genug sein. Und solange Dr. Sensse mit 80% Grad der Behinderung buchtechnisch Rentner ist, wird er auch Urlaub machen – es reicht!.

    Also sitzt man jeden Tag da und entscheidet, welcher der 5-10 dringenden Anfragen den letzten verbliebenen Notfalltermin bekommt. Heute habe ich ein dickes Sprunggelenk gesehen, was ich am Donnerstag mit „nicht gleich, Montag bitte!“ abweisen musste.

    Was macht in diesem Zusammenhang die aktuelle Sparkampage von Frau Bundesgesundheitsministerin Warken aus?

    Es gab das Projekt „offene Sprechstunde“, dessen Förderung jetzt gestrichen werden muss. Wir haben 2025 zwei Neupatienten, die mit einem berechtigten dringenden Anliegen in die Praxis kamen, gleich behandelt und über die offene Sprechstunde abgerechnet. Ansonsten ist es verantwortungslos, bei der chronisch üblen Terminlage eine Stunde jeden Tag für ungeplant unstrukturiert eintrudelnde Patienten zu reservieren und Minecraft zu spielen, wenn niemand kommt. Das Projekt wurde nie mit Leben erfüllt. es ist gut, wenn man sich ehrlich macht, Vorschrift und Förderung streicht. Unsere woke Bundesregierung möchte nur die Förderung streichen, also bleibt die offene Sprechstunde ein Märchen. Für uns ändert sich nichts.

    Es gibt den Hausarztvermittlungsfall, bei dem unstrukturiert Patienten dringlich gemacht werden. Dafür bekommt der Hausarzt 15 Euro und der Facharzt einen Zuschlag zur Versichertengrundpauschale. Die Gelder wurden mittlerweile gekürzt, wir haben zuletzt 82 % der Aufschläge gesehen. Es ist so weit Standard geworden, dass es wenig Überweisungen ohne den Spruch „Hausarztvermittlungsfall“ gibt. Früher stand an der Stelle die Verdachtsdiagnose, das war sinnvoller. manchmal steht auch beides drauf. Im letzten Quartal haben wir 25 Patienten mit HAV behandelt und dafür 525,36 € bekommen. Mit dem Verlust können wir leben.

  • Die elektronische Versichertenbescheinigung

    03.11.2025

    Heureka, der siebente Versuch hat funktioniert! Am letzten Samstag hat eine freundliche Patientin über ihre Krankenkassen-App eine eVB beantragt. Am Samstag um 20.20 Uhr hatten wir ein Fax auf dem Server. Die Barmer lieferte demnach zügig einen ganz normalen Versichertennachweis. Elektronisch hat das nicht geklappt, nur als Fax. Immerhin einen Schritt weiter.

    Es gab vor 30 Jahren einen Ärztewendewitz: Warum haben die Briefträger in Ostdeutschland mehr Arthrose als im Westen? Antwort: Weil die guten Leute nicht nur Briefe austragen müssen, sondern auch Faxe und e-Mails. Der Witz scheint aktuell zu sein.

    7.10.25

    Es wurden 2 Codes für eine eVersichertenbescheinigung bei verschiedenen gesetzlichen Krankenversicherungen generiert. Bekommen habe ich bisher nichts – das System funktioniert noch nicht. Wir bleiben dran.

    2.10.25

    Das Bild links stammt von der Webseite Leistungserbringer | Praxis Check-In der Gematik und hat einen Code generiert, mit dem die erste Testpatientin eine elektronische Versichertenbescheinigung bei der AOK beantragen konnte.

    Das war gegen 10.00 Uhr. Sieben Stunden später ist nichts von der Krankenkasse in unserem Posteingang gelandet. Als Chipkartenersatz taugt die e-Versichertenbescheinigung damit nichts, mehrere Stunden möchte niemand warten. Eine zweite Testkandidatin hat den Code erhalten, vielleicht funktioniert das bei der HKK.

    Um die korrekte Form von QR-Codes für die e-Versichertenbescheinigung herauszubekommen, habe ich drei verschiedene Stellen der kassenärztlichen Vereinigung angerufen, die mir alle bestätigten, das das Problem interessant sei, sie die Lösung jedoch nicht wüssten. Während des Lauschens an den Warteschlangenmelodien habe ich ein bisschen gegoogelt und die Lösung selbst gefunden.

    Bei der Gelegenheit gab es eine interessante Information: Mit Hilfe dieses QR-Codes können Privatversicherte über ihre Krankenkassenapp eine Versichertennummer generieren lassen, mit der sie e-Rezepte und eine e-Patientenakte nutzen können. Das werde ich heute Abend probieren. ich finde es schon lange diskriminierend, das ich als Privatpatient an den Segnungen der Telematikinfrastruktur nicht teilhaben darf.


    1.10.25

    Dieser QR-Code soll „sensse@cgm.kim.telematik“, also unsere KIM-Adresse bedeuten. Ich habe die erste Patientin gefunden, die eine Krankenkassen-App besitzt, mit dem man elektronische Versichertenbescheinigungen abrufen können soll. Zumindest behauptet das Menü der HKK-App so etwas.

    Allerdings verlangt die HKK-App einen QR-Code der Praxis. Nachdem ich den generiert habe, sagt die App: Wollen Sie an „sensse@cgm.kim.telematik“ eine Mail schreiben? So ganz funktioniert das nicht, aber wir sind einen Schritt weiter.

  • Frau Nina Warken

    Wir haben einen neue Gesundheitsministerin – Frau Nina Warken. Ich habe zwar lange Witze darüber gemacht, dass wir keinen neuen Gesundheitsminister bekommen – entweder bleibt Professor Lauterbach oder Jens Spahn kommt wieder. Aber beide Kandidaten haben ein kleines Makel: Die CDU wollte gern auch eine Frau als Ministerin präsentieren. In woken Zeiten ist das manchmal ein Problem.

    Frau Nina Warken ist Juristin und hat bisher außer einer ehrenvollen Tätigkeit als Präsidentin der THW-Landesvereinigung Baden-Württemberg keinerlei Bezug zu Gesundheitsthemen. In einem ersten Interview in der Aller-Zeitung sah sie das als Vorteil. Sie hat auch schon eine Lösung fürs Terminproblem: Das Primärarztsystem soll gestärkt werden . Das bedeutet laut dem Interview: Alle Patienten müssen mit allen Problemen immer erstmal zum Hausarzt. Der legt dann einen Zeitkorridor fest, in dem der Facharzt einen Termin haben muss. Wenn er das nicht schafft, dürfen sich die Patienten direkt an ein Krankenhaus ihrer Wahl wenden. Klingt gut, ist aber weltfremd.

    Weder haben Fachärzte davon mehr Termine noch haben die Krankenhausambulanzen Termine oder Kapazitäten. Schon jetzt lautet der häufigste schriftliche Rat der Krankenhausambulanzen: „Bitte ambulanten Rheumatologen aufsuchen!“ Willkommen im realen Leben, Frau Ministerin! Wir brauchen nicht mehr Geld, sondern mehr Kapazitäten oder weniger Bürokratie, die die Kapazitäten wieder auffrisst.

    Der Einsatz einer Juristin, die ihre Erfahrungen mit dem Pädiater der drei Kinder als hinreichende Qualifikation als Gesundheitsministerin sieht, als Gesundheitsministerin ist für den Sozialsektor genauso eine Klatsche wie der Einsatz von Merkwürden Pfarrer Eppelmann, Ursula von der Leyen, Annegret Kramp-Karrenbauer und Christine Lambrecht als VerteidigungsministerIn für die Bundeswehr. Fachkenntnis ist zwar keine Garantie für eine gute Arbeit als Minister, aber eine Grundbedingung.

    Ich wünsche ihr eine glückliche Hand bei ihren Entscheidungen. Aber ich erwarte nichts.

  • Fokus-Siegel

    Fokus-Siegel

    Seit Jahren bekommen wir einmal im Jahr ein dickes, seriös und amtlich aussehendes Schreiben vom Focus, wir seien als die besten Rheumatologen in unserem Bereich ausgezeichnet. Das wundert uns nicht, Herr Dr. Sensse ist der beste, schönste,  faulste und überbuchteste Rheumatologe, weil er der einzige Rheumatologe im Landkreis Gifhorn ist. Das dürfen wir uns an die Wand nageln und und tun das auch, wenn es in dem Jahr keinen guten Kalender für den freien Nagel gibt. Wenn wir  mit dem Focus-Siegel auf der Homepage und im Internet werben möchten, kostet uns das 2300 € im Jahr, die wir natürlich lieber in Personal und  Technik investieren.

    Als Gründe für eine dermassen große Auszeichnung nennt der Focus:

    • Publikationstätigkeit (zuletzt 2008)
    • Qualitätsmanagement (haben wir, muss man heute haben, aber weder zertifiziert noch veröffentlicht, denn auch diese Leute wollen nicht unter 10.000 € für eine Zertifizierung)
    • Patientenzufriedenheit (neben viel Lob hören wir vor allem berechtigte Kritik über schlechte Erreichbarkeit und schlechte Terminlage)
    • Kollegenempfehlung (wir kennen niemanden, der gefragt wurde)

    Als besonderer Witz wurde Herr Dr. Sensse dieses  Jahr auch als Orthopäde und Unfallchirurg ausgezeichnet. Er ist nur kaum noch orthopädisch tätig, weil der Behandlungsbedarf bei Rheumatikern viel höher ist und weist jede Unterstellung, er wäre Unfallchirurg, zurück.

    Es mag richtig sein, dass 2005 die letzten Orthopäden Facharztprüfung hatten und seitdem der Facharzt Orthopädie/Unfallchirurgie heißt. Es ist auch richtig, dass man in 6 Jahren nicht das lernen kann, wofür ein Orthopäde und ein Unfallchirurg früher jeweils 6 Jahre benötigt haben. Deshalb sind in dem gemeinsamen Facharzt operative und intensivmedizinische Kompetenzen weit ausgebaut. Kinderorthopädie, Osteologie, Rheumatologie und selbst die allgemeine Arthroselehre, also alles, was man in der Niederlassung braucht, blieben auf der Strecke. Es könnte also sogar sein, dass Herr Dr. Sensse von dem gemeinsamen Facharzt O und U garnichts hält und die Bezeichnung „Unfallchirurg“ als Beleidigung seiner nichtoperativen Fähigkeiten sieht. Wir wollen hier nicht in die Tiefe gehen, denn dann müsste man die jüngeren Kollegen verärgern, die nicht mehr die Chance hatten, das Fach Orthopädie in seiner ganzen Breite von Ambulanz über Behindertenfürsorge, Gipssprechstunde, orthopädische Operationen, Orthopädieschuhmacherei, Osteologie, Physiotherapie, Rehawesen bis zu den Zusatzausbildungen Chirotherapie und Naturheilverfahren zu erlernen. Das bedeutet nicht, dass die Orthopäden etwas Besseres sind. Unfallbehandlungen und Sportmedizin machen die Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie sicherlich besser als die alten Orthopäden. Es ist nur nicht dasselbe und so ist es ein Witz vom Focus, Auszeichnungen zu verleihen für Leistungen, die man weder erbringen kann noch erbringen möchte.

    Daher begrüßen wir es sehr, dass das Landgericht München dem Focus jetzt zur Unterlassung dieser Scheinauszeichnungen verurteilt hat. Wer es nachlesen will: 4 HKO 14545/21 Ich hoffe nur, ich habe mit der Verlinkung der Quelle jetzt keinen Rechtsbruch begangen.

     

  • 2 Jahre Terminservicestelle

    Seit 2016 soll es die Terminservicestellen geben, für die Sondertermine bekommen Ärzte etwas mehr Geld. Vor allem: Sie bekommen Neupatienten im ersten Behandlungsquartal voll bezahlt,  die Patienten der Terminservicestelle unterliegen nicht der Budgetierung. Ende 2022 werden sie nach dem Willen von Herrn Minister Professor Lauterbach zur Rettung der Kassenfinanzen den anderen Patienten gleichgestellt, die Neupatientenregelung entfällt ersatzlos.

    Zeit, einmal zu schauen, was uns da so an Patienten entgeht:

    Wir hatten in der Zeit vom 1.1.21 – 12.7.22:

    • 157 Termine wurden von uns für die Terminservicestelle bereitgestellt, also 2 pro Woche.
    • 157 Termine wurden von der Terminservicestelle vergeben.
    • 8 Patienten haben abgesagt, weil ihnen der Termin nicht passte oder die Entfernung zu weit ist. 34 Patienten sind nicht erschienen und haben uns mehr Zeit für die anderen Patienten des Vormittages gelassen.
    • 115 Patienten sind zu dem vereinbarten Termin erschienen.
    • 64 der Patienten hatten kein Rheuma. Bei der Hälfte der Patienten haben wir das Rheuma ausgeschlossen. Die andere Hälfte hatte innerhalb der letzten 12 Monate schon einen Termin bei einem Rheumatologen und wollten gerne einen zweiten Rheumaausschluss.
    • 55 Patienten hatten ein Rheuma. Eine besonderes schnelle Terminvergabe über die Terminservicestelle war möglicherweise berechtigt.

    35 % aller dringend wegen eines Rheuma über die Terminservicestelle zugewiesenen Patienten hatten ein behandlungs- oder beobachtungsdürftiges Rheuma. Für ein Notfallverfahren ist das eine sehr schlechte Quote. Wenn wir von den Hausärzten Notfallfaxe mit einigen Angaben bekommen, steigt die Quote der berechtigten Notfälle auf 80%. Das wäre in Ordnung.

    50 % der Patienten hatten eine Anreise vom mehr als 100 km. Stade, Lüneburg, Seesen, Genthin, Bad Lauterberg – all das sind Orte, bei denen der Weg an mindestens 2 Rheumatologen vorbeiführt. Die meisten Patienten kamen mit 8 aus Hildesheim – einer Kleinstadt mit 3 Rheumatologen, allerdings auch mit einem riesigen Einzugsgebiet.

    Leider geht das Gemecker noch weiter: 67 Patienten, also mehr als die Hälfte, hatte zur Erstvorstellung über die Terminservicestelle keine Unterlagen dabei – kein Labor, keine Altbefunde, keine Röntgen- oder MRT-Berichte, manchmal noch nicht einmal die inhaltsleere Überweisung des Hausarztes mit dem Terminservicestellencode. Da unsere Mitarbeiterinnen regelmäßig und bei jeder Terminbestätigung oder – Neuvereinbarung sagen „Bitte Vorbefunde mitbringen!“, ist das eine Respektlosigkeit von Zuweisern und Patienten ohnegleichen. Ohne Unterlagen und Vorbefunde sinkt die Trefferquote, also die Qualität der ärztlichen Arbeit. Daher ist es geradezu eine Forderung des Qualitätsmanagementes, das Verfahren der Terminservicestelle nicht weiter zu unterstützen. Man tut allerdings der Minderheit an Ärzten, die ihre Patienten ordentlich vorbereitet auf die Reise schicken, weh.

    Von den 55 Patienten mit Rheuma, die über die Terminservicestelle kamen, waren in der Dringlichkeit zweifelhaft:

    • 4 Patienten, die gerade in einer Klinik eine Rheumadiagnose bekommen haben und einen Nachbehandler suchten. Die Nachbehandlung sollte die Klinik schon klären, wir nehmen den umliegenden Kliniken auch uns unbekannte Rheumapatienten ab. Dann sind wenigstens die Unterlagen verlässlich da.
    • 2 Patienten aus der eigenen Behandlung, die mit Hilfe der Terminservicestelle einen schnelleren Termin bei uns haben wollten – beide ohne nachvollziehbare Dringlichkeit, einmal ein geklemmter Finger und einmal „Medikamente alle!“.
    • 11 Patienten aus laufender Behandlung, die den Wunsch nach einem Behandlerwechsel hatten. Auch hier kamen 4 ohne Unterlagen, das haben wir abgelehnt – und 7 mit Unterlagen, die haben wir dann auch weiterbehandelt.
    • 8 Patienten, bei denen der Rheumaverdacht oder das sichere Rheuma seit Jahren im Raume standen und die aus Gründen, die nicht der Krankheitsaktivität lagen, plötzlich einen Behandlungswunsch hatten – dann aber dringend. Dabei war oft ein neuer Hausarzt – oder ein Facharzt, der selbst keine Vorunterlagen hatte, der Zuweiser. Aktenstudium hätte geholfen.

    Dreißig mal haben wir aufgrund einer neuen oder in den letzten Monaten zunehmenden Symptomatik Patienten über die Terminservicestelle bekommen, bei denen die Nutzung der Terminservicestelle richtig und nötig war. Das ist nicht einmal jede fünfte Zuweisung. Schade um den Aufwand für die Schaffung dieses Büromonsters.

    Wieso habe ich Zeit, so etwas zu schreiben? Weil die heutige Patientin der TSS nicht erschienen ist.

    Nachtrag 2.2.2023

    Mit dem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz wurde der Hausarztvermittlungsfall neu eingeführt. Hier bekommen die Hausärzte 15€ für die Vermittlung eines dringenden Patienten und wir 44 € fürs Abarbeiten am Anruftag oder Folgetag, 22 € für den 2.-4. Tag, also das, was wir so als dringliche Patienten reinbekommen. Und weil der Hausarzt für diese 15 € Unterlagen faxen muss, bekommen wir wirklich dringende Patienten.

    Über die Terminservicestelle bekommen wir die Patienten nicht vor dem 8. Tag, weil das die Software der TSS nicht hergibt, also 16 € und keinerlei Vorinformation. Lieber nehme ich mehr Hausarztvermittlungsfälle oder Notfälle ohne Unterlagen als über die Terminservicestelle. Das Projekt stirbt durch den Hausarztvermittlungsfall.

    Nachtrag 20.2.2023

    Heute habe ich den ersten und vorläufig einzige Terminservicestellenfall gesehen, der irgendwie zwischen die Hausarztvermittlungsfälle gerutscht ist. Der Termin wurde am letzten Mittwoch vergeben – wäre Zuschlag B oder 16 €. Der Patient wartet schon seit Januar auf einen Terminservicestellentermin. Die Wartezeit wurde mir mit angerechnet. So gab es kein Geld, aber Unmut über die Wartezeit.

     

  • Terminservice- und Vorsorgegesetz

    Herr Jens Spahn, Gesundheitsminister, hat das Terminservice-und-versorgungsgesetz in erster Lesung vorgestellt. Es klingt immer gut, wenn man die Warteschlangen der Patienten verkürzen will, aber es gibt da ein paar kleine Probleme, die ich hier mal laut schreiben will, damit man sie nicht mit den Patienten diskutieren muß.

    Arzthelferinnen lernen über 3 Jahre. Patientenmanagement, also die Einordnung von Patienten in dringend, normal und Fehlzuweisung ist dabei eine ihrer Kernkompetenzen. Die Zeit, die ein Arzt sich den Patienten zuwendet, ist eine der gefragtesten Ressourcen, begrenzt und bedarf daher der Planung und des Managements.

    Aktueller Status: Mein Terminkalender als Orthopädischer Rheumatologe ist mit 1200 Rheumatikern in Dauerbehandlung + 400 rein orthopädische Patienten wohlgefüllt. Die Wartezeit von 3 Monaten entspricht recht genau der Spanne, in der ich die Patienten sehen muss, um die Medikamentenverordnungen (und Physiotherapie, klinische, Kontrolle, Labor, Gespräche…) einmal im Quartal zu leisten. Mehr als ein Quartal im Voraus darf ich nicht auf einmal verordnen und der Gesetzgeber fände es weniger amüsant, wenn 2800 Packungen Biologika mit 4-5000 €/Packung im Quartal (= 14 Millionen Budgetüberziehung) ohne Arztkontakt rausgehen.

    Urlaubsplanung ist da schwierig, Krank werden darf man auch nicht. Neue Patienten gibt es durch das Notfallverfahren mit Hausärzten und durch die KV-Terminservicestelle. Bezahlung für die Terminservicestelle? Wie viele Spezialisten haben wir eine anerkannte Praxisbesonderheit, bekommen also bei Rheumatikern keine Abzüge wegen „zuviel Patienten“. Der Köder „Was von Terminservicestelle kommt, unterliegt nicht den Beschränkungen des Regelleistungsvolumens“ ist daher ein trauriger Witz. Wenn es Rheuma ist, unterliegt es sowieso nicht den Beschränkungen. Wenn es kein Rheuma ist, bekomme ich die Fehlzuweisung voll bezahlt. Die Terminservicestelle fördert also in der Konsequenz die falschen Patienten.

    Wenn die Kollegen Hausärzte gute Gründe für eine Zuweisung haben, bekommen sie schnell (unter einer Woche)Termine. Fax mit Unterlagen reicht. Nach meiner Erfahrung sind 70% der vom Hausarzt als dringend mit Unterlagen zugewiesenen Patienten wirklich dringend behandlungsbedürftig (gute Quote). Zuweisungen von Fachärzten (Orthopäden, Dermatologen, Augenärzte, nichtrheumatologische Internisten) sind fast immer Treffer. Über die Terminservicestelle kommen 20 % sinnvolle Zuweisungen, meist ohne Unterlagen. Bei den Selbstzuweisern liegen um 5% der sich auf Rheuma verdächtigenden richtig.

    Ein Ausbau der Terminservicestelle fördert also die niederqualifizierte Zuweisung, die wir eben nicht haben. Wenn der Hausarzt für die Terminvermittlung zum Facharzt Geld bekommt, nimmt das noch zu. Förderungswürdig ist die qualifizierte Zuweisung, wie es Projekte wie Rheuma-Vor zeigen. Hier bekommt der Hausarzt sein Geld für Treffer und die Anfrage wird nur mit Begleitinformationen bearbeitet. Der Hausarzt kann gern Geld bekommen, wenn er den Patienten mit seinen vorhandenen Unterlagen anmeldet, damit wenigstens die Telefoniererei zum Vorbefunde suchen aufhört. Ob der Verdacht richtig ist, wäre mir egal. Begründet muss ein Verdacht sein.

    Der derzeitige Stand, wo gelegentlich Patienten über die Terminservicestelle ohne Unterlagen und ohne jegliche Dringlichkeit kommen, weil sie 50 € für die IGEL-Leistung „Drängelcode“ gezahlt haben, ist wirklich Zweiklassenmedizin.

    Zur offenen Sprechstunde: 5 Stunden mehr müssen irgendwoher kommen. Natürlich können wir anstelle von 36 Stunden Sprechstunde jetzt 41 Stunden öffnen. Ärzte sind manchmal so obrigkeitshörig und altruistsch. Ich glaube nicht, dass das mit den Gewerkschaften der Medizinischen Fachangestellten abgeklärt ist. Frau Nahles und Herr Sozialminister Heil würden die Arbeitszeitverlängerung auch nicht lustig finden.

    Also müssen wir zur Einhaltung des Gesetzes 5 Stunden aus dem aktuellen Terminkalender reservieren und damit 1/7 der Bestandspatienten rein rechnerisch zur Suche nach einem neuen Arzt auffordern.

    Dafür habe ich dann eine offene Sprechstunde. Ich habe keine Angst vorm rumsitzen. Planen und Dringlichkeiten sortieren soll ich nicht. Also kommt dran, wer in der Stunde danach fragt. Das wären dann etwa ein Patient pro Minute, also 60 Patienten. (Der Schätzung liege die Nachfrage zugrunde, die unsere Telefonanlage in Spitzenzeiten an Anrufen von verschiedenen Nummern hat). Klingt nett, geht aber auch wieder nicht.

    In der Realität werde ich zwanzig Minuten vor Praxisbeginn eine Liste mit 5 Behandlungsplätzen für den laufenden Tag auslegen und nach einer Minute gefüllt wieder einsammeln. Man sollte die Anmelder dieser Liste zeitlich und räumlich von den geplanten Patienten trennen. Ab dem sechsten Patienten, der dann nicht mehr berücksichtigt wird, gibt es Mißmutsbekundungen, üble Schimpfereien, Beleidigungen und gelegentliche Gewaltausbrüche. Das kann ich im Rahmen meiner Fürsorgepflicht weder meinen Mitarbeiterinnen noch den anderen Patienten zumuten. Also mache ich es selbst oder betraue einen Wach- und Schließdienst mit dem Job.

    Die Patienten, die keinen Termin bekommen haben, stehen am nächsten Tag etwas früher da. In der räumlich getrennten Schlange kann man sich leicht ausrechnen, wenn man wieder nicht dran ist. Ich kenne eine derartige Logistik aus meinem Elternhaus in der DDR. Es gab vormittags 24 offene Plätze, die Liste war innerhalb von zehn Minuten voll. Wenn ich als Jugendlicher nachts um zwei nach Hause kam, ging irgendwo eine Autotür auf und jemand sagte „Du bist die Elf. Pass auf und sag dem nächsten Bescheid!“, manchmal auch „Ich bin die Vierundzwanzig. Morgen eher aufstehen!“ Gelegentlich gab es Patienten, die zum Feierabend das warme Wartezimmer verließen, um draußen auf die Liste des nächsten Tages weiterzuwarten wie bei einer Premiere vom Iphone oder Starwars. Es gab auch ein paar Geschäftstüchtige, die sich – nicht umsonst – für andere anstellten. Benachteiligt wurden die schwerer Kranken, die keine Nacht im Freien durchstehen.

    Die Liste hatte freilich den Vorteil, dass kein Patient wegen Bagatellen in der Sprechstunde auftauchte. Auch Patienten ohne Unterlagen waren selten, niemand möchte zweimal stehen, weil er schlecht vorbereitet kommt. Es ist trotzdem kein wünschenswerter Zustand.

    Dieser Unfug – planlose Schlange mit allen ihren Nebenwirkungen – steht uns bevor, wenn wir eine offene Sprechstunde einrichten müssen, anstatt uns und die ferne Berliner Regierung damit zu beschäftigen, wie wir

      • die Zuweiserqualität erhöhen können, also schon vom Hausarzt die Schwerkranken früher und die Wanderpatienten garnicht zugewiesen bekommen.
      • dabei dem Zuweiser Kommunikationskanäle zur Verfügung stellen, in denen er seine Informationen einfach, strukturiert und zügig loswird.
    • die Budgets abgeschafft werden. Problem: die einfachen, ausdiagnostizierten, stabilen Behandlungsfälle verstopfen die Praxen mit ihrem berechtigten Wunsch nach Wiederholungsrezepten. Warum soll der Hausarzt nicht auch die regelmäßige Physiotherapie aufschreiben oder der Facharzt  die anderen Medikamente mitverordnen. Das spart Zeit für alle. In den stabilen Dauerpatienten stecken riesige Zeitreserven für die Ärzte. Physiotherapie wird derzeit in ihrem Wachstum von der Behandlungskapazität der Leistungserbringer begrenzt, nicht vom Budget. Das Heilmittelbudget ist sinnlos geworden.

  • Wartezeit und andere Dauerbaustellen

    Wartezeit und andere Dauerbaustellen

    Wenn man zum Arzt geht, erwartet man Lösungen für Probleme – und das möglichst schnell, freundlich und kompetent. Leider ist diese Erwartung ebenso berechtigt wie unrealistisch. Hier sind die Top 10 der Enttäuschungen in einer Arztpraxis:

    1. Wartezeit

    Eine gute Lösung des Wartezeitproblems ist schwer vorstellbar: Entweder wird mit Terminen gearbeitet, dann steigt mit steigender Nachfrage die Wartezeit schnell in den mehrwöchigen Bereich an. Einige der umliegenden Rheumatologen nehmen keine  neuen Patienten mehr an, damit steigt der Druck auf die, die das noch versuchen.

    Oder man vergibt die Termine arbeitstägig an die Patienten, die gerade vor dem Tresen stehen und macht irgendwann einen Schnitt: „Nach Ihnen heute keiner mehr!“.  Dann entsteht jeden Morgen eine wütende Masse von 20-40 Patienten auf der Treppe, die das Personal schon am Öffnen der Praxistür hindert. Auch die Unmutsäusserungen der ersten, die keinen Termin bekommen, sind fürs Personal schwer zu verkraften.

    Derartige Zustände kennen wir aus unseren Ausbildungszeiten. Eine den kompletten Arbeitstag füllende Warteschlange schon morgens um drei und Patienten, die vor der Praxis übernachteten, waren keine Seltenheit. Daher haben wir uns für die Führung einer Terminpraxis entschieden.

    Das bedeutet, keine Patientenannahme ohne Termin!

    Termine gibt es (Stand Juli 2017) bei Frau Dr. Sensse für die Kinderorthopädie nachmittags innerhalb 4 Wochen, für die Osteologie und die allgemeine Orthopädie vormittags innerhalb 4 Wochen. Rheumatologie und eine Erwachsenensprechstunde am Nachmittag bietet Frau Dr. Sensse nicht an.

    Bei Herr Dr. Sensse gibt es Termine für Orthopädie, Rheumatologie und Osteologie innerhalb von 18 Wochen. Das ist gegenüber 4-6 Wochen bei anderen Orthopäden im Umkreis lange, gemessen an den 6-9 Monaten Wartezeit beim Rheumatologen in Braunschweig und Hannover ist es relativ kurz.  Eine Kindersprechstunde bietet Herr Dr. Sensse nicht an. Leider steigen die Warteschlangen derzeit pro Monat um etwa eine Woche an.

    2. Notfalltermine

    Jeder Mensch, der Schmerzen hat, sieht eine Dringlichkeit. Recht hat er! In der Orthopädie ist 90% aller Konsultationsgründe ein Schmerz. Damit können wir Schmerzpatienten nicht vorziehen, es bliebe niemand hinten und so nutzt das Vorziehen niemand.

    Dringende Termine gibt es  bei klar umrissenen Krankheitsbildern:

    • Frisch Verletzte behandeln wir ohne Termin wie die meisten anderen auch. Verletzungen kann man nicht planen. Frisch ist eine Verletzung aus den letzten 3 Tagen, die noch kein anderer Arzt gesehen hat.
    • Dringende Rheumaabklärungen kann der behandelnde Hausarzt oder Facharzt mit dem Zuweisungsformular per Fax anmelden. Patienten selbst haben in der Regel nicht die nötigen Unterlagen, um sich anzumelden.
    • Rheumatologische Frühsprechstunde ist ein Projekt, zu dem Kriterien zu erfüllen sind:
      – neu oder wiederholt aufgetretene weiche Schwellung eines oder mehrerer Gelenke seit maximal 3 Monaten
      und zusätzlich eines der zwei folgenden Kriterien:
      – Morgensteifigkeit der Gelenke, die mindestens 30 Minuten oder länger andauert
      – erhöhte Entzündungsparameter (BSG oder CRP). 
      Das machen wir gern, weil bei frischem Rheuma die Behandlungschancen besonders hoch sind. Auch das läuft über das Anmeldeformular.
    • Im Bereich Osteologie nehmen wir frische Frakturen und Frakturverdachte der Wirbelsäule kurzfristig. Das entsprechende Faxformular für Hausärzte wird gerade abgestimmt.
    • In der Kinderorthopädie ist ein frisch aufgetretenes Hinken bei Vorschulkindern und die Säuglingssonographie ein Grund für extraschnelle Termine.
    • Dringende Facharzttermine verteilt die TerminServiceStelle unter der Telefonnummer 0511-56 99 97 93 montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, wenn Ihr Hausarzt Ihnen einen entsprechenden Code ausgestellt hat. Eine freie Arztwahl hat man dann nicht mehr. Wir bekommen die Patienten von Lüneburg über Stendal, Goslar bis Nienburg über die Terminservicestelle zugewiesen.
    • Rücküberweisungen von Patienten, die wir in ein Krankenhaus eingewiesen haben und Management von Komplikationen eigener Behandlungen benötigen keinen Termin.

    Aber das war es dann auch schon mit der Dringlichkeit. Um das oben genannte zu leisten, müssen alle anderen warten.

    3. Der Arzt hat viel Zeit

    Der Arzt möchte viel Zeit haben.  Leider stehen 720 Sprechstunden im Quartal 2500 Patienten  gegenüber – das sind 18 Minuten pro Patient. Diese 18 Minuten stehen nicht pro Termin, sondern für alles: Erstuntersuchung, Folgetermine, Auswertung, Aufklärungsgespräch – oft drei Termine vom Erstkontakt bis zur laufenden Therapie. Erfreulicherweise gibt es immer mehr Patienten, die gut eingestellt sind und nur ihre Weiterverschreibungen plus Routinekontrollen  benötigen, das geht schneller als 18 Minuten.
    Dafür kann man für einen neuen Rheumatiker mit 15 erkrankten Gelenken und inneren Beteiligungen, einen Menschen mit psychosomatischem Krankheitsbild, einen älteren Menschen mit eingeschränktem Aufnahme-, Seh- und/oder Hörvermögen oder einen der vielen, die kaum ein Wort Deutsch verstehen, leicht eine Stunde benötigen. Es ist immer zu wenig Zeit!

    Viele Aufklärungen laufen über schriftliches Aufklärungsmaterial und Ermunterung zu Patientenschulungen und Selbsthilfegruppen. Fragen werden beantwortet, wenn die Fragelisten nicht ausufern. Vor Beginn von Rheumatherapien gibt es 24 Stunden Bedenkzeit. Trotzdem bleibt vieles ungesagt.

    4. Folgerezepte

    „Ich brauche doch nur ein Rezept!“  ist der häufigste Wunsch am Tresen vorn in der Praxis. Steigerung für einen Fehlschlag ist „Ich brauche das Rezept für meine Schwiegermutter!“ – und die Chipkarte ist auch nicht dabei.

    Es gibt wie so oft verschiedene Konstellationen:

    Medikamente
    • Fortführung einer laufenden Therapie mit Schmerzmitteln oder Osteoporosemedikamenten – kein Problem, wenn die Therapie läuft und es nicht gerade ein Betäubungsmittelrezept bei starken Schmerzmitteln sein soll. Das geht in der Regel ohne Termin. Absolutes Minimum ist trotzdem ein Arzttermin im Jahr.
    • Fortführung der laufenden Rheumatherapie – da gibt es diverse Laborabnahmepflichten von 4-wöchig bis halbjährlich je nach Medikament. Die Dauerpatienten haben ihre Termine und ihre Rhythmen. Aber manchmal gab es verpasste Termine oder andere Unplanbarkeiten. Dann kann man helfen, wenn entweder gültige Laborbefunde aus den letzten 6 Wochen da sind oder wir die Chance haben, die Blutabnahme schnell zu machen. Das kostet Zeit und Nerven und geht meistens, aber nicht immer.
    • Der Wunsch nach einem anderen Medikament oder Dosiserhöhung – so etwas muss in jedem Falle der Arzt klären und dazu braucht es ein Zeitfenster.
    • Betäubungsmittelrezepte gibt es auch nur, wenn regelmäßige Kontrollen stattfinden – eigentlich selbstverständlich.
    Heilmittel (Krankengymnastik / Ergotherapie)

    Hier haben wir ein Problem mit dem Sozialgesetzbuch § 32 Heilmittel und der Heilmittelrichtlinie. Die sagt: „Vor der Verordnung von Heilmitteln muss sich der Arzt unter Einbezug entsprechender Diagnostik vom Zustand des Patienten überzeugen und diesen dokumentieren. Dies gilt auch für Folgeverordnungen.“ Das bedeutet im Klartext: Keine Heilmittelrezepte ohne Untersuchung und Dokumentation – und das ist ohne Termin schwer vorstellbar.

    5. Pharmaindustrie

    Wieso bekommt mein Arzt Geld von der Pharmaindustrie? Grundsätzlich darf ein Arzt für die Verordnung von bestimmten Medikamenten, die Empfehlung bestimmter Physiotherapeuten, Krankenhäuser oder Orthopädietechniker kein Geld (und keine geldwerten Vorteile) annehmen. Dagegen hat man die Straftatbestände der „Bestechlichkeit im Gesundheitswesen“ (§ 299a StGB) und der „Bestechung im Gesundheitswesen“ (§ 299b StGB)  geschaffen. Die große Koalition hat da viel Lärm gemacht, verboten war es vorher auch schon.

    Der Grund der Geldflüsse ist ein anderer, legal und sinnvoll: Es gibt immer wieder neue Medikamente. Alle in Deutschland verordnungsfähigen Medikamente  sind an Patienten erprobt und zugelassen, trotzdem ist die Datenlage zu Wirksamkeit, Risiken und Nebenwirkungen oft dünn. Dann laufen in den ersten Jahren der Post-Marketing-Phase die sogenannten Anwendungs-beobachtungen. Da werden im Google-Prinzip (Daten erstmal sammeln, ob wir eine Struktur darin finden, und was wir damit machen, verraten wir nicht immer) Informationen gesammelt und dann für Sicherheitsinformationen (gut so) und Marketing (blöd, aber legal) geschürft und aufbereitet.

    Wir sollen viele Daten zu den Medikamenten und den Patienten, die sie bekommen, sammeln, uns die datenschutzrechtliche Einwilligung der Patienten holen, dann alles anonymisieren, in Computer eintippen und dann der Pharmaindustrie zur Verfügung stellen, damit die es wieder ihrer (staatlichen) Aufsichtsbehörde zeigt. Das ist richtig Arbeit, bis zu 3 Stunden pro Patient. Das kostet Arbeitszeit und dazu muss man erstmal motiviert werden. Üblicherweise wird man in der Bundesrepublik Deutschland mit Geld motiviert.

    Alternativ könnte man natürlich zu allen neuen Medikamenten eine öffenlich finanzierte Studie für alle machen. Dann wären die Daten sauberer, weil alle erfasst würden, und der Vorwurf der Bestechlichkeit wäre weg- allerdings auch öffentliche Gelder.

    6. Telefonische Erreichbarkeit

    Wir haben eine neue Telefonanlage, für die eingehenden Gespräche gibt es eine einfache Fritzbox. Hier können wir jeden Tag unter „Anrufe“ sehen, wie viele und welche Anrufer uns zu erreichen versuchen.

    Statistik 26.6.17:

    Anrufversuche: 250 von 112 verschiedenen Nummern

    Angenommene Gespräche : 68

    Das heisst: trotz zweier offener Leitungen sind nur zwei Drittel der Anrufer irgendwann durchgekommen und drei von 4 Gesprächsversuchen endeten auf einem Anrufbeantworter. Trotzdem haben die, die durchkamen, auch heute wieder die Warteschlange um 3 Tage verlängert. es gab auch schon Tage mit 700 Anrufversuchen. Da kamen auch nur um die 70 durch.

    Zusammenfassung: Die telefonische Erreichbarkeit bleibt schlecht, solange wir mit Terminwünschen überrannt werden.

    Und da wir eine Arztpraxis betreiben und kein Callcenter, werden wir auch nicht zwei weitere Leitungen freischalten, damit nicht zwei, sondern vier Mitarbeiterinnen den ganzen Tag am Telefon sagen können:

    • Nein, ich habe wirklich keine kurzfristigen Termine.
    • Nein, es hat auch niemand abgesagt.
    • Nein, wir rufen nicht zurück, wenn jemand absagt. Wir werden die Termine sofort wieder an Patienten los, mit denen wir schon ein Behandlungsverhältnis haben.
    • Nein, Notfälle kann ein Arzt feststellen, nicht der Patient. Also gibt es am Telefon auch keine Notfalltermine.
    • Nein, telefonische Sprechstunde können wir mangels Zeit auch nicht anbieten.

    Punkte 7-10

    werden später geschrieben, das Thema ist einfach deprimierend.

  • Nach langer Zeit wieder online

    Nach diversen Virenangriffen und einer längeren Sperre durch HostEurope geht die Praxishomepage wieder online.  Aber noch ist das hier eine Baustelle.