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  • Telematikinfrastruktur und andere Lästigkeiten 2

    20.11.2025

    „Vielleicht kann man ja mit 90 Jahren im Bundestag noch rumdödeln, ohne dass es einer merkt. Aber mit 90 kann man kein Dach mehr decken.“ Gregor Gisy

    Patienten beschwerten sich, weil wir in die elektronische Patientenakte Dokumente einstellen, die sie nicht lesen können. Anfangs habe ich gesagt: Das liegt alles an der doofen Audi-BKK, andere können das (und lag damit nicht so falsch). Nun häuften sich die Beschwerden, also bin ich der Sache auf den Grund gegangen. Wenn ich bei bestimmten Kassen Dokumente einpflege, werden unsere Dokumente beim Hochladen als Brief, die von anderen Praxen als PDF markiert. Die Formale sind unterschiedlich.

    Nachschau bei unseren Altakten: Vor 2024 haben wir normale PDFs hochgeladen, das Problem besteht seit Mitte des Jahres. Also hab ich auf eine „Spielakte“ lauter alte Briefe hochgeladen, die schon einmal problemlos hochgeladen wurden. Jetzt wurden sie nicht mehr als PDF erkannt. Nachfrage bei der CGM-Medistar-Hotline: Das Problem war dort nicht bekannt und konnte auch nicht erklärt werden.

    Jetzt habe ich eine freundliche Mail vom second-level-Support (also der höheren Einsicht): Eine Umstellung in PDF wird wahrscheinlich nicht stattfinden. MEDISTAR bleibt beim XML. Patienten die bei RISE ihre Akte haben (IKK,BKK usw.) können aktuell die Briefe nicht öffnen. Es wurde ein Fehler bei RISE festgestellt. RISE hat angegeben, dass der Fehler noch in diesem Quartal gefixt werden soll. D.h. das Problem sollte sich spätestens Anfang nächsten Jahres lösen, ohne dass MEDISTAR noch etwas beisteuern muss.

    Aus der Antwort ergeben sich neue Fragen:

    • Wer ist RISE? RISE ist ein Dienstleister für Krankenkassen, der die elektronischen Patientenakten hostet.
    • Was ist XML und was unterscheidet es von PDF-A? PDF ist ein letztlich nur visuelles Datenformat, das man hinterher nicht spurenarm verändern kann. Die maschinenlesbare und weiterverwendbare XML-Datei kann man dranhängen – muss man aber nicht.
    • Was ist Standard in der elektronischen Patientenakte? Standard ist PDF-A, soweit ich die Quellen richtig gedeutet habe.
    • Wer zur Hölle ermächtigt dann Medistar, ein anderes als das Standardformat zu wählen und zu verwenden und dann auch noch so zu tun, als hätten die Entwickler von RISE den Fehler gemacht? Ich weiß es nicht. Aber es kotzt mich an, denn in der Folge stehen wir so da, denn bei 40% unserer Patienten (Audi-BKK, Ersatzkassen) stehen wir jetzt so da, als wären wir zu blöde, einen e-Arztbrief in die elektronische Patientenakte zu laden.

    05.11.2025

    Wieder einmal veräppelt uns Medistar. Letzten Montag bekamen wir ein Paket im „Verfahren der sicheren Lieferkette“. Ein Postbote kam mit einem Paket. Adresse und Name stimmten, aber er wollte einen QR-Code sehen. Also ging er wieder und nahm das Paket wieder mit. Zwei Tage später kam eine Mail mit dem QR-Code und der Paketankündigung. Gestern kam die Postbotin wieder, nun ist das Paket da. Drin war unser neues Chipkartenlesegeräte, mittlerweile sind drei von 6 wegen Überalterung der verlöteten Batterie ausgefallen.

    Weiter mit dem Kommunikationsstörungen: Es gab 2 Mails, im CGM-Portal sei eine neue Rechnung abzurufen. Also hab ich das Portal geöffnet, eine Rechnung über 450 € für das neue Chipkartenlesegerät zur Kenntnis genommen und versucht, sie abzurufen. Heruntergeladen wurde eine PDF mit 0 KB. Das kann ich weder lesen noch bezahlen. Also warte ich auf die erste Mahnung, die kommt mit der Post – und ist lesbar.

    03.11.25

    „Ein Logo ist dann gut, wenn man es mit dem großen Zeh in den Sand kratzen kann.“ Kurt Weidemann, Typograph

    Wir arbeiten jetzt mit KI! Klingt gut, ist aber sinnarm und banal. Bei einer Durchsicht eines fremden e-Arztbriefes habe ich nicht herausbekommen, wo und als was der Kollege arbeitet – es war nur der Name drauf. Also hab ich unseren eigenen e-Arztbrief angeschaut. Name, Adresse und Telefonnummer sind drauf, aber die Fachrichtung steht nur in den Metadaten. Natürlich könnte ich als Strasse Hamburger Strasse 144, 38518 Gifhorn eingeben und als Ort „Fachärzte für Orthopädie, Kinderorthopädie und Rheumatologie“. Dann steht alles drauf. Ich weiß allerdings nicht, welche Folgefehler das wieder macht. Also hab ich lieber ein Praxislogo mit Midjourney designt. Das rechte Bild hat besser gefallen.

    So weit, dass ich Patientendaten in die KI einfüttere, traue ich der Technik noch nicht. Zum Angeben reicht eine KI-Anwendung. Es ist eine spannende Technik, die uns alle irgendwann überflüssig macht: Ärzte, Rechtsanwälte, Mediendesigner, Menschen.

    08.10.25:

    Eine Mail zum Ausbaustand des Glasfasernetzes in Gifhorn: Leider ist aufgrund der Komplexität des gesamten Ausbaus eine Prognose aktuell nicht möglich. Alle Kunden, die Verträge in der Nachvermarktung abgegeben haben, werden zeitnah zu Aktionen, die ihre Liegenschaft betreffen, kontaktiert.

    Bis dahin bedanken wir uns für Ihre Geduld. Mit freundlichen Grüßen Ihr GIFFInet Team.

    Das ist eine typische deutsche Parlamentsanfragenantwort:

    • sie ist kurz
    • sie ist höflich
    • ich weiß hinterher genauso wenig wie vorher.

    06.10.25

    Wenn Du alles hast, kommt der Rest von ganz allein. Bardutzky, Dennis

    Positive Überraschung: Am 1.6. kam das Update von Medistar, lief problemlos, am 2.10. das IFAP-Update von Medistar, zum ersten Mal gleich mit dem aktuellen Datenstand vom 1.10.25 und heute morgen funktionierte alles. Die Rechner sind nur wie so oft nach Updates sehr langsam – sie müssen wohl erstmal irgendwelche Tabellen und Puffer aufbauen. Funktionssicherheit ist gut, leider nicht selbstverständlich. Was kostet diese Normalität? Im letzten Jahr 6928 € an CGM Medistar, also 19 € jeden Tag. Teuer.

    30.9.25

    Wer denkt, Abenteuer seien gefährlich, solle es mal mit Routine versuchen. Die ist tödlich. Paulo Coelho, brasilianischer Schriftsteller

    Heute ist der letzte Tag des Quartals, Abrechnung. Zum ersten Mal seit langem kam an den letzten 3 Tagen kein Schnellschuss-Update von CGM Medistar. Das kann ein gutes Zeichen sein, muss es aber nicht.

    Für heute hat sich eine Kundenbetreuerin von Medistar angesagt. Ich habe ihr zu Ehren noch einmal die Reaktionszeiten unseres Systems gemessen: Der erste Brief kommt nach 2:13 Minuten aus dem Computer ins Netz, Folgebriefe codiert Medistar in 57 Sekunden. Das ist zu lange. Ein E-Rezept dauert 27 Sekunden, gesetzliche Vorgabe sind 2 Sekunden. Am Tag verlassen uns 90 Rezepte, das sind 45 Minuten oder drei Patientenbehandlungsplätze. Der Knaller sind die Reaktionszeiten des e-Arztbriefes. Heute morgen waren es 8:30 Minuten vom Eingeben des Kommandos „COMM“ bis zum Erscheinen des ersten Objektes im Posteingang. Zur nächsten Post benötige ich mit dem Fahrrad nur 7 Minuten. Immerhin hat die e-Post keinen Rückweg, also eindeutiger Vorteil für die elektronische Variante. Gegen 10 Uhr hat die Kundenbetreuerin wieder abgesagt, sie traut sich angesichts der vielen Unzulänglichkeiten von Medistar nicht nach Gifhorn.

    Fehler des Tages ist eine Mitteilung einer elektronischen Patientenakte: unbekannter Fehler, die exakte Ursache wird dokumentiert. Wie denn, wenn der Fehler unbekannt ist? Die entsprechenden Logfiles waren leer.

    Ganz traurig schaue ich derzeit jeden Tag vor unsere Praxistür. Erst wurde ein großer Graben aufgerissen, dann wurden eine Stromleitung und ein Leerrohr für Glasfaser reingelegt. Zum Schluss wurde ein kleiner Graben mit dem Leerrohr bis 2 Meter vor unseren Praxiseingang gelegt. Und dann kam ein Team und hat in das Loch eine Strassenlaterne gepflanzt. Wieder kein Glasfaser-Internet. Schade.

    Nächstes Grummelthema: Seit dem ersten August soll es möglich sein, eine elektronische Versichertenbescheinigung durch die Gegend zu schicken. Ich habe noch keinen Patienten, dessen Krankenkassenapp das kann, für den Testlauf gewonnen.

    18.9.25

    Aus Fehlern kann man lernen, muss es aber nicht. Georg-Wilhelm Exler

    Wenn EDV, Röntgen und Knochendichtemessgeräte laufen, fällt halt der Ultraschall aus. Mein drittes Auge, das Ultraschallgerät, meldet seit 2 Wochen, sein Speicher sei zu 70 % gefüllt, es habe wenig Reserven. Irgendwann hat es dann gemeint, es könne keine neuen Patienten aufnehmen, es habe nur noch 30% Reserven. Das war so ziemlich der sinnloseste Geräteausfall der letzten Zeit. Mit Hilfe von Herrn Hering, Sonotechnik Hering in Bad Harzburg, ließ sich dann das Problem am Telefon einkreisen und in 3 Nächten lösen: Obwohl alle Ultraschallbilder auf einen großen Server gehen, werden sie lokal gespeichert. Das waren dann 12.000 Untersuchungen in 3 Jahren – ich wusste gar nicht, dass ich so viel arbeite. 4000 Löschungen schaffen die modernen Alpinion ecube 12 am Tag, also war mein Gerät in drei Nächten sauber und wieder schneller. Etwas übler sind die in die Jahre gekommenen Samsung H60 – sie waren mit der Zeit sehr langsam geworden und selbst das Neuaufsetzen des Betriebssystemes nutzte nichts. In der ersten Nacht habe ich das Gerät meiner Frau von 13.000 auf 8.00 Bilder zusammengelöscht, seitdem arbeitet es wieder tadellos. Bei mir sind schon gute Wirkungen der Verkleinerung des Datengrabes von 24.000 über 19.000 auf aktuell 15181 Untersuchungen (a 20 Bilder) zu merken. Aber das werden noch 5 Nächte, wo man abends de Löschfunktion anwirft und morgens sieht, dass das Gerät wieder viel, aber noch lange nicht alles geschafft hat.

    Fazit: Datenschutz (alles unbemerkt doppelt und dreifach speichern) ist ein Übel.

    02.09.2025

    Erst gestalten wir unsere Werkzeuge, dann gestalten sie uns – John Culkin

    Es gab heute lustige Post von der Gematik: Eine Onlinebefragung zur nationalen Digitalisierungsstrategie. Immerhin habe ich dadurch erfahren, dass es eine nationale Digitalisierungsstrategie gibt. Das Lesen erinnert mich an die Wettervorhersagen zum ersten Mai in der DDR: Schön, optimistisch und von jeder Realität losgelöst.

    In der Befragung kam auch EHDS zur Sprache. Zitat: Europa wächst im Bereich Digital Health immer weiter zusammen. Mit dem European Health Data Space (EHDS) soll insbesondere der sichere, grenzüberschreitende Zugang sowie die Nutzung von Gesundheitsdaten in Europa ermöglicht werden. Innerhalb von 5 Jahren sollen, wenn ich das richtig verstanden habe, Gesundheitsdaten europaweit zur Verfügung stehen. Ich wäre schon ganz froh, wenn das zwischen Gifhorn, Wolfsburg und Meine funktionieren würde.

    Weiter ging die Befragung mit der KI: „Künstliche Intelligenz ist ein zentrales Innovationsthema, das zukünftig alle drei Handlungsfelder der Strategie beeinflussen wird. Bitte teilen Sie uns Ihre Einschätzungen und Erwartungen zum Einsatz von KI im Gesundheitswesen mit! “ Nun weiß ich endlich, womit sich die armen Digitalstrategen beschäftigen müssen. Für unsere täglichen Probleme wie bummelndes Internet und Hunderte täglicher Mikropausen wegen Warten auf die e-Rezepte, e-Arztbriefe und e-Patientenakten hat man da natürlich keine Zeit. Kurze Einschätzung zur KI: KI ist nur ein Computer: Kommt Mist rein, kommt Mist raus. Wir brauchen eine funktionierende EDV und eine lange Schulung der Bediener, bevor wir uns mit den Ergebnissen des „Nachdenkens“ der KI beschäftigen können. Verlassen können wir uns auf die KI nicht.

    01.09.2025

    KI ist wahrscheinlich das Beste oder das Schlimmste, was der Menschheit passieren kann.“ – Stephen Hawking, Physiker

    Seit wir das Fachportal Gematik kennen, suchen wir die EDV-Ausfälle nicht mehr bei uns selber. Das war diese Woche zweimal der Fall.

    Das Ärgernis der Woche lieferte diese Woche wie so oft die Firma CGM Medistar mit ihren Rechnungen. Man schickt die Rechnung nicht mehr direkt, man teilt mit: Schauen Sie ins Portal, dort wartet eine Rechnung auf Sie! 2 tage später kam die nächste Mitteilung: Schauen Sie ins Portal, die Rechnung über 931 € ist bezahlt! Das freut mich, denn CM hat mehrfach vierstellige Beträge ohne Rechnung abgebucht und deshalb keine Abbuchungsgenehmigung.

    Also hab ich erst auf die Konten geschaut, ob irgendwo 931€ fehlen und dann Medistar angeschrieben, wer das denn bezahlt hätte. Antwort: Jawohl, Geld ist da, alles in Ordnung! Nochmalige Anfrage, wo denn das Geldherkommt: Es kam genau unsere IBAN zurück. Schön! Medistar bekommt Geld und ich zahle nicht, eigentlich ein Traum. Aber am Freitag kam eine Mahnung über 934 € – 931 € fehlen und 3 € wegen Rücklastschrift.

    Des Rätsels Lösung: Wir hatten Mitte 2024 nach 3 Jahren korrekter Rechnungen CGM Medistar wieder eine Abbuchungsgenehmigung erteilt, aber unsere Hausbank nicht über das Ende der Sperre informiert. Da wir Rechnungen nach Erhalt bezahlen, kam es nie zur Abbuchung. Jetzt gehen die Rechnungen nicht mehr per Mail zu uns, sondern in ein Portal, wo ich anfangs noch nicht einmal Zugangsdaten hatte und so nahm das Unheil seinen Lauf.

    Zweite Erkenntnis: Das Portal ist ein sinnloser Zeitfresser. Es markiert Rechnungen als „bezahlt“, wenn CGM Geld angefordert hat. Das bedeutet nicht immer, dass man das Geld auch bekommen hat.

    21.08.2025

    Schweinefleisch essen ist gesund. Zumindest explodieren Menschen, die Schweinefleisch essen, seltener in der Öffentlichkeit.

    Heute streikt der e-Arztbrief. Die Mitarbeiterinnen beschwerten sic, das System laufe langsam. Auf dem CGM-Radar ist keine Störung zu sehen. Ich habe die Hotline erreicht und die meinte:: Deutschlandweites Problem, kann man auf https://fachportal.gematik.de/ti-status/ sehen. Ok, dann schreiben heute keine e-Arztbriefe. Die anderen Funktionen von KIM (e-Krankschreibung, e-Versichertennachweis) brauchen wir noch nicht.

    Und dann hat sich das nächste Netzteil eines Computers verabschiedet. Montag wurde ein Neues per Overnightservice von Amazon bestellt. Dienstag kam die Mitteilung, es verschiebe sich auf Mittwoch. Jetzt ist Donnerstag, noch ist kein neues Netzteil da.

    18.8.25

    In den letzten 2 Wochen ist so viel elektronisches Chaos über uns hereingebrochen, das keine Zeit zum Bloggen war. Reparieren geht vor.

    Am 4.8. – letzter Urlaubstag – war ich schon mal in der Praxis, alles probeweise hochfahren, 2 Updates Medistar, eins IFAP Medikamentendatenbank und ungezählte Updates Windows 11. Alles lief.

    Am 5.8. fiel gleich zum Start der linke Tresenrechner aus – also der mit dem Chipkartenlesegerät. Das ist ein Problem, wenn am ersten Tag nach dem Urlaub die Patienten einmal die Treppe runter bis zur Straße Schlange stehen und sich mit denen, die mit dem Fahrstuhl an der Schlange vorbeifuhren, Rangkämpfe um die Warteposition liefern.

    Ich habe den Rechner in einer Pause schnell zum benachbarten Computershop PC-Teufel gebracht. Die Firma ist erloschen. Einen hauptamtlichen Computerservice scheint es in Gifhorn nicht mehr zu geben. Am Abend hatte ich dann Herrn Graf vom IT-Service 38 kennengelernt. Er nahm den Rechner 18.00 Uhr noch  an und sagte zu, ihn am Folgetag durchzusehen und einen Kostenvoranschlag zu erstellen. 18.30 Uhr war  ich zu Hause und hatte schon die Info: Netzteil tot, nichts Schlimmes. Also ab zu Media-Markt – Netzteil kaufen, um dort zu erfahren, dass Media-Markt keine Computerteile mehr führt. Zurück zu IT-Service, Rechner wieder einsammeln, Netzteil aus einem anderen Studienrechner ausbauen, in den Rechner einbauen. Rechner lief gegen 22 Uhr. 3 Tage später brachte die Post ein neues Netzteil.

    Am zweiten Morgen hatte die Labordatenfernübertragung LOEM unsere Zugriffscodes, die LANR (lebenslange Arztnummer) und BSNR (Betriebsstättennummer) vergessen. Erster Anruf der Hotline (immer während der Sprechstunde, sonst haben die Hotlines auch zu): „Ich bin nicht der Techniker, ich bin die Hotline. Ich ruf den Techniker.“ Zweiter Anruf: „Sowas hatte ich noch nicht. Die Daten liegen auf der GUS-Box (einer besseren Fritzbox). Aber da finde ich sie nicht. Ich update mal die GUS-Box.“ Dritter Anruf, weil das Update meldete: „Updatefehler.“: „Das wird schon, warten Sie noch 30 Minuten.“ Vierter Anruf mit 55 Minuten Warteschleifenmusik: „17.00 Uhr. Jetzt ist Feierabend. Aber starten Sie auf keinen Fall die GUS-Box neu, dann sind die Daten weg!“ Ich hab den Stecker gezogen, die Box fuhr hoch und meldete: „Update erfolgreich“. Nur der Fehler war noch da- keine Signatur  möglich. Also hab ich 200 Laborzettel ausgedruckt und unterschrieben.

     Neuer Morgen, neuer Techniker: „Das hatte ich auch noch nicht. Ich schau mal auf die GUS-Box. Ah, da sind doch Ihre Daten!“ Danach funktionierte es.

    Am dritten Morgen streikte das Knochendichtemessgerät (Dexa). Es fand seine Datenbank nicht, alle Daten nicht zugreifbar. Das Gerät ist zweieinhalb Jahre alt. Natürlich gibt es tägliche Sicherungen, aber die Datenbank zum Zugriff darauf fehlte. Also hab ich den Hersteller Hologic angerufen. Bevor man die Hotline sprechen darf, musste ein Kostenvoranschlag  unterschrieben werden. Vier Anrufe und drei Tage später hatte ich den Kostenvoranschlag: 2000 € pauschal plus Mehrwertsteuer.  Am Dienstag hatte ich dann einen Techniker am Telefon, der meinte, er käme Donnerstag 9.00 Uhr. Am Mittwoch, 9.30 Uhr stand er da – sein Kunde war ausgefallen,  so hatte er Zeit für uns.

    Das Problem der Dexa war ist typischer Fall von geplanter Obsoleszenz: der Steuerrechner der Dexa muss eine Datenbank und die Gerätesoftware hochfahren. Irgendwann ist die Datenbank so voll, das sie langsamer hochfährt als das Gerät. Dann fällt  das Gerät aus. Eine Fernwartung gibt es nicht, das sei verboten, weil man ja mit der Fernwartung versehentlich die Röntgenquelle einschalten könne. Funfact: Unser Röntgengenerator von Spellman hat die 20.000 fache Strahlungsleistung. Hier gibt es eine gut funktionierende Fernwartung und niemand hat Angst vo Aktivierung der Röntgenquelle.

    Es kam ein freundlicher kompetenter Techniker. Er installierte innerhalb von 5 Minuten ein Miniprogramm. Das Programm verzögert den Start der Dexa um 15 Sekunden. Bis dahin ist die Datenbank aktiviert und alles läuft wieder. Das Programm hätte ich nach Benennen des Problems auch schreiben können. Dann wurde 4 Stunden lang ein Programmpaket mit 21 GB Windows-10- Updates der letzten 2,5 Jahre installiert. Das hätte ich selbst tun können, aber es war mal die Ansage: Dieses Gerät braucht keine Updates, die Funktion ist gesperrt. Hologic hat Microsoft als nicht vertrauenswürdig eingestuft und überprüft die Updates, bevor ein Techniker sie installiert. Die Praxis hat gleich zwei Geschmäckle: Zunächst ist für die Beschäftigung der Kundendiensttechniker gesorgt. Unter 600 € wird die Rechnung kaum sein. Dann gibt es Antiamerikanismus-Vorwürfe, wenn man meint, das Microsoft nicht zuverlässiger als die Deutsche Bundesbahn sei. Amerikanische Firmen wie Hologic dürfen amerikanische Software offiziell als misstrauenswürdig einstufen.

    Bis Freitag war ich also mit Hotlines und den normalen Patienten beschäftigt. Auf meinem Schreibtisch lag ein Stapel von 4 cm in den Ferien eingegangene Befunde, 160 Mails von Leuten, die hofften, ich würde ihren Wunsch als Erstes abarbeiten und 70 e-Arztbriefe. Es dauert immer noch 2 Minuten, einen e-Arztbrief zu öffnen, zu lesen, einer Akte zuzuordnen und das Wichtigste unter „Fremdbefunde“ einzutragen. Den Aktenberg habe ich am Wochenende bearbeitet.

    Eine zukunftsträchtige Neuheit hatte das letzte Update: den elektronischen Versicherungsnachweis. So etwas kann man sich selbst mit der Krankenkassen-App bestellen und über KIM zu einem bestimmten Arzt schicken. Damit entfällt das Versenden der Chipkarte mit Boten (oder illegal mit der Post), wenn man ein Rezept benötigt und noch nicht in der Praxis war – und der Patient die Krankenkassen-App freigeschaltet hat. Einen Testlauf konnte ich noch nicht machen, bei der AOK-App funktioniert das noch nicht, alle anderen angesprochenen Patienten hatten keine App. Wenn jetzt noch jemand das USB-Blutabnahmeset und das Homesonographiegerät erfindet, kann ich Videosprechstunde anbieten und Homeoffice machen. Ernsthaft: für unsere Thüringer, Brandenburger und Bremer Patienten gibt es ein paar interessante Optionen.

    11.07.25 Reisen ist fatal für Vorurteile, Bigotterie und Engstirnigkeit. (Mark Twain)

    Die Baustelle vor unserer Tür ist nach 4 Monaten beendet. Leider war es nicht möglich, bei der Gelegenheit ein Glasfaserkabel zu verlegen – die seit heute neue Straße wird dann extra aufgerissen. Schade, ein schnelles Internet wäre ein Gewinn für uns.

    Seit Montag haben wir eine Backup-Funktion. Es hat viermal hintereinander geklappt, sollte also stabil sein.

    Die vierte Patientin innerhalb von 3 Jahren hat nach einer Befüllung ihrer elektronischen Patientenakte gefragt:
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich möchte Sie bitten, meine medizinischen Unterlagen (z. B. Befunde, Arztbriefe, Laborergebnisse) in meine elektronische Patientenakte (ePA) zu übertragen. Meine ePA wird über meine Krankenkasse Audi BKK, Versichertennummer X————-, geb. xx.xx.xxxx, geführt und ist für Ihre Praxis entsprechend zugänglich. 
    Bitte bestätigen Sie kurz den Erhalt dieser Nachricht und teilen Sie mir mit, wann die Übertragung erfolgen kann.
    Vielen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung. Mit freundlichen Grüßen

    Ich verstehe die Bitte. Das Einpflegen der Altakten war nie Teil der elektronischen Patientenakte. Ich liebe es, wenn jemand kurz vor den Ferien für solche Dinge fristen setzen will. Entsprechend unwirsch war meine Antwort:

    Guten Tag, Frau xxxxx.

    Es gibt keinerlei Rechtsgrundlage, die uns zur Konvertierung der Altakten in PDF und Einstellung in die EPA motivieren könnte. Diese Aufgabe haben die Krankenkassen bekommen. Ich habe das versuchsweise durchgespielt und benötige 40 Minuten pro Akte, für die ich 1,48 € angeboten bekomme. 
    Neubriefe pflegen wir versuchsweise ein., Es funktioniert bei mittlerweile 40% der Akten und ist ab 1.1.26 verpflichtend. Auch bei Ihnen komme ich ausdrücklich nicht in die Akte.
    Zusammenfassung: ich finde die ePA sehr gut, aber der ganze Sch… funktioniert noch nicht wirklich.
    Gegenfrage: darf ich Ihre Anfrage –  selbstverständlich anonymisiert – für meinen Blog verwenden? https://sensse.net/?p=1821
    Sie sind die Dritte, die so etwas fragt, dann aber auch gleich mit Fristsetzung und Altakten.

    Mit freundlichem Gruß

    Sie hat „ja“ gesagt.

    Technischer Hintergrund: die e-Arztbriefe liegen im PDF-Format vor und das speichert die e-Patientenakte. Ich habe weder die Möglichkeit, Röntgenbilder hochzuladen noch den Autor zu ändern und so mir bekannte MRT-, Krankenhaus- oder Rehaberichte einzupflegen, selbst wenn ich sie umständlich ins PDF-Format konvertieren kann. Schade eigentlich.

    03.07.25

    Gestern rief überraschend der nächste Medistar-Mitarbeiter an. Er brachte die Datenbank in Ordnung, will sagen, er blähte sie weiter auf. Aktueller Blähstand: Die Oracle-Datenbank beansprucht 41 GB im Ordner „Medistar/oradata“ (1.8.24: 40 GB), weitere 53 GB 40 GB im Ordner „medistar/apps/oracle“ (2024 : 40 GB und  nochmal 53 GB GB im Ordner „app/Oracle“, wo die Datenbank steht. 15 GB sind entsorgt wegen alte Datenbank, 67 innerhalb eines Jahres dazugekommen, davon ca. 15 gestern. Dafür wurde die komplette Praxis wegen einem Datenbankneustart mitten im Betrieb 24 Minuten lahmgelegt. Ich warte auf ein schnelles Glasfaserinternet, dann kommt Medistar endlich weg. Ääm: Sicherung: nicht geklappt.

    02.07.26

    Keine Datensicherung-keine Gnade! (Häufig gebrauchter Spruch von EDV-Profis gegenüber dem zahlenden User)

    Am Wochenende gab es ein unspektakuläres Update. Einziger Aufreger: Es wurde im Rahmen des weiteren Ausbaues der Telematikinfrastruktur die Einführung des e-Versicherungsnachweises zum Juli angekündigt. Wir haben keine Info, keine Gebrauchsanweisung. Kurz googeln: „Die Zustellung des Versicherungsnachweises erfolgt über den Kommunikationsdienst KIM automatisiert und in wenigen Minuten direkt an die Praxis, sodass dieser die Versichertendaten sofort vorliegen. Die Daten können direkt aus dem KIM-Postfach in das PVS übertragen werden; das manuelle Einpflegen wie beim bisherigen papiergebundenen Ersatzverfahren entfällt.

    Die Leute, die so etwas einführen, leben auf einem virtuellen Ponyhof an einer 1 GBit-Glasfaserleitung und haben vermutlich, falls etwas nicht funktioniert, einen folienverpackten Webmaster im Kühlschrank. Bei uns braucht KIM 3-6 Tage. Ich rufe jeden Tag zum Feierabend einmal KIM auf und lasse es eine halbe Stunde offen. Trotzdem hatte ich wieder eine Woche keine e-Arztbriefe und keine e-Nachrichten. Gestern kamen dann 14 Nachrichten mit Absendedatum ab 25.6.25. „Just in time“ ist anders.

    Und ne kurze Mail an Medistar:

    Guten Morgen,
    Medistar-Sicherung die 3.
    Wir hatten letzte Woche und gestern einen freundlichen EDV-Mitarbeiter in der Fernwartung, weil unser Update seit 7 Jahren nur mitteilt, es sei gelungen – aber die Platten waren leer.
    Aktueller Stand: Die Oracle-Datenbank behauptet, die FRA sei zu 80% voll. Das Update behauptet, die FRA sei so groß, dass sie nicht mehr in die Datenbank zurückgespielt werden könnte.
    Das Datensicherungs-Log zeigt seit Tagen das mißlungene Backup vom 25.6., es hat kein aktuelles Datum.
    Die Sicherungsplatten, auch die von heute Nacht, sind leer.
    Die ISAM-Datenbanken fahren „nach dem Update“ 7.30 hoch. Da wollten wir eigentlich schon arbeiten.
    Ich warte geduldig auf Ihren Anruf. Befriedigend ist der Nullfortschritt bisher nicht.
    Wir haben noch einen Termin am 7.7. – Das wäre einem EDV-Profi mangels täglicher Datensicherung zu lang. Aber es ging ja 7 Jahre ohne gut.

    Eigentlich möchte ich fluchen, freidrehen und irgendwen würgen. Nur die Rechnungen für diesen Nullservice klappen zuverlässig.

    26.06.26

    Fallen ist keine Schande, nur lange Liegenbleiben. Sprichwort

    Man kommt morgens in die Praxis und es ist merkwürdig ruhig: Alle Computer stehen, Ursache: Der Medistarserver hat eine neue Datensicherung und die hat ihn nach dem Sichern nicht mehr hochgefahren. Kurze Aufregung wegen der Fehlersuche, schliesslich ist Donnerstag und da hat uns Microsoft schon oft mit üblen Updates überrascht, einmal virtuellen Server hochfahren – das dauert unter 10 Sekunden.

    Nebenbei: Die Datensicherung hat auch nicht geklappt.

    Nachtrag 13.00 Uhr: Am nächsten Montag, also in über 96 Stunden hat jemand von der Hardware Medistar Zeit, sich das Problem anzusehen. Die Datenbank hat auch einen Dauerfehler: ORA-19804: 67108864 Byte Datenträgerspeicher können nicht aus Grenzwert von 44023414784 Byte zurückgefordert werden. Es fehlen also 67 MByte Platz. Soll ich mich nun auch noch mit der Programmierung moderner relationaler Datenbanksysteme herumschlagen??


    25.06.25

    Es gibt drei traditionelle Wege, einen Betrieb zugrunde zu richten: Mit schönen jungen Frauen – das ist die nobelste, mit viel Alkohol – das ist die sicherste und mit neuen Computern – das ist die schnellste.

    Heute morgen habe ich einen verwirrenden e-Arztbrief empfangen. Schade, dass die ärztliche Schweigepflicht verbietet, so etwas zu veröffentlichen. Es fehlte der Brieftext, nur eine PDF-Datei als Anhang. Die PDF enthielt ein schräg eingescanntes Blatt Papier mit einem handschriftlichen Arztbrief. Das ist wenig sinnvoll.

    Der handgeschriebene Arztbrief endete mit der Standardformulierung: „Dieser Brief ist elektronisch signiert von Frau Dr. XXXXXXXXX und bedarf keiner Unterschrift.“ Aha. Ich bin überrascht. Das alles ist im Rahmen des Gesetzes – nur sinnlos halt.


    Wir haben seit 7 Jahren keine funktionierende Datensicherung, nur ein Makro, das täglich fröhlich und optimistisch die gelungene Datensicherung anzeigt. Aufgefunden wurde der Fehler so:: Unsere Serverfestplatten wurden letzte Woche vergrößert. Ich habe mich gefragt, ob die vergrößerten virtuellen Platten noch auf die reale Sicherungsplatte passen. Das habe ich überprüft und festgestellt: Da ist nur eine Sicherung von Starc, nichts von Medistar.. Die Problemanalyse und Abstellung gab einige Dinge, die mir der Informatikprofi, der das eingerichtet hat, mal hätte sagen können – wenn er es denn gewusst hätte.

    • Wir sichern zwei Server auf genau eine Wechselplatte. Das geht so nicht. Aber man bekommt zwei Vollzugsmeldungen, wenn eine der beiden Sicherungen geklappt hat.
    • Ein virtueller Server auf Hyper-V (Mikrosofts Virtualisierungssoftware) kann nicht mit USB-Wechselplatten umgehen und sich von innen nicht sichern.
    • Datensicherungsplatten müssen mittlerweile mit 12-stelligem Passwort verschlüsselt werden.

    Also wurde in 2 h Fernwartung eine ordentliche Sicherung angelegt. Da ich vor Updates und Datenbankoperationen immer den Server runterfahre und die virtuellen Festplatten kopiere, falls das Update nicht klappt, ist der Fehler 7 Jahre nicht aufgefallen. Ich hatte ja eine frische Sicherung, wenn ich sie benötigte. Autsch.


    Nächstes Datensicherungsproblem: Unser Server steht im Keller. Das Gebäude war mal Amtsgericht, unser Keller diente als Gefängniszelle. Entsprechend ist sie baulich gesichert. Jetzt war das Schloss kaputt. Ich kam nicht an mein Fahrrad, mein Portemonnaie im Fahrradkorb und an die Datensicherung. Mit Scharniere abschrauben und Flex war an der Tür nichts zu öffnen. Ein guter Schlosser hat ein kleines Loch ins Schloss gebohrt, ein paar Tropfen Öl hineingespritzt und schon ging es wieder.


    12.6.25

    Christa Wolf: „Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ 

    Unser Server macht wieder Probleme, das hatten wir August 24 schon. Aber dieses mal kommt eine Warnmeldung – ein Fortschritt! Medistar meldet, die „Fast recovery Area der Oracle-Datenbank sei zu 80% gefüllt“. In Deutsch: Der Speicher ist voll. Kurzer Blick auf den Festplattenplatz: 10 von 350 GB frei – das nennt man dann instabil. Nun benötige ich den Support von Medistar oder jemanden, der sich mit dem Umschichten von virtuellen Servern auskennt. Übergangsweise habe ich 20.000 PDFs von Meikamentenbeipackzetteln im Wert von 15 GB von der IFAP-Datenbank gelöscht. Wenn ich so etwas benötige, kann ich es googeln.

    Ich habe den Medistar-Support gegen 16.45 Uhr angerufen, hörte in genau der Reihenfolge:

    • „Leider haben wir derzeit ein erhöhtes Anrufaufkommen. Wenn es kein hohe Priorität hat, vereinbaren Sie bitte einen Rückruf oder rufen später wieder an.“. Ich wartete, ich bin zahlender Kunde, also wichtig.
    • „Ihre voraussichtliche Wartezeit beträgt 5 Minuten!“ Gut, so schnell geht es selten.
    • zwei Minuten später: „Leider rufen Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten an. <Tut-Tut-Tut>“

    Und schon fühle ich mich als Medistar-Kunde wieder mal verarscht.


    27.5.25

    Die ewig Gestrigen sind morgen schon von vorgestern. Herbert Lahm

    Mal was Neues: Eine elektronische Mail über KIM (das Kommunikationssystem in der Medizin): Sehr geehrte Collegae, bekanntermaßen ist der Arztbriefversand-/empfang über das KIM-System NICHT sicher vor Cyber-Attacken: bei der Infektion eines einzigen KIM-Absenders können aus dem gesamten KIM-System Spam, Viren und Malware versendet werden, und gerade durch die Verschlüsselung von KIM können Nachrichten nicht vor dem Eingang von Firewalls und Virenscannern geprüft werden (Quelle: Dt. Hausärzteverband 2022). Ich werde deshalb den KIM-Dienst bis auf weiteres NICHT für den eArztbrief-Empfang verwenden . Bitte nutzen Sie für Ihre Arztbriefe solange die bewährten konventionellen Kommunikationswege wie Fax und Postversand.

    Es gibt also nicht nur Kollegen, die das viel zu langsame System nicht mögen und ältere Kollegen, die es nicht haben und schon weit im Rentenalter lieber in den Ruhestand gehen, als sich mit 70 Jahren neue Programme und Computer anzutun. Es gibt auch jüngere Kollegen, die den Empfang der e-Arztbriefe einfach verweigern wollen.

    Nun ist allerdings das Fax nicht sicherer und die Kommunikation per KIM ist seit 1.10.21 vorgeschrieben. Ich werde diese freundliche Einzelmeinung nicht berücksichtigen. Wenn der Kollege den Blick in seinen Posteingang verweigert, dann weiß er halt nicht, ob er Post hat. Sollte er deshalb behaupten, er habe keine Briefe bekommen, dann lügt er.



    Motto des Tages: EDV-Systeme verarbeiten, womit sie gefüttert werden. Kommt Mist rein, kommt Mist raus. Andre Kostolany

    18.5.25: Serverabstutz

    Ein kurzer morgentlicher Sonntagsbesuch in der Praxis, um schnell mal die Labordaten zu signieren und abzuholen (Ein Vorgang, der jeden Morgen kostbare 15 Minuten vor dem ersten Patienten kostet und leider nciht nach Feierabend gemacht werden kann) und schon sehe ich: Ah, der Server ist nicht erreichbar. Wenn ich das heute nicht löse, werden wir morgen nicht arbeiten können. Anlage neu hochfahren hilft nicht, also muss ich die Hotline anrufen. Nun sitze ich seit über einer Stunde in der Praxis und höre mir alle 39 Sekunden die gute Nachricht an: „Derzeit sind alle Mitarbeiter im Gespräch. Sie werden mit dem nächsten freien Mitarbeiter verbunden.“ Solange baue ich ein paar Lampen ab und dafür Energiesparleuchten an die Sprechzimmerdecken – ich rechne also mit mehreren Stunden Warteschleife. Es waren dann aber nur 1 Stunde und 6 Minuten und dann ging einen freundliche Mitarbeiterin dran. Sie war ganz erschrocken, denn ihr Telefon hatte zum ersten mal geklingelt, sie war eigentlich frei. Problem: Eine der ISAM-Datenbanken, deren Verschwinden uns seit Jahren mit immer neuen Geldforderungen seitens CGM Medistar versprochen wird, war abgestützt.


    7.5.25 – Elektronischer Patientenausweis die 55.

    Motto des Tages: Wir haben von den Dingen gewusst. (Theodor Heuss über den 8.Mai)

    Gestern gab es ein Update zum fehlerhaften Update vom 29.4., das einen Fehler vom 27.4. bereinigen sollte, der mit dem Quartalsupdate Anfang April auftrat. Klingt blöd, ist aber so (Zitat aus der Sendung mit der Maus). Und nun funktioniert die elektronische Patientenakte offiziell. Bei den meisten Patienten ist die elektronische Patientenakte leer.

    Bei den Patienten der Barmer findet sich eine Behandlungshistorie von 4 Seiten mit Medikamenten aus diesem und dem Vorjahr, abgerechneten Diagnosen und parallel behandelnden Ärzten – schon interessant. Bei einer Patientin der Audi-BKK fand ich einen Aktenauszug aus dem Vorjahr – 26 Seiten mit jedem einzelnen Arzt- oder Zahnarztbesuch.

    Wir werden lernen müssen, das zu lesen: ICD T63 „Toxische Wirkung durch Kontakt mit giftigen Tieren“ war zum Beispiel ein Mückenstich.

    Natürlich habe ich auch versucht, etwas schreibend in eine elektronische Patientenakte zu tun.

    Zunächst erschien die rechtsseitige Fehlermeldung.  Dann stürzte der Konnektor ab – die gesamte Praxis stand mit Fehlermeldungen still. Bis alles einmal herunter- und wieder hochgefahren war, vergingen 25 Minuten. Ich werde also vorläufig Befüllungen der EPA nur nach Feierabend vornehmen und lernen, bei welchen Kassen die EPA funktioniert. Hübsch finde ich auch, dass in dem Feld schon „Metadatenvorlagen verwenden“ angeboten wird, der Metadatengenerator aber erst 7/25 kommen soll.

    Heute hat eins unserer Chipkartenlesegeräte mit lautem Rauschen bekanntgegeben, dass es keine Haltebatterie mehr hat und ausgetauscht werden möchte. Vor 4 Wochen bekam das Lesegerät noch einen neue teure SMCb-Karte.

    Ein neues Chipkartenlesegerät kostet 474,81 €. Wir haben vor 6 Jahren 6 der Geräte bekommen, 2 werden wirklich benötigt. Also wurde das veraltete Gerät abgestöpselt und im Konnektor deaktiviert.

    Gleicher Abend, gleicher Patient, zweiter Versuch: 2 Dokumente – einen Arztbrief und einen Laborbefund auf eine elektronische Patientenakte hochgeladen. Es funktioniert. Zeitaufwand 5 Minuten. Das wird mit der Routine schneller.

    Dies ist der zweite Teil des Elends mit der Elektronik in Arztpraxen. Wer den ersten Teil lesen will, siehe hier.

  • Die elektronische Versichertenbescheinigung

    03.11.2025

    Heureka, der siebente Versuch hat funktioniert! Am letzten Samstag hat eine freundliche Patientin über ihre Krankenkassen-App eine eVB beantragt. Am Samstag um 20.20 Uhr hatten wir ein Fax auf dem Server. Die Barmer lieferte demnach zügig einen ganz normalen Versichertennachweis. Elektronisch hat das nicht geklappt, nur als Fax. Immerhin einen Schritt weiter.

    Es gab vor 30 Jahren einen Ärztewendewitz: Warum haben die Briefträger in Ostdeutschland mehr Arthrose als im Westen? Antwort: Weil die guten Leute nicht nur Briefe austragen müssen, sondern auch Faxe und e-Mails. Der Witz scheint aktuell zu sein.

    7.10.25

    Es wurden 2 Codes für eine eVersichertenbescheinigung bei verschiedenen gesetzlichen Krankenversicherungen generiert. Bekommen habe ich bisher nichts – das System funktioniert noch nicht. Wir bleiben dran.

    2.10.25

    Das Bild links stammt von der Webseite Leistungserbringer | Praxis Check-In der Gematik und hat einen Code generiert, mit dem die erste Testpatientin eine elektronische Versichertenbescheinigung bei der AOK beantragen konnte.

    Das war gegen 10.00 Uhr. Sieben Stunden später ist nichts von der Krankenkasse in unserem Posteingang gelandet. Als Chipkartenersatz taugt die e-Versichertenbescheinigung damit nichts, mehrere Stunden möchte niemand warten. Eine zweite Testkandidatin hat den Code erhalten, vielleicht funktioniert das bei der HKK.

    Um die korrekte Form von QR-Codes für die e-Versichertenbescheinigung herauszubekommen, habe ich drei verschiedene Stellen der kassenärztlichen Vereinigung angerufen, die mir alle bestätigten, das das Problem interessant sei, sie die Lösung jedoch nicht wüssten. Während des Lauschens an den Warteschlangenmelodien habe ich ein bisschen gegoogelt und die Lösung selbst gefunden.

    Bei der Gelegenheit gab es eine interessante Information: Mit Hilfe dieses QR-Codes können Privatversicherte über ihre Krankenkassenapp eine Versichertennummer generieren lassen, mit der sie e-Rezepte und eine e-Patientenakte nutzen können. Das werde ich heute Abend probieren. ich finde es schon lange diskriminierend, das ich als Privatpatient an den Segnungen der Telematikinfrastruktur nicht teilhaben darf.


    1.10.25

    Dieser QR-Code soll „sensse@cgm.kim.telematik“, also unsere KIM-Adresse bedeuten. Ich habe die erste Patientin gefunden, die eine Krankenkassen-App besitzt, mit dem man elektronische Versichertenbescheinigungen abrufen können soll. Zumindest behauptet das Menü der HKK-App so etwas.

    Allerdings verlangt die HKK-App einen QR-Code der Praxis. Nachdem ich den generiert habe, sagt die App: Wollen Sie an „sensse@cgm.kim.telematik“ eine Mail schreiben? So ganz funktioniert das nicht, aber wir sind einen Schritt weiter.

  • Frau Nina Warken

    Wir haben einen neue Gesundheitsministerin – Frau Nina Warken. Ich habe zwar lange Witze darüber gemacht, dass wir keinen neuen Gesundheitsminister bekommen – entweder bleibt Professor Lauterbach oder Jens Spahn kommt wieder. Aber beide Kandidaten haben ein kleines Makel: Die CDU wollte gern auch eine Frau als Ministerin präsentieren. In woken Zeiten ist das manchmal ein Problem.

    Frau Nina Warken ist Juristin und hat bisher außer einer ehrenvollen Tätigkeit als Präsidentin der THW-Landesvereinigung Baden-Württemberg keinerlei Bezug zu Gesundheitsthemen. In einem ersten Interview in der Aller-Zeitung sah sie das als Vorteil. Sie hat auch schon eine Lösung fürs Terminproblem: Das Primärarztsystem soll gestärkt werden . Das bedeutet laut dem Interview: Alle Patienten müssen mit allen Problemen immer erstmal zum Hausarzt. Der legt dann einen Zeitkorridor fest, in dem der Facharzt einen Termin haben muss. Wenn er das nicht schafft, dürfen sich die Patienten direkt an ein Krankenhaus ihrer Wahl wenden. Klingt gut, ist aber weltfremd.

    Weder haben Fachärzte davon mehr Termine noch haben die Krankenhausambulanzen Termine oder Kapazitäten. Schon jetzt lautet der häufigste schriftliche Rat der Krankenhausambulanzen: „Bitte ambulanten Rheumatologen aufsuchen!“ Willkommen im realen Leben, Frau Ministerin! Wir brauchen nicht mehr Geld, sondern mehr Kapazitäten oder weniger Bürokratie, die die Kapazitäten wieder auffrisst.

    Der Einsatz einer Juristin, die ihre Erfahrungen mit dem Pädiater der drei Kinder als hinreichende Qualifikation als Gesundheitsministerin sieht, als Gesundheitsministerin ist für den Sozialsektor genauso eine Klatsche wie der Einsatz von Merkwürden Pfarrer Eppelmann, Ursula von der Leyen, Annegret Kramp-Karrenbauer und Christine Lambrecht als VerteidigungsministerIn für die Bundeswehr. Fachkenntnis ist zwar keine Garantie für eine gute Arbeit als Minister, aber eine Grundbedingung.

    Ich wünsche ihr eine glückliche Hand bei ihren Entscheidungen. Aber ich erwarte nichts.

  • Fokus-Siegel

    Fokus-Siegel

    Seit Jahren bekommen wir einmal im Jahr ein dickes, seriös und amtlich aussehendes Schreiben vom Focus, wir seien als die besten Rheumatologen in unserem Bereich ausgezeichnet. Das wundert uns nicht, Herr Dr. Sensse ist der beste, schönste,  faulste und überbuchteste Rheumatologe, weil er der einzige Rheumatologe im Landkreis Gifhorn ist. Das dürfen wir uns an die Wand nageln und und tun das auch, wenn es in dem Jahr keinen guten Kalender für den freien Nagel gibt. Wenn wir  mit dem Focus-Siegel auf der Homepage und im Internet werben möchten, kostet uns das 2300 € im Jahr, die wir natürlich lieber in Personal und  Technik investieren.

    Als Gründe für eine dermassen große Auszeichnung nennt der Focus:

    • Publikationstätigkeit (zuletzt 2008)
    • Qualitätsmanagement (haben wir, muss man heute haben, aber weder zertifiziert noch veröffentlicht, denn auch diese Leute wollen nicht unter 10.000 € für eine Zertifizierung)
    • Patientenzufriedenheit (neben viel Lob hören wir vor allem berechtigte Kritik über schlechte Erreichbarkeit und schlechte Terminlage)
    • Kollegenempfehlung (wir kennen niemanden, der gefragt wurde)

    Als besonderer Witz wurde Herr Dr. Sensse dieses  Jahr auch als Orthopäde und Unfallchirurg ausgezeichnet. Er ist nur kaum noch orthopädisch tätig, weil der Behandlungsbedarf bei Rheumatikern viel höher ist und weist jede Unterstellung, er wäre Unfallchirurg, zurück.

    Es mag richtig sein, dass 2005 die letzten Orthopäden Facharztprüfung hatten und seitdem der Facharzt Orthopädie/Unfallchirurgie heißt. Es ist auch richtig, dass man in 6 Jahren nicht das lernen kann, wofür ein Orthopäde und ein Unfallchirurg früher jeweils 6 Jahre benötigt haben. Deshalb sind in dem gemeinsamen Facharzt operative und intensivmedizinische Kompetenzen weit ausgebaut. Kinderorthopädie, Osteologie, Rheumatologie und selbst die allgemeine Arthroselehre, also alles, was man in der Niederlassung braucht, blieben auf der Strecke. Es könnte also sogar sein, dass Herr Dr. Sensse von dem gemeinsamen Facharzt O und U garnichts hält und die Bezeichnung „Unfallchirurg“ als Beleidigung seiner nichtoperativen Fähigkeiten sieht. Wir wollen hier nicht in die Tiefe gehen, denn dann müsste man die jüngeren Kollegen verärgern, die nicht mehr die Chance hatten, das Fach Orthopädie in seiner ganzen Breite von Ambulanz über Behindertenfürsorge, Gipssprechstunde, orthopädische Operationen, Orthopädieschuhmacherei, Osteologie, Physiotherapie, Rehawesen bis zu den Zusatzausbildungen Chirotherapie und Naturheilverfahren zu erlernen. Das bedeutet nicht, dass die Orthopäden etwas Besseres sind. Unfallbehandlungen und Sportmedizin machen die Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie sicherlich besser als die alten Orthopäden. Es ist nur nicht dasselbe und so ist es ein Witz vom Focus, Auszeichnungen zu verleihen für Leistungen, die man weder erbringen kann noch erbringen möchte.

    Daher begrüßen wir es sehr, dass das Landgericht München dem Focus jetzt zur Unterlassung dieser Scheinauszeichnungen verurteilt hat. Wer es nachlesen will: 4 HKO 14545/21 Ich hoffe nur, ich habe mit der Verlinkung der Quelle jetzt keinen Rechtsbruch begangen.

     

  • 2 Jahre Terminservicestelle

    Seit 2016 soll es die Terminservicestellen geben, für die Sondertermine bekommen Ärzte etwas mehr Geld. Vor allem: Sie bekommen Neupatienten im ersten Behandlungsquartal voll bezahlt,  die Patienten der Terminservicestelle unterliegen nicht der Budgetierung. Ende 2022 werden sie nach dem Willen von Herrn Minister Professor Lauterbach zur Rettung der Kassenfinanzen den anderen Patienten gleichgestellt, die Neupatientenregelung entfällt ersatzlos.

    Zeit, einmal zu schauen, was uns da so an Patienten entgeht:

    Wir hatten in der Zeit vom 1.1.21 – 12.7.22:

    • 157 Termine wurden von uns für die Terminservicestelle bereitgestellt, also 2 pro Woche.
    • 157 Termine wurden von der Terminservicestelle vergeben.
    • 8 Patienten haben abgesagt, weil ihnen der Termin nicht passte oder die Entfernung zu weit ist. 34 Patienten sind nicht erschienen und haben uns mehr Zeit für die anderen Patienten des Vormittages gelassen.
    • 115 Patienten sind zu dem vereinbarten Termin erschienen.
    • 64 der Patienten hatten kein Rheuma. Bei der Hälfte der Patienten haben wir das Rheuma ausgeschlossen. Die andere Hälfte hatte innerhalb der letzten 12 Monate schon einen Termin bei einem Rheumatologen und wollten gerne einen zweiten Rheumaausschluss.
    • 55 Patienten hatten ein Rheuma. Eine besonderes schnelle Terminvergabe über die Terminservicestelle war möglicherweise berechtigt.

    35 % aller dringend wegen eines Rheuma über die Terminservicestelle zugewiesenen Patienten hatten ein behandlungs- oder beobachtungsdürftiges Rheuma. Für ein Notfallverfahren ist das eine sehr schlechte Quote. Wenn wir von den Hausärzten Notfallfaxe mit einigen Angaben bekommen, steigt die Quote der berechtigten Notfälle auf 80%. Das wäre in Ordnung.

    50 % der Patienten hatten eine Anreise vom mehr als 100 km. Stade, Lüneburg, Seesen, Genthin, Bad Lauterberg – all das sind Orte, bei denen der Weg an mindestens 2 Rheumatologen vorbeiführt. Die meisten Patienten kamen mit 8 aus Hildesheim – einer Kleinstadt mit 3 Rheumatologen, allerdings auch mit einem riesigen Einzugsgebiet.

    Leider geht das Gemecker noch weiter: 67 Patienten, also mehr als die Hälfte, hatte zur Erstvorstellung über die Terminservicestelle keine Unterlagen dabei – kein Labor, keine Altbefunde, keine Röntgen- oder MRT-Berichte, manchmal noch nicht einmal die inhaltsleere Überweisung des Hausarztes mit dem Terminservicestellencode. Da unsere Mitarbeiterinnen regelmäßig und bei jeder Terminbestätigung oder – Neuvereinbarung sagen „Bitte Vorbefunde mitbringen!“, ist das eine Respektlosigkeit von Zuweisern und Patienten ohnegleichen. Ohne Unterlagen und Vorbefunde sinkt die Trefferquote, also die Qualität der ärztlichen Arbeit. Daher ist es geradezu eine Forderung des Qualitätsmanagementes, das Verfahren der Terminservicestelle nicht weiter zu unterstützen. Man tut allerdings der Minderheit an Ärzten, die ihre Patienten ordentlich vorbereitet auf die Reise schicken, weh.

    Von den 55 Patienten mit Rheuma, die über die Terminservicestelle kamen, waren in der Dringlichkeit zweifelhaft:

    • 4 Patienten, die gerade in einer Klinik eine Rheumadiagnose bekommen haben und einen Nachbehandler suchten. Die Nachbehandlung sollte die Klinik schon klären, wir nehmen den umliegenden Kliniken auch uns unbekannte Rheumapatienten ab. Dann sind wenigstens die Unterlagen verlässlich da.
    • 2 Patienten aus der eigenen Behandlung, die mit Hilfe der Terminservicestelle einen schnelleren Termin bei uns haben wollten – beide ohne nachvollziehbare Dringlichkeit, einmal ein geklemmter Finger und einmal „Medikamente alle!“.
    • 11 Patienten aus laufender Behandlung, die den Wunsch nach einem Behandlerwechsel hatten. Auch hier kamen 4 ohne Unterlagen, das haben wir abgelehnt – und 7 mit Unterlagen, die haben wir dann auch weiterbehandelt.
    • 8 Patienten, bei denen der Rheumaverdacht oder das sichere Rheuma seit Jahren im Raume standen und die aus Gründen, die nicht der Krankheitsaktivität lagen, plötzlich einen Behandlungswunsch hatten – dann aber dringend. Dabei war oft ein neuer Hausarzt – oder ein Facharzt, der selbst keine Vorunterlagen hatte, der Zuweiser. Aktenstudium hätte geholfen.

    Dreißig mal haben wir aufgrund einer neuen oder in den letzten Monaten zunehmenden Symptomatik Patienten über die Terminservicestelle bekommen, bei denen die Nutzung der Terminservicestelle richtig und nötig war. Das ist nicht einmal jede fünfte Zuweisung. Schade um den Aufwand für die Schaffung dieses Büromonsters.

    Wieso habe ich Zeit, so etwas zu schreiben? Weil die heutige Patientin der TSS nicht erschienen ist.

    Nachtrag 2.2.2023

    Mit dem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz wurde der Hausarztvermittlungsfall neu eingeführt. Hier bekommen die Hausärzte 15€ für die Vermittlung eines dringenden Patienten und wir 44 € fürs Abarbeiten am Anruftag oder Folgetag, 22 € für den 2.-4. Tag, also das, was wir so als dringliche Patienten reinbekommen. Und weil der Hausarzt für diese 15 € Unterlagen faxen muss, bekommen wir wirklich dringende Patienten.

    Über die Terminservicestelle bekommen wir die Patienten nicht vor dem 8. Tag, weil das die Software der TSS nicht hergibt, also 16 € und keinerlei Vorinformation. Lieber nehme ich mehr Hausarztvermittlungsfälle oder Notfälle ohne Unterlagen als über die Terminservicestelle. Das Projekt stirbt durch den Hausarztvermittlungsfall.

    Nachtrag 20.2.2023

    Heute habe ich den ersten und vorläufig einzige Terminservicestellenfall gesehen, der irgendwie zwischen die Hausarztvermittlungsfälle gerutscht ist. Der Termin wurde am letzten Mittwoch vergeben – wäre Zuschlag B oder 16 €. Der Patient wartet schon seit Januar auf einen Terminservicestellentermin. Die Wartezeit wurde mir mit angerechnet. So gab es kein Geld, aber Unmut über die Wartezeit.

     

  • Terminservice- und Vorsorgegesetz

    Herr Jens Spahn, Gesundheitsminister, hat das Terminservice-und-versorgungsgesetz in erster Lesung vorgestellt. Es klingt immer gut, wenn man die Warteschlangen der Patienten verkürzen will, aber es gibt da ein paar kleine Probleme, die ich hier mal laut schreiben will, damit man sie nicht mit den Patienten diskutieren muß.

    Arzthelferinnen lernen über 3 Jahre. Patientenmanagement, also die Einordnung von Patienten in dringend, normal und Fehlzuweisung ist dabei eine ihrer Kernkompetenzen. Die Zeit, die ein Arzt sich den Patienten zuwendet, ist eine der gefragtesten Ressourcen, begrenzt und bedarf daher der Planung und des Managements.

    Aktueller Status: Mein Terminkalender als Orthopädischer Rheumatologe ist mit 1200 Rheumatikern in Dauerbehandlung + 400 rein orthopädische Patienten wohlgefüllt. Die Wartezeit von 3 Monaten entspricht recht genau der Spanne, in der ich die Patienten sehen muss, um die Medikamentenverordnungen (und Physiotherapie, klinische, Kontrolle, Labor, Gespräche…) einmal im Quartal zu leisten. Mehr als ein Quartal im Voraus darf ich nicht auf einmal verordnen und der Gesetzgeber fände es weniger amüsant, wenn 2800 Packungen Biologika mit 4-5000 €/Packung im Quartal (= 14 Millionen Budgetüberziehung) ohne Arztkontakt rausgehen.

    Urlaubsplanung ist da schwierig, Krank werden darf man auch nicht. Neue Patienten gibt es durch das Notfallverfahren mit Hausärzten und durch die KV-Terminservicestelle. Bezahlung für die Terminservicestelle? Wie viele Spezialisten haben wir eine anerkannte Praxisbesonderheit, bekommen also bei Rheumatikern keine Abzüge wegen „zuviel Patienten“. Der Köder „Was von Terminservicestelle kommt, unterliegt nicht den Beschränkungen des Regelleistungsvolumens“ ist daher ein trauriger Witz. Wenn es Rheuma ist, unterliegt es sowieso nicht den Beschränkungen. Wenn es kein Rheuma ist, bekomme ich die Fehlzuweisung voll bezahlt. Die Terminservicestelle fördert also in der Konsequenz die falschen Patienten.

    Wenn die Kollegen Hausärzte gute Gründe für eine Zuweisung haben, bekommen sie schnell (unter einer Woche)Termine. Fax mit Unterlagen reicht. Nach meiner Erfahrung sind 70% der vom Hausarzt als dringend mit Unterlagen zugewiesenen Patienten wirklich dringend behandlungsbedürftig (gute Quote). Zuweisungen von Fachärzten (Orthopäden, Dermatologen, Augenärzte, nichtrheumatologische Internisten) sind fast immer Treffer. Über die Terminservicestelle kommen 20 % sinnvolle Zuweisungen, meist ohne Unterlagen. Bei den Selbstzuweisern liegen um 5% der sich auf Rheuma verdächtigenden richtig.

    Ein Ausbau der Terminservicestelle fördert also die niederqualifizierte Zuweisung, die wir eben nicht haben. Wenn der Hausarzt für die Terminvermittlung zum Facharzt Geld bekommt, nimmt das noch zu. Förderungswürdig ist die qualifizierte Zuweisung, wie es Projekte wie Rheuma-Vor zeigen. Hier bekommt der Hausarzt sein Geld für Treffer und die Anfrage wird nur mit Begleitinformationen bearbeitet. Der Hausarzt kann gern Geld bekommen, wenn er den Patienten mit seinen vorhandenen Unterlagen anmeldet, damit wenigstens die Telefoniererei zum Vorbefunde suchen aufhört. Ob der Verdacht richtig ist, wäre mir egal. Begründet muss ein Verdacht sein.

    Der derzeitige Stand, wo gelegentlich Patienten über die Terminservicestelle ohne Unterlagen und ohne jegliche Dringlichkeit kommen, weil sie 50 € für die IGEL-Leistung „Drängelcode“ gezahlt haben, ist wirklich Zweiklassenmedizin.

    Zur offenen Sprechstunde: 5 Stunden mehr müssen irgendwoher kommen. Natürlich können wir anstelle von 36 Stunden Sprechstunde jetzt 41 Stunden öffnen. Ärzte sind manchmal so obrigkeitshörig und altruistsch. Ich glaube nicht, dass das mit den Gewerkschaften der Medizinischen Fachangestellten abgeklärt ist. Frau Nahles und Herr Sozialminister Heil würden die Arbeitszeitverlängerung auch nicht lustig finden.

    Also müssen wir zur Einhaltung des Gesetzes 5 Stunden aus dem aktuellen Terminkalender reservieren und damit 1/7 der Bestandspatienten rein rechnerisch zur Suche nach einem neuen Arzt auffordern.

    Dafür habe ich dann eine offene Sprechstunde. Ich habe keine Angst vorm rumsitzen. Planen und Dringlichkeiten sortieren soll ich nicht. Also kommt dran, wer in der Stunde danach fragt. Das wären dann etwa ein Patient pro Minute, also 60 Patienten. (Der Schätzung liege die Nachfrage zugrunde, die unsere Telefonanlage in Spitzenzeiten an Anrufen von verschiedenen Nummern hat). Klingt nett, geht aber auch wieder nicht.

    In der Realität werde ich zwanzig Minuten vor Praxisbeginn eine Liste mit 5 Behandlungsplätzen für den laufenden Tag auslegen und nach einer Minute gefüllt wieder einsammeln. Man sollte die Anmelder dieser Liste zeitlich und räumlich von den geplanten Patienten trennen. Ab dem sechsten Patienten, der dann nicht mehr berücksichtigt wird, gibt es Mißmutsbekundungen, üble Schimpfereien, Beleidigungen und gelegentliche Gewaltausbrüche. Das kann ich im Rahmen meiner Fürsorgepflicht weder meinen Mitarbeiterinnen noch den anderen Patienten zumuten. Also mache ich es selbst oder betraue einen Wach- und Schließdienst mit dem Job.

    Die Patienten, die keinen Termin bekommen haben, stehen am nächsten Tag etwas früher da. In der räumlich getrennten Schlange kann man sich leicht ausrechnen, wenn man wieder nicht dran ist. Ich kenne eine derartige Logistik aus meinem Elternhaus in der DDR. Es gab vormittags 24 offene Plätze, die Liste war innerhalb von zehn Minuten voll. Wenn ich als Jugendlicher nachts um zwei nach Hause kam, ging irgendwo eine Autotür auf und jemand sagte „Du bist die Elf. Pass auf und sag dem nächsten Bescheid!“, manchmal auch „Ich bin die Vierundzwanzig. Morgen eher aufstehen!“ Gelegentlich gab es Patienten, die zum Feierabend das warme Wartezimmer verließen, um draußen auf die Liste des nächsten Tages weiterzuwarten wie bei einer Premiere vom Iphone oder Starwars. Es gab auch ein paar Geschäftstüchtige, die sich – nicht umsonst – für andere anstellten. Benachteiligt wurden die schwerer Kranken, die keine Nacht im Freien durchstehen.

    Die Liste hatte freilich den Vorteil, dass kein Patient wegen Bagatellen in der Sprechstunde auftauchte. Auch Patienten ohne Unterlagen waren selten, niemand möchte zweimal stehen, weil er schlecht vorbereitet kommt. Es ist trotzdem kein wünschenswerter Zustand.

    Dieser Unfug – planlose Schlange mit allen ihren Nebenwirkungen – steht uns bevor, wenn wir eine offene Sprechstunde einrichten müssen, anstatt uns und die ferne Berliner Regierung damit zu beschäftigen, wie wir

      • die Zuweiserqualität erhöhen können, also schon vom Hausarzt die Schwerkranken früher und die Wanderpatienten garnicht zugewiesen bekommen.
      • dabei dem Zuweiser Kommunikationskanäle zur Verfügung stellen, in denen er seine Informationen einfach, strukturiert und zügig loswird.
    • die Budgets abgeschafft werden. Problem: die einfachen, ausdiagnostizierten, stabilen Behandlungsfälle verstopfen die Praxen mit ihrem berechtigten Wunsch nach Wiederholungsrezepten. Warum soll der Hausarzt nicht auch die regelmäßige Physiotherapie aufschreiben oder der Facharzt  die anderen Medikamente mitverordnen. Das spart Zeit für alle. In den stabilen Dauerpatienten stecken riesige Zeitreserven für die Ärzte. Physiotherapie wird derzeit in ihrem Wachstum von der Behandlungskapazität der Leistungserbringer begrenzt, nicht vom Budget. Das Heilmittelbudget ist sinnlos geworden.

  • Wartezeit und andere Dauerbaustellen

    Wartezeit und andere Dauerbaustellen

    Wenn man zum Arzt geht, erwartet man Lösungen für Probleme – und das möglichst schnell, freundlich und kompetent. Leider ist diese Erwartung ebenso berechtigt wie unrealistisch. Hier sind die Top 10 der Enttäuschungen in einer Arztpraxis:

    1. Wartezeit

    Eine gute Lösung des Wartezeitproblems ist schwer vorstellbar: Entweder wird mit Terminen gearbeitet, dann steigt mit steigender Nachfrage die Wartezeit schnell in den mehrwöchigen Bereich an. Einige der umliegenden Rheumatologen nehmen keine  neuen Patienten mehr an, damit steigt der Druck auf die, die das noch versuchen.

    Oder man vergibt die Termine arbeitstägig an die Patienten, die gerade vor dem Tresen stehen und macht irgendwann einen Schnitt: „Nach Ihnen heute keiner mehr!“.  Dann entsteht jeden Morgen eine wütende Masse von 20-40 Patienten auf der Treppe, die das Personal schon am Öffnen der Praxistür hindert. Auch die Unmutsäusserungen der ersten, die keinen Termin bekommen, sind fürs Personal schwer zu verkraften.

    Derartige Zustände kennen wir aus unseren Ausbildungszeiten. Eine den kompletten Arbeitstag füllende Warteschlange schon morgens um drei und Patienten, die vor der Praxis übernachteten, waren keine Seltenheit. Daher haben wir uns für die Führung einer Terminpraxis entschieden.

    Das bedeutet, keine Patientenannahme ohne Termin!

    Termine gibt es (Stand Juli 2017) bei Frau Dr. Sensse für die Kinderorthopädie nachmittags innerhalb 4 Wochen, für die Osteologie und die allgemeine Orthopädie vormittags innerhalb 4 Wochen. Rheumatologie und eine Erwachsenensprechstunde am Nachmittag bietet Frau Dr. Sensse nicht an.

    Bei Herr Dr. Sensse gibt es Termine für Orthopädie, Rheumatologie und Osteologie innerhalb von 18 Wochen. Das ist gegenüber 4-6 Wochen bei anderen Orthopäden im Umkreis lange, gemessen an den 6-9 Monaten Wartezeit beim Rheumatologen in Braunschweig und Hannover ist es relativ kurz.  Eine Kindersprechstunde bietet Herr Dr. Sensse nicht an. Leider steigen die Warteschlangen derzeit pro Monat um etwa eine Woche an.

    2. Notfalltermine

    Jeder Mensch, der Schmerzen hat, sieht eine Dringlichkeit. Recht hat er! In der Orthopädie ist 90% aller Konsultationsgründe ein Schmerz. Damit können wir Schmerzpatienten nicht vorziehen, es bliebe niemand hinten und so nutzt das Vorziehen niemand.

    Dringende Termine gibt es  bei klar umrissenen Krankheitsbildern:

    • Frisch Verletzte behandeln wir ohne Termin wie die meisten anderen auch. Verletzungen kann man nicht planen. Frisch ist eine Verletzung aus den letzten 3 Tagen, die noch kein anderer Arzt gesehen hat.
    • Dringende Rheumaabklärungen kann der behandelnde Hausarzt oder Facharzt mit dem Zuweisungsformular per Fax anmelden. Patienten selbst haben in der Regel nicht die nötigen Unterlagen, um sich anzumelden.
    • Rheumatologische Frühsprechstunde ist ein Projekt, zu dem Kriterien zu erfüllen sind:
      – neu oder wiederholt aufgetretene weiche Schwellung eines oder mehrerer Gelenke seit maximal 3 Monaten
      und zusätzlich eines der zwei folgenden Kriterien:
      – Morgensteifigkeit der Gelenke, die mindestens 30 Minuten oder länger andauert
      – erhöhte Entzündungsparameter (BSG oder CRP). 
      Das machen wir gern, weil bei frischem Rheuma die Behandlungschancen besonders hoch sind. Auch das läuft über das Anmeldeformular.
    • Im Bereich Osteologie nehmen wir frische Frakturen und Frakturverdachte der Wirbelsäule kurzfristig. Das entsprechende Faxformular für Hausärzte wird gerade abgestimmt.
    • In der Kinderorthopädie ist ein frisch aufgetretenes Hinken bei Vorschulkindern und die Säuglingssonographie ein Grund für extraschnelle Termine.
    • Dringende Facharzttermine verteilt die TerminServiceStelle unter der Telefonnummer 0511-56 99 97 93 montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, wenn Ihr Hausarzt Ihnen einen entsprechenden Code ausgestellt hat. Eine freie Arztwahl hat man dann nicht mehr. Wir bekommen die Patienten von Lüneburg über Stendal, Goslar bis Nienburg über die Terminservicestelle zugewiesen.
    • Rücküberweisungen von Patienten, die wir in ein Krankenhaus eingewiesen haben und Management von Komplikationen eigener Behandlungen benötigen keinen Termin.

    Aber das war es dann auch schon mit der Dringlichkeit. Um das oben genannte zu leisten, müssen alle anderen warten.

    3. Der Arzt hat viel Zeit

    Der Arzt möchte viel Zeit haben.  Leider stehen 720 Sprechstunden im Quartal 2500 Patienten  gegenüber – das sind 18 Minuten pro Patient. Diese 18 Minuten stehen nicht pro Termin, sondern für alles: Erstuntersuchung, Folgetermine, Auswertung, Aufklärungsgespräch – oft drei Termine vom Erstkontakt bis zur laufenden Therapie. Erfreulicherweise gibt es immer mehr Patienten, die gut eingestellt sind und nur ihre Weiterverschreibungen plus Routinekontrollen  benötigen, das geht schneller als 18 Minuten.
    Dafür kann man für einen neuen Rheumatiker mit 15 erkrankten Gelenken und inneren Beteiligungen, einen Menschen mit psychosomatischem Krankheitsbild, einen älteren Menschen mit eingeschränktem Aufnahme-, Seh- und/oder Hörvermögen oder einen der vielen, die kaum ein Wort Deutsch verstehen, leicht eine Stunde benötigen. Es ist immer zu wenig Zeit!

    Viele Aufklärungen laufen über schriftliches Aufklärungsmaterial und Ermunterung zu Patientenschulungen und Selbsthilfegruppen. Fragen werden beantwortet, wenn die Fragelisten nicht ausufern. Vor Beginn von Rheumatherapien gibt es 24 Stunden Bedenkzeit. Trotzdem bleibt vieles ungesagt.

    4. Folgerezepte

    „Ich brauche doch nur ein Rezept!“  ist der häufigste Wunsch am Tresen vorn in der Praxis. Steigerung für einen Fehlschlag ist „Ich brauche das Rezept für meine Schwiegermutter!“ – und die Chipkarte ist auch nicht dabei.

    Es gibt wie so oft verschiedene Konstellationen:

    Medikamente
    • Fortführung einer laufenden Therapie mit Schmerzmitteln oder Osteoporosemedikamenten – kein Problem, wenn die Therapie läuft und es nicht gerade ein Betäubungsmittelrezept bei starken Schmerzmitteln sein soll. Das geht in der Regel ohne Termin. Absolutes Minimum ist trotzdem ein Arzttermin im Jahr.
    • Fortführung der laufenden Rheumatherapie – da gibt es diverse Laborabnahmepflichten von 4-wöchig bis halbjährlich je nach Medikament. Die Dauerpatienten haben ihre Termine und ihre Rhythmen. Aber manchmal gab es verpasste Termine oder andere Unplanbarkeiten. Dann kann man helfen, wenn entweder gültige Laborbefunde aus den letzten 6 Wochen da sind oder wir die Chance haben, die Blutabnahme schnell zu machen. Das kostet Zeit und Nerven und geht meistens, aber nicht immer.
    • Der Wunsch nach einem anderen Medikament oder Dosiserhöhung – so etwas muss in jedem Falle der Arzt klären und dazu braucht es ein Zeitfenster.
    • Betäubungsmittelrezepte gibt es auch nur, wenn regelmäßige Kontrollen stattfinden – eigentlich selbstverständlich.
    Heilmittel (Krankengymnastik / Ergotherapie)

    Hier haben wir ein Problem mit dem Sozialgesetzbuch § 32 Heilmittel und der Heilmittelrichtlinie. Die sagt: „Vor der Verordnung von Heilmitteln muss sich der Arzt unter Einbezug entsprechender Diagnostik vom Zustand des Patienten überzeugen und diesen dokumentieren. Dies gilt auch für Folgeverordnungen.“ Das bedeutet im Klartext: Keine Heilmittelrezepte ohne Untersuchung und Dokumentation – und das ist ohne Termin schwer vorstellbar.

    5. Pharmaindustrie

    Wieso bekommt mein Arzt Geld von der Pharmaindustrie? Grundsätzlich darf ein Arzt für die Verordnung von bestimmten Medikamenten, die Empfehlung bestimmter Physiotherapeuten, Krankenhäuser oder Orthopädietechniker kein Geld (und keine geldwerten Vorteile) annehmen. Dagegen hat man die Straftatbestände der „Bestechlichkeit im Gesundheitswesen“ (§ 299a StGB) und der „Bestechung im Gesundheitswesen“ (§ 299b StGB)  geschaffen. Die große Koalition hat da viel Lärm gemacht, verboten war es vorher auch schon.

    Der Grund der Geldflüsse ist ein anderer, legal und sinnvoll: Es gibt immer wieder neue Medikamente. Alle in Deutschland verordnungsfähigen Medikamente  sind an Patienten erprobt und zugelassen, trotzdem ist die Datenlage zu Wirksamkeit, Risiken und Nebenwirkungen oft dünn. Dann laufen in den ersten Jahren der Post-Marketing-Phase die sogenannten Anwendungs-beobachtungen. Da werden im Google-Prinzip (Daten erstmal sammeln, ob wir eine Struktur darin finden, und was wir damit machen, verraten wir nicht immer) Informationen gesammelt und dann für Sicherheitsinformationen (gut so) und Marketing (blöd, aber legal) geschürft und aufbereitet.

    Wir sollen viele Daten zu den Medikamenten und den Patienten, die sie bekommen, sammeln, uns die datenschutzrechtliche Einwilligung der Patienten holen, dann alles anonymisieren, in Computer eintippen und dann der Pharmaindustrie zur Verfügung stellen, damit die es wieder ihrer (staatlichen) Aufsichtsbehörde zeigt. Das ist richtig Arbeit, bis zu 3 Stunden pro Patient. Das kostet Arbeitszeit und dazu muss man erstmal motiviert werden. Üblicherweise wird man in der Bundesrepublik Deutschland mit Geld motiviert.

    Alternativ könnte man natürlich zu allen neuen Medikamenten eine öffenlich finanzierte Studie für alle machen. Dann wären die Daten sauberer, weil alle erfasst würden, und der Vorwurf der Bestechlichkeit wäre weg- allerdings auch öffentliche Gelder.

    6. Telefonische Erreichbarkeit

    Wir haben eine neue Telefonanlage, für die eingehenden Gespräche gibt es eine einfache Fritzbox. Hier können wir jeden Tag unter „Anrufe“ sehen, wie viele und welche Anrufer uns zu erreichen versuchen.

    Statistik 26.6.17:

    Anrufversuche: 250 von 112 verschiedenen Nummern

    Angenommene Gespräche : 68

    Das heisst: trotz zweier offener Leitungen sind nur zwei Drittel der Anrufer irgendwann durchgekommen und drei von 4 Gesprächsversuchen endeten auf einem Anrufbeantworter. Trotzdem haben die, die durchkamen, auch heute wieder die Warteschlange um 3 Tage verlängert. es gab auch schon Tage mit 700 Anrufversuchen. Da kamen auch nur um die 70 durch.

    Zusammenfassung: Die telefonische Erreichbarkeit bleibt schlecht, solange wir mit Terminwünschen überrannt werden.

    Und da wir eine Arztpraxis betreiben und kein Callcenter, werden wir auch nicht zwei weitere Leitungen freischalten, damit nicht zwei, sondern vier Mitarbeiterinnen den ganzen Tag am Telefon sagen können:

    • Nein, ich habe wirklich keine kurzfristigen Termine.
    • Nein, es hat auch niemand abgesagt.
    • Nein, wir rufen nicht zurück, wenn jemand absagt. Wir werden die Termine sofort wieder an Patienten los, mit denen wir schon ein Behandlungsverhältnis haben.
    • Nein, Notfälle kann ein Arzt feststellen, nicht der Patient. Also gibt es am Telefon auch keine Notfalltermine.
    • Nein, telefonische Sprechstunde können wir mangels Zeit auch nicht anbieten.

    Punkte 7-10

    werden später geschrieben, das Thema ist einfach deprimierend.

  • Nach langer Zeit wieder online

    Nach diversen Virenangriffen und einer längeren Sperre durch HostEurope geht die Praxishomepage wieder online.  Aber noch ist das hier eine Baustelle.