Offene Sprechstunde

Erfahrung mit 2 Monaten offene Sprechstunde

Pflichtgemäß haben wir eine offene Sprechstunde eingerichtet und das auf dem Praxisschild, auf der Homepage, im Internet und auf der Arztsuchmaschine der KV auch ausgeschrieben. Entweder interessiert es wenige oder die Information kommt nicht an.

Die offene Sprechstunde ist nicht planbar. Manchmal kommen mehrere Patienten, die ersten kommen dran und die anderen gehen dann enttäuscht wieder. Das wussten wir vorher. Meist kommt niemand oder nur ein Patient und die Praxis steht trotz 3 Monaten Wartezeit kurzzeitig leer. Wer frequentiert die offen Sprechstunde?

  • Der grösste Teil sind Fehlselbstzuweisungen, also Patienten, die nach Unfällen beim Traumatologen nicht warten mögen und ersatzweise einen Orthopäden wählen. Nun, Unfallbehandlungen machen wir nicht so gut wie die Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie.
  • der nächste Teil sind akute Rückenschmerzpatienten. Für diese Patienten ist die offene Sprechstunde sinnvoll.
  • Dann kommen Patienten mit einem Rheumaverdacht in die offene Sprechstunde, um Wartezeit zu sparen. Das ist Unfug. Wenn es einen guten Grund für eine dringliche Diagnostik gibt, dann kann jeder Arzt das hier ausfüllen, dann gibt es auch schneller Termine. Oder existieren keine Fakten, die einen Rheumaverdacht untermauern. Dann müssen die Patienten 3 Monate auf die Auswertung warten, denn wir brauchen die kurzfristigen Termine für die Patienten, die chronisch erkrankt sind und Verschlechterungen haben.
  • Besondere Freude machen Fragestellungen wie „Ich komme zur Zweitmeinung, aber die Unterlagen von der Erstmeinung habe ich nicht dabei.“, „Ich brauche einen Sportarzt zur Vorbereitung auf einen Marathon und komme deshalb jetzt jeden Montag!“ oder „Mein Orthopäde hat keine Termine, deshalb komme ich hierher!“. Ärzte können bei so einer Frage ausgesprochen zynisch sein.

Zusammenfassend hat die offene Sprechstunde erwartungsgemäß Kapazitäten vernichtet, die wir besser bei chronisch kranken Patienten eingesetzt hätten. Wir hoffen, Herr Jens Spahn begreift irgendwann, welche Folgen sein Gesetz für die Patienten hat und macht es rückgängig. Leider glauben wir nicht an die Einsichtsfähigkeit von Populisten und so müssen wir diese ungeliebte Vorgabe weiter erfüllen.

Wir werden die Kapazität, die für die offene Sprechstunde freihalten müssen, so planen, dass sich die Konstellationen „zu viel frei, Arzt sitzt rum“ und „zu wenig frei, Patient weggeschickt“ etwa die Waage halten. Wir werden niemanden ermuntern, mit einem undringlichen Problem mehrfach in der offenen Sprechstunde zu erscheinen und sich an der Warteschlange vorbeizuschummeln.