Notfalle

Die Hälfte aller Terminanfragen kommt derzeit als Notfall, Hausarztvermittlungsfall, „dringlich“ oder zumindest mit dem Wörtchen „zeitnah!“.

Ab Mai haben wir die Anzahl der Notfalltermine halbieren müssen. Grund: Alle rheumatologischen Patienten brauche alle 12 Wochen eine Blutentnahme, einen Arzttermin und eine neue Schachtel Medikamente, die dann wieder nur 3 Monate reichen. Unser Terminvorlauf ist auf 18 Wochen angestiegen, wovon 2 Wochen den vielen freien Tagen im Frühling und 3 Wochen dem Sommerurlaub geschuldet sind. Wenn wir einen rheumatologischen Notfall drannehmen und es 18 Wochen bis zum Auswerten dauert, dann wird es sinnlos.

Ja, Herr Bundeskanzler Merz sagt uns jeden Tag, wir sollten endlich mehr arbeiten! Aber 36 Wochenstunden Sprechstunde = 54 Wochenstunden regelmäßige Arbeit sollten genug sein. Und solange Dr. Sensse mit 80% Grad der Behinderung buchtechnisch Rentner ist, wird er auch Urlaub machen – es reicht!.

Also sitzt man jeden Tag da und entscheidet, welcher der 5-10 dringenden Anfragen den letzten verbliebenen Notfalltermin bekommt. Heute habe ich ein dickes Sprunggelenk gesehen, was ich am Donnerstag mit „nicht gleich, Montag bitte!“ abweisen musste.

Was macht in diesem Zusammenhang die aktuelle Sparkampage von Frau Bundesgesundheitsministerin Warken aus?

Es gab das Projekt „offene Sprechstunde“, dessen Förderung jetzt gestrichen werden muss. Wir haben 2025 zwei Neupatienten, die mit einem berechtigten dringenden Anliegen in die Praxis kamen, gleich behandelt und über die offene Sprechstunde abgerechnet. Ansonsten ist es verantwortungslos, bei der chronisch üblen Terminlage eine Stunde jeden Tag für ungeplant unstrukturiert eintrudelnde Patienten zu reservieren und Minecraft zu spielen, wenn niemand kommt. Das Projekt wurde nie mit Leben erfüllt. es ist gut, wenn man sich ehrlich macht, Vorschrift und Förderung streicht. Unsere woke Bundesregierung möchte nur die Förderung streichen, also bleibt die offene Sprechstunde ein Märchen. Für uns ändert sich nichts.

Es gibt den Hausarztvermittlungsfall, bei dem unstrukturiert Patienten dringlich gemacht werden. Dafür bekommt der Hausarzt 15 Euro und der Facharzt einen Zuschlag zur Versichertengrundpauschale. Die Gelder wurden mittlerweile gekürzt, wir haben zuletzt 82 % der Aufschläge gesehen. Es ist so weit Standard geworden, dass es wenig Überweisungen ohne den Spruch „Hausarztvermittlungsfall“ gibt. Früher stand an der Stelle die Verdachtsdiagnose, das war sinnvoller. manchmal steht auch beides drauf. Im letzten Quartal haben wir 25 Patienten mit HAV behandelt und dafür 525,36 € bekommen. Mit dem Verlust können wir leben.