{"id":680,"date":"2021-07-15T11:40:19","date_gmt":"2021-07-15T11:40:19","guid":{"rendered":"http:\/\/sensse.net\/?p=680"},"modified":"2023-11-05T15:33:20","modified_gmt":"2023-11-05T15:33:20","slug":"annahmesperre-fuer-rheuma-neupatienten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sensse.net\/?p=680","title":{"rendered":"Annahmesperre f\u00fcr Rheuma-Neupatienten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Schleichend und unbemerkt hat sich die Praxisauslastung ver\u00e4ndert. Normalerweise ist es so, dass die Wartezeit f\u00fcr Rheumapatienten um drei Monate ist. Eine Medikamentenschachtel egalwas h\u00e4lt 12 Wochen, die Laborabnahmen sind um 3 Monate Pflicht und es gibt eine Vorgabe, Rheumapatienten unter Basistherapie viermal j\u00e4hrlich anzusehen. So ist der Quartalsrhythmus fest in unseren K\u00f6pfen eingepr\u00e4gt. Die Bestandspatienten nehmen den n\u00e4chsten Termin in drei Monaten mit und was \u00fcbrig bleibt, ist die Ressource f\u00fcr Neupatienten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das System ist schon instabil, denn jedes Jahr im Sommer gibt es drei Wochen Urlaub, die dann als Termin nicht zur Verf\u00fcgung stehen und f\u00fcr weniger Neupatientenl\u00fccken im Herbst sorgen. Diese Jahr kommen die vielen Patienten dazu, die w\u00e4hrend der Hochzeiten von Covid-19 zu keinem Arzt gegangen sind, keine Medikamente genommen haben und ihre mittlerweile anderweitig besetzten Behandlungspl\u00e4tze jetzt &#8222;selbstverst\u00e4ndlich&#8220; wiederhaben wollen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Terminservicestelle schickt 2 Patienten pro Woche, das Notfallverfahren tut ein \u00dcbriges und der Patientenschwund durch Wegzug und Unzufriedenheit ist nicht so hoch, dass er Entlastung schafft. Jetzt liegen die n\u00e4chsten Termine f\u00fcr die Bestandspatienten bei vier Monaten. Der maximal verordnungsf\u00e4hige Medikamentenvorrat reicht damit nicht bis zum n\u00e4chsten Termin, die Reaktionen reichen von Verst\u00e4ndnis bis Wut. Die Mitarbeiterinnen sind noch genervter, als sie es durch die L\u00e4stigkeiten der Impfkampagne und des Maskentragens eh sind. Da wir unsere Kapazit\u00e4ten nicht ausbauen k\u00f6nnen, ist eine Begrenzung der Termine f\u00fcr Neupatienten notwendig. So schimpfen nur Menschen mit uns, die wir noch nicht kennen. Das geht einem dann nicht ganz so nahe.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Das n\u00e4chste Problem: Neupatienten mit einem Vorlauf \u00fcber drei Monate erscheinen seltener, weil sie in der Zwischenzeit einen anderen Behandler gefunden haben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Aus dem Kapazit\u00e4tsproblem ergibt sich die n\u00e4chste Frage: <strong>Gibt es zu wenig Rheumatologen?<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ich glaube nicht, dass es zu wenig Rheumatologen gibt. Es mag zu wenig Haus\u00e4rzte geben, die dann nicht die Zeit haben, den Patienten zuzuh\u00f6ren, sie zu untersuchen, zu beraten, die Unterlagen zusammenzustellen und dann eine \u00dcberweisung zu schreiben. Das schl\u00e4gt sich auf die Qualit\u00e4t der Zuweisungen nieder:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Zehn Prozent der hier vorgestellten Rheumasuchen haben einen leitliniengerechten Grund (erh\u00f6hte Entz\u00fcndungswerte im Labor, warme Gelenkschwellungen, n\u00e4chtliche, weckende R\u00fcckenschmerzen, eine Morgensteifigkeit von \u00fcber einer Stunde, einen Nachtschwei\u00df, eine Augeninnentz\u00fcndung oder eine Familienanamnese mit Rheumatikern). 90 % der Rheumasuchen sollen &#8222;zur Abkl\u00e4rung&#8220; zum Rheumatologen.<\/span><\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Sechzig Prozent, mehr als die H\u00e4lfte der Patienten, kommt ohne Unterlagen. Von den 15 Minuten, die f\u00fcr eine Erstvorstellung vorgesehen sind, vergehen dann eher 20 als 10 beim Zusammentelefonieren der Befunde. Selbst Patienten mit &#8222;Notfallzuweisungen&#8220; und Code \u00fcber die Terminservicestelle kommen oft ohne Unterlagen. Wenn alles zusammengesucht ist, finden sich hinter der \u00dcberweisung &#8222;Rheumasuche&#8220; aktuelle und komplette Rheumaausschl\u00fcsse oder Klinikunterlagen, die das zu suchende Rheuma schon gesichert haben einschlie\u00dflich Therapievorschl\u00e4gen. Das nervt.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Nat\u00fcrlich darf man sich als Patient eine Zweitmeinung einholen, auch wenn das streng genommen keine Kassenleistung ist und privat bezahlt werden m\u00fcsste. Deshalb die R\u00f6ntgenbilder (Strahlenschweinerei) oder das Labor (Kosten, Zeitverlust) neu machen darf man nicht.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Nat\u00fcrlich kann man als Rheumapatient auch den Behandler wechseln. Aber dies ohne Papiere und ohne die Information &#8222;Rheuma bekannt&#8220; als absichtlich als Suchspiel zu betreiben, ist ein guter Grund, den Patienten wegen gebrochenem Vertrauensverh\u00e4ltnis (Zur\u00fcckhalten wesentlicher Informationen) nicht zu \u00fcbernehmen oder beim geringsten Anlass hinauszusetzen.<\/span><\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein F\u00fcnftel der Patienten hat eine \u00dcberweisungsdiagnose, aus der hervorgeht, dass sich der Patient die \u00dcberweisung bei der Medizinischen Fachangestellten ohne konkreten Verdacht auf ein Rheuma geholt hat. &#8222;AWDP&#8220; (auf Wunsch des Patienten), &#8222;zur Abkl\u00e4rung&#8220; (Text zu Ende, nicht zur Abkl\u00e4rung von&#8230;),\u00a0 &#8222;zur Verlaufskontrolle&#8220; (eines noch nie gesehenen Menschen) und &#8222;fachfremde Erkrankung&#8220; sind h\u00e4ufige Nonsenstexte. Der Patient kann wenig daf\u00fcr. Als Arzt sollte man sich sch\u00e4men, seine Unterschrift unter derartige \u00dcberweisungen zu setzen.<\/span><\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Eine besondere Freude sind Zuweisungen einer neuen Ausbildungsrichtung, des Facharztes f\u00fcr Orthop\u00e4die und Unfallchirurgie. 2005 wurde der Facharzt f\u00fcr Orthop\u00e4die abgeschafft und mit der chirurgischen Spezialisierung f\u00fcr Unfallheilkunde zu einem gemeinsamen Facharzt zusammengelegt. Die Kollegen sind sicher gesch\u00e4tzte Operateure und in ihrem Fach hochkompetent. Wenn ich als \u00dcberweisungsgrund &#8222;Verdacht auf Arthrose&#8220; lese, dann f\u00fcrchte ich, die nichtoperative und diagnostische Ausbildung musste deshalb zur\u00fcckbleiben. Danach sehen zumindest die \u00dcberweisungstexte h\u00e4ufig aus.<\/span><\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es gibt auch Zuweisungen von Haut\u00e4rzten zur Suche nach Schuppenflechtenrheuma und von Augen\u00e4rzten &#8211; zu 2\/3 dieser Zuweisungen finden wir ein Rheuma &#8211; es geht also besser und deshalb sind wir da auch schneller bei der Terminfindung.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es gibt zu viele medizinisch nicht begr\u00fcndbare, doppelte, dreifache und vierfache Rheumasuchen und damit eine Fehlauslastung der Rheumatologen. Deshalb wird immer wieder mal ein Programm nach dem anderen zur Verbesserung der Zuweisungsqualit\u00e4t aufgelegt, das eine Vorsortierung der dringenden Patienten bewirken soll.\u00a0 Rheuma-VOR war hier ein l\u00f6bliches Beispiel.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Als Konsequenz aus der verbesserungsw\u00fcrdigen Anfragenqualit\u00e4t haben wir<\/span><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><span style=\"color: #000000;\">Ein Formblatt f\u00fcr eine <a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/sensse.net\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Anmeldefax-Rheumatologie.pdf\">Anmeldefax Rheumatologie<\/a>. Wenn das ausgef\u00fcllt ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der anfragende Arzt einen Termin erwirkt. Die Wahrscheinlichkeit steigt, wenn ein auff\u00e4lliges Labor dabei ist.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Es gibt eine M\u00f6glichkeit, wegen Fortsetzung einer Therapie nach Klinik oder bei Berentung des aktuellen Behandlers Termine zu bekommen. Unterlagen m\u00fcssen dabei sein, denn wenn wir die Patienten eines ausgefallenen Kollegen als Hunderterpack ins vollgepackte laufende Programm \u00fcbernehmen, dann ist eine Aktensuche nicht m\u00f6glich. Die Situation hatten wir schon mehrfach.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">die M\u00f6glichkeit, bei Frau Dr. Sensse eine Rheumasuche machen zu lassen. Sie ist keine Rheumatologin, arbeitet aber seit 2002 in einer rheumatologischen Praxis. Sie hat jetzt schon mindestens 10 Rheumasuchen am Tag. Wenn es Fragen gibt, reden wir intern miteinander. Die M\u00f6glichkeit, dann intern zu wechseln, gibt es aus medizinischen Gr\u00fcnden, aber nicht auf Wunsch. Die freie Arztwahl ist ein theoretisches Konzept, das durch die realen Kapazit\u00e4ten begrenzt ist.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #000000;\">keine ausgewiesene Privatsprechstunde. Nat\u00fcrlich behandeln wir auch Privatpatienten. Alles andere w\u00e4re Diskriminierung. Eine bevorzugte Behandlung von irgendwem (Fussballer, Gamsener Prominenz, Youtuber und InfluencerInnen, Privatpatienten) verbietet sich, wenn man selbst das dringende Verfahren nicht immer bedienen kann.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Wenn das nicht reicht, sind wir nicht die richtige Praxis. Wir glauben an ein Leben nach dem Feierabend. Man muss es sich aber verdienen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schleichend und unbemerkt hat sich die Praxisauslastung ver\u00e4ndert. Normalerweise ist es so, dass die Wartezeit f\u00fcr Rheumapatienten um drei Monate ist. Eine Medikamentenschachtel egalwas h\u00e4lt 12 Wochen, die Laborabnahmen sind um 3 Monate Pflicht und es gibt eine Vorgabe, Rheumapatienten unter Basistherapie viermal j\u00e4hrlich anzusehen. So ist der Quartalsrhythmus fest in unseren K\u00f6pfen eingepr\u00e4gt. Die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-680","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-blog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sensse.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/680","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sensse.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sensse.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sensse.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sensse.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=680"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/sensse.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/680\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1287,"href":"https:\/\/sensse.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/680\/revisions\/1287"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sensse.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sensse.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sensse.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}