Autor: Jörg Sensse

  • Das Ende der Priorisierung

    18.5.21

    Nun ist es offiziell: Das Ende der Priorisierung ist am 7.6.2021. In der gleichen Woche und drei Wochen darauf werden wir keine Impfungen mit Biontech anbieten, weil die Zweitimpfung in die VW-Werksferien und unseren Jahresurlaub fallen würden.

    18.4.21

    Am 18.4. abends geisterte durch die Nachrichten, dass unser Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung mit dem Ende der Priorisierung im Mai rechnet. Prompt kam die Hochrechnung: Geimpft bisher 17 Millionen Priorisierte (laut Frankfurter Allgemeine seien es 23 Millionen Priorisierte), also gibt es bei dem derzeitigen Impffortschritt von 4 Millionen noch 2 Wochen Priorisierung.

    Problem: Es mag sein, dass wir 23 Millionen Menschen über 60 haben. Die Krankenkassen sprechen von 34 Millionen Priorisierten, von denen sicher nicht 100 % Impfwillige sind. Das Impftempo wird steigen, die Anzahl der Erstgeimpften vielleicht trotzdem fallen, weil immer mehr Zweitimpfungen (auch gut!) anfallen.

    Ich rate dringend dazu, dazu bei „Ende der Priorisierung im Mai“ den 31.5. zu rechnen und sich zu freuen, wenn es eher klappt. Dann können sich weitere 50 Millionen Menschen anmelden. Das gibt wieder eine Schlange.

    Nachtrag 26.4.21:

    Frau Merkel äußerte zur Pressekonferenz nach der Ministerpräsidentenkonferenz: „Ende Der Priorisierung im Juni.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Viele Experten können prophezeien. Frau Bundeskanzlerin Merkel kann es festlegen.

    Nachtrag 6.5.

    Für den eher unbeliebten Impfstoff Vaxzevria ist die Priorisierung beendet. Comirnaty von Biontech ist weiter knapp.

  • Anmeldung zur Covidimpfung

    Zunächst der Link, den alle suchen: https://www.impfportal-niedersachsen.de

    13.3.2021

    70-jahrige können sich ab nächster Woche eintragen, sagt unsere neue niedersächstische Gesundheitsministerin. In Sachsen-Anhalt funktionierte es schon seit letzter Woche.

    23.2.2021

    Am 29.1. wurde diese Internetseite eingerichtet und prompt überrannt. Aktuell funktioniert sie, fragt das Alter ab und akzeptiert für 80-jährige in Gifhorn eine Buchung auf die Warteliste.

    Die 70-79-jährigen, die Asthmatiker, die Hochgewichtigen mit BMI >40 und viele Andere können noch nichts eintragen. Schade. In Hessen und Berlin ist man schon so weit, Niedersachsen hängt da leider als drittlangsamstes Bundesland etwas nach.

    Gleichzeitig steht dort, dass das Impfzentrum von Amts wegen auf die Berechtigten aus Einrichtungen und Arztpraxen zukommt. Das passiert zur Zeit wirklich.

     

  • Coronaschutzimpfung

    27.3.21 Die Coronaimpfung kommt in die Arztpraxen.

    Mittlerweile ist offiziell, das die Haus- und Facharztpraxen ab dem 5. April gegen Corona impfen sollen. Es wird wegen der regelmäßig zuverlässigen Lieferung der Impfstoff Comirnaty von Biontech.

    Was wir noch nicht wissen:

    • ob die Facharztpraxen gleich dabei sind,
    • ob es 20 oder 50 Impfdosen gibt und
    • ob das pro Arzt oder pro Praxis gerechnet wird.

    Wir haben uns darauf eingestellt, dass wir in der Urlaubswoche zwischen null und 100 Einheiten Impfstoff bekommen, dann Patienten der Prioritätsgruppen 1 und 2 durchtelefonieren und einen Impftag durchführen. Wir führen keine Wartelisten und werden auch nicht an der Prioritätsliste vorbeiimpfen. Das dürfen wir nicht und das müssen wir nicht. Durch die normale Terminplanung kommen jede Woche 150 priorisierte Patienten in unsere Praxis und in unser Labor. Dafür wird der Impfstoff nicht reichen. Wenn man einen Termin hat, scheint es aber sinnvoll, dem Impfausweis in den nächsten Wochen immer dabeizuhaben.
    Nach dem Impf- und Testankündigungschaos der letzten Wochen werden wir die Impfung anbieten, wenn der Impfstoff im Kühlschrank liegt. Alles andere kann man sich spahn. Planung ist der Austausch des Zufalls durch den Irrtum.

    14.3.21 Das Anmeldeportal für 70+ und Chroniker funktioniert!

    Heute haben wir das Anmeldeportal getestet. Es funktioniert für Gifhorn  und vergibt Wartelistenplätze.  Nach  Eingabe  von Adresse  und  Telefonnummer  oder  Email  haben  wir  einen  Wartelistenplatz  erhalten.

    11.3.21

    Gestern haben die Gesundheitsminister getagt, um den Impfstart in den Hausarztpraxen festzulegen. Ergebnis: Wir fragen doch die Ministerpräsidenten. Die zaudernde und mutlose Impfpolitik ist nichts Neues. Die Welt lacht über Deutschland mit seiner schlechten Impfkampagne und selbst in Deutschland ist Niedersachsen fast das Letzte. Das Impfen geht voran, aber Anmelden für Chroniker geht immer noch nicht.

    4.3.2021

    Gestern gab es eine lange Ministerpräsidentensitzung mit Frau Bundeskanzlerin. Wer hoffte, dass die Impfstrategie Richtung weniger Bürokratie und mehr Impfen in Arztpraxen geöffnet wird, wurde enttäuscht. Also werden wir weiter täglich 20 priorisierten Patienten, die im Labor den Arm wegen der Blutentnahme frei haben, keine Impfung, sondern eine Impfnotwendigkeitsbescheinigung verabreichen. Schade. Es gibt lediglich Gerüchte und Absichtserklärungen, ab Anfang April Niedergelassene impfen zu lassen.

    Die Stimmung bei den Hausärzten kann man in einem Gastbeitrag bei DocCheck lesen.

    2.3.2021

    Hamstern nennt man es, wenn jemand mehr Nudeln oder Klopapier einlagert, als verwenden kann. Es ist unmoralisch bis eine Sauerei. Im Impfzentrum Gifhorn liegen über 1000 Impfdosen von AstraZeneca und niemand darf ran. Jetzt kam die gute Nachricht, dass Lehrer zügig und ausser der Reihe geimpft werden sollen. Bei uns als ungeimpfte Praxis kam die Nachricht nicht ganz so gut an. Mittlerweile haben viele Lehrer feste Termine in den Impfzentren. Freundliche ruhige und sachliche Imofberatungen fallen da sehr schwer. Aber es gibt zumindest Hoffnung, dass wir am Montag eine geimpfte und damit etwas sicherere Arztpraxis sind.

    14.02.2021

    Der Berufsverband Rheumatologie hat offiziell Stellung genommen: Alle derzeit lieferbaren oder in Endstadien der Entwicklung befindlichen  Impfstoffe sind für Rheumatiker geeignet. Der Langtext ist hier. Das ist eine gute Nachricht. Da die Impfviren von Astra-Zeneca (und Johnson/Johnson) nicht vermehrungsfähig sind, werden sie als Totimpfstoffe eingruppiert und für Rheumatiker als problemlos angesehen. OK, wir waren wohl überbesorgt.

    11.02.2021

    Mittlerweile haben wir die zweite Fortschreibung der Corona-Impfverordnung. Es gibt Veränderungen der Dringlichkeit der Patienten. Patienten mit „hoher Priorität“ sind bald mit dem Impfen dran – für uns relevante Indikationen sind Rheumatiker mit einer Rheumalunge (die ILD oder interstitielle Lungenkrankheit) und Höhergewichtige mit einem Body-Mass-Index über 30.

    Die meisten unserer Patienten sind auch weiter in der Gruppe der „erhöhten Priorität“. Schwierig für uns ist, dass die Impfverordnung für Patienten unter 65 Jahren den Lebendimpfstoff  „Corona-Vaccine“ von AstraZeneca favorisiert, weil er derzeit besser verfügbar ist. Patienten mit Rheumabasistherapie wie Prednisolon > 20 mg, Methotrexat, Leflunomid, Azathioprin, Anti-TNF-Medikamenten wie Adalimumab, Ethanercept, Certolizumab, Golimumab, anderen Biologika wie Abatacerpt, Ixekizumab, Secukinumab oder Ustekinumab oder JAK-Hemmern wie Baricitinib, Filgotinib, Tofacitinib oder Upadacitinib sollten keine Lebendimpfstoffe bekommen.Anders herum gesagt, ist nur bei Sulfasalazin oder Chloroquin eine Impfung mit Astra-Zenecas Corona-Vaccine möglich, bei allen anderen ist sie je nach Medikament nicht zugelassen bis gefährlich.

    Wir sind am Herumtelefonieren mit allen möglichen Stellen vom Rheumatologenverband über die Ärztekammer bis zum Gesundheitsministerium. Es ist wie überall in den sozialen Netzwerken: Alle verstehen und teilen das Problem, aber bisher haben wir außer Beifall nichts erwirkt. Ziel wäre, dass in der nächsten Fortschreibung der Corona-Impfverordnung die Rheumatiker unter „bevorzugt mit mRNA-Impfstoff“ berücksichtigt werden.

    Wir haben jetzt jeden Tag mehrere Geimpfte gesehen und es werden immer mehr. Auch wenn es sich anders anfühlt: Die Impfkampagne läuft.

    29.1.2020

    Über unsere Fachgesellschaft kam ein sehr sachliches Video zum Impfen. Ich binde es mal hier ein.

     

    29.1.2020

    Wir empfehlen die Covid-19-Impfung dringend, stehen auch als Impfende zur Verfügung (wenn denn nur endlich genug Impfstoff da ist).

    Gestern wurde bekanntgegeben, wie die Bescheinigungen über die hohe oder erhöhte Priorität für die Anmeldung zur Coronaimpfung aussehen.

    Mit der „hohen Priorität“ kann man sich mit den 70-80-jährigen zusammen in Gruppe 2 anmelden. Gründe sind:

    a) Personen mit Trisomie 21,
    b) Personen mit einer Demenz oder mit einer geistigen Behinderung,
    c) Personen nach Organtransplantation,

    Das betrifft etwa 10 unserer Patienten, die haben wir versucht zu benachrichtigen.

    Mit der „erhöhten Priorität“ kann man sich mit den 60-70-jährigen zusammen in Gruppe 2 anmelden. Gründe sind:

    a) Personen mit Adipositas (Personen mit Body-Mass-Index über 30),
    b) Personen mit chronischer Nierenerkrankung,
    c) Personen mit chronischer Lebererkrankung,
    d) Personen mit Immundefizienz oder HIV-Infektion,
    e) Personen mit Diabetes mellitus,
    f) Personen mit einer Herzinsuffizienz, Arrhythmie, einem Vorhofflimmern, einer koronaren Herzkrankheit oder
    arterieller Hypertension,
    g) Personen mit zerebrovaskulären Erkrankungen oder Apoplex,
    h) Personen mit Krebserkrankungen,
    i) Personen mit COPD oder Asthma bronchiale,
    j) Personen mit Autoimmunerkrankungen oder rheumatischen Erkrankungen,

    Das betrifft den größten Teil unserer Patienten. Wenn man über 60 Jahre alt ist, hat man keinen Vorteil. Alle Jüngeren mit einem Rheuma (außer Fibromyalgie, das ist keine Autoimmunerkrankung) können sich gern per Mail oder beim nächsten Besuch eine derartige Bescheinigung anfordern. Die Ausstellung und das Porto sind Kassenleistung.

    Die Frage, welcher der beste Impfstoff ist, stellen wir nicht. Man kann sich das nicht aussuchen, jeder zugelassene Impfstoff ist besser als kein Impfstoff und so denken wir nur darüber nach, ob man, wenn denn genug Impfstoff für alle da ist, die Astra-Zeneca-Geimpften noch einmal nachkontrollieren und gegebenenfalls nachimpfen muss. Bis dahin: Impfen lassen bitte.

    25.1.2021

    Mittlerweile wurden in Gifhorn nicht mehr nur die Altenheimbewohner – und Mitarbeiter, die Krankenhausmitarbeiter und der Rettungsdienst geimpft, man ist jetzt bei den Wohngruppen außerhalb von Altenheimen. Eine Anmeldemöglichkeit für über 80-jährige gibt es noch nicht, sie ist zum 28.1. angekündigt. Quelle hier. Danach ist die Gruppe 2, also über 70-jährige und einige Schwerkranke dran. Rheumatiker sind als Immundefiziente mit aktuellem Stand in Gruppe 3 – das kann noch dauern. Wie man sich als Rheumatiker ausweist, wissen wir noch nicht. Denkbar wäre von „mit Diagnose, damit der Impfarzt auch Informationen hat“ über „ohne Diagnose, Datenschutz geht vor Machbarkeit“ inhaltlich alles. Auch die Form „irgendein Arztbrief reicht“, „frischer Brief vom Fach- oder Hausarzt mit Impffähigkeits- und Notwendigkeitsbescheinigung“, „mit QR-Code“, damit die Softwareindustrie noch weiter verzögern kann, „Registriernummer“ für ein händisches Bürokratiemonster oder „fälschungssicheres Hologramm“, das dann Alibaba schneller liefert als unsere Obrigkeit, ist noch unklar. Trotz aller Bitterkeit und allem Unwillens wegen der Impfverzögerungen sind wir sicher, dass die Fragen der Zugehörigkeit zu einer Gruppe rechtzeitig geklärt werden und das wir das dann auch irgendwie für die nur 1400 Patienten mit Rheumamedikamenten in unserer Betreuung hinbekommen.

    Die gute Nachricht ist: jeden Tag haben wir jetzt mehrere Patienten in der Sprechstunde, die die Impfung hinter sich haben. Es gibt ein paar Berichte über ein Druckgefühl im linken Oberarm, einmal auch eine Kreislaufreaktion über 3 Tage, die aber nicht am Arbeiten hinderte und eher ein leichtes Unwohlsein war. Aber es gibt weder bei den Patienten noch in der Presse irgendwelche Berichte, die schlechter sind als das normale Befinden der über 80-jährigen, die überwiegend geimpft wurden. Die Impfkampagne läuft.

    25.11.2020

    Bei dem Beitrag muss man als erstes das Datum schreiben. Die Fakten ändern sich täglich, der Grundtenor nicht. Stand 25.11.:

    Die gute Nachricht zuerst: Impfstoffe gegen Covid-19 kommen, die Verteilung ist nahe. Da Rheumatiker zu den Risikopatienten gehören, könnten sie das Angebot einer Impfung schnell bekommen und sollten also darüber nachdenken.

    Fakten: Die Impfstoffe sind entsprechend der Dringlichkeit der Sache sehr schnell entwickelt, hergestellt und schon vor Zulassung in der Massenproduktion. Dabei wurde ausdrücklich nicht an der Patientenzahl oder der Beobachtungsdauer der Impfstudien gespart.

    Auch der schlechteste Impfstoff kann nicht so gefährlich sein wie das Original Covid-19. Die Erkrankung hat bisher in Deutschland jeden 60. Betroffenen getötet – innerhalb 5 Wochen. Jeder bisher im Test veröffentlichte Impfstoff hat bisher bei mehr als 20.000 Testpersonen innerhalb 3 Monaten niemanden getötet oder schwer geschädigt. Diese Wahl fällt leicht.

    Für den Impfstoffe von Biontech  benötigt man Impfzentren, weil kaum eine Praxis 70-Grad-Celsius-Kühltechnik hat. Bisher ist nicht veröffentlicht, wie sich die Impfberechtigten in den Impfzentren als Impfberechtigte ausweisen.

    Herangehen: Wenn man sich selbst impfen lassen will, sollte man das laut, aber ohne zu nerven, kommunizieren. Man kann und sollte anderen motivieren, denn wir alle bekommen unser Leben erst zurück, wenn die Herdenimmunität von 60% erreicht ist.

    Wenn man unentschlossen ist, sollte man sich informieren.

    Wenn man sich selbst nicht impfen lassen will, ist das eine persönliche Entscheidung. Auch die Impfmuffel brauchen die Herdenimmunität und sollten also nicht meckern, sondern die anderen trotzdem motivieren.

     

     

     

  • Grippeschutzimpfung

    Es ist wieder Grippeschutzimpfungszeit. Die gute Nachricht: der diesjährige Vierfachimpfstoff scheint gut verträglich – zumindest haben sich nur 3 von 150 Geimpften über eine Impfreaktion oder Impfgrippe beschwert.

    Der Grippeimpfstoff ist Leistung der gesetzlichen Krankenkasse für alle über 60 Jahre, zusätzlich für alle Risikopatienen wie Asthmatiker oder Rheumatiker. Die Aufzählung ist länger und im RKI nachzulesen.  Dazu ist die Impfung Kassenleistung bei allen Personen, die mit Gefährdeten im selben Haushalt leben oder sie betreuen.

    Wir empfehlen die Impfung dringend. Ein paar Dosen Impfstoff haben wir wieder für Risikopatienten (Stand 25.11.20)

  • Geschützt: Tumor im Kopf

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  • Masken für / gegen Coronaviren

    Niedersachsen hat die Maskenpflicht. Damit steht die Frage, was man da als chronisch Kranker Rheumatiker trägt. Selbstgenähtes oder ein Schal schützen zwar andere vor der Aerosolwolke des Ausatmens, bieten aber eher wenig Eigenschutz. Rheumatiker und erst recht Lungenkranke dürfen etwas Professionelles nutzen, die Klinken und Altenheime sind mittlerweile versorgt.

    Besser für den Einzelnen sind Masken FFP2 /KN95 mit Ventli, denn diese durchfeuchten nicht so schnell durch die Ausatemfeuchtigkeit.

    Man bekommt sie zu fallenden Preisen z.B. im Onlineshop von real; https://www.real.de/item/search/?search_value=kn95%20ventil für 3,50 € pro Stück im Zwanzigerpack. Nur so als Tip. Es gibt sie sicher auch woanders, wir haben anfangs bei Real, Amazon und ebay bestellt. Die Lieferung von Real kam mit Wochen Abstand eher.

    Nachtrag 6.5.20: Die Lieferzeiten sind mittlerweile oft, aber nicht verlässlich unter 4 Tagen.  Es gibt Angebote mit dem Label „Versand aus Deutschland“.

  • Offene Sprechstunde

    Erfahrung mit 2 Monaten offene Sprechstunde

    Pflichtgemäß haben wir eine offene Sprechstunde eingerichtet und das auf dem Praxisschild, auf der Homepage, im Internet und auf der Arztsuchmaschine der KV auch ausgeschrieben. Entweder interessiert es wenige oder die Information kommt nicht an.

    Die offene Sprechstunde ist nicht planbar. Manchmal kommen mehrere Patienten, die ersten kommen dran und die anderen gehen dann enttäuscht wieder. Das wussten wir vorher. Meist kommt niemand oder nur ein Patient und die Praxis steht trotz 3 Monaten Wartezeit kurzzeitig leer. Wer frequentiert die offen Sprechstunde?

    • Der grösste Teil sind Fehlselbstzuweisungen, also Patienten, die nach Unfällen beim Traumatologen nicht warten mögen und ersatzweise einen Orthopäden wählen. Nun, Unfallbehandlungen machen wir nicht so gut wie die Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie.
    • der nächste Teil sind akute Rückenschmerzpatienten. Für diese Patienten ist die offene Sprechstunde sinnvoll.
    • Dann kommen Patienten mit einem Rheumaverdacht in die offene Sprechstunde, um Wartezeit zu sparen. Das ist Unfug. Wenn es einen guten Grund für eine dringliche Diagnostik gibt, dann kann jeder Arzt das hier ausfüllen, dann gibt es auch schneller Termine. Oder existieren keine Fakten, die einen Rheumaverdacht untermauern. Dann müssen die Patienten 3 Monate auf die Auswertung warten, denn wir brauchen die kurzfristigen Termine für die Patienten, die chronisch erkrankt sind und Verschlechterungen haben.
    • Besondere Freude machen Fragestellungen wie „Ich komme zur Zweitmeinung, aber die Unterlagen von der Erstmeinung habe ich nicht dabei.“, „Ich brauche einen Sportarzt zur Vorbereitung auf einen Marathon und komme deshalb jetzt jeden Montag!“ oder „Mein Orthopäde hat keine Termine, deshalb komme ich hierher!“. Ärzte können bei so einer Frage ausgesprochen zynisch sein.

    Zusammenfassend hat die offene Sprechstunde erwartungsgemäß Kapazitäten vernichtet, die wir besser bei chronisch kranken Patienten eingesetzt hätten. Wir hoffen, Herr Jens Spahn begreift irgendwann, welche Folgen sein Gesetz für die Patienten hat und macht es rückgängig. Leider glauben wir nicht an die Einsichtsfähigkeit von Populisten und so müssen wir diese ungeliebte Vorgabe weiter erfüllen.

    Wir werden die Kapazität, die für die offene Sprechstunde freihalten müssen, so planen, dass sich die Konstellationen „zu viel frei, Arzt sitzt rum“ und „zu wenig frei, Patient weggeschickt“ etwa die Waage halten. Wir werden niemanden ermuntern, mit einem undringlichen Problem mehrfach in der offenen Sprechstunde zu erscheinen und sich an der Warteschlange vorbeizuschummeln.

  • Fachkräftemangel

    Fachkräftemangel

    Es gibt ihn, den Fachkräftemangel. Wir als kleine Praxis können Mitarbeiterinnen suchen – es ist ein kontinuierlicher Prozess. Unsere etwas grösseren Mitbewerber, die Kliniken, schulen neuerdings Arzthelferinnen zu Pflegekräften um und saugen am ambulanten Gesundheitssystem.  Bei Helios gibt es ein Programm „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“, wo es mindestens ein Monatsgehalt Prämie gibt, wenn man eine Arzthelferin findet, die in die Pflege will. Aktuell wird für Mitarbeiter sogar ein Begrüssungsgeld gezahlt – 3000 € sind hier angeboten. Von 6000 € haben wir schon gehört. Dem Beschuss kann man nur schwer etwas entgegensetzen.

    So haben wir in der zweiten Jahreshälfte 2019 vier unserer 6 Vollkräfte an die MVZ der umliegenden Kliniken verloren. Damit fielen Telefonbedienung, Helferinnensprechstunde für stabile Rheumatiker, doppelt besetztes Labor zu Stoßzeiten  und viele Serviceleistungen weg und die Praxiskapazität sank von 2800 auf 2300 Patienten im Quartal.

    Langsam wird es wieder. Wir haben allerdings keine Vollkräfte dazugewinnen können, sondern vorerst Teilzeitkräfte und Auszubildende. Damit fehlen weiter Kapazitäten und die Trainingsphase wird lang.

    Durch die fehlenden Vollkräfte wird auch das Sprechstundenangebot geringer – ohne Mitarbeiter geht es nicht.

    Aus ehemals 35 Wochenstunden mit einem längeren Mittwoch und Freitag sind jetzt noch 26 Wochenstunden offiziell geworden, also genau eine mehr als das gesetzliche Minimum.

    Das „und nach Vereinbarung“ sind derzeit an jedem Tag eine bis zwei Stunden mehr, aber es kann sein, dass zum beispiel der Tresen und das Röntgen unbesetzt sind und so schreiben wir das nicht aus.

    Dafür ist jetzt eine offene Sprechstunde ausgeschrieben, die uns von Rumsitzen bis „es kommen nicht alle dran“ schon alle Möglichkeiten beschert hat ausser „normale Auslastung.

  • Terminservice- und Versorgungsgesetz – TSVG

    Nun hat Herr Gesundheitsminster, gelernter Bankkaufmann und studierter Politikwissenschaftler im Fernstudium Jens Spahn, sein Terminservice- und Versorgungsgesetz – TSVG erlassen. Was ändert sich dadurch?

    Ab ersten Mai bekommen die Hausärzte 10 € für die Vermittlung eines Facharzttermines. Wir haben trotzdem keine Termine für die Rheumatologie. Also werden wir weiter dringende Fälle mit Unterlagen über das Notfallverfahren akzeptieren.  Telefonische Schnelltermine haben wir nicht für Patienten, nicht für Arzthelferinnen und auch nicht für Ärzte.

    Wir sollen nicht mehr minimal 20 Wochenstunden arbeiten, sondern mindestens 25 Wochenstunden. Es war vorher schon mehr, also gibt es keine Zusatzzeiten, die offene Sprechstunden werden könnten. Wenn wir mit Gewalt eine offene Sprechstunde anbieten müssen, kostet das 150 Rheumatiker den Behandlungsplatz. Das Spahn-Gesetz ist halt chronikerfeindlich, weil es Neupatienten bevorzugt. Man muss es nicht mitmachen. Man hat dann auch nicht weniger Geld, nur auch nicht mehr. Dafür kann man weiter in den Spiegel schauen und sagen: „Wir sind nicht käuflich.“

    Die nächste Unschärfe des Gesetzes ist, dass Orthopäden nicht wissen, ob sie die offene Sprechstunde anbieten müssen. Im Gesetz steht „wohnortnahe Fachärzte wie Augenärzte, HNO-Ärzte und Gynäkologen…“ Orthopäden sind nicht genannt. Und ob wir mit einem Einzugsbereich von Lüneburg bis Goslar nun wohnortnahe sind, das weiss auch nur der Minister Spahn. Aus Berliner Sicht ist das bestimmt ganz nahe.

    Das große Versprechen, das Kassenpatienten jetzt so schnell Termine erhalten wie Privatpatienten, war eine sozialneidische Nonsensdiskussion, wie ich sie nur von der AfD und der Linken kenne. Es gehen 2% aller Termine an Privatpatienten. Wem nutzt es, wenn diese anderweitig verteilt werden? Auch hier ändern wir nichts.

    Der einzige absehbare Effekt des Terminservice- und Versorgungsgesetz – TSVG ist, dass viele ältere, längst berentete und immer noch arbeitende Kollegen lieber aufgeben, als mit 70 ihre Arbeitszeit noch mal aufzustocken. Danke, Jens Spahn.

    Update 30.04.19: Wir müssen die offene Sprechstunde anbieten und haben daher erstens Annahmesperre für neue Rheumapatienten und zweitens wird Herr Dr. Sensse 150 Patienten ohne entzündliches Rheuma keine Angebote für Folgetermine mehr machen können, um die Kapazitäten für die offene Sprechstunde ab August frei zu bekommen.

    Und es gibt keine geplanten Termine 8.00 -9.00 Uhr mehr, weil die offene Sprechstunde sinnvollerweise morgens als erstes stattfindet, damit die Warteschlange nicht die Praxis blockiert.

    Update 9.7.19: Letztlich haben wir knapp 40 Patienten gefunden, für die fachlich und menschlich ein Beenden der Arzt-Patienten-Beziehungen wegen der wilden Ideen des Herrn Spahn möglich ist. Da andere dieselben Probleme mit der Umsetzung haben, setzen wir die Pläne für die offene Sprechstunde aus -> Projekt liegt auf Eis, bis uns jemand offiziell sagt, woher die Kapazitäten für die offene Sprechstunde kommen sollen. 

    Update 17.10.19: Es wird ernster. Wir sind jetzt aufgefordert, die Termine der offenen Sprechstunde zu veröffentlichen.

    1.  auf dem Praxisschild an der Eingangstür
    2. auf der Praxishomepage
    3. als Meldung an die Kassenärztliche Vereinigung, die sie dann „zum gegebenen Zeitpunkt“ veröffentlicht.

    Das heißt im Klartest: An irgendeinem nicht näher bezeichneten Tag werden die Daten veröffentlicht und die, die dann wütend vor der Tür stehen und den öffentlich ausgeschriebenen Soforttermin wollen, sagen uns das dann schon. Es klingt nicht nach einem vernünftigen Plan. Daher veröffentlichen wir aus Selbstschutzgründen nichts, bis wir wissen, wann etwas mit den Daten getan wird. Wir haben eine Stunde pro Tag ab 2.1.20 für die offene Sprechstunde reserviert. Deshalb hat Herr Dr. Sensse für alle Nichtrheumatiker keine Folgetermine. Das waren schon 120 unangenehme Gespräche und weitere 80 Konfrontationen folgen. Dafür werden die Patienten, die in der offenen Sprechstunde antreten und auf Folgetermine hoffen, enttäuscht. TSVG heisst in der Realität besser:

    TerminSuchendenVerarschungsGesetz.

    Update 5.12.19:

    Ab dem 1.1.20 haben wir eine offiziell ausgeschriebene offene Sprechstunde von 9-10 Uhr, die man im Internet, bei der KV und irgendwann bei Google nachlesen kann. Mit der Zeit haben wir um die 200 Patienten kein Angebot für einen Folgetermin machen können, um die benötigten Kapazitäten freizubekommen. Wir werden sehen, was es bringt.

     

     

  • Das Ende der Angst

    Normalerweise muss man als Arzt lebenslang Angst vor einer Regreßzahlung wegen Überziehung der Medikamentenkosten haben. Bisher hatten wir da mäßige Erfahrungen. 2003, 2004, 2005 und 2006 endeten jeweils mit einer Anerkennung der Wirtschaftlichkeit (=Freispruch) vor der Prüfungskommission. Es kostete nur jeden Sommer 4 Wochen a 5 Abende pro Wochen und alle Wochenenden, die benötigten Daten aufzubereiten. Allein das frustriert. Und es bleibt immer unklar, ob die Kosten nächstes Jahr wieder anerkannt werden.

    2013 war der Vorwurf der Krankenkassen 3,8 Mio €, die Prüfungskommission bescheinigte die Wirtschaftlichkeit Ende 2017. Aber die Krankenkassen gingen ins Widerspruchsverfahren. Am 20.12.18 war die Verhandlung vor der Prüfungsstelle Hannover.

    Ich fand die Terminwahl übel, weil ich darauf gefasst war, dass die Prüfungsstelle nach nichtöffentlicher Verhandlung ihre Entscheidung frühestens Anfang 2019 bekannt gibt. Ich wusste auch nicht, ob ich dort überhaupt einen Vortrag leisten soll. Kollegen, die dort standen, berichteten, dass eh nicht zugehört würde, auch keine Fragen gestellt würden und das das Urteil eh feststehe. Meine Erfahrung ist besser.

    Die 20 Minuten Vortragszeit habe ich ausgenutzt, um die Probleme um die fehlenden Budgets eines Rheumatologen zu erläutern. Es wurde genau zugehört. Es gab Fragen, sowohl zum Vortrag als auch zur Situation der Praxis. Unfreundlich, uninformiert oder unpersönlich war in der Widerspruchskommission niemand – im Gegenteil. Ich hatte die Wahl, dazubleiben und dass Ergebnis abzuwarten oder am Folgetag anzurufen.

    Ergebnisse: Zunächst wurde unserer Praxis die Wirtschaftlichkeit attestiert. Das war erhofft, eigentlich auch erwartet.

    Dann wurde der Praxis die Nichtvergleichbarkeit mit anderen Orthopädenpraxen und damit die Nichtprüfbarkeit attestiert. Im Klartext heißt das: Keine weiteren Prüfverfahren wegen Medikamentenkosten bis zur Rente. Das ist ein Geschenk, das viel Sicherheit bei der weiteren Verordnungen gibt.

    Und dann wurde mir auch noch vor versammelter Kommission erläutert, dass dieses Verfahren Anlass gibt, die derzeitige Prüfungspraxis zu überdenken. Wenn ich einen kleinen Beitrag dazu leisten konnte, dass Ärzte seltener Prüfungsverfahren erleiden müssen, dann bin ich stolz.

    Nachsatz: Besonders blieb mir im Gedächtnis, wie der Vorsitzende der Kommission erläutete: „Die schlaflosen Nächte, die Wut und die Angst vor den Konsequenzen der notwendigen Verordnungen und die viele Arbeit kann Ihnen niemand wieder gutmachen. Aber nehmen Sie es als Trost, dass Sie das nie wieder vor sich haben.“ Ja, nehme ich. Es ist ein Geschenk, das wir weitergeben können. Und genauso, wie Familie, Mitarbeiter und Patienten unter einen Regressverfahren mitleiden, sollen sie jetzt einen ruhigen ausgeglichenen Arzt, Chef und Vater erleben, der keine Angst mehr vor der Krankenkasse haben muß.

    3 Wermutstropfen: 1. Ungeklärt ist immer noch, ob es Regresse wegen der Kosten von Physiotherapie gibt. Auch hier sollten wir unvergleichlich sein.

    2. Die Kassen sticheln weiter mit Einzelfallprüfungen. Derzeit habe ich ein Prüfungsverfahren der Audi-BKK am Hals, die überprüfen lässt, ob man die Kosten von Duloxetin (Standard bei Fibromyalgie, dafür aber nicht zugelassen) von den Ärzten zurückholen kann. Es geht hier nicht um Millionen, es bedroht nicht. Aber es ist schlimm für die betroffenen Patienten, die einen gewohnten Wirkstoff nicht mehr legal erhalten.

    3. Unsere Anerkennung Rheumatologie als Praxisbesonderheit für 2019 ist noch nicht durch. Es ist schon seltsam, dass wir zwar 2019 zwar Rheumapatienten behandeln dürfen, aber noch nicht wissen, wie wir morgen abrechnen sollen. Eine Arztpraxis ist auch ein Wirtschaftsbetrieb, der Mitarbeiter bezahlt. Abrechnen dürfen wäre echt nett und der Fakt, dass man die Anerkennungen immer nur ein Jahr im Voraus bekommt, ist ein Unding.

    Gesundes Neues Jahr!