Durch die Presse und da Internet geistern derzeit viele Warnmeldungen und Verhaltensweisen, über die man für Rheumakranke mit und ohne Basistherapie einmal Stellung nehmen sollte.

1. Sind Rheumakranke jetzt durch Corona und Covid-19 gefährdet?

Gefährdet sind wir leider alle durch das Coronavirus.

Ein erhöhtes Risiko für Chroniker steht auch überall und ist logisch. Genauso denkbar ist allerdings, dass die verschiedenen Erkrankungen ein verschieden hohes Risiko eines schweren Verlaufes von Covid 19 haben. Höchstrisikopatienten sind Lungenkranke, Herzkranke und Chemotherapiepatienten. Für ein erhöhtes Risiko werden explizit Diabetiker und am Immunsystem erkrankte, also auch Rheumatiker genannt.

Leider bekommen Immungeschwächte Viruserkrankungen leichter. Bei der hohen Ansteckungsfähigkeit von Corona Sars-CoV-2 spielt das keine große Rolle, auch die Immungesunden stecken sich bei Kontakt an. All die Verhaltensmaßregeln für die Distanzierung der Menschen sind wichtig. Zwei Meter Abstand bringen viel mehr als Mundtuch – für Gesunde wie für Kranke. Wenn das weiterhin viele Menschen nicht begreifen oder nicht akzeptieren, werden Ausgangssperren in Deutschland nötig.

2. Sollte man die Basistherapie jetzt absetzen, um das Immunsystem zu stärken?

Hierzu gibt es keine offiziellen Informationen, denn niemand hat die Studien gemacht, mit denen man eine offizielle Verlautbarung begründen kann. Das Problem wurde unter Rheumatologen beim Update-Kongress in Wiesbaden 13/14.3.20 natürlich diskutiert. Die einhellige Meinung hier war:

  • Basistherapien besser belassen. Ein  gut kontrolliertes Immunsystem ist  besser als ein Rheumaschub oder ein instabiles Immunsystem.
  • Bei stabilen Patienten ohne Kortisonbedarf kann man Dosierungen reduzieren oder die Zwischenräume erhöhen – aber bitte in Absprache mit dem Arzt.
  • Was nicht passieren sollte, ist eine Therapiereduktion bei instabilen Patienten, denn Kortison in hohen Dosen ist für die Infektionsgefahr und den Verlauf einer eventuellen Infektion viel schlechter als jede Basistherapie.
  • Vorsichtig sind wir mir den sogenannten B-Zell-Therapien, weil sie die Merkfähigkeit des Immunsystemes und die Abwehr gegen bisher unbekannte Keime stören. Also verabreichen wir konkret derzeit kein Rituximab. Das betrifft wenige Patienten, die lange Infusionsintervalle im 6-12-monatigen Bereich haben und aufgeschoben werden können, bis Klarheit besteht.
3. Was kann ich tun?

Für jeden Einzelnen und die Gesellschaft ist es derzeit am Wichtigsten, dass die Infektionsketten verkürzt werden. Dazu sollte jeder einzelne möglichst wenig Kontaktpersonen haben. Das haben wir in den letzten Tagen oft gehört. Es ist richtig und es ist unsere einzige Chance, bis entweder eine Impfung funktioniert und akzeptiert ist oder sehr viele Menschen eigene Antikörper durch das Überstehen der Krankheit ausgebildet haben.

Neben Corona gibt es immer noch eine Grippesaison und ein Maserndauerproblem. Man kann sich also eine Meinung bilden, ob man wie knapp die Hälfte der Bevölkerung Influenza- oder Masernimpfung ablehnt. Bei Rheumatikern, Lungenkranken, Diabetikern und überhaupt allen über 60 war schon lange die Pneumokokkenimpfung empfohlen. Jetzt können wir sie noch – bis der Impfstoff alle ist – für Rheumakranke mit Lungenbefall anbieten.

Wir hoffen sehr, dass wir in Zukunft weniger wegen Schutzimpfungen diskutieren müssen. Ich möchte Impfgegner sehen, der jetzt eine Sars-Co-2-Impfung ablehnt, wenn sie nur bitte da wäre.

Natürlich kann und sollte man sich um Nachbarn und Menschen in Quarantäne kümmern. Und behandeln Sie die, die jetzt noch jeden Tag arbeiten und sich anhusten lassen müssen, freundlich – egal, ob es Polizisten, Kassiererinnen im Supermarkt oder die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitssystemes sind.

4. Was ist mit Ibuprofen?

Mittlerweile hat die WHO Entwarnung geben, an einem erhötne COVID-Risiko durch Ibuprofen war nichts dran. In diversen Medien wurde derzeit die Gefährlichkeit von Ibuprofen bei der Ausbildung eines schweren Verlaufes von SARS-Co-2-Infektionen diskutiert. Die Autoren der Studie, auf die sich das ganze bezieht, haben eine Möglichkeit eines Problems diskutiert. Die Universität Wien, die hier viel zitiert wurde, dementiert Studien in Wien. Die WHO riet von der Selbstmedikation mit Ibuprofen ab, bis das geklärt war. Ibuprofen in durchdachten Therapiesitiationen wurde nicht in Frage gestellt. Mehr als die WHO wir auch nicht.

5. Gibt es auch dumme Fragen?

Jawohl, Leider. Dreimal hatten wir innerhalb einer Woche die Frage, ob man vor einem Besuch eines Spieles im Fußballstadion sicherheitshalber alle Rheumamedimakente absetzen sollte. Es war mir zu dumm, die Frage zu beantworten. Der Staat hat es mit der Schließung der Stadien hinreichend beantwortet. Es tut mir im Nachgang sehr leid, dass ich nicht die Geduld hatte, die Frage einfach zu beantworten. Wir werden im Umgang mit Menschen, die die jetzt nötigen Maßnahmen nicht mittragen, noch viel Kraft und Geduld brauchen.

Bleiben Sie gesund!

Jörg Sensse

 

 

 

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